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2 Ressourcenschutz in Land- und Forstwirtschaft

2.1 Flächennutzung und Flächenverbrauch

Grünes Deutschland
Die Land- und Forstwirtschaft erhält und pflegt 29,4 Millionen Hektar Acker, Wiesen und Wald. Das sind gut 82 Prozent der Fläche Deutschlands. Sie erhält die natürlichen Lebensgrundlagen und sichert die Ernährung. Vielfältige Landschaften, darunter auch die von der Landwirtschaft gepflegten Kulturlandschaften, dienen als Freizeit- und Erholungsräume und stellen darüber hinaus einen wichtigen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten dar. Die Land- und Forstwirtschaft stärkt die ländlichen Gebiete als funktionsfähige Siedlungs- und Wirtschaftsräume. 
 
1.470 Quadratmeter Ackerfläche pro Kopf
2012 wurde eine Fläche von rund 16,7 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzt. Diese teilt sich auf in 71,0 Prozent Ackerland, 27,8 Prozent Wiesen und Weiden sowie 1,2 Prozent Dauerkulturen.
 
Somit stehen in Deutschland je Einwohner 580 Quadratmeter Grünland und 1.470 Quadratmeter Ackerfläche zur Verfügung. Von diesen Flächen müssen alle Versorgungsbedürfnisse in der Ernährung und Tierfütterung, für Bioenergie und andere nachwachsende Rohstoffe erfüllt werden. Zum Vergleich: Etwa 600 Quadratmeter wurden 2012 für jeden Bundesbürger allein für Siedlung und Verkehr benötigt. Im Jahre 1992 waren es nur 490 Quadratmeter. 
 
Flächenverbrauch statt Ressourcenschutz
Der Flächenverbrauch durch Siedlung und Verkehr zählt zu den größten Umweltherausforderungen. Damit geht die unvermehrbare Ressource Boden als Produktionsgrundlage für den Anbau von Lebens- und Futtermitteln sowie von nachwachsenden Rohstoffen verloren. Auch der Natur- und Landschaftsschutz ist betroffen, denn durch neue Siedlungs- und Verkehrsflächen werden Landschaften zersiedelt und Lebensräume für Tiere und Pflanzen bedroht.
 
Flächenverbrauch leicht rückläufig, aber weiter hoch
Der Flächenverbrauch durch Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen beträgt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes derzeit 74 Hektar pro Tag (Durchschnitt der Jahre 2009- 2012), was der Fläche von 106 Fußballfeldern entspricht. Im Vergleich zum durchschnittlichen Flächenverbrauch der Jahre 2007-2010 sind dies 13 Hektar tägliche Zunahme weniger. Dennoch werden selbst in Regionen mit Bevölkerungsrückgang mehr Flächen neu versiegelt als entsiegelt. Die für Siedlung und Verkehr genutzte Fläche ist seit 1992 um 792.000 Hektar auf über 4,8 Millionen Hektar angewachsen. Die Gebäude- und Freifläche, also Wohn- und Gewerbegebiete, macht mit rund 52 Prozent den größten Anteil der überbauten Flächen aus.
 
Rund 865.000 Hektar Flächenverlust zu Lasten der Landwirtschaft
Den amtlichen Liegenschaftskatastern zufolge hat die Landwirtschaftsfläche von 1992 bis 2012 um etwa 865.000 Hektar abgenommen. Im gleichen Zeitraum erfolgte eine Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche um 792.000 Hektar. Das entspricht dem Vierfachen der Fläche von Berlin, Hamburg und Bremen. 
 
Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz müssen Eingriffe in Natur und Landschaft durch Baumaßnahmen soweit wie möglich minimiert bzw. ausgeglichen oder kompensiert werden. Die Kompensationsflächen für diese Eingriffe betragen bisweilen das Mehrfache der eigentlich versiegelten Fläche. Häufig werden gerade die fruchtbarsten Böden als Kompensationsflächen für den Natur- und Landschaftsschutz verwendet, weil diesen aus Naturschutzsicht eine geringe Wertigkeit und damit ein großes Aufwertungspotenzial beigemessen werden. 
 
Flächenverluste der Landwirtschaft – ein europaweites Problem
Nach einer Auswertung des Bundesinstitutes für Raumforschung (BBSR) geht der Flächenverbrauch für Siedlungsflächen in vielen Regionen Europas vor allem zu Lasten der Ackerflächen. Als Ursache wird der geringere planerische Schutzstatus im Vergleich zu Wäldern und anderen Biotopen genannt. 
 
Staatlicher Naturschutz beansprucht immer mehr Flächen
Der Naturschutz in Deutschland geht bis auf den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. Kernziel ist nach wie vor die Erhaltung der Lebensräume von Tier- und Pflanzenarten durch die Ausweisung von Schutzgebieten. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche neue Schutzgebiete ausgewiesen. Vorrangiges Ziel ist dabei häufig nicht mehr ausschließlich der Schutz einzelner bedrohter Arten, sondern eine großflächige Unterschutzstellung von Lebensräumen. Im weltweiten Vergleich zu anderen dicht besiedelten Ländern ist in Deutschland ein vergleichsweise hoher Anteil der Landesfläche unter Schutz gestellt.
 
Agrarumweltprogramme fördern die Artenvielfalt
Etwa ein Drittel der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Deutschland oder 5,6 Millionen Hektar werden über Agrarumweltmaßnahmen gefördert. Neben der Förderung des ökologischen Landbaus ist hierbei der Erhalt von Grünland und vielfältigen Fruchtfolgen von zentraler Bedeutung. Der Erhalt der regional angepassten Sorten- und Rassenvielfalt von Kulturpflanzen und Nutztieren wird ebenfalls gefördert. Erfahrungen mit den Agrarumweltmaßnahmen zeigen, dass die „Produktion“ von Biodiversität für den Landwirt auch wirtschaftlich interessant sein kann.