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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.1 Wirtschaftliche Bedeutung des Agrarsektors

Hohe wirtschaftliche Leistung der Landwirtschaft
Die Land-, Forstwirtschaft und Fischerei ist als Teil der Volkswirtschaft in Deutschland nach wie vor ein bedeutender Wirtschaftsbereich. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung macht heute (2016) zwar nur 0,6 Prozent und an den Erwerbstätigen rund 1,4 Prozent aus, doch ist die volkswirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft wesentlich größer. Die deutsche Land-, Forstwirtschaft und Fischerei erzielte 2016 einen Produktionswert von 51,1 Milliarden Euro. Das ist erheblich mehr als der Produktionswert des gesamten deutschen Textil-, Bekleidungs- und Schuhgewerbes mit 22,4 Milliarden Euro, des Papiergewerbes mit 37,9 Milliarden Euro oder der pharmazeutischen Industrie mit 46,2 Milliarden Euro.
 
Einkäufe der Landwirtschaft stützen die übrige Wirtschaft
Landwirte fragen viele Betriebsmittel, Investitionsgüter und Dienstleistungen nach. Es sind vor allem kleinere und mittlere Betriebe aus Handel, Handwerk und Gewerbe, die wirtschaftlich stark mit der Landwirtschaft verbunden sind. Viele Höfe nutzen darüber hinaus eine breite Palette von Dienstleistungen. Diese reichen von der Beratung über Wartungsarbeiten bis hin zur Tiergesundheits- und Qualitätsüberwachung. Die produktionsbedingten Ausgaben der deutschen Landwirtschaft betrugen im Jahr 2016 43,2 Milliarden Euro, wovon 9,4 Milliarden Euro auf Investitionen in Bauten und Maschinen entfallen. Zu den betriebsbedingten Ausgaben kommen u. a. die privaten Konsumausgaben der Land- und Forstwirte hinzu, die sich 2016 auf 8,4 Milliarden Euro beliefen.
 
Volkswirtschaftliche Eckdaten des Sektors Land-, Forstwirtschaft und Fischerei (2016)
  • Produktionswert: 51,2 Milliarden Euro (-0,5 Prozent gegenüber 2015)
  • Bruttowertschöpfung: 17,4 Milliarden Euro (+2,9 Prozent gegenüber 2015)
  • Erwerbstätige: 619.000 Personen (-2,8 Prozent gegenüber 2015)
  • Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen: 28.100 Euro (+5,9 Prozent gegenüber 2015)
Quelle: Statistisches Bundesamt 
 
Jeder 9. Arbeitsplatz steht mit dem Agribusiness in Verbindung
Das Agribusiness umfasst die gesamte Lebensmittelkette und damit alle Schritte von der Urproduktion bis zum Verbraucher: Die Landwirtschaft gewinnt mit Produktionsmitteln aus den vorgelagerten Wirtschaftsbereichen die pflanzlichen und tierischen Rohstoffe, die vom Ernährungsgewerbe, also dem Handwerk und der Industrie, weiterverarbeitet werden. Hinzu kommen der Lebensmittelgroß- und -einzelhandel sowie die Gastronomie.
 
Das Agribusiness ist einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige 
Das Agribusiness hatte in 2016 in rund 750.000 Betrieben insgesamt 4,6 Millionen Beschäftigte. Damit sind rund 11 Prozent aller Erwerbstätigen direkt oder indirekt damit beschäftigt, Menschen mit Essen und Trinken zu versorgen bzw. pflanzliche Rohstoffe für Nicht-Nahrungsmittelzwecke zu erzeugen. Ein Großteil dieser Arbeitsplätze – vor allem in Landwirtschaft, Gastronomie, Handwerk und Einzelhandel – ist im ländlichen Raum angesiedelt. Mit zahlreichen attraktiven Ausbildungsberufen und -plätzen stellt das Agribusiness jeden 10. Ausbildungsplatz in Deutschland. So starten jedes Jahr rund 150.000 junge Menschen im Agribusiness in ihr Berufsleben.
 
Landwirtschaft als Schlüsselbranche für die Wirtschaft
Der Erwerbstätigenanteil der Landwirtschaft am gesamten Agribusiness beträgt knapp 13 Prozent. Das heißt: Einem landwirtschaftlichen Arbeitsplatz stehen knapp acht weitere Arbeitsplätze in den vorund nachgelagerten Wirtschaftsbereichen gegenüber. Das gesamte Agribusiness erbrachte 2016 einen Produktionswert von geschätzten 445 Milliarden Euro oder 8 Prozent des gesamtwirtschaftlichen Produktionswertes. Gemessen an der volkswirtschaftlichen Bruttowertschöpfung beträgt der Anteil des Agribusiness gut 6 Prozent.
 
Landwirtschaftlicher Erwerbstätigenanteil bei 1,4 Prozent
In Deutschland übten im Jahr 2016 619.000 Personen oder 1,4 Prozent aller Erwerbstätigen ihre überwiegende Erwerbstätigkeit in der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei aus. 44 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft sind als eigenständige Unternehmer tätig. Ihr Anteil an den Selbständigen in Deutschland beläuft sich auf 6,2 Prozent. Gemessen am gesamten Arbeitsvolumen der deutschen Wirtschaft beträgt der Anteil der Landund Forstwirtschaft 1,7 Prozent.
 
Selbständige arbeiten länger 
Ein Erwerbstätiger in Deutschland arbeitete im Jahr 2016 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Durchschnitt 1.359 Stunden. Überdurchschnittlich hoch fällt die Stundenzahl in der Land- und Forstwirtschaft mit 1.636 Stunden aus. Grund dafür ist vor allem der mit 44 Prozent hohe Anteil der Selbständigen in der Land- und Forstwirtschaft. Mit 2.067 Stunden liegen die Arbeitszeiten von Selbständigen in der Land- und Forstwirtschaft etwas höher als bei den Selbständigen in der übrigen Wirtschaft mit 1.951 Stunden. Der Einsatz moderner Technik hat maßgebend dazu beitragen, dass körperliche Arbeit und Arbeitszeiten in der Landwirtschaft deutlich zurückgegangen sind. Der Umgang mit Natur, Umwelt und Tieren erfordert allerdings eine relativ hohe zeitliche Flexibilität.
 
Arbeitsproduktivität der Landwirtschaft relativ stark gestiegen 
Gemessen an der Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen hat der Agrarsektor in Deutschland seine Produktivität in den letzten 20 Jahren stark gesteigert (+ 61 Prozent). Zum Vergleich: Im Durchschnitt der deutschen Wirtschaft stieg die Produktivität um 43 Prozent. In absoluten Zahlen bleibt jedoch ein Abstand zu anderen Wirtschaftsbereichen.
 
Moderne Landtechnik aus Deutschland stark gefragt 
Die Landtechnik-Industrie ist ein wichtiger Vorlieferant der Landwirtschaft. In der Branche sind über 200 Unternehmen mit rund 31.500 Beschäftigten tätig. 2016 wurde in Deutschland Landtechnik im Wert von 5,1 Milliarden Euro verkauft. Ein Fokus der gegenwärtigen technologischen Entwicklung liegt auf der Vernetzung von Arbeitsprozessen mittels elektronischer Steuerung und dem Einsatz von Datenmanagementsystemen. Für 2017 wird mit einem Umsatz von 7,6 Milliarden Euro gerechnet; das wären 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Exportgeschäft macht im Branchendurchschnitt rund 74 Prozent der Umsätze aus. Im bisherigen Rekordjahr 2013 betrug der Umsatz der deutschen Landtechnik-Industrie 8,4 Milliarden Euro.
 
Umsätze von Landtechnik- Handwerk und -Handel wieder leicht ansteigend
Die rund 5.600 in den Handwerksrollen eingetragenen Landmaschinen- Fachbetriebe machten mit ihren knapp 44.000 Mitarbeitern 2016 einen Umsatz von rund 8,7 Milliarden Euro. Das war gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 5 Prozent. Seit Anfang 2017 ziehen insbesondere die Umsätze im Neumaschinenbereich wieder an. Für 2017 rechnet der Bundesverband LandBauTechnik für das Landtechnik-Handwerk und den Landtechnik-Handel mit leicht über dem Vorjahresniveau liegenden Umsätzen.
 
Lohnunternehmen und Maschinenringe senken die Technikkosten
 
Lohnunternehmen sind landtechnische Dienstleister der Landwirte. 3.400 Lohnunternehmer mit 18.500 fest angestellten Mitarbeitern und gut 15.000 saisonalen Aushilfen erzielten 2016 einen Umsatz von etwa 3,5 Milliarden Euro, davon 2,3 Milliarden Euro im Einsatz für Land- und Forstwirte. Für 2017 wird eine Umsatzsteigerung auf 3,6 bzw. 2,4 Milliarden Euro erwartet. Die Aufgaben werden anspruchsvoller, zum Beispiel im Bereich Biogasanlagen, bei der Gülleausbringung, in der Komplettbewirtschaftung, aber auch in der Bodenbearbeitung oder Düngung mit Spezialtechnik. Die von Landwirten gegründeten 245 Maschinenringe mit 191.400 landwirtschaftlichen Mitgliedsbetrieben erwirtschafteten 2016 mit ihren rund 3.300 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 1,1 Milliarden Euro. Mit dem Ziel, Maschinen besser auszulasten und zusätzliche Erwerbsquellen zu erschließen, haben sich die Maschinenringe in vielen Regionen zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt.
 
Landwirtschaft und ländliche Räume sind untrennbar miteinander verbunden
Etwa 91 Prozent der Fläche Deutschlands zählen zu den ländlichen Räumen. Rund 57 Prozent der Einwohner Deutschlands leben in Dörfern, Gemeinden und Städten auf dem Land. Ländliche Räume sind Lebensraum und Wirtschaftsstandort. Sie umfassen land- und forstwirtschaftliche Nutzräume ebenso wie Natur- und Erholungsräume.
 
Umfrage: Auf dem Land werden Traditionen gelebt 
Familienleben statt Single-Dasein, nachbarschaftliches Miteinander statt anonymes Nebeneinander: Auf dem Land schätzen 73 Prozent der vom Medienforschungsinstitut TNS Infratest in 2014 befragten Bewohner diese traditionellen Werte. Im Vergleich: Nur 45 Prozent der Städter denken, dass traditionelle Werte ihr urbanes Umfeld besonders prägen. 69 Prozent der Deutschen schätzen laut dieser Emnid Umfrage in 2014 ländliche Regionen für ihre hohe Lebensqualität. Noch häufiger werden die Regionen abseits der Städte als ideale Erholungsorte angesehen: 85 Prozent der Befragten denken beim Thema „Ländliche Regionen“ an Erholung und Freizeit.
 
Regionen im Wettbewerb 
 
Viele Gebiete stehen angesichts der demografischen Entwicklung, der Abwanderung vor allem junger Menschen vor der Aufgabe, eine selbsttragende wirtschaftliche Entwicklung und eine ausreichende Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Die Attraktivität ländlicher Räume als Arbeits-, Wohn- und Freizeiträume wird zunehmend von der Verfügbarkeit schnellen Internets und der regionalen Anbindung an Verkehrsinfrastrukturen geprägt. Das erleben auch landwirtschaftliche Betriebe, für die es besonders in Regionen mit rückläufigem Arbeitskräftepotential schwieriger wird, Berufsnachwuchs zu finden.
 
Feld und Wald sind auch wertvoll für Freizeit und Tourismus
Auf der Skala der Erholungsaktivitäten rangieren die landschaftsbezogenen Freizeitaktivitäten vorn, wie Spazierengehen, Spielen im Freien, Wandern und Radfahren. Die Landund Forstwirtschaft erhält und pflegt 28,9 Millionen Hektar Acker, Wiesen und Wald. Das sind 81 Prozent der Fläche. Deutschland ist damit als Kulturlandschaft geprägt.
 
Landtourismus erfreut sich großer Beliebtheit
Sechs von zehn Deutschen verbringen ihren Urlaub im eigenen Land – jeder Vierte verreist innerhalb seiner Region, in der er lebt. Die Urlauber schätzen die Nähe zur Natur, die Schönheit der Kulturlandschaft und die Preiswürdigkeit ihres Heimatlandes. Der Urlaub auf dem Bauernhof und der Urlaub auf dem Land erfreut sich einer großen Beliebtheit. 9.900 landwirtschaftliche Betriebe verzeichnen mit schätzungsweise 138.000 Betten jährlich rund 15,4 Millionen Übernachtungen. Hinzu kommen ca. 17.000 Schlafgelegenheiten im Campingbereich (600.000 Übernachtungen) und 3.000 Schlafmöglichkeiten in Heuherbergen (75.000 Übernachtungen). Jeder zweite Anbieter von Agrotourismus erwirtschaftet mehr als ein Viertel seines Gesamtumsatzes aus der Beherbergung, jeder Vierte sogar mehr als die Hälfte. Die Gäste von Urlaub auf dem Bauernhof schätzen das Erleben von intakter Natur und Ruhe, die persönliche Betreuung der Gastgeber und authentische Einblicke in die Landwirtschaft. Etwa 4,5 Millionen Menschen machen jedes Jahr in Deutschland Urlaub auf dem Bauernhof und geben dafür knapp 900 Millionen Euro aus.
 
Beruf Landwirt genießt hohes Ansehen
Für fast jeden zweiten Bundesbürger zählt der Landwirtsberuf nach einer Emnid-Untersuchung aus März 2017 zu denjenigen Berufen, die „auch in Zukunft für die Gesellschaft besonders wichtig“ sind. Während sich die Landwirte 2012 noch mit dem dritten Rang zufriedengeben mussten, finden sie sich damit inzwischen auf dem zweiten Rang wieder – nur Ärzte werden noch häufiger als wichtig erachtet.
 
Landwirtschaft wird wertgeschätzt
Die Wertschätzung der Landwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren weiter erhöht. Nach der Emnid-Untersuchung aus März 2017 sehen 87 Prozent der Bundesbürger in einer funktionsfähigen Landwirtschaft einen wesentlichen Bestandteil für die Lebensqualität und Lebensfähigkeit des Landes. Bei der letzten Emnid-Untersuchung von 2012 lag dieser Wert bei 78 Prozent. Für mehr als vier Fünftel der Befragten ist „das bäuerliche Leben“ ein wichtiger Bestandteil der deutschen Kultur. Hier gab es innerhalb der letzten fünf Jahre ein Plus von 9 Prozentpunkten. Zu gut zwei Drittel stimmen die Deutschen der Aussage zu, dass die heimische Landwirtschaft die Versorgung mit Nahrungsmitteln sichert.
 
Image der Landwirtschaft und der Bauern differieren
Rund 79 Prozent der Bevölkerung haben laut der Emnid-Erhebung aus März 2017 ein positives Bild von den Bäuerinnen und Bauern. In ländlichen Regionen liegt dieser Anteil höher (85 Prozent) als in den Städten. Deutlich geringer fällt hingegen die Zustimmung zur „modernen Landwirtschaft“ aus, die von 61 Prozent der Befragten positiv bewertet wird. Das Bild der Bäuerinnen und Bauern in der Bevölkerung ist somit positiver als das der Landwirtschaft im Allgemeinen.
 
Landwirtschaft und hohe gesellschaftliche Erwartungen
Im Soll-Ist-Vergleich fällt das Urteil der Bürger häufig auseinander. Die Erwartungen sind hoch. Allerdings sind die Defizite gegenüber der Emnid- Erhebung aus 2012 in fast allen Bereichen deutlich kleiner geworden. Ausnahme ist der „verantwortungsvolle Umgang mit Tieren“. Hier ist die Diskrepanz zwischen Soll und Ist nicht nur am größten, sondern im Zeitvergleich sogar gewachsen.