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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.5 Lebensmittelhandel

Hohe Wachstumsrate im Lebensmittelhandel
Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel (LEH) erzielte 2014 einen Lebensmittel-Umsatz von 186,8 Milliarden Euro. Das sind gegenüber dem Vorjahr 3,4 Prozent mehr. Die Unternehmenskonzentration ist hoch, die fünf größten Unternehmen haben einen Marktanteil von fast 75 Prozent. Die mit Abstand größte deutsche Handelskette war in 2014 erneut die Edeka-Gruppe mit einem Umsatzanteil von 25,2 Prozent. Danach folgen die Rewe-Gruppe und die Schwarz-Gruppe (Lidl) mit je 14,8 Prozent und die Aldi-Gruppe mit 12,1 Prozent. Marktexperten gehen davon aus, dass diese Marktstruktur den Preiskampf im Lebensmitteleinzelhandel besonders befördert.

Discounter und Supermärkte im Wettbewerb
Im internationalen Vergleich ist der Anteil der Discounter in Deutschland mit 43 Prozent weiterhin sehr hoch. 2008 erreichte er mit 44,5 Prozent am gesamten Lebensmitteleinzelhandel seinen Höchststand. Die Supermärkte wie Edeka und Rewe sind in den letzten Jahren besonders stark gewachsen. Sie setzen verstärkt auf flexible Angebote (Aktionsgeschäft) und offensive Marketingstrategien und treten durch ihre Eigenmarken zunehmend in direkte Konkurrenz zu den Discountern wie Aldi und Lidl. Im Gegenzug versuchen Aldi und Lidl, mehr Markenartikel in die Regale zu nehmen.

Lebensmittelhandel setzt auf Regionalität und „bewusstes Einkaufen“
Nach Ergebnissen von GfK-Befragungen wächst die Bedeutung der Regionalität von Lebensmitteln. Im Oktober 2014 gaben bereits 48 Prozent der Befragten an, dass die Regionalität ein wichtiges oder sehr wichtiges Kriterium beim Kauf von Lebensmitteln ist. Auch gibt es eine Tendenz zum „bewussten Einkauf“ von Lebensmitteln.

Unterwegs Essen und Trinken: Ein Wachstumsmarkt
Der Außer-Haus-Markt wächst durch den steigenden Grad an Individualität und Mobilität in der Gesellschaft. Er ist in Deutschland nach dem Lebensmitteleinzelhandel der zweitwichtigste Absatzkanal. 2014 wurde beim Außer-Haus-Markt ein Umsatz von 71,1 Milliarden Euro erzielt (ohne Verpflegung im Gesundheitssektor). Gegenüber dem Vorjahr sind das 2,4 Prozent mehr. Dieser Markt umfasst im Wesentlichen vier Teilbereiche: Die klassische Bediengastronomie in Gaststätten, Restaurants und Hotels (28,2 Milliarden Euro), Imbisse und Schnellrestaurants (22,6 Milliarden Euro), Arbeits- und Ausbildungsplatzverpflegung (6,6 Milliarden Euro) sowie die Erlebnisgastronomie (12,4 Milliarden Euro).

Deutsche sparen bei Lebensmitteln
Nach einer forsa-Umfrage vom September 2014 zählt der günstige Einkauf von Lebensmitteln zu den wichtigsten Zielen, wenn es um Einsparungen bei Ausgaben im Alltag geht. Insgesamt gaben 70 Prozent aller Verbraucher an, bei ihren Ausgaben zu sparen, darunter 48 Prozent beim Lebensmitteleinkauf, 36 Prozent beim Ausgehen ins Restaurant, Kino und Theater sowie 29 Prozent bei Urlaubsreisen. Nur je 4 Prozent sparten am Auto oder bei der Kleidung. 30 Prozent der Befragten gaben an, sich nirgends einzuschränken.

Wachsende Bedeutung der Direktvermarktung frischer Lebensmittel
Insgesamt gaben deutsche Haushalte 2014 rund 54,4 Milliarden Euro für frische Lebensmittel aus, darunter Fleisch, Wurstwaren, Molkereiprodukte und Eier, Brot, Kartoffeln, Obst und Gemüse. Die landwirtschaftliche Direktvermarktung macht davon mit rund 2,9 Milliarden Euro einen Anteil von 5,3 Prozent aus. Der Umsatz aus der Direktvermarktung frischer Lebensmittel ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Gegenüber der Direktvermarktung auf Wochenmärkten hat der Einkauf beim Erzeuger in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Der Verkauf über das Internet bietet hier künftig weitere Absatzchancen.