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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.2 Jahrhundertvergleich

Vor hundert Jahren war Deutschland noch Agrarstaat
Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts lag der Anteil der in der Landwirtschaft Erwerbstätigen bei 38 Prozent. Mit zunehmender Industrialisierung und mit der Entwicklung des Dienstleistungssektors sank der landwirtschaftliche Erwerbstätigenanteil fast kontinuierlich und betrug Anfang der 50er Jahre 24 Prozent und im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts nur noch knapp 2 Prozent.


In den letzten 100 Jahren wurden enorme Produktivitätssteigerungen erzielt
Immer mehr Menschen werden von einem Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche ernährt. Der Hektarertrag für Weizen zum Beispiel lag vor gut 100 Jahren bei 18,5 Dezitonnen. Heute (Durchschnitt 2006 bis 2011) liegt der Hektarertrag mit 73,9 Dezitonnen  viermal so hoch.
 


Ein Landwirt ernährt heute 131
Ein Landwirt erzeugte 1900 Nahrungsmittel in einem Umfang, um etwa 4 Personen ernähren zu können. 1950 ernährte ein Landwirt 10 und 2010 sogar 131 Personen (ohne Erzeugung aus Auslandsfuttermitteln). Trotz dieser starken Produktivitätssteigerung blieb Deutschland stets ein Nettoimportland an Agrar- und Ernährungsgütern. 1900 lag der Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln bei 87 Prozent. Am Anfang des 21. Jahrhunderts (2010/11) liegt der deutsche Selbstversorgungsgrad bei etwa 85 Prozent, bei starken jährlichen Schwankungen.


Technischer Fortschritt ist Ursache für die enorme Produktivitätssteigerung
Die enorme Erzeugungssteigerung hat ihre Ursachen im Einsatz von arbeitssparenden hocheffizienten Produktionsmitteln und in der Mechanisierung der Landwirtschaft. Anstelle von Zugtieren kamen motorisierte Maschinen zum Einsatz. Heute bestimmen immer mehr Informations- und Kommunikationstechniken den Technikeinsatz in der Landwirtschaft. Präzisionslandwirtschaft, computergesteuerte Fütterung, integrierte Nahrungsmittelketten und Melkroboter sind Stichworte für die moderne Landwirtschaft von heute.
 


Immer weniger Landwirte erzeugen immer mehr
1900 gab es im damaligen Reichsgebiet noch über 5,6 Mio. Betriebe mit gut 26 Mio. Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche und 20 Mio. Großvieheinheiten an Nutztieren. In dem heutigen Deutschland sind es 287.000 Betriebe, die knapp 16,7 Mio. Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche bearbeiten und pflegen und in der Tierhaltung 12,5 Mio. Rinder, 27,7 Mio. Schweine und 129 Mio. Stück Geflügel halten. Ihre Gesamterzeugung liegt gegenüber dem weitaus flächengrößeren Deutschland in den Grenzen von 1900 um fast das 3fache höher.


Leistungen enorm gestiegen
Brot und Brötchen gehören zu den Grundnahrungsmitteln in Deutschland, knapp 85 Kilogramm werden pro Kopf und Jahr verzehrt. Damit ist Deutschland in der Europäischen Union Spitzenreiter. Dank der erheblichen Ertragssteigerungen durch Züchtung und Anbautechnik „wachsen“ heute auf einem Hektar Weizen mit rund 75 Doppelzentner  Ertrag etwa 9.500 Mischbrote à 1 Kilogramm. Das Mehl von 800 Gramm Weizen reicht zum Backen von einem Kilogramm Brot. In einem solchen Brot ist das Mehl von 16.000 Körnern verarbeitet worden. Zur Ernte dieser Körnermenge hat der Landwirt im Herbst rund 400 Körner je Quadratmeter ausgesät. Das 40-fache kann er dann im Sommer nach genügend Regen und Sonne und ackerbaulicher Pflege ernten.


Nur noch jeder siebte Euro für Nahrungs- und Genussmittel
Im langfristigen Vergleich zeigt sich eine enorme Steigerung des Wohlstandes der Verbraucher. Vor 100 Jahren betrug der Anteil der Ausgaben für Nahrungs- und Genussmittel am gesamten Konsum noch etwa 50 Prozent; heute beträgt dieser Anteil nur 14,7 Prozent (ohne Genussmittel 11,5 Prozent). Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich Qualität und Verarbeitung der Nahrungsmittel enorm verbessert haben.
 
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Herausgegeben vom Deutschen Bauernverband mit Unterstützung von: