©
1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.3 Nahrungsmittel – Verbrauch und Preise

Nahrungsmittelpreise steigen nur leicht an
Die Inflationsrate – gemessen an der Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert – lag in Deutschland 2014 bei 0,9 Prozent. Das Preisniveau für Nahrungsmittel stieg mit plus 1,0 Prozent ähnlich stark an. Für 2015 wird vor allem auf Grund erheblich niedrigerer Preise für Mineralölprodukte mit einer Inflation von unter einem halben Prozent gerechnet. Ähnlich niedrig dürfte der Preisanstieg bei Nah-rungsmitteln ausfallen. Grund sind die stark gesunkenen Preise auf wichtigen Agrarrohstoffmärkten.

Nahrungsmittelpreise waren langfristig gesehen eine Inflationsbremse
Die Verbraucherpreise für Lebensmittel sind über viele Jahre hinweg deutlich langsamer angestiegen als die Verbraucherpreise insgesamt. Von 1991 bis 2007 änderten sich die Verbraucherpreise insgesamt jährlich im Durchschnitt um + 2,0 Prozent und die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel durchschnittlich um + 1,1 Prozent. Nach zwischenzeitlichem starken Auf und Ab stiegen die Preise für Nahrungsmittel von Mitte 2010 bis April 2014 stärker als die allgemeinen Lebenshaltungskosten. Seitdem ist sowohl bei den Lebenshaltungskosten als auch bei den darin enthaltenen Kosten für Nahrungsmittel nur ein leichter Preisanstieg zu beobachten.

Preise für Nahrungsmittel in Deutschland etwas über EU-Durchschnitt
Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke waren 2014 in Deutschland 10 Prozent teurer als im EU-Durchschnitt. Besonders hochpreisig waren Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke in Dänemark. Das Preisniveau eines vergleichbaren Warenkorbs lag dort mehr als zweimal so hoch wie in Polen. Dort erreichte das Preisniveau gerade mal 60 Prozent des EU-Mittels.

Verbraucher geben einen immer kleineren Teil ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus
Die gesamten Verbraucherausgaben beliefen sich 2014 auf 1.502 Milliarden Euro. Davon entfielen 153,3 Milliarden Euro oder 10,2 Prozent auf Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke. Dazu kommen rund 48,9 Milliarden Euro für alkoholische Getränke und Tabakwaren. Der Anteil der Ausgaben für Nahrungsmittel an den gesamten Konsumausgaben ist damit gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert geblieben, im langjährigen Zeitvergleich aber deutlich zurückgegangen. Der Grund für diesen Langfristtrend liegt in den Einkommensstei-gerungen und in dem unterdurchschnittlichen Anstieg der Nahrungsmittelpreise. Der höhere Lebensstandard kommt besonders in zunehmenden Ausgaben für Wohnen, Verkehr, Freizeitaktivitäten und Gesundheitspflege zum Ausdruck.

Von einem Euro Verbraucher-ausgaben für Nahrungsmittel erhält der Landwirt heute nur noch 23 Cent
Der Anteil der landwirtschaftlichen Verkaufserlöse an den Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel inländi-scher Herkunft lag im Jahr 2014 bei 23 Prozent. Anfang der 70er Jahre lag der entsprechende Anteil mit 48 Prozent mehr als doppelt so hoch. Bei Milch- und Milcherzeugnissen betrug der Anteil in 2014 42 Prozent, bei Fleisch- und Fleischwaren 24 Prozent. Am niedrigsten ist der Erlösanteil nach wie vor bei Brotgetreide und Brotgetreideerzeugnissen mit knapp 5 Prozent.

Getreidepreise haben geringe Auswirkungen auf den Brotpreis
Auch landwirtschaftliche Erzeugerpreise für Backweizen von 200 Euro je Tonne stellen nur einen geringen Kostenfaktor bei der Brotherstellung dar. So entfallen bei einem Brötchen weniger als 7 Prozent des Preises auf seinen Getreideanteil. Für die Herstellung eines Brötchens benötigt der Bäcker etwa 34 Gramm Mehl. Bei einem Ausmahlungsgrad von rund 75 Prozent sind das lediglich 45 Gramm Weizen. Um den Brötchenpreis um nur einen Cent anzuheben, müsste sich der Getreidepreis verdoppeln. Schwerwiegender in der Preiskalkulati-on der Bäcker wirken sich dagegen die Kosten für Energie und Löhne aus.

Seit 1950 sind die Löhne um das zweiundzwanzigfache, die Brotpreise um das zehnfache gestiegen und die Getreide-preise unverändert geblieben
Von 1950 bis 2014 hat sich der Nettostundenverdienst eines Industriearbeiters auf mehr als das 22-fache er-höht. Da die Brotpreise nur um das 10-fache gestiegen sind, kann sich der Industriearbeiter für seinen Stun-denlohn heute (2014) mehr als doppelt soviel Brot kaufen wie noch vor gut 60 Jahren. Der Weizen-
erzeugerpreis lag 2014 in etwa auf dem Niveau von 1950; bezogen auf das Endprodukt erlöst der Landwirt nur etwa 6 Prozent. Demgegenüber waren es 1950 entsprechend noch zwei Drittel des Brotpreises. Wären die Weizenpreise seit 1950 genauso stark gestiegen wie die Inflationsrate, dann könnten die Erzeuger für einen Doppelzentner (100 kg) heute etwa 87 Euro erlösen.

Unterschiedliche Verbrauchsentwicklungen bei den einzelnen Nahrungsmitteln
Der Verbrauch bei den einzelnen Nahrungsmitteln hat sich in den letzten Jahren unterschiedlich entwickelt. Steigende Verbrauchszahlen je Kopf der Bevölkerung werden bei Gemüse und Käse gemessen. Rückläufig ist dagegen der Verbrauch bei Kartoffeln und Butter, während er bei vielen anderen Produkten von Jahr zu Jahr schwankt. Bei Fleisch ist der Unterschied zwischen dem Verzehr und dem Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung zu beachten, denn ein erheblicher Teil der Schlachtungen kann nicht für den menschlichen Verzehr verwendet werden.

Selbstversorgungsgrad fällt sehr unterschiedlich aus
Bei Getreide, Kartoffeln, Zucker und Milch sowie Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch liegt der deutsche Selbstversorgungsgrad deutlich über 100 Prozent. Bei Obst, Gemüse, Eiern und Schaffleisch dagegen liegt der Selbstversorgungsgrad erheblich unter der 100 Prozent-Marke. Der Selbstversorgungsgrad, der das Verhältnis inländischer Erzeugung zum inländischen Verbrauch darstellt, schwankt bei pflanzlichen Erzeugnissen in Abhängigkeit von Witterung und Ernte von Jahr zu Jahr relativ stark.