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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.3 Nahrungsmittel – Verbrauch und Preise

Nur mäßiger Preisanstieg bei Nahrungsmitteln
Die Inflationsrate – gemessen an der Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert – lag in Deutschland 2011 bei 2,3 Prozent. Das Preisniveau für Nahrungsmittel lag mit plus 2,8 Prozent nur wenig über der allgemeinen Inflationsrate. Ähnliches gilt auch für 2012. Im Jahresdurchschnitt wird eine Inflationsrate von 2,0 Prozent geschätzt. Die darin enthaltenen Nahrungsmittelkosten steigen trotz der weltweiten knappen Versorgungssituation nur um etwa 2,9 Prozent.
 


Nahrungsmittelpreise wirkten bislang inflationsdämpfend
Die Verbraucherpreise für Lebensmittel sind über viele Jahre hinweg deutlich langsamer angestiegen als die Verbraucherpreise insgesamt. Von 1991 bis 2007 änderten sich die Verbraucherpreise insgesamt im Durchschnitt um + 2,0 Prozent jährlich und die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel durchschnittlich um + 1,1 Prozent. Nach dem Hoch der Nahrungsmittelpreise Ende 2007 und in 2008 waren die Preise für Nahrungsmittel in 2009 wieder deutlich rückläufig und bewegen sich seitdem etwas über der allgemeinen Inflationsrate.
 


Große Unterschiede bei Nahrungsmittelpreisen in der EU
Innerhalb der Europäischen Gemeinschaft bestehen bei den Verbraucherpreisen für Nahrungsmittel erhebliche Unterschiede. Dänische Verbraucher zum Beispiel mussten im Jahr 2011 für den gleichen Einkaufskorb mit Lebensmitteln sowie alkoholfreien Getränken rund doppelt so viel Geld bezahlen wie polnische Bürger. Deutschland liegt im europäischen Vergleich im oberen Mittelfeld. Vor allem in Nordeuropa sind die Preise überdurchschnittlich hoch. Günstiger sind die Nahrungsmittelpreise dagegen vor allem in einigen südeuropäischen Ländern wie Spanien, Portugal und Griechenland und in den osteuropäischen Ländern.


Verbraucher geben einen immer kleineren Teil ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus
Die gesamten Verbraucherausgaben beliefen sich 2011 auf 1.410 Milliarden Euro. Davon entfielen 161,9 Milliarden Euro oder 11,5 Prozent auf Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke. Der Anteil der Ausgaben für Nahrungsmittel an den gesamten Konsumausgaben hat im Zeitvergleich deutlich abgenommen. Der Grund dafür liegt in den Einkommenssteigerungen und in dem unterdurchschnittlichen Anstieg der Nahrungsmittelpreise. Der höhere Lebensstandard kommt besonders in zunehmenden Ausgaben für Wohnen, Verkehr, Freizeitaktivitäten und Gesundheitspflege zum Ausdruck.


Von einem Euro Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel erhält der Landwirt heute nur noch 26 Cent
Der Anteil der landwirtschaftlichen Verkaufserlöse an den Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel inländischer Herkunft ist im zweiten Jahr in Folge gestiegen und lag 2011 bei 26 Prozent. Entgegen der aktuell steigenden Tendenz sinkt der Erzeugeranteil an den Verbraucherausgaben langfristig. Anfang der 70er Jahre lag der entsprechende Anteil mit 47,5 Prozent fast doppelt so hoch. Der rückläufige Trend der Erzeugerpreise wirkte sich in einem ständig geringer werdenden Anteil an den Nahrungsmittelausgaben aus.
Bei Milch- und Milcherzeugnissen betrug der Anteil in 2011 39 Prozent,  bei Fleisch- und Fleischwaren  25 Prozent. Am niedrigsten ist der Erlösanteil nach wie vor bei Brotgetreide und Brotgetreideerzeugnissen mit 7 Prozent.
 


Getreidepreise haben geringe Auswirkungen auf den Brotpreis
Auch landwirtschaftliche Erzeugerpreise für Backweizen von über 200 Euro je Tonne stellen nur einen geringen Kostenfaktor bei der Brotherstellung dar. So entfallen bei einem Brötchen weniger als 7 Prozent des Preises auf seinen Getreideanteil. Für die Herstellung eines Brötchens benötigt der Bäcker etwa 34 Gramm Mehl. Bei einem Ausmahlungsgrad von rund 75 Prozent sind das lediglich 45 Gramm Weizen. Um den Brötchenpreis um nur einen Cent anzuheben, müsste sich der Getreidepreis verdoppeln. Schwerwiegender in der Preiskalkulation der Bäcker schlagen sich dagegen die Kosten für Energie und Löhne nieder.


Unterschiedliche Verbrauchsentwicklungen bei den einzelnen Nahrungsmitteln
Der Verbrauch bei den einzelnen Nahrungsmitteln hat sich in den letzten Jahren unterschiedlich entwickelt. Steigende Verbrauchszahlen je Kopf der Bevölkerung werden bei Gemüse und Käse gemessen. Rückläufig ist dagegen der Verbrauch bei Kartoffeln und Butter, während er bei vielen anderen Produkten von Jahr zu Jahr schwankt. Bei Fleisch ist der Unterschied zwischen dem Verzehr und dem Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung zu beachten, denn ein erheblicher Teil der Schlachtungen kann nicht für den menschlichen Verzehr verwendet werden.


Selbstversorgungsgrad fällt sehr unterschiedlich aus
Bei Getreide, Kartoffeln, Zucker sowie Rind- und Schweinefleisch liegt der deutsche Selbstversorgungsgrad deutlich über 100 Prozent. Etwas mehr als ausgeglichen ist die Versorgungsbilanz bei Milch und Geflügelfleisch. Bei Obst, Gemüse, Ölsaaten, Eiern und Schaffleisch dagegen liegt der Selbstversorgungsgrad um die 50 Prozent oder deutlich darunter. Der Selbstversorgungsgrad, der das Verhältnis inländischer Erzeugung zum inländischen Verbrauch darstellt, schwankt bei pflanzlichen Erzeugnissen in Abhängigkeit von Witterung und Ernte von Jahr zu Jahr relativ stark.