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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.3 Nahrungsmittel – Verbrauch und Preise

Überdurchschnittlich hoher Preisanstieg bei Nahrungsmitteln
Die Inflationsrate – gemessen an der Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert – lag in Deutschland 2016 bei 0,5 Prozent. Das Preisniveau für Nahrungsmittel stieg mit plus 0,8 Prozent geringfügig stärker an. Für 2017 wird mit einer auf etwa 1,7 Prozent angestiegenen Inflationsrate gerechnet. Mit geschätzten plus 2,8 Prozent fällt der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln überdurchschnittlich hoch aus.
 
Nahrungsmittelpreise waren langfristig gesehen eine Inflationsbremse
Die Verbraucherpreise für Lebensmittel sind über viele Jahre hinweg deutlich langsamer angestiegen als die Verbraucherpreise insgesamt. Von 1991 bis 2007 änderten sich die Verbraucherpreise insgesamt jährlich im Durchschnitt um + 2,0 Prozent und die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel durchschnittlich um + 1,1 Prozent. Nach zwischenzeitlichem starken Auf und Ab stiegen die Preise für Nahrungsmittel von Mitte 2010 bis April 2014 deutlich stärker als die allgemeinen Lebenshaltungskosten. Danach war bei den Lebenshaltungskosten und den darin enthaltenen Kosten für Nahrungsmittel nur noch ein leichter Preisanstieg zu beobachten. Erst seit Ende 2016 zogen die Lebenshaltungskosten und insbesondere die Nahrungsmittelpreise stärker an.
 
Preise für Nahrungsmittel in Deutschland etwas über EUDurchschnitt
Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke waren 2016 in Deutschland 6 Prozent teurer als im EU-Durchschnitt. Besonders hochpreisig waren Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke in Dänemark. Das Preisniveau eines vergleichbaren Warenkorbs lag dort gut zweimal so hoch wie in Polen. Dort erreichte das Preisniveau gerade mal 62 Prozent des EU-Mittels.
 
Verbraucher geben einen immer kleineren Teil ihres Einkommens für Nahrungs- und Genussmittel aus
Die gesamten Verbraucherausgaben beliefen sich 2016 auf 1.578 Milliarden Euro. Davon entfielen 218,4 Milliarden Euro oder 13,8 Prozent auf Nahrungs- und Genussmittel. Dazu kommen rund 69,7 Milliarden Euro für Verpflegungsdienstleistungen in Gaststätten und Kantinen. Der Anteil der Ausgaben für Nahrungs- und Genussmittel an den gesamten Konsumausgaben ist gegenüber dem Vorjahr unverändert geblieben, im langjährigen Zeitvergleich aber deutlich zurückgegangen. Der Grund für diesen Langfristtrend liegt in den Einkommenssteigerungen und in dem unterdurchschnittlichen Anstieg der Nahrungsmittelpreise. Der höhere Lebensstandard kommt besonders in zunehmenden Ausgaben für Wohnen, Verkehr, Freizeitaktivitäten und Gesundheitspflege zum Ausdruck.
 
Von einem Euro Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel erhält der Landwirt heute nur noch 21 Cent
Der Anteil der landwirtschaftlichen Verkaufserlöse an den Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel inländischer Herkunft lag im Jahr 2016 bei 21 Prozent. Anfang der 70er Jahre lag der entsprechende Anteil mit 48 Prozent mehr als doppelt so hoch. Bei Milch- und Milcherzeugnissen betrug der Anteil in 2016 33 Prozent, bei Fleischund Fleischwaren 22 Prozent. Am niedrigsten ist der Erlösanteil nach wie vor bei Brotgetreide und Brotgetreideerzeugnissen mit knapp 4 Prozent.
 
Getreidepreise haben geringe Auswirkungen auf den Brotpreis
Selbst landwirtschaftliche Erzeugerpreise für Backweizen von 200 Euro je Tonne stellen nur einen geringen Kostenfaktor bei der Brotherstellung dar. So entfallen bei einem Brötchen weniger als 7 Prozent des Preises auf seinen Getreideanteil. Für die Herstellung eines Brötchens benötigt der Bäcker etwa 34 Gramm Mehl. Bei einem Ausmahlungsgrad von rund 75 Prozent sind das lediglich 45 Gramm Weizen. Um den Brötchenpreis um nur einen Cent anzuheben, müsste sich der Getreidepreis verdoppeln. Schwerwiegender in der Preiskalkulation der Bäcker wirken sich dagegen die Kosten für Energie und Arbeit aus.
 
Seit 1950 sind die Löhne um das dreiundzwanzigfache, die Brotpreise um das elffache gestiegen und die Getreidepreise unverändert geblieben
Von 1950 bis 2016 hat sich der Nettostundenverdienst eines Industriearbeiters auf mehr als das 23-fache erhöht. Da die Brotpreise nur um das 11-fache gestiegen sind, kann sich der Industriearbeiter für seinen Stundenlohn heute (2016) mehr als doppelt so viel Brot kaufen wie noch vor 66 Jahren. Der Weizenerzeugerpreis lag 2016 in etwa auf dem Niveau von 1950; bezogen auf das Endprodukt wie ein dunkles Mischbrot erlöst der Landwirt nur gut 6 Prozent. Demgegenüber waren es 1950 entsprechend noch zwei Drittel des Brotpreises. Wären die Weizenpreise seit 1950 genauso stark gestiegen wie die Inflationsrate, dann könnten die Erzeuger für einen Doppelzentner (100 kg) heute etwa 87 Euro erlösen.
 
Hopfen und Gerste praktisch ohne Einfluss auf den Bierpreis
  • Hopfen für 1 Cent
    Ein Liter Bier enthält etwa 1,5 Gramm Hopfen. Bei einem Preis von rund 700 Euro für einen Doppelzentner (100 kg) erhält der Landwirt für seinen Hopfenanteil kaum mehr als 1 Cent je Liter Bier.
  • Braugerste für 4 Cent
    Ein Liter Bier enthält im Schnitt etwa 215 Gramm Gerste. Bei einem Preis von rund 18 Euro für einen Doppelzentner erhält der Landwirt für seinen Gerstenanteil 4 Cent je Liter Bier.
Quellen: BBV, DBV
 
Unterschiedliche Verbrauchsentwicklungen bei den einzelnen Nahrungsmitteln
Der Verbrauch bei den einzelnen Nahrungsmitteln hat sich in den letzten Jahren unterschiedlich entwickelt. Steigende Verbrauchszahlen je Kopf der Bevölkerung werden bei Geflügelfleisch, Käse und Eiern gemessen. Rückläufig ist dagegen der Verbrauch bei Obst und Schweinefleisch, während er bei vielen anderen Produkten von Jahr zu Jahr schwankt. Bei Fleisch ist der Unterschied zwischen dem Verzehr und dem Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung zu beachten, denn ein erheblicher Teil der Schlachtungen kann nicht für den menschlichen Verzehr verwendet werden.
 
Selbstversorgungsgrad fällt sehr unterschiedlich aus
Bei Getreide, Kartoffeln, Milch und Schweinefleisch liegt der deutsche Selbstversorgungsgrad deutlich über 100 Prozent. Bei Obst, Gemüse, Eiern und Schaffleisch dagegen liegt der Selbstversorgungsgrad erheblich unter der 100 Prozent-Marke. Der Selbstversorgungsgrad, der das Verhältnis inländischer Erzeugung zum inländischen Verbrauch darstellt, schwankt bei pflanzlichen Erzeugnissen in Abhängigkeit von Witterung und Ernte von Jahr zu Jahr relativ stark.