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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.6 Ökologischer Landbau

Was zeichnet den ökologischen Landbau aus?
Im ökologischen Landbau werden weitgehend geschlossene betriebliche Kreisläufe angestrebt. Futter und Nährstoffe für Tier und Pflanze sollen möglichst vollständig auf eigener Betriebsfläche erzeugt werden, ein Zukauf externer Betriebsmittel ist stark eingeschränkt und muss bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls aus ökologischer Erzeugung stammen. Der ökologische Landbau verfolgt das Ziel, besonders umweltfreundlich, bodenschonend und tiergerecht zu wirtschaften.
 


Kontrolle im Öko-Landbau
Ökologisch wirtschaftende Landwirtschaftsbetriebe und auch Verarbeitungs- und Importunternehmen müssen sich mindestens einmal jährlich einer Kontrolle unterziehen. Es handelt sich vorrangig um eine Kontrolle der Produktionsverfahren, in Einzelfällen werden allerdings auch Boden- und Pflanzenproben genommen und Rückstandsanalysen durchgeführt.
 


Eine Million Hektar Ökofläche in Deutschland
Erstmals hat der ökologische Landbau die Millionen-Hektar-Schwelle überschritten. Zum 31.12.2011 wurden 1,016 Millionen Hektar und damit 6,1 Prozent der Agrarfläche in Deutschland ökologisch bewirtschaftet. Dies entspricht einem Zuwachs von 2,5 Prozent gegenüber 2010. Die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe stieg um 2,6 Prozent von 21.942 in 2010 auf 22.506 in 2011. Damit sind 7,7 Prozent der landwirt­schaftlichen Betriebe in Deutschland auf Ökolandbau spezialisiert. Die regionalen Schwerpunkte liegen im Nordosten sowie im Süden und Süd­westen Deutschlands.
 


Ökologischer Landbau in der EU
In der EU wurde 2011 nach vorläufigen Zahlen eine Fläche von 9,5 Millionen Hektar ökologisch bewirtschaftet. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Fläche damit um 5 Prozent gestiegen. Auf die ökologisch bewirtschaftete Fläche bezogen steht Deutschland nach Spanien und Italien an dritter Stelle der größten Ökoanbauländer in der EU. Zunahmen bei den Ökoflächen gab es vor allem in Spanien, Frankreich und Polen.
 


Umstellung bleibt mit Risiko verbunden
Die Bereitschaft zur Umstellung hängt ganz entscheidend von den wirtschaftlichen Aussichten ab. Während der meist zweijährigen Übergangsphase eines Betriebes von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft entstehen hohe Kosten. Die Landwirte haben sinkende Erträge und höhere Aufwendungen, aber noch keine entsprechenden Erlöse für ihre Erzeugnisse. Erst wenn die Produkte auch als „ökologisch“ vermarktet werden dürfen, können die Landwirte höhere Preise erzielen.
 


Bioprodukte erfreuen sich steigender Beliebtheit
Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln hat in den letzten Jahren zugenommen. Nachdem in 2009 der Umsatz während der Wirtschaftskrise stagnierte, hat der Markt für Bioprodukte in Deutschland in den Jahren 2010 und 2011 wieder leicht angezogen. In 2011 wurden 3,8 Prozent des deutschen Lebensmittelumsatzes mit Bio-Ware erzielt (6,5 Milliarden Euro). Vor allem bei Eiern, Frischgemüse und anderen Frischeprodukten ist der Marktanteil überdurchschnittlich.


Hoher Marktanteil bei Eiern
Das Ende der konventionellen Käfighaltung hat zu steigender Nachfrage nach Eiern aus ökologischer Erzeugung geführt. Die deutschen Haushalte kauften 2011 783 Millionen Bio-Eier, was einem Marktanteil von 9 Prozent entspricht. Bei Biofleisch haben sich die Erzeugerpreise zwar positiv entwickelt, wegen der höheren Futtermittelkosten haben sich die Margen für die Ökobauern aber nicht verbessert.


Grünlandnutzung dominiert im Öko-Landbau
535.000 Hektar und damit knapp 12 Prozent aller deutschen Grünlandflächen wurden 2011 im ökologischen Landbau bewirtschaftet. Das waren 15.000 Hektar mehr als in 2010. Die Ackerflächen stagnierten bei 435.000 Hektar. Bedeutende Nutzungsanteile haben auch die Dauerkulturen (15.000 Hektar) und die Streuobstwiesen (16.500 Hektar).


Verkaufserlöse der Erzeuger bei 1,39 Milliarden Euro
Nach Berechnungen der AMI sind die Verkaufserlöse der Bio-Landwirte 2011 um 10 Prozent auf 1,39 Milliarden Euro gestiegen. Hauptursachen sind höhere Erzeugerpreise und gewachsene Produktionsmengen für tierische Produkte. Größter Verkaufsposten ist die Milch. Hier hat es 2011 einen deutlichen Erlöszuwachs um 17 Prozent gegeben, der sich aus einer gestiegenen Anlieferungsmenge (+10 Prozent) und einem gestiegenen Preis (+6 Prozent) zusammensetzt. Im Frühjahr 2012 sind jedoch auch bei der Öko-Milch die Erzeugerpreise in den Sog sinkender Milchpreise geraten, was sich im Herbst/Winter 2012/13 wieder gewendet hat.
Im Jahr 2012 dürften die Bio-Verkaufserlöse weiter leicht wachsen, wenn auch nicht mit der Dynamik des Jahres 2011. Während die Eier- und Fleischerlöse noch weiter deutlich zulegen dürften, ist dies bei Milch nicht der Fall. Bei Getreide zeichnen sich seit der Ernte 2012 leicht höhere Preise ab. Kartoffeln und viele Gemüsearten werden zu leicht höheren Preisen angeboten.
 


Öko-Landbau aus Sicht des Verbrauchers
In der Vergangenheit wurden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, die das Verbraucherverhalten in Bezug auf Bio-Lebensmittel analysiert haben. Der wichtigste Grund für den Kauf von biologischen Lebensmitteln ist der wahrgenommene „höhere Gesundheitswert“, gefolgt von Motiven wie „Beitrag zum Tier- und Umweltschutz“ und „besserer Geschmack“. Sogenannte Kaufbarrieren sind laut Umfragen der höhere Preis, Zweifel an der „ökologischen Echtheit“ und „mangelnde Verfügbarkeit“.