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2 Ressourcenschutz in Land- und Forstwirtschaft

2.2 Bioenergie und Nachwachsende Rohstoffe

129.000 Arbeitsplätze in der Bioenergie
Die Bioenergie ist die größte Einzelbranche im Bereich erneuerbare Energien, sie stellt 34 Prozent der insgesamt 378.000 Arbeitsplätze. Im Jahr 2012 wurden deutschlandweit 2,6 Milliarden Euro in den Neubau oder die Erweiterung von Bioenergie-Anlagen investiert, darunter 1,5 Milliarden Euro in die Stromerzeugung, hauptsächlich Biogas. Dies ist nach dem Boom der Vorjahre ein rückläufiger Trend (2011: 2,9 Milliarden Euro Investitionen). Der Umsatz der Bioenergie-Branche lag 2012 nach Angaben des Bundesumweltministeriums bei 10,7 Milliarden Euro, darunter 7,0 Milliarden Euro mit Strom und Wärme und 3,7 Milliarden Euro mit Biokraftstoffen. 
 
Landwirte sind wichtige Investorengruppe bei Erneuerbaren Energien
Landwirte haben in den Jahren 2009 bis 2012 rund 18 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert, vor allem in Biogasanlagen und Fotovoltaik. Bezogen auf alle erneuerbaren Energien sind 11 Prozent der deutschlandweiten Anlagenkapazität von 72.900 Megawatt unmittelbar in der Hand von Landwirten. Bei Biogas befinden sich rund Dreiviertel aller Anlagen mit einer Gesamtleistung von derzeit ca. 3.500 Megawatt im Eigentum von Landwirten. Knapp ein Viertel aller Fotovoltaikanlagen gehören Landwirten. 
 
Trendwende oder nur vorübergehende Delle bei Energiepflanzen?
Landwirtschaftliche Nutzpflanzen zur Energiegewinnung und für die stoffliche Verwertung nehmen in Deutschland etwa 2,4 Millionen Hektar ein. Das entspricht 20 Prozent der Ackerfläche bzw. 14 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Es entfallen 2,1 Millionen Hektar auf Energiepflanzen, vor allem Raps und Silomais. Knapp 0,3 Millionen Hektar entfallen auf Industriepflanzen, vor allem Stärkekartoffeln und Raps.
 
Der zehnjährige Aufwärtstrend des Energiepflanzenanbaus ist 2013 zum Stillstand gekommen. Die Stagnation dürfte auf geringeren Energiemaisanbau und witterungsbedingt niedrigere Anbauflächen bei Raps zurückzuführen sein. Es zeichnet sich aber auch ab, dass die Biokraftstoffproduktion auf heimischer Rohstoffbasis tendenziell an wirtschaftlicher Wettbewerbskraft verloren hat.
 
Raps ist NawaRo Nummer eins
Die flächenmäßig wichtigste Energie und Industriepflanze in Deutschland ist mit knapp 0,9 Millionen Hektar Anbaufläche in 2013 der Raps, bei einer Gesamtfläche von 1,5 Millionen Hektar. Mais nimmt zwar im aktuellen Anbaujahr 2013 eine Fläche von 2,5 Millionen Hektar ein, davon entfallen aber nur 0,8 Millionen Hektar auf Energiemais. Der weitaus größere Teil dient der Fütterung des Viehs (Maissilage) und der Körnermaisernte. Mais zählt zu den ertragsstärksten Energiepflanzen für die Biogasproduktion.
 
Biomasse ist wichtige Erneuerbare Energie
2012 betrug der Anteil der Bioenergie am Endenergieverbrauch Deutschlands 8,2 Prozent. Dabei stammen knapp zwei Drittel der Erneuerbaren Energie aus Biomasse. Bei der Mobilität gibt es zu Biokraftstoffen kaum eine wirtschaftliche Alternative. In der Wärmenutzung ist Biomasse ohne staatliche Förderung konkurrenzfähig. Bei der Stromerzeugung ist Biomasse im Vergleich zu Wind und Sonne besser speicherbar.
 
Strom aus Erneuerbaren Energien übertrifft politische Ziele
Der Strom aus Erneuerbaren Energien deckte im Jahr 2012 mit einer Produktion von 142 Milliarden Kilowattstunden bereits 23 Prozent des deutschen Stromverbrauchs, Tendenz steigend. 43,6 Milliarden Kilowattstunden und damit etwa 30 Prozent des erneuerbaren Stroms wurden in 2012 aus Biomasse gewonnen.
 
Biogas liefert 4 Prozent der Stromerzeugung
In 2012 waren in Deutschland insgesamt 7.515 Biogasanlagen mit einer elektrischen Gesamtleistung von etwa 3.350 Megawatt installiert. Es wurden etwa 23 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert, was knapp 4 Prozent des deutschen Stromverbrauches entspricht. Die durchschnittliche Leistung der Biogasanlagen lag bei rund 240 Kilowatt. Etwa 110 Biogasanlagen bereiten das Biogas zu Biomethan auf und speisen es ins Gasnetz ein. In 2012 und 2013 ist eine starke Abbremsung des Ausbautempos bei Biogas auf etwa 200 Megawatt pro Jahr eingetreten.
 
Wärme aus Biomasse
Im erneuerbaren Wärmemarkt ist die Biomasse der mit Abstand wichtigste Energieträger. Der Anteil am Gesamtwärmeverbrauch liegt bei 9,2 Prozent. Dabei stammen etwa 80 Prozent aus der Verbrennung fester Biomasse. Reststoffe aus Land- und Forstwirtschaft (Stroh, Industrierestholz, Waldrestholz, Rinde, organischer Müll etc.) leisten damit einen spürbaren Beitrag zur klimafreundlichen Wärmeerzeugung. Besonders effizient ist die so genannte Kraft-Wärme-Kopplung, bei der aus den biogenen Energieträgern gleichzeitig Wärme und Strom gewonnen werden.
 
Biokraftstoffbranche mit 5,7 Prozent Marktanteil
2012 wurden 2,5 Millionen Tonnen Biodiesel, 1,3 Millionen Tonnen Bioethanol sowie nur 0,03 Millionen Tonnen Pflanzenöl als Kraftstoff verwendet. Außerdem wurden 35 Millionen Kubikmeter Biomethan im Verkehr eingesetzt. Zusammen entspricht das 5,7 Prozent des gesamten Kraftstoffverbrauches. Biokraftstoffe ersetzen nicht nur fossile Energieträger, sie lassen sich auch mit einem vergleichsweise geringen (fossilen) Primärenergieaufwand herstellen. Die Treibhausgasminderung muss mindestens 35 Prozent gegenüber fossilem Kraftstoff betragen.
 
EU debattiert über Rahmenbedingungen für Biokraftstoffe
Die EU-Kommission hatte im Oktober 2012 vorgeschlagen, die Produktion von Biokraftstoffen aus Nahrungsmittelfrüchten bis zum Jahr 2020 auf einen Anteil von 5 Prozent Kraftstoffverbrauch zu begrenzen, darüber sollen die Biokraftstoffe aus Rest- und Abfallstoffen stammen. Das Europäische Parlament hat im September 2013 hierzu abweichend Position bezogen. Ein Ergebnis wird im Trilog zwischen Rat, Parlament und Kommission frühestens im Frühjahr 2014 erwartet.
 
iLUC-Modelle sind sehr umstritten
iLUC steht für indirekte Landnutzungsänderungen. Als Beispiel für iLUC wird häufig die Regenwaldrodung für Soja angeführt. Die in Deutschland durch den Anbau nachwachsender Rohstoffe „verlorengegangene“ Futter- oder Nahrungsmittelfläche würde dazu führen, dass durch eine gestiegene Importnachfrage nach Futtermitteln in einem anderen Land eine Waldrodung zur Folge hat. Die dadurch frei werdenden Treibhausgasemissionen wollen die Befürworter der iLUC-These den hiesigen Biokraftstoffen als iLUC-Faktor in der Treibhausgasbilanz anlasten. Ein kausaler Zusammenhang konnte aber bisher nicht nachgewiesen werden. Vielmehr sind in den entsprechenden Ländern selbst Regelungen zum Schutz wertvoller Flächen zu treffen.
 
Doch kein iLUC-Faktor?
Nach heftigen politischen Diskussionen hat die EU-Kommission von einem iLUC-Faktor Abstand genommen. Die EU-Kommission und das Parlament haben stattdessen ein Monitoring vorgeschlagen, das unter Umständen 2020 in einen iLUC-Faktor münden kann.
 
Biokraftstoffe mit neuen Marktchancen in der Landwirtschaft?
Preisrückgänge bei Pflanzenölen sorgen angesichts unverändert hoher Dieselpreise dafür, dass Biokraftstoffe in der Landwirtschaft wieder wirtschaftlich attraktiv werden. Auch unter Berücksichtigung der Agrardieselerstattung und des geringeren Brennwertes von Biodiesel bzw. Pflanzenöl ist ein deutlicher Preisvorteil entstanden. Einige Traktorenhersteller haben inzwischen so genannte Multifuel-Motoren zur Marktreife entwickelt. Diese können vollelektronisch zwischen verschiedenen Kraftstoffen umschalten. Die Markteinführung dieser Innovation steht aber noch aus.
 
Heizen mit Holz bleibt preislich attraktiv
Seit 2011 bewegen sich die Heizölpreise im Bereich zwischen 80 und 95 Cent pro Liter (einschließlich Mehrwertsteuer). Im Oktober 2013 lag der Heizölpreis bei 85 Cent/Liter. Der Erdgaspreis liegt zwischen 6 und 7 Cent je Kubikmeter. Aus Biomasse erzeugte Wärme ist im Vergleich deutlich günstiger. Deswegen bleiben Holz- oder Pelletheizungen für viele Hausbesitzer attraktiv.
 
Biogas kann neue Rolle in der Stromversorgung übernehmen
Biogasanlagen sind entsprechend der Anreizstruktur des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) bislang auf Dauerbetrieb unabhängig von der jeweiligen Stromnachfrage ausgelegt. Das wachsende und stark schwankende Angebot von Wind- und Solarstrom im Netz wird künftig einen stärker bedarfsorientierten Betrieb von Biogasanlagen erfordern bzw. wirtschaftlich attraktiv machen. In Politik und Energiewirtschaft wird derzeit erörtert, wie künftig bessere wirtschaftliche Anreize für Versorgungssicherheit und bedarfsorientierte Stromerzeugung gegeben werden können.
 
Viele Wege zur Flexibilisierung mit Biogas
Die Biogastechnik bietet viele Möglichkeiten zur Flexibilisierung. Dazu gehören die Zwischenspeicherung von Rohbiogas, die zeitweilige Abregelung von Generatoren, den Wechsel zwischen Strom- und Wärmeerzeugung und die Aufbereitung und Einspeisung von Biomethan ins Gasnetz.
 
Energiewende: Suche nach dem Energiemix der Zukunft
Im Zuge des Ausbaus der Stromproduktion durch Wind und Fotovoltaik soll die Energieversorgungsstruktur schrittweise umgebaut werden. Dazu gehört zum einen der Aus- und Umbau der Stromnetze. Zum anderen müssen abgängige Grundlastkraftwerke, vor allem Kern- und Kohlekraftwerke, durch flexible Kraftwerke ersetzt werden. Dazu gehören vor allem Gas- und Pumpspeicherkraftwerke. Biogas kann hierbei eine dezentrale Ergänzung zu oft diskutierten neuen Erdgaskraftwerken leisten. Ob neuartige Energiespeicher einen wirtschaftlich tragfähigen Beitrag zur Sicherung der Stromversorgungen leisten können, ist unter Energieexperten noch umstritten.
 
Biogas – Veränderter Rohstoffmix in Sicht
Landwirte, Anlagenbetreiber, Berater und Pflanzenzüchter sind auf der Suche nach dem Rohstoffmix der Zukunft. Momentan erzielt Silomais an vielen Standorten die höchsten Erträge. Doch alternative Biogas- Kulturen wie die Zuckerrübe oder die Durchwachsene Silphie bieten ebenfalls ein hohes Ertragspotential. Ergänzend dazu werden auch Gülle und Mist aus der Tierhaltung zunehmend in Biogasanlagen genutzt werden.
 
Bioenergie verbessert Klimabilanz im Energie- und Verkehrssektor
In der amtlichen Klimastatistik werden die vermiedenen CO2-Emissionen aus dem Ersatz fossiler Rohstoffe durch nachwachsende Rohstoffe in den Sektoren Verkehr, Energie und Wärme als Emissionsminderungen verbucht, nicht aber bei der Landwirtschaft.
 
Bioenergie bringt positive Klimabilanz der Landwirtschaft
Durch den Einsatz von Bioenergie für Strom, Wärme und Kraftstoffe werden in Deutschland (2012) rund 66 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen vermieden. Dies entspricht fast der Menge an Klimagasen, die direkt in der Landwirtschaft durch Methan und Lachgas freigesetzt wird (72 Millionen Tonnen CO2- Äquivalent).