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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.2 Jahrhundertvergleich

Vor hundert Jahren war Deutschland noch Agrarstaat
Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts lag der Anteil der in der Landwirtschaft Erwerbstätigen bei 38 Prozent. Mit zunehmender Industrialisierung und mit der Entwicklung des Dienstleistungssektors sank der landwirtschaftli-che Erwerbstätigenanteil fast kontinuierlich. Dieser betrug Anfang der 50er Jahre 24 Prozent und im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts nur noch knapp 2 Prozent.

In den letzten 100 Jahren wurden enorme Produktivitätssteigerungen erzielt
Immer mehr Menschen werden von einem Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche ernährt. Der Hektarertrag für Weizen zum Beispiel lag vor gut 100 Jahren bei 18,5 Dezitonnen. Heute (Durchschnitt 2009 bis 2014) liegt der Hektarertrag mit 76,6 Dezitonnen mehr als viermal so hoch.

Ein Landwirt ernährt heute 145 Personen
Ein Landwirt erzeugte 1900 Nahrungsmittel in einem Umfang, um etwa 4 Personen ernähren zu können. 1950 ernährte ein Landwirt 10 und 2013/14 sogar 145 Personen (ohne Erzeugung aus Auslandsfuttermitteln). Trotz dieser starken Produktivitätssteigerung blieb Deutschland stets ein Nettoimportland an Agrar- und Ernährungs-gütern. 1900 lag der Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln bei 87 Prozent. Am Anfang des 21. Jahrhun-derts (2013/14) liegt der deutsche Selbstversorgungsgrad bei etwa 92 Prozent, bei starken jährlichen Schwan-kungen. Angesichts der Arbeitsteilung in einer globalisierten Wirtschaft und der vom Verbraucher gewünschten Vielfalt ist der Selbstversorgungsgrad allerdings kaum noch von gesellschaftspolitischer Relevanz.
 
Fortschritt als Ursache für enorme Produktivitätssteigerung
Die enorme Erzeugungssteigerung hat ihre Ursache in der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Produktionsweisen. Moderne Maschinen und Ställe, die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und Mineraldünger sowie Zuchtfortschritte bei Pflanzen und Tieren haben dazu geführt, dass die Landwirte heute wesentlich stabilere und höhere Erträge erzielen als früher.

Immer weniger Landwirte erzeugen immer mehr
1900 gab es im damaligen Reichsgebiet noch über 5,6 Millionen Betriebe mit gut 26 Millionen Hektar land-wirtschaftlicher Nutzfläche und 20,7 Millionen Großvieheinheiten an Nutztieren. Damals waren ca. 25 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche zur Fütterung der Zugtiere (Pferde) notwendig. In dem heutigen Deutschland sind es 286.800 Betriebe, die knapp 16,7 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche bear-beiten und pflegen und 13,5 Millionen Großvieheinheiten halten. Bezogen auf Großvieheinheiten werden heute deutlich weniger Nutztiere als vor gut 60 Jahren gehalten. Die aus den heute 13,5 Millionen Großvie-heinheiten resultierende Gesamterzeugung liegt gegenüber dem weitaus flächengrößeren Deutschland in den Grenzen von 1900 um ein mehrfaches höher.

Nur noch jeder siebte Euro für Nahrungs- und Genussmittel
Im langfristigen Vergleich zeigt sich eine enorme Steigerung des Wohlstandes der Verbraucher. Vor 100 Jahren betrug der Anteil der Ausgaben für Nahrungs- und Genussmittel am gesamten Konsum noch etwa 50 Prozent; heute beträgt dieser Anteil nur 13,5 Prozent (ohne Genussmittel 10,2 Prozent). Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich Qualität und Verarbeitung der Nahrungsmittel enorm verbessert haben.