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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.7 Bioenergie und Nachwachsende Rohstoffe

Wirtschaftliche Impulse durch Bioenergie
Bioenergie stellte 2014 61 Prozent der Erneuerbaren Energien in Deutschland bereit. Die größten wirtschaftlichen Impulse der erneuerbaren Energien kommen aus der Erzeugung von Bioenergie. Biomasse für Strom und Wärme und Biokraftstoffe machten rund 70 Prozent der Umsätze im von Erneuerbaren-Energien-Anlagen aus. Dies unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung der Bioenergie.

Energiepflanzen mit großer Bedeutung
Landwirtschaftliche Nutzpflanzen zur Energiegewinnung und für die stoffliche Verwertung nehmen in Deutschland etwa 2,5 Millionen Hektar ein. Das entspricht knapp 21 Prozent der Ackerfläche bzw. 15 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. 2,2 Millionen Hektar entfallen auf Energiepflanzen, vor allem Raps und Silomais. Knapp 0,3 Millionen Hektar entfallen auf Industriepflanzen, vor allem Stärkekartoffeln und Raps.
Der langjährige Aufwärtstrend des Energiepflanzenanbaus ist seit 2013 zum Stillstand gekommen. So gab es auch 2015 im Vergleich zum Vorjahr keine größeren Veränderungen.

Raps und Mais sind wichtigste „NawaRos“
Die flächenmäßig wichtigste Energie- und Industriepflanze in Deutschland ist mit etwa 756.000 Hektar Anbaufläche in 2015 der Raps, bei einer Gesamtfläche von 1,3 Millionen Hektar. Mais nimmt im Anbaujahr 2015 eine Fläche von 2,6 Millionen Hektar ein, davon entfallen aber nur etwa 0,9 Millionen Hektar auf Energiemais. Der weitaus größere Teil dient der Fütterung des Viehs (Maissilage) und der Körnermaisernte. Mais zählt zu den ertragsstärksten Energiepflanzen für die Biogasproduktion.

8 Prozent des Energieverbrauchs aus Biomasse
Knapp zwei Drittel der Erneuerbaren Energien stammen aus Biomasse. 2014 betrug der Anteil der Bioenergie am Endenergieverbrauch Deutschlands etwa 8 Prozent. Bei der Mobilität gibt es zu Biokraftstoffen unter den Erneuerbaren Energien kaum eine wirtschaftliche Alternative. In der Wärmenutzung ist Biomasse ohne staatliche Förderung konkurrenzfähig. Bei der Stromerzeugung ist Biomasse im Vergleich zu Wind und Sonne besser regelbar, speicherbar und damit verlässlicher.

Ein Viertel Strom aus Erneuer-baren Energien
Der Strom aus Erneuerbaren Energien deckte im Jahr 2014 mit einer Produktion von 161 Milliarden Kilowattstunden bereits 26 Prozent des deutschen Stromverbrauchs, Tendenz steigend. 49,2 Milliarden Kilowattstunden und damit etwa 30 Prozent des erneuerbaren Stroms wurden in 2014 aus Biomasse gewonnen.

Biogas liefert fast 5 Prozent der Stromerzeugung
In 2015 waren in Deutschland insgesamt 8.000 Biogasanlagen mit einer elektrischen Gesamtleistung von etwa 4.200 Megawatt installiert. Für 2015 wird ein Zuwachs von nur 19 Megawatt erwartet. Für die Flexibilisierung werden etwa 250 Megawatt hinzugebaut. 2015 wurden etwa 32 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert, was knapp 5 Prozent des deutschen Stromverbrauchs entspricht. Die durchschnittliche Leistung der Biogasanlagen lag bei rund 490 Kilowatt. Etwa 190 Biogasanlagen bereiten das Biogas zu Biomethan auf und speisen ins Gasnetz ein. Seit 2013 hat sich das Ausbautempo von Biogasanlagen stark verlangsamt.

Wärme aus Biomasse
Im erneuerbaren Wärmemarkt ist die Biomasse der mit Abstand wichtigste Energieträger. Der Anteil am Gesamtwärmeverbrauch liegt bei 12 Prozent. Dabei stammen etwa 88 Prozent aus der Nutzung fester Biomasse. Reststoffe aus Land- und Forstwirtschaft (Stroh, Industrierestholz, Waldrestholz, Rinde, organischer Müll etc.) leisten damit einen spürbaren Beitrag zur klimafreundlichen Wärmeerzeugung. Besonders effizient ist die so genannte Kraft-Wärme-Kopplung, bei der aus den biogenen Energieträgern gleichzeitig Strom und Wärme gewonnen werden.

Biokraftstoffbranche mit 5,1 Prozent Marktanteil
2014 wurden 2,3 Millionen Tonnen Biodiesel, 1,2 Millionen Tonnen Bioethanol sowie nur 6.000 Tonnen Pflanzenöl als Kraftstoff verwendet. Außerdem wurden auch 50 Millionen Kubikmeter Biomethan im Verkehr eingesetzt. Zusammen entspricht das 5,1 Prozent des gesamten Energieverbrauches im Verkehrssektor. Biokraftstoffe ersetzen nicht nur fossile Energieträger, sie lassen sich auch mit einem vergleichsweise geringen (fossilen) Primärenergieaufwand herstellen.

EU setzt neuen Rahmen für Biokraftstoffe
Die EU hat 2015 eine Reform der Biokraftstoffpolitik bis 2020 beschlossen. Bei einem angestrebten Gesamtanteil der erneuerbaren Energien von 10 Prozent im Verkehrssektor in 2020 sollen dann maximal 7 Prozentpunkte von landwirtschaftlichen Biokraftstoffen stammen. Andere, so genannte fortschrittliche Biokraftstoffe, also auf der Basis von Reststoffen, Abfällen oder Zellulose, sollen weitere 0,5 Prozentpunkte ausmachen. Umstrittene Effekte aus indirekter Landnutzungsänderung werden auch zukünftig nicht in den Kalkulationen der Treibhausgasemissionen berücksichtigt. Die Reform der EU-Biokraftstoffpolitik reicht nur bis 2020 und lässt eine verlässliche Perspektive nach 2020 vermissen.

Deutschland hat Treibhausgasminderungspflicht eingeführt
Seit 1. Januar 2015 ist in Deutschland die Biokraftstoffquote durch eine Treibhausgasminderungsverpflichtung ersetzt worden. Damit erhalten Biokraftstoffe, die eine besonders hohe Treibhausgasminderung erbringen, einen Vorteil im Markt. Für 2015 und 2016 ist eine THG-Minderung von 3,0 Prozent vorgesehen. Diese wird ab 2017 auf 4,0 und ab 2020 auf 6,0 Prozent angehoben.
Biodiesel aus Rapsöl spart heute schon etwa 60 Prozent der Treibhausgasemissionen von normalem Diesel ein. Damit wird die aktuelle Einsparungsverpflichtung von 35 Prozent bereits deutlich übertroffen.

Heizen mit Holz bleibt preislich attraktiv
Seit 2006 liegen die Heizölpreise zumeist deutlich über den Preisen für Holzpellets. Hackschnitzel sind nochmals deutlich günstiger. Im Oktober 2015 lag der Heizölpreis bei 55 Cent/Liter. Der Erdgaspreis lag bei 70 Cent je Kubikmeter. Aus Biomasse erzeugte Wärme ist im Vergleich deutlich günstiger. Deswegen bleiben Holz- oder Pelletheizungen für viele Hausbesitzer attraktiv. Die Preise für Wärme aus fester Biomasse sind darüber hinaus deutlich geringeren Schwankungen unterworfen als für Wärme aus fossilen Energieträgern.
 
Biogas kann neue Rolle in der Stromversorgung übernehmen
Biogasanlagen sind entsprechend der Anreizstruktur des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) bislang auf Dauerbetrieb unabhängig von der jeweiligen Stromnachfrage ausgelegt. Das wachsende und stark schwankende Angebot von Wind- und Solarstrom im Netz wird künftig einen stärker bedarfsorientierten Betrieb von Biogasanlagen erfordern bzw. wirtschaftlich attraktiv machen. In Politik und Energiewirtschaft wird erörtert, wie künftig bessere wirtschaftliche Anreize für Versorgungssicherheit und bedarfsorientierte Stromerzeugung gegeben werden können. Dazu gehören auch Überlegungen zur Verlängerung der Förderung bestehender Bioenergieanlagen, die ansonsten nach 2020 stillgelegt werden würden.

Biogas – Veränderter Rohstoffmix in Sicht
Landwirte, Anlagenbetreiber, Berater und Pflanzenzüchter sind auf der Suche nach dem Rohstoffmix der Zukunft. Momentan erzielt Silomais an vielen Standorten die höchsten Erträge. Doch alternative Biogas-Kulturen wie die Zuckerrübe oder die Durchwachsene Silphie bieten ebenfalls ein hohes Ertragspotential. Ergänzend dazu werden auch Gülle und Mist aus der Tierhaltung zunehmend in Biogasanlagen genutzt. Zusammen mit anderen Rest- und Abfallstoffen machen diese massemäßig bereits 48 Prozent der eingesetzten Substrate aus.

Bioenergie bringt positive Klimabilanz für die Landwirtschaft
Durch den Einsatz von Bioenergie für Strom, Wärme und Kraftstoffe werden in Deutschland (2013) rund 64 Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen vermieden. Dies entspricht relativ genau der Menge an Klimagasen, die die Landwirtschaft selbst verursacht (64 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent in 2014).
In der offiziellen Klimastatistik werden die durch Bioenergie erreichten Emissionsminderungen aber nicht der Land- und Forstwirtschaft zugeschrieben, sondern dem Energie- und Verkehrssektor.