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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.8 Forstwirtschaft

Knapp ein Drittel der Fläche Deutschlands ist Wald
Der Wald übernimmt wichtige Funktionen. Er reinigt die Luft, produziert Sauerstoff, sorgt für Trinkwasser und ist Heimat für viele Tier- und Pflanzenarten. Im dicht besiedelten Deutschland bietet er Raum für Erholung und Naturerlebnis. Nicht zuletzt liefert der Wald den bedeutendsten nachwachsenden Rohstoff: Holz. Er leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Beschäftigung und Wertschöpfung im ländlichen Raum. Rund 11,4 Millionen Hektar, 32 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands, sind mit Wald bedeckt. Regional schwankt der Bewaldungsanteil stark, zwischen 3 Prozent im Landkreis Dithmarschen (Schleswig-Holstein) und 64 Prozent im Landkreis Regen (Bayern).
 
Waldfläche in Deutschland hat sich zuletzt nur wenig verändert
Die Waldfläche in Deutschland hat sich nach Ergebnissen der Bundeswaldinventur zwischen 2002 und 2012 nur wenig verändert. Einem Waldverlust von 58.000 Hektar stehen 108.000 Hektar neuer Wald gegenüber. In der Summe hat die Waldfläche um 0,4 Prozent oder 50.000 Hektar zugenommen.
 
Bundeswaldinventur 
Alle zehn Jahre machen sich Bund und Länder gemeinsam an eine Herkulesaufgabe: Sie vermessen den deutschen Wald. Die Bundeswaldinventur ist der regelmäßige Zensus für den Wald, sie wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft koordiniert. Über 90 Milliarden Bäume wachsen in Deutschlands Wäldern – zu viele, um jeden einzelnen erfassen zu können. Die Bundeswaldinventur erhebt daher eine repräsentative Stichprobe. Über 60 Inventurtrupps in den Jahren 2011 und 2012 haben dazu an rund 60.000 Messpunkten rund 150 Merkmale erfasst. Frühere Inventuren haben 1986- 1988 und 2001/2002 stattgefunden.
 
Tempo des weltweiten Verlustes an Waldflächen gebremst
Gut ein Drittel der Landfläche der Erde ist mit Wäldern bedeckt. Das sind 4,628 Milliarden Hektar. Das Tempo der globalen Waldverluste hat sich verringert: Während in den Jahren 1990 bis 2000 im Durchschnitt noch 0,18 Prozent der Wälder pro Jahr verloren gingen (7,3 Millionen Hektar), waren es im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2015 nach FAO-Angaben jährlich 0,08 Prozent (3,3 Millionen Hektar). Dabei sind die Tropen – insbesondere in Südamerika und Afrika – am stärksten betroffen. Die Waldfläche in den gemäßigten Breiten hat dagegen zugenommen. Auf Europa entfallen 1,005 Milliarden Hektar Waldfläche. Europas Waldfläche ist in den letzten 25 Jahren um rund 17,5 Millionen Hektar gewachsen.
 
Knapp die Hälfte des deutschen Waldes ist Privatwald
Von den 11,4 Millionen Hektar Wald in Deutschland sind 48 Prozent Privatwald. 29 Prozent des Waldes sind im Eigentum der Länder, 19 Prozent im Eigentum von Körperschaften – zumeist Kommunen – und 4 Prozent im Eigentum des Bundes. Dabei bestehen erhebliche regionale Unterschiede. Der Anteil des Privatwaldes reicht von 24 Prozent in Hessen bis 67 Prozent in Nordrhein-Westfalen. Er überwiegt häufig in den dünner besiedelten ländlichen Regionen. Der Staatswaldanteil liegt zwischen 17 Prozent in Nordrhein-Westfalen und 50 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Der Körperschaftswald hat in Rheinland-Pfalz einen Anteil von 46 Prozent, in Brandenburg etwa 7 Prozent, in Niedersachen und Sachsen-Anhalt rund 9 Prozent.
 
2 Millionen Kommunal- und Privatwaldbesitzer
Der Privatwald in Deutschland ist überwiegend kleinstrukturiert, teilweise zersplittert. Die Zahl der körperschaftlichen und privaten Waldeigentümer in Deutschland wird auf 2 Millionen geschätzt. Die Eigentümer kleiner Waldflächen sind oftmals wegen räumlicher Distanzen, urbaner Lebensweise oder ihrer beruflichen Tätigkeiten kaum noch mit den Erfordernissen einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung vertraut. Zudem sind die finanziellen Erträge aus der Waldbewirtschaftung an den Gesamteinkünften des Eigentümers oftmals gering. Rund die Hälfte der Privatwaldfläche entfällt auf Betriebe mit weniger als 20 Hektar. Nur 13 Prozent des Privatwaldes gehören zu Betrieben mit einer Größe über 1.000 Hektar.
 
Kleinwaldbesitz mit besonderen Herausforderungen
Klein- und Kleinstprivatwaldeigentümer werden durch forstwirtschaftliche Beratung und Betreuung von staatlichen Forsteinrichtungen und privaten Forstbetriebsgemeinschaften als Selbsthilfeeinrichtungen unterstützt. In Deutschland gibt es etwa 3.490 forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse mit 430.000 Waldbesitzern, die zusammen ca. 3,5 Millionen Hektar Wald betreuen.
 
Landwirte bewirtschaften 1,4 Millionen Hektar Wald
Nach Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 2016 entfallen auf die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland rund 1,4 Millionen Hektar Wald. Von den 5,5 Millionen Hektar Privatwald bewirtschaften die deutschen Bauern damit jeden vierten Hektar (25 Prozent). Von den 146.000 landwirtschaftlichen Betrieben mit Wald – das ist mehr als jeder zweite landwirtschaftliche Betrieb – haben 27.700 mindestens 10 Hektar Wald in der Bewirtschaftung.
 
1,1 Millionen Arbeitsplätze in der Forst- und Holzwirtschaft
2012 arbeiteten insgesamt mehr als 1,1 Millionen Menschen in rund 127.700 Unternehmen im Cluster Forst und Holz, davon 29.800 Betriebe in der Forstwirtschaft. 2,2 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung in Deutschland (55 Milliarden Euro) werden von der Forst- und Holzwirtschaft sowie nachgelagerten Bereichen erwirtschaftet.
  
Große Baumartenvielfalt 
Die häufigsten Baumarten sind Fichte (25 Prozent) und Kiefer (22 Prozent), gefolgt von Buche (16 Prozent) und Eiche (10 Prozent). Diese vier Baumarten nehmen zusammen fast drei Viertel (73 Prozent) der Waldfläche ein. Auf Birke, Esche, Erle, Lärche und Douglasie und Berghorn entfallen zusammen weitere 17 Prozent der Waldfläche. Insgesamt wachsen in den deutschen Wäldern 76 unterschiedliche Baumarten. Fremdländische Waldbaumarten wie Douglasie, Japanlärche, Roteiche, Robinie, Sitkafichte, Schwarzkiefer, Weymouthkiefer, Küstentanne und andere haben zusammen einen Flächenanteil von knapp 5 Prozent. Der Anbau dieser Baumarten eröffnet zusätzliche waldbauliche Alternativen zu der durch die Eiszeiten stark verminderten Zahl mitteleuropäischer Baumarten.
 
Immer mehr Laubbäume 
Der Flächenanteil von Laubbäumen beträgt 44 Prozent, derjenige von Nadelbäumen rund 56 Prozent. Der Nadelbaumanteil, insbesondere der der Fichte, nimmt seit einigen Jahren ab, der Laub- und Mischwald anteil nimmt dagegen zu. Dieser Waldumbau steht im Gegensatz zur Marktnachfrage nach Holz und zur Tatsache, dass die CO2-Bindung von Nadelholzarten in der Regel stärker ausgeprägt ist als bei Laubbäumen.
 
Immer mehr Waldflächen mit alten Bäumen 
Die Altersstruktur des Waldes in Deutschland ist durch die umfangreichen Wiederaufforstungen nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt. Der Wald ist nach der aktuellen Bundeswaldinventur im Durchschnitt 77 Jahre alt und gegenüber 2002 damit um viereinhalb Jahre älter. Im Durchschnitt am ältesten sind Eichen mit 102, Buchen mit 100 und Tannen mit 96 Jahren. Die Douglasie ist mit im Mittel etwa 45 Jahren die „jüngste“ Baumart. Knapp ein Viertel des Waldes (24 Prozent) ist älter als 100 Jahre, 14 Prozent sogar älter als 120 Jahre. Die Fläche der Altbestände über 100 Jahre ist gegenüber 2002 um fast 400.000 Hektar gestiegen.
 
Mehr naturnahe Waldwirtschaft, mehr Totholz 
Je weiter sich die vorhandene Baumarten-Zusammensetzung von der, die sich natürlich einstellen würde, entfernt, umso geringer wird die Naturnähe eingestuft. Nach der Bundeswaldinventur 2012 zählen 36 Prozent der Waldbestände als „naturnah“ oder „sehr naturnah“. Weitere 41 Prozent sind als bedingt naturnah eingestuft. Gegenüber der vorangegangenen Bundeswaldinventur in 2002 sind die Anteile naturnaher Waldbewirtschaftung deutlich angestiegen. Ähnliches gilt für die Totholzmasse. Diese hat im Zeitraum 2002-2012 deutlich zugenommen, und zwar um fast ein Fünftel auf 224 Millionen Kubikmeter. 25 Prozent der Waldflächen in Deutschland sind intensiv geschützt. Auf knapp 600.000 Hektar, also 5 Prozent der Waldfläche, befinden sich geschützte Biotope. Unter Einbezug nicht begehbarer Flächen sind 5,6 Prozent der Waldfläche Deutschlands nutzungsfrei. Invasive Pflanzen, die heimische Baumarten in ihrem Wachstum behindern können, haben nach Ergebnissen der aktuellen Bundeswaldinventur nur eine geringe Bedeutung.
 
Vorrat weiter angestiegen 
Der Holzvorrat hat eine Höhe erreicht wie seit Jahrhunderten nicht mehr. Innerhalb von zehn Jahren ist er um weitere 7 Prozent angestiegen. Mit einem Vorrat von 336 Kubikmetern pro Hektar liegt Deutschland nach der Schweiz und Österreich an der Spitze der europäischen Länder. 3,7 Milliarden Kubikmeter beträgt der Gesamtvorrat im deutschen Wald. An dieser Vorratserhöhung sind alle Eigentumsarten beteiligt. Die größten Hektarvorräte befinden sich mit 352 Kubikmetern pro Hektar im Privatwald. Mit Ausnahme der Fichte sind die Vorräte aller Baumarten angestiegen.
 
Holzzuwachs auf hohem Niveau 
Der Holzzuwachs ist mit 11,2 Kubikmetern je Hektar und Jahr oder 121,6 Millionen Kubikmetern pro Jahr weiterhin auf einem hohen Niveau. Allerdings hat sich die in den 1990er Jahren beobachtete Beschleunigung des Wachstums nicht fortgesetzt. Von den weit verbreiteten Baumarten wächst die Fichte mit 15,3 Kubikmetern pro Jahr und Hektar am schnellsten. Mit 10,3 Kubikmetern pro Jahr und Hektar folgt die Buche. Den größten Zuwachs haben jedoch Douglasien mit 18,9 Kubikmetern pro Jahr und Hektar und Tannen mit 16,3 Kubikmetern pro Jahr und Hektar. Diese machen zusammen aber kaum 4 Prozent der Waldfläche aus.
 
76 Millionen Kubikmeter Rohholz werden jährlich genutzt
Im Zeitraum von 2002 bis 2012 sind in Deutschland durchschnittlich 76 Millionen Kubikmeter Rohholz (Erntefestmeter einschl. Rinde) pro Jahr genutzt worden. Ohne Rinde und Ernteverluste liegt der Holzeinschlag bei rund 53 Millionen Kubikmetern. Insbesondere die Privatwaldeigentümer konnten ihren Holzeinschlag steigern und nutzten den Wald durchschnittlich mit derselben Intensität wie staatliche Forstbetriebe den Landeswald. Im Landeswald ist der Holzeinschlag unverändert bei 98 Prozent des Zuwachses. Vor allem der Kleinprivatwald bis 20 Hektar Größe, also immerhin die Hälfte der Privatwaldfläche Deutschlands, wird weniger intensiv genutzt.
 
Holzeinschlag von 52 Millionen Kubikmetern 
52,2 Millionen Kubikmeter Holz (ohne Rinde) wurden in Deutschland im Jahr 2016 eingeschlagen. Das waren gegenüber dem Vorjahr 3,4 Millionen Kubikmeter weniger. Drei Viertel (75 Prozent) des Holzeinschlags entfielen 2016 auf Nadelholz wie Fichte, Tanne, Douglasie, Kiefer und Lärche. 43 Prozent des gesamten Einschlags erfolgte im Privatwald, gut ein Drittel (35 Prozent) im Landeswald. 9,4 Millionen Kubikmeter – das entspricht 18 Prozent des gesamten Holzeinschlags – wurden 2016 als Energieholz genutzt. Im Jahr 2006 lag das Holzvolumen, das für energetische Zwecke genutzt wurde, noch bei 8,3 Millionen Kubikmeter und einem Anteil am Gesamtholzeinschlag von 13 Prozent. Im Zeitvergleich ist eine Zunahme des Holzeinschlags feststellbar: Während im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2015 jährlich 57 Millionen Kubikmeter eingeschlagen wurden, waren es im Zeitraum 1996 bis 2005 nur 45 Millionen Kubikmeter.
 
Zuwachs größer als Nutzung 
Es wird weniger Holz genutzt als nachwächst. Holznutzung und natürliches Absterben von Bäumen erreichen insgesamt 87 Prozent des Zuwachses. Die restlichen 13 Prozent gehen in den Vorratsaufbau. Bei den meisten Baumarten beträgt dieses Verhältnis zwischen 55 und 80 Prozent. Bei der Fichte liegen Holznutzung und natürliches Absterben dagegen um 15 Prozent über dem Zuwachs. Ihr Vorrat wurde damit reduziert. Weil der Zuwachs größer als die Nutzung ist, erweist sich der Wald auch als Kohlenstoffsenke. Pro Jahr werden 58 Millionen Tonnen CO2 mehr aufgenommen als abgegeben (6 Prozent der Emissionen in Deutschland). Zudem werden durch den umweltfreundlichen Rohstoff Holz energieintensive Rohstoffe und fossile Brennstoffe ersetzt.