©
2 Ressourcenschutz in der Landwirtschaft

2.1 Flächennutzung und Biodiversität

Grünes Deutschland
Die Land- und Forstwirtschaft erhält und pflegt 29,4 Millionen Hektar Acker, Wiesen und Wald. Das sind gut 82 Prozent der Fläche Deutschlands. Sie erhält die natürlichen Lebensgrundlagen und sichert die Ernährung. Vielfältige Landschaften, darunter auch die von der Landwirtschaft gepflegten Kulturlandschaften, dienen als Freizeit- und Erholungsräume und stellen darüber hinaus einen wichtigen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten dar. Die Land- und Forstwirtschaft stärkt die ländlichen Siedlungs- und Wirtschaftsräume.
 
1.470 Quadratmeter Ackerfläch pro Kopf

2013 wurde eine Fläche von rund 16,8 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzt. Diese teilt sich auf in 71,0 Prozent Ackerland, 27,8 Prozent Wiesen und Weiden sowie 1,2 Prozent Dauerkulturen. Somit stehen in Deutschland je Einwohner 580 Quadratmeter Grünland und 1.470 Quadratmeter Ackerfläche zur Verfügung. Von diesen Flächen müssen alle Versorgungsbedürfnisse in der Ernährung und Tierfütterung sowie für Bioenergie und andere nachwachsende Rohstoffe erfüllt werden. Zum Vergleich: Etwa 600 Quadratmeter wurden 2013 für jeden Bundesbürger allein für Siedlung und Verkehr benötigt. Im Jahre 1992 waren es nur 490 Quadratmeter.
 
Flächenverbrauch leich rückläufig, aber weiter hoch

Der Flächenverbrauch durch Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen beträgt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes derzeit 73 Hektar pro Tag (Durchschnitt der Jahre 2010-2013), was der Fläche von 105 Fußballfeldern entspricht.Es werden selbst in Regionen mit Bevölkerungsrückgang mehr Flächen neu versiegelt als entsiegelt. Die für Siedlung und Verkehr genutzte Fläche ist seit 1992 um 818.000 Hektar auf 4,85 Millionen Hektar angewachsen. Die Gebäude- und Freifläche, also Wohn- und Gewerbegebiete, macht mit rund 51 Prozent den größten Anteil der überbauten Flächen aus.
 
Auf den Ackerflächen dominiert Getreide
Auf den 11,9 Millionen Hektar Ackerland wurden 2015 rund 6,6 Millionen Hektar Getreide angebaut, vor allem Weizen (3,3 Millionen Hektar).
Winterraps wurde auf 1,28 Millionen Hektar angebaut, das sind 109.000 Hektar weniger als noch in 2014. Der Anbau von Silomais stagniert bei 2,1 Millionen Hektar. Der Anbau von Leguminosen stieg um etwa 80.000 Hektar, die Flächenstilllegung um ca. 100.000 Hektar.
 
Flächenverbrauch statt Ressourcenschutz
Durch den Flächenverbrauch geht die unvermehrbare Ressource Boden als Produktionsgrundlage für den Anbau von Lebens- und Futtermitteln sowie von nachwachsenden Rohstoffen verloren. Auch der Natur- und Landschaftsschutz ist betroffen, denn durch neue Siedlungs- und Verkehrsflächen werden Landschaften zersiedelt und Lebensräume für Tiere und Pflanzen bedroht. 
 
Rund 892.000 Hektar Flächenverlust zu Lasten der Landwirtschaft
Den amtlichen Liegenschaftskatastern zufolge hat die Landwirtschaftsfläche von 1992 bis 2013 um etwa 892.000 Hektar abgenommen. Im gleichen Zeitraum erfolgte eine Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche um 818.000 Hektar. Das ist mehr als die landwirtschaftlich genutzte Fläche der Länder Rheinland-Pfalz und Saarland (776.000 Hektar).

Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz müssen Eingriffe in Natur und Landschaft durch Baumaßnahmen soweit wie möglich minimiert bzw. ausgeglichen oder kompensiert werden. Die Kompensationsflächen für diese Eingriffe betragen bisweilen das Mehrfache der eigentlich versiegelten Fläche. Häufig werden gerade die fruchtbarsten Böden als Kompensationsflächen für den Natur- und Landschaftsschutz verwendet, weil diesen aus Naturschutzsicht eine geringe Wertigkeit und damit ein großes Aufwertungspotenzial beigemessen werden.
 
Hohe Flächenanteile unter Natur- und Landschaftsschutz
Der Naturschutz in Deutschland geht bis auf den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. Ein Kerninstrument ist die Erhaltung der Lebensräume von Tier- und Pflanzenarten durch die Ausweisung von Schutzgebieten. In den vergangenen Jahren kamen zahlreiche neue Schutzgebiete hinzu. Vorrangiges Ziel ist dabei häufig nicht mehr ausschließlich der Schutz einzelner bedrohter Arten, sondern eine großflächige Unterschutzstellung von Lebensräumen. Im Vergleich zu anderen dicht besiedelten Ländern ist in Deutschland ein vergleichsweise hoher Anteil der Landesfläche unter Schutz gestellt.
 
Agrarumweltprogramme fördern die Artenvielfalt
Etwa ein Drittel der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Deutschland oder gut 6 Millionen Hektar werden über Agrarumweltmaßnahmen gefördert. Neben der Förderung des ökologischen Landbaus ist hierbei der Erhalt von Grünland und vielfältigen Fruchtfolgen von zentraler Bedeutung. Der Erhalt der regional angepassten Sorten- und Rassenvielfalt von Kulturpflanzen und Nutztieren wird ebenfalls gefördert. Erfahrungen mit den Agrar-
umweltmaßnahmen zeigen, dass die „Produktion“ von Biodiversität für den Landwirt auch wirtschaftlich interessant sein kann.
 
Agrarbiodiversität erhalten
Die Erhaltung der Vielfalt hergebrachter landwirtschaftlicher Nutzpflanzen ist ein wichtiges Ziel. Die vorhandenen genetischen Ressourcen sind eine wichtige Basis für künftige Tier- und Pflanzenzüchtungen, z.B. zur Anpassung an den Klimawandel. Nicht zuletzt wird auch ein Beitrag für vielfältige Kulturlandschaften geleistet.