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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.5 Lebensmittelhandel

Marktmacht des Lebensmittelhandels ist groß 
Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel (LEH) erzielte 2015 einen Lebensmittel-Umsatz von 191,0 Milliarden Euro. Das sind gegenüber dem Vorjahr 2,3 Prozent mehr. Die Unternehmenskonzentration ist hoch, die fünf größten Unternehmen haben einen Marktanteil von fast 75 Prozent. Ihnen gegenüber stehen 6.000 überwiegend kleine und mittelständische Lebensmittelhersteller. Die mit Abstand größte deutsche Handelskette war in 2015 erneut die Edeka-Gruppe mit einem Umsatzanteil von 25,3 Prozent. Danach folgen die Rewe-Gruppe (15,0 Prozent), die Schwarz-Gruppe (Lidl) mit 14,7 Prozent und die Aldi-Gruppe mit 11,9 Prozent. Marktexperten sind sich darin einig, dass diese Marktstruktur für einen harten Preiswettbewerb am Markt sorgt. Die deutschen Konsumenten werden über knapp 38.600 Lebensmittelgeschäfte täglich mit frischen Lebensmitteln und Getränken versorgt.
 
Discounter und Vollsortimenter im Wettbewerb 
Im internationalen Vergleich ist der Anteil der Discounter in Deutschland mit 42,3 Prozent weiterhin sehr hoch. 2008 erreichte er mit 44,5 Prozent am gesamten Lebensmitteleinzelhandel seinen Höchststand. Vollsortimenter wie Edeka und Rewe sind in den letzten Jahren wieder stärker gewachsen. Sie setzen verstärkt auf flexible Angebote (Aktionsgeschäft) und offensive Marketingstrategien und treten durch ihre Eigenmarken zunehmend in direkte Konkurrenz zu den Discountern wie Aldi und Lidl. Im Gegenzug versuchen Aldi und Lidl, mehr Markenartikel in die Regale zu nehmen. Um sich am Markt zu profilieren, werden auch zunehmend besondere Nachhaltigkeitsprogramme eingeführt.
 
Regionales liegt im Trend
Nach dem BMEL-Ernährungsreport 2016 legen etwas mehr als drei Viertel (76 Prozent) der 1.000 vom Forsa-Institut repräsentativ befragten Bundesbürger Wert darauf, dass Lebensmittel aus ihrer Region kommen. 61 Prozent achten auf Produktinformationen wie zum Beispiel die Angaben zu den Inhaltsstoffen oder zum Nährwert. Für 58 Prozent ist es vor allem wichtig, dass die Produkte preiswert sind. Nur etwa ein Drittel aller Befragten bevorzugt Produkte bestimmter Marken (38 Prozent) bzw. orientiert sich an bestimmten Siegeln (33 Prozent). 28 Prozent probieren gerne neue Produkte aus, die sie in der Werbung kennengelernt haben. Mit dem Alter ändern sich Einkaufsverhalten und Prioritäten: Je älter die Kunden werden, desto wichtiger wird, dass die Lebensmittel aus der Region kommen. Gleichzeitig achten die Verbraucherinnen und Verbraucher ab 30 Jahren beim Einkauf auch stärker auf Angaben auf Verpackungen, wie zum Beispiel Siegel, Inhaltsstoffe und Nährwert. Die jungen Erwachsenen bis 29 Jahre lassen sich beim Einkauf bevorzugt von Preis (68 Prozent) und Werbung (43 Prozent) leiten.
 
EU-Vorgaben zur Lebensmittel-Kennzeichnung 
Nach den Vorschriften der EU-Lebensmittelinformationsverordnung
gilt seit dem 13. Dezember 2014 in allen
EU-Mitgliedstaaten:
  • Angabe einer Nährwerttabelle, bezogen auf 100 Gramm, Reihenfolge: Brennwert, Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß, Salz
  • Optische Hervorhebung allergener Zutaten wie Getreide oder Nüsse im Zutatenverzeichnis. Über eine nationale Ergänzungsverordnung gilt die Allergenkennzeichnungspflicht auch für lose Ware.
  • Imitate müssen unmitellbar neben den Poduktnamen gekennzeichnet werden, in einer Schrift, die höchstens 25 Prozent kleiner sein darf als der Produktname
  • Kennzeichnung von Klebefleisch als solches
  • Angabe der botanischen Herkunft sowie des Härtungsgrades bei raffinierten pflanzlichen Ölen und Fetten
  • Angabe des Einfrierdatums von Lebensmitteln
  • Kennzeichnung von Gefahren für Kinder, Schwangere und Stillende auf koffeinhaltigen Lebensmitteln
  • Kennzeichnung von Nanomaterialien im Zutatenverzeichnis
  • Verfügbarkeit aller Pflichtangaben auch im Internet-Handel bereits vor Vertragsabschluss
  • Herkunftskennzeichnung für Rinder-, Schweine-, Schaf-, Ziegenund Geflügelfleisch
  • Mindestschriftgröße der Angaben 1,2 Millimeter
  • Verpflichtende Nährwertkennzeichnung ab Dezember 2016 
Weitere Informationen unter: www.
bmel.de/lebensmittelkennzeichnung
 
Quellen: EU-Kommission, BMEL 
 
Potentiale für Regionalität noch nicht ausgeschöpft 
Bundesweit gibt es unzählige Marken, Qualitätszeichen und Siegel, die Regionalität betonen. Der Begriff „regional“ wird in der Bevölkerung allerdings unterschiedlich interpretiert. Unter Region verstehen Verbraucher nicht das Gleiche. Sie reicht von einem Umkreis von 10 bis 50 km, über das Bundesland bis hin zu Deutschland. Mit regionalen Lebensmitteln verbinden Verbraucher Geschmack und Qualität, aber auch Frische und Förderung der regionalen Wirtschaft. Die meisten regionalen Produkte werden im Lebensmitteleinzelhandel gekauft. Eier, Gemüse, Obst, Fleisch und Milchprodukte sind die Top-Five der im Umland erzeugten Waren, auf die Verbraucher besonders gern zugreifen. Verschiedene Studien belegen, dass die Potentiale von Regionalität noch nicht ausgeschöpft sind.
 
Unterwegs Essen und Trinken: Ein Wachstumsmarkt 
Der Außer-Haus-Markt wächst durch den steigenden Grad an Individualität und Mobilität in der Gesellschaft. Er ist in Deutschland nach dem Lebensmitteleinzelhandel der zweitwichtigste Absatzkanal. 2015 wurde beim Außer-Haus-Markt ein Umsatz von 73,6 Milliarden Euro erzielt (ohne Verpflegung im Gesundheitssektor). Gegenüber dem Vorjahr sind das 3,5 Prozent mehr. Dieser Markt umfasst im Wesentlichen vier Teilbereiche: Die klassische Bediengastronomie in Gaststätten, Restaurants und Hotels (29,1 Milliarden Euro), Imbisse und Schnellrestaurants (23,4 Milliarden Euro), Arbeits- und Ausbildungsplatzverpflegung (6,9 Milliarden Euro) sowie die Erlebnisgastronomie (12,8 Milliarden Euro).
 
Wachsende Bedeutung der Direktvermarktung frischer Lebensmittel 
Insgesamt gaben deutsche Haushalte 2015 rund 63,1 Milliarden Euro für frische Lebensmittel wie für Obst, Gemüse, Kartoffeln, Eier, Fleisch, Geflügel, Fleischwaren/ Wurst, Brot/Backwaren, Milch/ Milchprodukte, Käse, Margarine, Speiseöl, Mehl und Zucker aus. Die landwirtschaftliche Direktvermarktung macht davon mit rund 2,8 Milliarden Euro einen Anteil von 4,4 Prozent aus. Der Umsatz aus der Direktvermarktung frischer Lebensmittel hat sich in den letzten Jahren tendenziell in etwa behauptet. Der Verkauf über das Internet bietet weitere Absatzpotentiale.