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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.5 Lebensmittelhandel

Marktmacht des Lebensmittelhandels ist groß 
Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel (LEH) erzielte 2016 einen Umsatz einschließlich Non Food von 255 Milliarden Euro. Das sind gegenüber dem Vorjahr 1,9 Prozent mehr. Die Unternehmenskonzentration ist hoch, die vier größten Unternehmen – Edeka, Schwarz-Gruppe, Rewe und Aldi – vereinen dabei 58 Prozent Marktanteil auf sich. Ihnen gegenüber stehen 6.000 überwiegend kleine und mittelständische Lebensmittelhersteller. Die mit Abstand größte deutsche Handelskette war in 2016 erneut die Edeka-Gruppe mit einem Umsatzanteil von 20,1 Prozent. Danach folgen die Schwarz-Gruppe (Lidl) mit 14,1 Prozent, die Rewe-Gruppe mit 13,3 Prozent und die Aldi-Gruppe mit 10,6 Prozent. Marktexperten sind sich darin einig, dass diese Marktstruktur für einen harten Preiswettbewerb am Markt sorgt. Die deutschen Konsumenten werden heute (2016) von knapp 37.700 Lebensmittelgeschäften täglich mit frischen Lebensmitteln und Getränken versorgt. Sechs Jahre zuvor (2010) waren es noch entsprechend 39.200 Geschäfte.
 
Discounter und Vollsortimenter im Wettbewerb
Im internationalen Vergleich ist der Anteil der Discounter in Deutschland mit 42,1 Prozent weiterhin sehr hoch. 2008 erreichte er mit 44,5 Prozent am gesamten Lebensmitteleinzelhandel seinen Höchststand. Vollsortimenter wie Edeka und Rewe sind in den letzten Jahren stärker gewachsen. Sie setzen verstärkt auf flexible Angebote (Aktionsgeschäft) und offensive Marketingstrategien und treten durch ihre Eigenmarken in direkte Konkurrenz zu den Discountern wie Aldi und Lidl. Im Gegenzug versuchen Aldi und Lidl, mehr Markenartikel und Frischeprodukte in die Regale zu nehmen. Sie dürften in 2017 wieder Marktanteile zurückgewinnen. Um sich am Markt zu profilieren, werden auch zunehmend besondere Nachhaltigkeitsprogramme eingeführt.
 
Regionales hat hohen Stellenwert
Nach dem BMEL-Ernährungsreport 2017 legen etwas weniger als drei Viertel (73 Prozent) der 1.000 vom Forsa-Institut repräsentativ befragten Bundesbürger beim Einkauf Wert darauf, dass Lebensmittel aus ihrer Region kommen. Für jeweils 57 Prozent sind Produktinformationen und Preis wichtig. Bestimmte Marken sind 45 Prozent der Befragten wichtig, bestimmte Siegel und Label 35 Prozent. Neue Produkte aus der Werbung motivieren noch ein knappes Drittel (31 Prozent) zum Kauf. Spitzenreiter bei der Frage „Was ist beim Einkauf wichtig?“ ist jedoch der „persönliche Geschmack“ mit 97 Prozent.
 
Potenziale für Regionalität noch nicht ausgeschöpft
Bundesweit gibt es unzählige Marken, Qualitätszeichen und Siegel, die Regionalität betonen. Der Begriff „regional“ wird in der Bevölkerung allerdings unterschiedlich interpretiert. Unter Region verstehen Verbraucher nicht das Gleiche. Sie reicht von einem Umkreis von 10 bis 50 km, über das Bundesland bis hin zu Deutschland. Mit regionalen Lebensmitteln verbinden Verbraucher Geschmack und Qualität, aber auch Frische und Förderung der regionalen Wirtschaft. Die meisten regionalen Produkte werden im Lebensmitteleinzelhandel gekauft. Eier, Gemüse, Obst, Fleisch und Milchprodukte sind die Top-Fünf der im Umland erzeugten Waren, auf die Verbraucher besonders gerne zugreifen. Verschiedene Studien belegen, dass die Potentiale von Regionalität noch nicht ausgeschöpft sind.
 
Unterwegs Essen und Trinken: Ein Wachstumsmarkt 
Der Außer-Haus-Markt wächst durch den steigenden Grad an Individualität und Mobilität in der Gesellschaft. Er ist in Deutschland nach dem Lebensmitteleinzelhandel der zweitwichtigste Absatzkanal. 2016 wurde beim Außer-Haus-Markt ein Umsatz von 75,8 Milliarden Euro erzielt (ohne Verpflegung im Gesundheitssektor). Gegenüber dem Vorjahr sind das 3,1 Prozent mehr. Dieser Markt umfasst im Wesentlichen vier Teilbereiche: Die klassische Bediengastronomie in Gaststätten, Restaurants und Hotels (29,8 Milliarden Euro), Imbisse und Schnellrestaurants (24,2 Milliarden Euro), Arbeits- und Ausbildungsplatzverpflegung (7,2 Milliarden Euro) sowie die Erlebnisgastronomie (13,1 Milliarden Euro).
 
 Wachsende Bedeutung der Direktvermarktung frischer Lebensmittel
Insgesamt gaben deutsche Haushalte 2016 rund 63,6 Milliarden Euro für frische Lebensmittel wie für Obst, Gemüse, Kartoffeln, Eier, Fleisch, Geflügel, Fleischwaren/ Wurst, Brot/Backwaren, Milch/ Milchprodukte, Käse, Margarine, Speiseöl, Mehl und Zucker aus. Die Direktvermarktung von Lebensmitteln steht wie kein anderer Vertriebsweg für den Verkauf von regionalen Produkten. Die Verbraucher möchten wissen, woher ihre Lebensmittel kommen und suchen dafür unter anderem den direkten Kontakt zum Erzeuger. Die landwirtschaftliche Direktvermarktung hat sich mit rund 2,7 Milliarden Euro Umsatz in den letzten Jahren in etwa behauptet. Der Verkauf über das Internet bietet weitere Absatzpotentiale, während der Verkauf auf den mittlerweile nur noch 3.300 Wochenmärkten rückläufig ist.