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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.4 Ernährungswirtschaft

Die Ernährungsindustrie ist ein starker Zweig der deutschen Wirtschaft
Die deutsche Ernährungsindustrie, die die landwirtschaftlichen Erzeugnisse be- und verarbeitet, erreichte 2012 einen Umsatz von 169,3 Milliarden Euro (plus 3,6 Prozent gegenüber 2011). Wachstumstreiber war das Exportgeschäft (+ 11,4 Prozent). Die Ernährungsindustrie ist der viertgrößte deutsche Gewerbezweig nach der Automobilindustrie, dem Maschinenbau und der chemischen Industrie. 2012 waren in 5.970 Betrieben der Ernährungsindustrie 555.000 Menschen beschäftigt.
 
Deutsche Lebensmittel gefragt
In den ersten neun Monaten 2013 konnte die Ernährungsindustrie ihren Umsatz gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um knapp 3 Prozent auf über 129 Milliarden Euro steigern. Das Auslandsgeschäft der deutschen Ernährungsindustrie nahm mit plus knapp 4 Prozent überdurchschnittlich zu. Es hat sich in den letzten 10 Jahren deutlich mehr als verdoppelt und trägt heute (2012) rund 32 Prozent zum Gesamtumsatz bei. 10 Jahre zuvor waren es noch entsprechend rund 20 Prozent. 77 Prozent der deutschen Lebensmittelexporte werden im europäischen Binnenmarkt abgesetzt. Besonders gefragt sind deutsche Süß-, Backwaren, Fleisch- und Milchprodukte.
 
Ernährungsindustrie ist trotz Konzentrationsprozessen mittelständisch strukturiert
Angesichts der dominanten Marktposition des Lebensmittelhandels kann die Ernährungsindustrie gestiegene Kosten nur schwer auf Verkaufspreise überwälzen. Die Konzentration der Unternehmen der Ernährungsindustrie hat zwar weiter zugenommen, ist aber im Vergleich zum Lebensmitteleinzelhandel oder zu anderen Wirtschaftsbereichen weiterhin relativ gering. Die deutsche Ernährungsindustrie ist traditionell mittelständisch geprägt – mit einem Umsatzdurchschnitt je Betrieb von rund 28,4 Millionen Euro. Die 10 größten Unternehmen vereinigen nur etwa 15 Prozent des Branchenumsatzes auf sich.
 
Außer-Haus-Markt wachsender Absatzkanal
Der Außer-Haus-Markt wächst durch den steigenden Grad an Individualität und Mobilität in der Gesellschaft. Er ist in Deutschland nach dem Lebensmitteleinzelhandel der zweitwichtigste Absatzkanal für die Ernährungsindustrie. 2012 wurde beim Außer-Haus-Markt ein Umsatz von 68,2 Milliarden Euro erzielt (ohne Verpflegung im Gesundheitssektor). Gegenüber dem Vorjahr sind das 2,6 Prozent mehr. Dieser Markt umfasst vier große Bereiche: Die klassische Bediengastronomie (27,1 Mrd. Euro), Imbisse und Schnellrestaurants (21,9 Mrd. Euro), Arbeits- und Ausbildungsplatzverpflegung (6,2 Mrd. Euro) sowie die Erlebnisgastronomie (11,8 Mrd. Euro).
 
Strukturwandel bei den Raiffeisen-Genossenschaften
Die Raiffeisen-Genossenschaften sind mit ihren 83.000 Beschäftigten Marktpartner von Landwirtschaft, Ernährungsindustrie und Lebensmittelhandel. Ihre Zahl ist über die Jahre deutlich rückläufig. Die verbliebenen 2.452 Raiffeisen-Genossenschaften erzielten 2012 einen Umsatz von 51,3 Milliarden Euro. Das sind gegenüber dem Vorjahr gut 6 Prozent mehr. Umsatzstärkste Sparten sind mit 24,5 Milliarden Euro die Warenwirtschaft, die Milchwirtschaft mit 13,2 Milliarden Euro und die Vieh und Fleischwirtschaft mit 6,5 Milliarden Euro. Ausgehend von rund 288.200 landwirtschaftlichen Betrieben (ab 5 ha LF) in Deutschland und rund 550.000 Mitgliedschaften von Landwirten, Winzern und Gärtnern ist statistisch betrachtet jeder landwirtschaftliche Betrieb an nahezu zwei Genossenschaften beteiligt.
 
Immer weniger Schlachtunternehmen beliefern den Markt
Die Konzentration in der Fleischbranche schreitet weiter fort. Die drei größten Schlachtunternehmen – Tönnies, Vion und Westfleisch – schlachten mittlerweile gut die Hälfte (56 Prozent) aller Schweine in Deutschland. Das Gesamt-Ranking der Fleisch und Fleischwarenunternehmen führt mit 5,0 Milliarden Euro (2012) die Tönnies-Gruppe an. An zweiter Stelle rangiert die Vion-Gruppe mit geschätzten 3,7 Milliarden Euro. Auf den weiteren Plätzen folgen die Westfleisch mit 2,5 Milliarden Euro und die PHW-Gruppe mit 2,3 Milliarden Euro. 
 
Handelsketten mit Fleischwerken
Die Konzentration kommt auch darin zum Ausdruck, dass viele Schlachtunternehmen durchgehende Verarbeitungsketten vom Lebendtier bis zum verpackten Frischfleisch oder zur Wurst aufgebaut haben. Bedeutende Akteure sind mittlerweile die Fleischwerke des Handels. Zu den 10 umsatzstärksten gehören Kaufland/ Lidl, Brandenburg/Rewe, Edeka Südwest Fleisch, Bauerngut, Rasting, Nordfrische Center, Südbayerische Fleischwaren, Birkenhof, Franken-Gut oder Hessengut. Sieben der vorgenannten Fleischwerke gehören dem Edeka-Verbund an. Diese stehen zusammen für mehr als 2,5 Milliarden Euro Umsatz. Spitzenreiter ist allerdings die Rewe-Tochter Brandenburg mit einem Jahresumsatz von 660 Millionen Euro (2012).
 
Molkereibranche ist im Umbruch
Die Fusion der beiden niederländischen Molkereien Friesland und Campina hat zum weltweit viertgrößten europäischen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 10,5 Milliarden Euro geführt, nach Nestlé, Danone und Lactalis Die beiden größten deutschen Molkereiunternehmen Nordmilch und Humana sind nach ihrer in 2011 erfolgten Fusion zum Deutschen Milchkontor (DMK) mit einem Umsatz von 4,6 Milliarden Euro und einer verarbeiteten Milchmenge von 6,9 Millionen Tonnen zum größten deutschen Milchverarbeiter aufgestiegen. Im weltweiten Ranking liegt DMK auf Platz 17. Größtes Molkereiunternehmen weltweit ist Nestlé, gefolgt von den beiden französischen Unternehmen Danone und Lactalis sowie Fonterra aus Neuseeland.
 
Milchwirtschaft wächst über den Export
Die deutsche Milchwirtschaft ist mit einem Umsatz von 25,4 Milliarden Euro und rund 35.300 Beschäftigten (2012) die zweitgrößte Sparte der deutschen Ernährungsindustrie. 34 Prozent der Umsätze werden über den Export erwirtschaftet, Tendenz steigend. Mehr als die Hälfte der Milch wird von genossenschaftlichen Unternehmen verarbeitet. Die Zahl der Milch verarbeitenden Unternehmen in Deutschland hat im Zeitverlauf stark abgenommen. 2012 gab es noch 163 Milch verarbeitende Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten. Täglich werden von den deutschen Molkereien zusammen rund 82.600 Tonnen Milch zu hochwertigen Lebensmitteln verarbeitet. 
 
Deutsche Zuckerwirtschaft wird von vier Unternehmen bestimmt
Von 61 Unternehmen der Zuckerindustrie in den Jahren 1950/51 existieren nur noch vier mit insgesamt 22 Fabriken, rund 4.700 Beschäftigten und einem Umsatz von 3,8 Milliarden Euro (2012). Die Südzucker AG in Mannheim, die Nordzucker AG in Braunschweig, die Pfeifer & Langen KG in Köln und die niederländische Suiker Unie GmbH mit der Zuckerfabrik in Anklam teilen sich den deutschen Markt. Auch in Europa sind die drei verbliebenen deutschen Unternehmen führend und produzieren fast die Hälfte (47 Prozent) des EU-Zuckers. Marktführer in der EU ist die Südzuckergruppe mit einem Anteil an der Zuckerproduktionsquote von 24,8 Prozent, gefolgt von der Nordzucker AG mit 15,4 Prozent. Etwa 85 Prozent der deutschen Zuckererzeugung geht an die Zucker verarbeitende Industrie, das Handwerk und die chemische Industrie. 15 Prozent werden als Haushaltszucker über den Lebensmitteleinzelhandel verkauft. 
 
Mühlenbranche mit rasantem Strukturwandel
Mit rund 6.000 Beschäftigten erwirtschaftete die Mühlenbranche im Wirtschaftsjahr 2011/12 einen Jahresumsatz von knapp 2,5 Milliarden Euro. Der Trend zu größeren Einheiten hält an. 1950/51 gab es in Deutschland 18.935 Mühlen, heute sind es noch 550 Mühlen, davon 252 Mühlen, die mindestens 500 Tonnen vermahlen. 44 große Mühlen mit einer Jahresvermahlung von 50.000 Tonnen und mehr haben einen Anteil an der Gesamtvermarktung von 79 Prozent. Mit rund 8,2 Millionen Tonnen Getreide (2011/12) werden etwa ein Drittel der Weizen- und Roggenernte von deutschen Mühlen zu Mehl veredelt. Nur 5 Prozent der Mahlerzeugnisse werden an den privaten Endverbraucher abgesetzt, 90 Prozent des Inlandsabsatzes deutscher Mühlen gehen an Backbetriebe, die restlichen 5 Prozent an Stärke- und Teigwarenhersteller.
 
Deutsche Brauereien relativ klein strukturiert
1.339 Braustätten in Deutschland brauten mit ihren 26.900 Beschäftigten 2012 rund 5.000 Biere. Der Bierausstoß lag bei 94,6 Mio. Hektolitern (2012), der Umsatz bei 8,0 Milliarden Euro. Gut 16 Prozent der deutschen Bierproduktion werden exportiert. Der Pro-Kopf-Verbrauch bei Bier ist in den letzten Jahren zurückgegangen und lag 2012 bei nur 105,5 Litern pro Person. Mit seinem Bierausstoß liegt Deutschland im globalen Vergleich auf Platz fünf - nach China, den USA, Brasilien und Russland. Unter den vierzig größten Brauereien der Welt befinden sich fünf deutsche Gruppen: Die Radeberger-Gruppe auf Platz 20, Oettinger auf Platz 27, die Bitburger Braugruppe auf Platz 35, gefolgt von Krombacher auf Platz 36 und der Brau Holding International (Paulaner) auf Platz 39. Allerdings kommen diese fünf Gruppen zusammen auf einen Weltmarktanteil von lediglich 2,2 Prozent. Den größten Weltmarktanteil hat die in Belgien ansässige Brauereigruppe AB InBev, die 18,1 Prozent der weltweiten Bierproduktion herstellt.