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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.1 Wirtschaftliche Bedeutung des Agrarsektors

Hohe wirtschaftliche Leistung der Landwirtschaft
Die Land-, Forstwirtschaft und Fischerei ist als Teil der Volkswirtschaft in Deutschland nach wie vor ein bedeutender Wirtschaftsbereich. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung macht heute (2015) zwar nur 0,6 Prozent und an den Erwerbstätigen rund 1,5 Prozent aus, doch ist die volkswirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft wesentlich größer. Die deutsche Land-, Forstwirtschaft und Fischerei erzielte 2015 einen Produktionswert von 52,0 Milliarden Euro. Das ist erheblich mehr als der Produktionswert des gesamten deutschen Textil-, Bekleidungs- und Schuhgewerbes mit 23,5 Milliarden Euro, des Papiergewerbes mit 37,5 Milliarden Euro oder der pharmazeutischen Industrie mit 46,0 Milliarden Euro.
 
Einkäufe der Landwirtschaft stützen die übrige Wirtschaft
Landwirte fragen viele Betriebsmittel, Investitionsgüter und Dienstleistungen nach. Es sind vor allem kleinere und mittlere Betriebe aus Handel, Handwerk und Gewerbe, die wirtschaftlich stark mit der Landwirtschaft verbunden sind. Viele Höfe nutzen darüber hinaus eine breite Palette von Dienstleistungen. Diese reichen von der Beratung in betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und produktionstechnischen Fragen, über Wartungsarbeiten bis hin zur Tiergesundheits- und Qualitätsüberwachung. Die produktionsbedingten Ausgaben der deutschen Landwirtschaft betrugen im Jahr 2015 44,1 Milliarden Euro, wovon 9,5 Milliarden Euro auf Investitionen in Bauten und Maschinen entfallen. Zu den betriebsbedingten Ausgaben kommen u. a. die privaten Konsumausgaben der Land- und Forstwirte, die sich 2015 auf 8,3 Milliarden Euro beliefen.
 
Volkswirtschaftliche Eckdaten des Sektors Land-, Forstwirtschaft und Fischerei (2015)
  • Produktionswert: 52,0 Milliarden Euro (-8,8 Prozent gegenüber 2014)
  • Bruttowertschöpfung: 17,4 Milliarden Euro (-15,1 Prozent gegenüber 2014)
  • Erwerbstätige: 637.000 Personen (-1,8 Prozent gegenüber 2014)
  • Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen: 27.200 Euro (-13,5 Prozent gegenüber 2014)
Quelle: Statistisches Bundesamt 
 
Jeder 9. Arbeitsplatz steht mit dem Agribusiness in Verbindung
Das Agribusiness umfasst die gesamte Lebensmittelkette und damit alle Schritte von der Urproduktion bis zum Verbraucher: Die Landwirtschaft gewinnt mit Produktionsmitteln aus den vorgelagerten Wirtschaftsbereichen die pflanzlichen und tierischen Rohstoffe, die vom Ernährungsgewerbe, also dem Handwerk und der Industrie, weiterverarbeitet werden. Hinzu kommen der Lebensmittelgroß- und -einzelhandel sowie die Gastronomie.
 
Das Agribusiness ist einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige 
Das Agribusiness hatte in 2015 in rund 750.000 Betrieben insgesamt 4,6 Millionen Beschäftigte. Damit sind rund 11 Prozent aller Erwerbstätigen direkt oder indirekt damit beschäftigt, Menschen mit Essen und Trinken zu versorgen bzw. pflanzliche Rohstoffe für Nicht-Nahrungsmittelzwecke zu erzeugen. Ein Großteil dieser Arbeitsplätze – vor allem in Landwirtschaft, Gastronomie, Handwerk und Einzelhandel – ist im ländlichen Raum angesiedelt. Mit zahlreichen attraktiven Ausbildungsberufen und -plätzen stellt das Agribusiness jeden 10. Ausbildungsplatz in Deutschland. So starten jedes Jahr rund 270.000 junge Menschen im Agribusiness in ihr Berufsleben.
 
Landwirtschaft als Schlüsselbranche für die Wirtschaft
Der Erwerbstätigenanteil der Landwirtschaft am gesamten Agribusiness beträgt knapp 14 Prozent. Das heißt: Einem landwirtschaftlichen Arbeitsplatz stehen sieben weitere Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen gegenüber. Das gesamte Agribusiness erbrachte 2015 einen Produktionswert von geschätzten 445 Milliarden Euro oder gut 8 Prozent des gesamtwirtschaftlichen Produktionswertes. Gemessen an der volkswirtschaftlichen Bruttowertschöpfung beträgt der Anteil des Agribusiness gut 6 Prozent.
 
Landwirtschaftlicher Erwerbstätigenanteil bei 1,5 Prozent 
In Deutschland übten im Jahr 2015 637.000 Personen oder 1,5 Prozent aller Erwerbstätigen ihre überwiegende Erwerbstätigkeit in der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei aus. 45 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft sind als eigenständige Unternehmer tätig. Ihr Anteil an den Selbständigen in Deutschland beläuft sich auf 6,6 Prozent. Gemessen am gesamten Arbeitsvolumen der deutschen Wirtschaft beträgt der Anteil der Landund Forstwirtschaft 1,8 Prozent.
 
Selbständige arbeiten länger 
Ein Erwerbstätiger in Deutschland arbeitete im Jahr 2015 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Durchschnitt 1.368 Stunden. Überdurchschnittlich hoch fällt die Stundenzahl in der Land- und Forstwirtschaft mit 1.628 Stunden aus. Grund dafür ist vor allem der mit 45 Prozent hohe Anteil der Selbständigen in der Land- und Forstwirtschaft. Mit 2.003 Stunden liegen die Arbeitszeiten von Selbständigen in der Land- und Forstwirtschaft nahezu gleich hoch wie bei den Selbständigen in der übrigen Wirtschaft mit 1.958 Stunden. Der Einsatz moderner Technik hat maßgebend dazu beitragen, dass körperliche Arbeit und Arbeitszeiten in der Landwirtschaft deutlich zurückgegangen sind. Der Umgang mit Natur, Umwelt und Tieren erfordert allerdings eine relativ hohe zeitliche Flexibilität.
 
Arbeitsproduktivität der Landwirtschaft relativ stark gestiegen 
Gemessen an der Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen hat der Agrarsektor in Deutschland seine Produktivität in den letzten 20 Jahren stark gesteigert (+72 Prozent). Zum Vergleich: Im Durchschnitt der deutschen Wirtschaft stieg die Produktivität um 42 Prozent. In absoluten Zahlen bleibt jedoch ein Abstand zu anderen Wirtschaftsbereichen.
 
Moderne Landtechnik aus Deutschland stark gefragt 
Die Landtechnik-Industrie ist ein wichtiger Vorlieferant der Landwirtschaft. In der Branche sind über 200 Unternehmen mit rund 31.500 Beschäftigten tätig. 2015 wurde in Deutschland Landtechnik im Wert von 5,4 Mrd. Euro verkauft. Schwerpunkte der Produktion in den deutschen Fabriken sind Traktoren (2015: 3,4 Mrd. Euro) und Erntemaschinen (2,0 Mrd. Euro). Ein Fokus der gegenwärtigen technologischen Entwicklung liegt auf der Vernetzung von Arbeitsprozessen mittels elektronischer Steuerung und dem Einsatz von Datenmanagementsystemen. Nach einer dynamischen dreijährigen Wachstumsphase, die 2013 in einem Rekordumsatz von 8,4 Milliarden Euro gipfelte, hat die deutsche Landtechnik-Industrie rückläufige Umsätze zu verzeichnen. So sank das Umsatzvolumen der Branche 2015 um gut 4 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro. Für 2016 wird mit einem Umsatz von 6,9 Milliarden Euro gerechnet. Das Exportgeschäft macht im Branchendurchschnitt rund 72 Prozent der Umsätze aus.
 
Umsätze von Landtechnik-Handwerk und -Handel leicht rückläufig
Die rund 5.600 in den Handwerksrollen eingetragenen Landmaschinen- Fachbetriebe machten mit ihren knapp 44.000 Mitarbeitern 2015 einen Umsatz von rund 9,1 Milliarden Euro: Nach vier Jahren mit positiver Entwicklung war dies ein Umsatzminus von 2 Prozent. Für 2016 rechnet der Bundesverband LandBauTechnik für das Landtechnik- Handwerk und den Landtechnik- Handel mit einem Umsatzrückgang in ähnlicher Größenordnung.
 
Lohnunternehmen und Maschinenringe senken die Technikkosten
 
Lohnunternehmen sind landtechnische Dienstleister der Landwirte. 3.400 Lohnunternehmer mit 18.500 fest angestellten Mitarbeitern und gut 15.000 saisonalen Aushilfen erzielten 2015 einen Umsatz von etwa 3,5 Milliarden Euro, davon 2,3 Milliarden Euro im Einsatz für Landund Forstwirte. Die Aufgaben werden anspruchsvoller, zum Beispiel im Bereich Biogasanlagen, bei der Gülleausbringung, in der Komplettbewirtschaftung, aber auch in der Bodenbearbeitung oder Düngung mit Spezialtechnik. Die von Landwirten gegründeten 248 Maschinenringe mit 192.000 landwirtschaftlichen Mitgliedsbetrieben erwirtschafteten 2015 mit ihren rund 2.500 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 1,1 Milliarden Euro. Mit dem Ziel, vorhandene Maschinen besser auszulasten und zusätzliche Erwerbsquellen zu erschließen, haben sich die Maschinenringe in vielen Regionen zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt.
 
Landwirtschaft und ländliche Räume sind untrennbar miteinander verbunden 
Etwa 90 Prozent der Fläche Deutschlands zählen zu den ländlichen Räumen. Mehr als die Hälfte der Einwohner Deutschlands lebt in Dörfern, Gemeinden und Städten auf dem Land. Ländliche Räume sind Lebensraum und Wirtschaftsstandort. Sie umfassen land- und forstwirtschaftliche Nutzräume ebenso wie Natur- und Erholungsräume.
 
Umfrage: Auf dem Land werden Traditionen gelebt 
Familienleben statt Single-Dasein, nachbarschaftliches Miteinander statt anonymes Nebeneinander: Auf dem Land haben diese traditionellen Werte eine große Wertschätzung. Dieser Meinung sind 73 Prozent der vom Medienforschungsinstitut TNS Infratest in 2014 befragten Bewohner ländlicher Regionen. Im Vergleich: Nur 45 Prozent der Städter denken, dass traditionelle Werte ihr urbanes Umfeld besonders prägen. 69 Prozent der Deutschen schätzen laut einer Emnid Umfrage von Ende 2014 ländliche Regionen für ihre hohe Lebensqualität. Noch häufiger werden die Regionen abseits der Städte als ideale Erholungsorte angesehen: 85 Prozent der Befragten denken beim Thema „Ländliche Regionen“ an Erholung und Freizeit.
 
Regionen im Wettbewerb 
 
Viele Gebiete stehen angesichts der demografischen Entwicklung, der Abwanderung vor allem junger Menschen vor der Aufgabe, eine selbsttragende wirtschaftliche Entwicklung und eine ausreichende Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Die regionale Anbindung an Verkehrsinfrastrukturen ist weiter von hoher Bedeutung. Auch für die landwirtschaftlichen Betriebe wird es vor allem in Regionen mit rückläufigem Arbeitskräftepotential schwieriger, Berufsnachwuchs zu finden.
 
Feld und Wald sind auch wertvoll für Freizeit und Tourismus 
Auf der Skala der Erholungsaktivitäten rangieren die landschaftsbezogenen Freizeitaktivitäten vorn, wie Spazierengehen, Spielen im Freien, Wandern und Radfahren. Die Landund Forstwirtschaft erhält und pflegt 29,6 Millionen Hektar Acker, Wiesen und Wald. Das sind 82 Prozent der Fläche. Deutschland ist damit als Kulturlandschaft geprägt.
 
Landtourismus liegt im Trend 
Sechs von zehn Deutschen verbringen ihren Urlaub im eigenen Land – jeder Vierte verreist innerhalb seiner Region, in der er lebt. Die Urlauber schätzen die Nähe zur Natur, die Schönheit der Kulturlandschaft und die Preiswürdigkeit ihres Heimatlandes. Der Urlaub auf dem Bauernhof und der Urlaub auf dem Land erfreut sich einer großen Beliebtheit. Circa 4,5 Millionen Gäste jährlich suchen das Erleben von intakter Natur und Ruhe, die persönliche Betreuung der Gastgeber und authentische Einblicke in die Landwirtschaft. Die Anbieter von Bauernhofurlaub vermelden seit Jahren steigende Übernachtungszahlen. Die größten Wachstumsraten verzeichnen die Ostersaison und die Kurzurlaube in der Zwischensaison. Für rund 10.000 landwirtschaftliche Betriebe ist Urlaub auf dem Bauernhof ein bedeutendes wirtschaftliches Standbein. 92 Prozent der Ferienhöfe, die in der Bundesarbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof und Landtourismus in Deutschland organisiert sind, geben an, mit der wirtschaftlichen Entwicklung des touristischen Betriebszweiges in den letzten 5 Jahren sehr zufrieden oder zufrieden zu sein.
 
Landwirtschaft genießt hohes Ansehen 
Nach einer im Herbst 2015 durchgeführten repräsentativen Umfrage von GfK Compact unter 2.000 Bundesbürgern gehören Landwirte/ Bauern zu den Berufsgruppen mit dem höchsten Vertrauen. 78 Prozent der Bevölkerung geben an, dieser Berufsgruppe voll und ganz oder überwiegend zu vertrauen. Zwei Jahre zuvor lag dieser Anteil sogar bei 81 Prozent. Berufsgruppen mit dem größten Vertrauen sind Feuerwehr und Berufe aus dem Gesundheitsbereich.
 
Landwirtschaft wird wertgeschätzt
Zwei von drei Bundesbürgern haben ein positives Bild von der deutschen Landwirtschaft. Vier von fünf (79 Prozent) halten das Bildungsniveau deutscher Landwirte für hoch, mehr als jeder zweite (55 Prozent) sieht sie als innovationsfreudig und glaubt an ihre Fortschrittlichkeit (62 Prozent). Allerdings geben 72 Prozent der Befragten an, eher wenig bis gar nichts über die moderne Landwirtschaft zu wissen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid aus Juni 2016.
 
Moderne Landwirtschaft und veränderte gesellschaftliche Erwartungen 
Die wichtigste Anforderung an die moderne Landwirtschaft ist nach der Emnid-Umfrage in 2016 das Tierwohl (82 Prozent), gefolgt von guten Lebensmitteln (78 Prozent) und Umweltschutz (77 Prozent) sowie Nachhaltigkeit (73 Prozent). Erst am Ende der Rangliste findet sich hingegen die Produktion von Lebensmitteln zu stabilen Preisen.