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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.6 Ökologischer Landbau

Was zeichnet den ökologischen Landbau aus?
Im ökologischen Landbau werden weitgehend geschlossene betriebliche Kreisläufe angestrebt. Futter und Nährstoffe für Tier und Pflanze sollen möglichst vollständig auf eigener Betriebsfläche erzeugt werden, ein Zukauf externer Betriebsmittel ist stark eingeschränkt und muss bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls aus ökologischer Erzeugung stammen. Der ökologische Landbau verfolgt das Ziel, besonders umweltfreundlich, bodenschonend und tiergerecht zu wirtschaften. Ökologisch wirtschaftende Landwirtschaftsbetriebe und auch Verarbeitungs- und Importunternehmen müssen sich mindestens einmal jährlich einer Kontrolle unterziehen.
 
EU-Mindeststandards auch im Öko-Landbau
Nach der letzten Novelle in 2009 soll die EU-Öko-Verordnung erneut überarbeitet werden. Anfang 2014 will die EU-Kommission neue Anforderungen für das EU-Öko-Siegel vorlegen. Die Hauptforderungen des deutschen Öko-Landbaus nach verpflichtender Gesamtbetriebsumstellung und nach einer starken Begrenzung des Imports konventioneller Wirtschaftsdünger sollen darin aber voraussichtlich nicht berücksichtigt werden. 
 
1,03 Millionen Hektar Öko-Fläche in 23.000 Betrieben
Zum 31.12.2012 wurden 1,034 Millionen Hektar und damit 6,2 Prozent der Agrarfläche in Deutschland ökologisch bewirtschaftet. Dies entspricht einem Zuwachs von 18.700 Hektar bzw. 1,8 Prozent gegenüber 2011. Die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe stieg um 2,3 Prozent von 22.506 in 2011 auf 23.032 in 2012. Damit sind 8,0 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland auf Öko-Landbau spezialisiert. Die regionalen Schwerpunkte liegen in Brandenburg, Mecklenburg- Vorpommern, Hessen, Saarland sowie in Baden-Württemberg und Bayern. Jeweils etwa zur Hälfte wirtschaften die Öko-Betriebe nach dem Standard der EU-Öko-Verordnung oder nach den Standards der Öko-Anbauverbände.
 
Grünlandnutzung dominiert im Öko-Landbau
560.000 Hektar und damit 12 Prozent aller deutschen Grünlandflächen wurden 2012 im ökologischen Landbau bewirtschaftet. Das waren 15.000 Hektar mehr als in 2011. Die Ackerflächen stagnierten bei 430.000 Hektar. Bedeutende Nutzungsanteile haben auch die Dauerkulturen (16.000 Hektar) und die Streuobstwiesen (16.500 Hektar). 
 
Ökolandbau ist wichtiger Faktor bei Gemüse
In Deutschland wurden 2012 etwa 9 Prozent der Freilandgemüsefläche von insgesamt 122.500 Hektar im ökologischen Landbau bewirtschaftet. Hauptkulturen sind Möhren, Blattgemüse, Kohl, Hülsenfrüchte und auch spezielle Kulturen wie Mangold, Portulak und Pastinaken. Die regionale Verteilung ist sehr unterschiedlich: Die meisten Anbauflächen von Öko-Gemüse sind in Bayern, Nordrhein- Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen zu finden. In Rheinland-Pfalz, einem Zentrum der Sonderkulturen, ist die Verbreitung des ökologischen Gemüseanbaus dagegen relativ gering.
 
Ökologischer Landbau in der EU
In der EU wurde nach zuletzt für 2011 vorliegenden Angaben eine Fläche von 9,5 Millionen Hektar ökologisch bewirtschaftet. Den Spitzenplatz nimmt Österreich mit knapp 20 Prozent Flächenanteil ein. Deutschland steht nach Spanien und Italien an dritter Stelle der größten Ökoanbauländer in der EU. 2011 wurde die Öko-Anbaufläche um etwa 510.000 Hektar ausgedehnt. Den stärksten Zuwachs gab es bei den Dauerkulturen (+ 78.000 Hektar). Weltweit beträgt die registrierte Ökolandbaufläche in 2011 etwa 37 Millionen Hektar.
 
Öko-Landbau braucht höhere Erlöse
Während der meist zweijährigen Übergangsphase eines Betriebes von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft entstehen hohe Umstellungskosten, die nur teilweise durch staatliche Öko-Förderung aufgefangen werden. Die Landwirte haben sinkende Erträge und höhere Aufwendungen, aber noch keine entsprechenden Erlöse für ihre Erzeugnisse. Erst wenn die Produkte auch als „ökologisch“ vermarktet werden dürfen, können die Landwirte höhere Preise erzielen. Die in vielen Regionen steigenden Pachtpreise belasten den ökologischen Landbau seit einigen Jahren zusätzlich in seiner Wettbewerbsfähigkeit. 
 
Umstellungsinteresse vorhanden, aber Rentabilität zu gering und Marktrisiko zu hoch
Das Marktwachstum schlägt sich aufgrund wachsender Importe nicht so stark in den Preisen auf der Erzeugerstufe nieder, dass Landwirte zu einer Umstellung angeregt werden. Die regelmäßige Umfrage des Konjunkturbarometer Agrar zum Umstellungsinteresse zeigt, dass etwa jeder zehnte deutsche Landwirt sich für den Öko-Landbau interessiert. Aber der zu geringe Preisabstand der Öko- Rohware zu den konventionellen Rohstoffpreisen und die zu geringe Absatzsicherheit halten sie von der Umstellung ab. 
 
Öko-Produkte mit etwa 4 Prozent Marktanteil
Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln hat in den letzten zehn Jahren, ausgehend von rund 2 Milliarden Euro in 2000, deutlich zugenommen. In 2012 wurden 3,9 Prozent des deutschen Lebensmittelumsatzes mit Bio-Ware erzielt (7,04 Milliarden Euro). Die Verkaufserlöse der deutschen Biobauern auf Ebene der Erzeuger lagen 2012 bei geschätzt 1,5 Milliarden Euro.
 
Bio-Produkte unterschiedlich erfolgreich im Markt
In einzelnen Produktgruppen wie Frischmilch, Eier, einzelne Obst- und Gemüsesorten wie Bananen und Möhren sowie im Babyfoodsektor werden deutlich über 10 Prozent Marktanteil erreicht. Bio-Fleisch von Schwein und Geflügel ist hingegen besonders teuer im Vergleich zu den konventionellen (Sonder-)Angeboten und weist Marktanteile von nur unter einem Prozent auf.
 
Besonders hoch sind die Marktanteile dort, wo der konventionelle Handel und die Discounter Bio- Produkte anbieten. Verbraucher reagieren also auch beim Konsum von Öko-Nahrungsmitteln auf preisliche Signale. Öko-Produkte mit geringen Preisdifferenzen werden offenbar eher akzeptiert als mehrere Euro Mehrpreis beim Fleischeinkauf.