©
1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.7 Bioenergie und Nachwachsende Rohstoffe

Wirtschaftliche Impulse durch Bioenergie
Die größten wirtschaftlichen Impulse der Erneuerbaren Energien kommen aus der Erzeugung von Bioenergie. Biomasse für Strom, Wärme und Biokraftstoffe machten 2016 mit etwa 10,4 Milliarden Euro über zwei Drittel der Umsätze von Erneuerbaren-Energien-Anlagen aus. Bioenergie stellte 2016 58 Prozent der Erneuerbaren Energien in Deutschland bereit, weitere 8 Prozent stammen aus biogenen Abfällen.
 
Nachwachsende Rohstoffe mit großer Bedeutung
Landwirtschaftliche Nutzpflanzen zur Energiegewinnung nehmen in Deutschland rund 2,4 Millionen Hektar ein. Das entspricht knapp 21 Prozent der Ackerfläche bzw. 15 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Hauptenergiepflanzen sind Silomais und Raps. Weitere knapp 0,3 Millionen Hektar entfallen auf Industriepflanzen, vor allem Stärkekartoffeln und Raps. Der langjährige Aufwärtstrend des Anbaus nachwachsender Rohstoffe ist seit 2014 zum Stillstand gekommen. So gab es auch 2016 im Vergleich zum Vorjahr keine größeren Veränderungen.
 
Mais und Raps sind wichtigste „NawaRos“
Mais nimmt im Anbaujahr 2016 eine Fläche von 2,6 Millionen Hektar ein, davon entfallen etwa 1,0 Millionen Hektar auf Energiemais. Der weitaus größere Teil dient der Fütterung des Viehs (Maissilage) und der Körnermaisernte. Mais zählt zu den ertragsstärksten Energiepflanzen für die Biogasproduktion. Die flächenmäßig zweitwichtigste Energie- und Industriepflanze in Deutschland ist mit etwa 883.000 Hektar Anbaufläche in 2016 der Raps, bei einer Raps-Gesamtfläche von 1,3 Millionen Hektar.
 
Erneuerbare Energie für Wärme und Verkehr zu etwa 90 Prozent aus Biomasse
Knapp zwei Drittel der Erneuerbaren Energien stammen aus Biomasse. Bei der Mobilität gibt es zu Biokraftstoffen unter den Erneuerbaren Energien kaum eine wirtschaftlichere Alternative. In der Wärmenutzung ist Biomasse ohne staatliche Förderung konkurrenzfähig. Bei der Stromerzeugung ist Biomasse im Vergleich zu Wind und Sonne besser regelbar, speicherbar und damit verlässlicher.
 
Fast ein Drittel Strom aus Erneuerbaren Energien
Der Strom aus Erneuerbaren Energien deckte im Jahr 2016 mit einer Produktion von 188 Milliarden Kilowattstunden bereits 29 Prozent des deutschen Stromverbrauchs. Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien ist 2016 nur leicht um ca. 1 Milliarde Kilowattstunden gewachsen, vor allem wegen geringerer Windstromerzeugung. 51,6 Milliarden Kilowattstunden und damit etwa 27 Prozent des erneuerbaren Stroms wurden in 2016 aus Biomasse gewonnen.
 
Biogas liefert 5 Prozent der Stromerzeugung
In 2017 waren in Deutschland über 9.300 Biogasanlagen mit einer elektrischen Gesamtleistung von etwa 4.500 Megawatt installiert. Für 2017 wird ein Zuwachs von 260 Megawatt erwartet, fast ausschließlich für die Flexibilisierung. 2017 wurden etwa 33 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert, was 5 Prozent des deutschen Stromverbrauchs entspricht. Etwa 200 Biogasanlagen bereiten das Biogas zu Biomethan auf und speisen es ins Gasnetz ein. Seit 2014 ist der Ausbau von Biogasanlagen weitgehend zum Stillstand gekommen. Der Neubau von Biogasanlagen beschränkt sich weitgehend auf die Güllenutzung.
 
Wärme aus Biomasse 
Im erneuerbaren Wärmemarkt ist die Biomasse der mit Abstand wichtigste Energieträger. Der Anteil am Gesamtwärmeverbrauch liegt bei 13 Prozent. Dabei stammen etwa 88 Prozent aus der Nutzung von Biomasse. Der Löwenanteil von 64 Prozent wird als Holzenergie zur Wärmeerzeugung genutzt. Besonders effizient ist die so genannte Kraft-Wärme-Kopplung, bei der aus den biogenen Energieträgern gleichzeitig Strom und Wärme gewonnen werden.
 
Biokraftstoffbranche mit 4,7 Prozent Marktanteil 
2016 wurden 1,98 Millionen Tonnen Biodiesel, 1,18 Millionen Tonnen Bioethanol, 0,17 Millionen Tonnen hydrierte Pflanzenöle sowie nur 4.000 Tonnen Pflanzenöl als Kraftstoff verwendet. Außerdem wurden auch 26.600 Tonnen Kubikmeter Biomethan im Verkehr eingesetzt. Zusammen entspricht das 4,7 Prozent des gesamten Energieverbrauches im Verkehrssektor (Vorjahr: 5,1 Prozent). Biokraftstoffe ersetzen nicht nur fossile Energieträger, sie lassen sich auch mit einem vergleichsweise geringen (fossilen) Primärenergieaufwand herstellen.
 
Treibhausgasminderung von 77 Prozent bei Biokraftstoffen
In Deutschland wird die Biokraftstoffquote im Wege einer Treibhausgasminderungsverpflichtung umgesetzt. Damit erhalten Biokraftstoffe, die eine besonders hohe Treibhausgasminderung erbringen, einen Vorteil im Markt. Diese Quote ist für 2017 bis 2019 auf 4,0 und ab 2020 auf 6,0 Prozent festgelegt. Im Vergleich zu Diesel und Benzin fallen bei den Biokraftstoffen durchschnittlich 77 Prozent weniger Treibhausgase an. Dennoch hat die EU-Kommission im November 2016 vorgeschlagen, die Verwendung konventioneller Biokraftstoffe aus der Landwirtschaft im Zeitraum 2021 bis 2030 deutlich zurückzuführen.
 
Heizen mit Holz bleibt preislich attraktiv 
Von 2007 bis 2015 lagen die Heizölpreise zumeist deutlich über den Preisen für Holzpellets. Hackschnitzel sind noch günstiger. Im Oktober 2017 lag der Heizölpreis bei ca. 58 Cent/Liter. Aus Biomasse erzeugte Wärme ist somit vergleichsweise günstig. Deswegen bleiben Holzoder Pelletheizungen für viele Hausbesitzer attraktiv. Die Preise für Wärme aus fester Biomasse sind deutlich geringeren Schwankungen unterworfen als für Wärme aus fossilen Energieträgern.
  
Bioenergie als flexibler Stromund Wärmeanbieter
Biogasanlagen waren entsprechend der Anreizstruktur des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) bislang auf Dauerbetrieb ausgelegt. Das wachsende und stark schwankende Angebot von Wind- und Solarstrom im Netz wird künftig einen stärker bedarfsorientierten Betrieb von Biogasanlagen erfordern bzw. wirtschaftlich attraktiv machen. Im EEG werden entsprechende Anreize dazu gegeben.
 
Bioenergie führt zu einer positiven Klimabilanz der Landwirtschaft
Durch den Einsatz von Bioenergie für Strom, Wärme und Kraftstoffe werden in Deutschland (2016) rund 64 Millionen Tonnen Treibhausgas- Emissionen vermieden. Dies entspricht fast der Menge an Klimagasen, die die Landwirtschaft selbst verursacht (67 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent in 2015). In der offiziellen Klimastatistik werden die durch Bioenergie erreichten Emissionsminderungen aber nicht der Land- und Forstwirtschaft zugeschrieben, sondern dem Energieund Verkehrssektor (siehe Kapitel 2.4 Klimawandel und Klimapolitik).