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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.6 Ökologischer Landbau

Was zeichnet den ökologischen Landbau aus?
Im ökologischen Landbau werden möglichst geschlossene betriebliche Kreisläufe angestrebt. Futter und Nährstoffe für Tier und Pflanze sollen weitgehend auf eigener Betriebsfläche erzeugt werden, ein Zukauf externer Betriebsmittel ist stark eingeschränkt und muss bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls aus ökologischer Erzeugung stammen. Der ökologische Landbau verfolgt das Ziel, besonders umweltfreundlich, bodenschonend und tiergerecht zu wirtschaften. Ökologisch wirtschaftende Landwirtschaftsbetriebe müssen sich mindestens einmal jährlich einer besonderen Kontrolle unterziehen.
 
Umstrittene Revision der EU-Ökoverordnung
Im Juni 2017 haben EU-Agrarministerrat, Parlament und Kommission ihre Trilogverhandlungen für eine neue EU-Öko-Verordnung für abgeschlossen erklärt. Zwar wurden die umstrittenen speziellen Grenzwerte für Öko-Lebensmittel gestrichen, dafür können alle Rückstandsfunde zu amtlichen Untersuchungen und ggf. Sperrungen führen. Auch diese alternative Regelung wird von der Agrar-Branche kritisch gesehen, weil sie die Koexistenz von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft in Frage stellt.
 
1,25 Millionen Hektar Öko-Fläche in 27.100 Betrieben
Ende 2016 wurden 1,25 Millionen Hektar und damit 7,5 Prozent der Agrarfläche in Deutschland ökologisch bewirtschaftet. Das sind 160.000 Hektar mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe stieg um 2.396 auf 27.132 in 2016. Damit sind 10,0 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland auf Öko-Landbau spezialisiert. Bei der Ausdehnung der Ökoflächen in 2016 liegt Bayern mit einem Plus von 24 Prozent bzw. 55.000 Hektar über dem Durchschnitt, nur noch übertroffen von Sachsen, wo 29 Prozent oder 11.000 ha mehr Bio-Flächen in die Bewirtschaftung genommen wurden. Auch Schleswig-Holstein, Niedersachsen und das Saarland waren mit Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent dabei. Die regionalen Schwerpunkte des Ökolandbaus liegen mit Hessen in der Mitte, mit Bayern und Baden-Württemberg im Süden und Brandenburg sowie Mecklenburg-Vorpommern im Nordosten Deutschlands. Jeweils etwa zur Hälfte wirtschaften die Öko-Betriebe nach dem Standard der EU-Öko-Verordnung oder nach den Standards der Öko-Anbauverbände, deren Mitgliedsbetriebe gut zwei Drittel der Öko-Flächen bewirtschaften.
 
Umstellungsinteresse gewachsen
Die wachsende Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln und die starken Preisschwankungen für viele konventionell erzeugte Agrarprodukte haben für ein wachsendes Umstellungsinteresse unter Landwirten gesorgt. Nach Ergebnissen des Konjunkturbarometer Agrar vom Dezember 2016 interessieren sich etwa 16 Prozent der deutschen Landwirte für den Öko-Landbau, vor allem Futterbaubetriebe. Das größte Umstellungsinteresse findet sich in Süddeutschland. Wichtige Voraussetzung für eine wirtschaftliche nachhaltige Umstellung ist eine vertraglich gesicherte Abnahme der erzeugten Öko-Ware.
 
Grünlandnutzung dominiert im Öko-Landbau – hoher Anteil Gemüseerzeugung im Ackerbau
690.000 Hektar und damit knapp 15 Prozent aller deutschen Grünlandflächen wurden 2016 im ökologischen Landbau bewirtschaftet. Mit 510.000 Hektar oder rund 4 Prozent ist der Anteil der Ackerflächen im ökologischen Anbau deutlich unterdurchschnittlich. Relativ bedeutend ist jedoch der Öko-Anbau von Hafer, Dinkel und Hülsenfrüchten. Bedeutende Nutzungsanteile haben auch die Dauerkulturen und die Streuobstwiesen. Überdurchschnittlich ausgeprägt ist der Öko-Gemüseanbau: In 2016 wurden 10,3 Prozent der Freilandgemüseanbaufläche von 116.000 Hektar ökologisch bewirtschaftet. Fast 20 Prozent der Erlöse der Ökobetriebe stammen aus dem Gemüse- und Kartoffelanbau.
 
Die Weidetierhaltung dominiert in den Öko-Betrieben
Mutterkühe, Ziegen und Schafe werden zu relativ hohen Anteilen in ökologischer Bewirtschaftung gehalten. Dagegen ist der Anteil der ökologischen Schweinehaltung in Deutschland mit unter 1 Prozent gering. Der Anteil von Milchkühen in ökologischer Haltung liegt bei 4,1 Prozent; die höchsten Anteile befinden sich in Baden-Württemberg, im Saarland und in Hessen. Etwa die Hälfte der Bio-Milch wird in Bayern erzeugt. Relativ hoch ist der Öko-Anteil mit über 10 Prozent und mit rund 5 Prozent in der Fleischrinderhaltung, hier insbesondere in der Mutterkuhhaltung.
 
Ökologischer Landbau in der EU 
In der EU wurde 2016 eine Fläche von 12,0 Millionen Hektar ökologisch bewirtschaftet, etwa 33 Prozent mehr als noch 2010. Den Spitzenplatz nimmt Österreich mit etwa 20 Prozent Flächenanteil ein. Mit etwa 1,25 Millionen Hektar Anbaufläche steht Deutschland nach Spanien, Italien und Frankreich an vierter Stelle der größten Ökoanbauländer in der EU. Während die Öko-Anbaufläche in Frankreich seit 2010 deutlich zugenommen hat und auch in Deutschland seit zwei Jahren wieder stark wächst, ging sie im Vereinigten Königreich und den Niederlanden hingegen zurück. Weltweit betrug die registrierte Ökolandbaufläche in 2015 etwa 43,1 Millionen Hektar.
 
Öko-Landbau braucht höhere Erlöse 
Wegen eines niedrigen Ertragsniveaus und eines höheren Arbeitsaufwands sind Öko-Landwirte trotz geringerer Ausgaben für Betriebsmittel auf höhere Erzeugerpreise angewiesen, um wirtschaftlich bestehen zu können. Während der meist zweijährigen Übergangsphase eines Betriebes von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft entstehen außerdem hohe Umstellungskosten, die nur teilweise durch staatliche Öko-Förderung aufgefangen werden.
 
Erlöse der Öko-Bauern bei jährlich 2,0 Milliarden Euro
Die Verkaufserlöse im Öko-Landbau (Erzeugerstufe) sind nach Berechnungen der AMI in 2016 um fast 10 Prozent auf 2,0 Milliarden Euro gestiegen. Die Erlöszuwächse waren bei fast allen tierischen und pflanzlichen Produkten zu verzeichnen, außer bei Kartoffeln. Die größten Zuwächse gab es bei Öko-Gemüse.
  
Umsatz mit Öko-Lebensmitteln vor der 10 Milliarden Euro-Schwelle
Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln ist von 2000 bis 2016 von 2,0 auf 9,5 Milliarden Euro erheblich angestiegen. In 2016 wurden über 5 Prozent des deutschen Lebensmittelumsatzes mit Öko-Ware erzielt. Davon entfielen auf den allgemeinen Lebensmittel- Einzelhandel etwa 57 Prozent.
 
Bio-Produkte unterschiedlich erfolgreich im Markt 
Bei einzelnen Obst- und Gemüsesorten wie Bananen und Möhren sowie im Babyfoodsektor werden deutlich über 10 Prozent Marktanteil im Öko-Lebensmittelsektor erreicht. Bei Frischmilch liegt der Öko-Anteil bei etwa 10 Prozent, bei H-Milch deutlich darunter. Obst und Kartoffeln wurden je zu rund 6 Prozent in Öko-Qualität gekauft. Bio-Fleisch von Schwein und Geflügel ist hingegen besonders teuer im Vergleich zu den konventionellen Angeboten und weist Marktanteile von nur etwa einem Prozent auf. Der Öko-Fleischumsatz stieg in 2016 besonders stark. Tendenziell höher sind die Marktanteile dort, wo der konventionelle Handel und die Discounter Bio-Produkte anbieten. Verbraucher reagieren also auch beim Konsum von Öko-Nahrungsmitteln auf preisliche Signale. Öko-Produkte mit geringen Preisdifferenzen wie Möhren und Milch werden offenbar eher akzeptiert als mehrere Euro Mehrpreis zum Beispiel beim Fleischeinkauf.