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2 Ressourcenschutz in Land- und Forstwirtschaft

2.2 Bioenergie und Nachwachsende Rohstoffe

Bioenergiesektor wächst weiter
Die Bioenergiebranche zählt inzwischen 128.000 Beschäftigte und damit 34 Prozent aller Arbeitsplätze im Bereich erneuerbare Energien. Das hohe Investitionsvolumen bestätigt den Wachstumskurs: Im Jahr 2011 wurden deutschlandweit 2,9 Milliarden Euro in den Neubau oder die Erweiterung von Bioenergie-Anlagen investiert, darunter 2 Milliarden Euro in die Stromerzeugung, hauptsächlich Biogas.
 
 
Landwirte sind wichtige Investorengruppe bei Erneuerbaren Energien
Landwirte haben in den Jahren 2009 bis 2011 rund 16 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert, vor allem in Biogasanlagen und Fotovoltaik. Deutschlandweit befanden sich Ende 2010 rund 72 Prozent aller Biogasanlagen mit einer Gesamtleistung von knapp 2.300 Megawatt im Eigentum von Landwirten. Bei den „kleinen“ Anlagen im Leistungsbereich bis 500 Kilowatt beträgt der Eigentümeranteil der Landwirte sogar über 82 Prozent. Knapp ein Viertel aller Fotovoltaikanlagen gehören Landwirten.
 
 
Anbau nachwachsender Rohstoffe steigt weiter
Landwirtschaftliche Nutzpflanzen zur Energiegewinnung und für die industrielle Verarbeitung nehmen einen wachsenden Anteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland ein. Nach einem kleinen Rückgang in 2008 ist die Anbaufläche für nachwachsende Rohstoffe in den letzten Jahren wieder deutlich gewachsen und beträgt inzwischen 2,53 Millionen Hektar (21 Prozent der Ackerfläche Deutschlands). Davon entfallen 2,12 Millionen Hektar auf den Energiepflanzenanbau. Der Anstieg von rund 150.000 Hektar im Vergleich zum Vorjahr ist zum Teil auf einen gestiegenen Anbau für Biogasanlagen zurückzuführen (plus 60.000 Hektar). Die Anbaufläche für Pflanzen zur Biokraftstoffgewinnung ist etwa konstant, die Flächen für Industriepflanzenanbau sind laut Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe im Bereich der Stärkeerzeugung deutlich höher als bisher angenommen (245.000 Hektar). 
 
 
Raps ist NawaRo Nummer eins
Die flächenmäßig bedeutendste Energie- und Industriepflanze in Deutschland ist mit 1,1 Millionen Hektar Anbaufläche in 2012 noch immer der Raps. Mais nimmt zwar im aktuellen Anbaujahr 2012 eine Fläche von 2,6 Millionen Hektar ein, davon entfallen aber nur 0,9 Millionen Hektar auf Energiemais. Der weitaus größere Teil des Maisanbaus dient der Futtermittelgewinnung für die Viehhaltung und der Körnermaisernte. Mais zählt zu den ertragsstärksten Energiepflanzen für die Biogasproduktion.
 
 
Biomasse ist wichtige Erneuerbare Energie
Mehr als zwei Drittel der in Deutschland verwendeten Erneuerbaren Energie stammt aus Biomasse. Bei der Mobilität gibt es zu Biokraftstoffen kaum eine wirtschaftliche Alternative. In der Wärmenutzung ist Biomasse ohne staatliche Förderung konkurrenzfähig. Bei der Stromerzeugung ist Biomasse im Vergleich zu Wind und Sonne besser speicherbar.
 
 
Strom aus Erneuerbaren Energien übertrifft politische Ziele
Der Strom aus erneuerbaren Energien deckte im Jahr 2011 mit einer Produktion von 123 Milliarden Kilowattstunden bereits 20 Prozent des deutschen Stromverbrauchs, Tendenz steigend. 36,9 Milliarden Kilowattstunden und damit etwa 30 Prozent des erneuerbaren Stroms wurden in 2011 aus Biomasse gewonnen.
 
 
Wärme aus Biomasse
Im Bereich der erneuerbaren Wärme ist die Biomasse mit 92 Prozent der mit Abstand wichtigste erneuerbare Energieträger im Wärmemarkt. Der Anteil am Gesamtwärmeverbrauch liegt bei 9,5 Prozent. Von den 132 Milliarden Kilowattstunden Biowärme stammen knapp drei Viertel aus der Verbrennung fester Bio-masse. Rest- und Abfallstoffe aus Land- und Forstwirtschaft (Stroh, Industrierestholz, Waldrestholz, Rinde, organischer Müll etc.) leisten damit einen spürbaren Beitrag zur klimafreundlichen Wärmeerzeugung. Besonders effizient ist die so genannte Kraft-Wärme-Kopplung, bei der aus den biogenen Energieträgern in Biomasseheizkraftwerken gleichzeitig Wärme und Strom gewonnen werden.
 
 
Biogas liefert 3 Prozent der Stromerzeugung
In 2011 waren in Deutschland insgesamt 7.320 Biogasanlagen mit einer elektrischen Gesamtleistung von knapp 3.000 Megawatt installiert. Es wurden rund 18 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert, was etwa 3 Prozent des deutschen Stromverbrauches entspricht. Die durchschnittliche Leistung der Biogasanlagen lag bei rund 250 Kilowatt. Etwa 80 Biogasanlagen bereiten das Biogas zu Biomethan auf und speisen es ins Gasnetz ein. Für 2012 und 2013 wird eine deutliche Abschwächung des Ausbautempos bei Biogas erwartet.
 
 
Biokraftstoffbranche mit 5,5 Prozent Marktanteil
2011 wurden 2,75 Milliarden Liter Biodiesel, 1,55 Milliarden Liter Bioethanol sowie 21 Millionen Liter Pflanzenöl als Kraftstoff verwendet. Das entspricht 5,5 Prozent des gesamten Kraftstoffverbrauches. Biokraftstoffe ersetzen nicht nur fossile Energieträger, sie lassen sich auch mit einem vergleichweise geringen (fossilen) Primärenergieaufwand herstellen. Die Treibhausgasminderung muss mindestens 35 Prozent gegenüber fossilem Kraftstoff betragen.
 
 
Biodiesel hat viele ökologische und ökonomische Vorteile
Rapsöl-Methyl-Ester (RME), auch Biodiesel genannt, wird aus Rapsöl gewonnen. Mit jedem Liter Biodiesel werden 2,2 Kilogramm Treibhausgase bzw. mit jedem Hektar Energieraps ca. 1.500 Liter fossiles Öl eingespart. Aufgrund der schnellen biologischen Abbaubarkeit kommt es bei Biodiesel im Unterschied zu herkömmlichem Dieselkraftstoff nur zu einer sehr geringen Belastung von Boden und Grundwasser.
 
 
EU will konventionelle Biokraftstoffe verdrängen
Die EU-Kommission hat im Oktober 2012 vorgeschlagen, die Produktion von Biokraftstoffen aus Nahrungsmittelfrüchten bis zum Jahr 2020 auf einen Anteil von 5 Prozent Kraftstoffverbrauch zu begrenzen, darüber sollen die Biokraftstoffe aus Rest- und Abfallstoffen stammen. Bisher lag das politische Ziel bei 10 Prozent Biokraftstoffen.
 
 
Vorerst kein iLUC-Faktor
Nach heftigen politischen Diskussionen hat die EU-Kommission von einem iLUC-Faktor Abstand genommen. iLUC steht für Indirekte Landnutzungsänderungen. Dabei wird behauptet, dass durch den Anbau von Ackerkulturen für Biokraftstoffe globale Verdrängungseffekte entstehen. Diese würden sich dann in zusätzlichen Emissionszuschlägen in der Treibhausgasbilanzierung der europäischen Biokraftstoffproduktion niederschlagen.
 
 
iLUC-Modelle sind sehr umstritten
Als Beispiel für iLUC wird häufig die Regenwaldrodung für Soja angeführt. Die in Deutschland durch Biokraftstoffproduktion „verlorengegangene“ Futter- oder Nahrungsmittelfläche würde dazu führen, dass durch eine gestiegene Importnachfrage nach Futtermitteln in einem anderen Land eine Waldrodung erfolgt. Die dadurch frei werdenden Treibhausgasemissionen wollen die Befürworter der iLUC-These den hiesigen Biokraftstoffen als iLUC-Faktor auf die Treibhausgasbilanz aufschlagen. Ein kausaler Zusammenhang konnte aber bisher nicht nachgewiesen werden. Vielmehr sind in den entsprechenden Ländern selbst Regelungen zum Schutz wertvoller Flächen zu treffen.
 
 
Biokraftstoffe sind eng mit der Futtermittelproduktion verknüpft
Wertvolle Futtermittel entstehen, wenn Biodiesel aus Raps oder Bioethanol aus Getreide und Zuckerrüben erzeugt werden. Zum Beispiel werden etwa 60 Prozent des Rapskorns zu Rapsschrot verarbeitet, nur 40 Prozent dient als Rapsöl. Insgesamt werden so ca. 2,3 Millionen Tonnen Importe an Sojaschrotfutter ersetzt, darunter 1,8 Millionen Tonnen Sojaschrotäquivalent aus Rapsschrot und 0,4 Millionen Tonnen aus Getreideschlempe. Die Bioenergie ist somit ein integrierter Bestandteil der heimischen Agrarwirtschaft.
 
 
Der Ölpreis und die Bioenergie
Seit 2010 bewegt sich der Preis für ein Barrel Rohöl um 100 US-Dollar. Die Heizölpreise haben im Oktober 2012 einen Preis von 90 bis 95 Cent pro Liter (einschließlich Mehrwertsteuer) erreicht. Das ist ein nochmaliger Anstieg im Vergleich zum bereits hohen Vorjahresniveau. Aus Biomasse erzeugte Wärme wird dadurch im Vergleich günstiger. Deswegen sind Holz- oder Pelletheizungen für viele Hausbesitzer attraktiv.
 
 
Ehrgeizige Ziele für Deutschlands Energieversorgung
Aus der EU-Richtlinie für er­neuerbare Energien ergibt sich für Deutschland das ver­bindliche nationale Ziel von 18 Prozent Gesamtanteil am Primärenergieverbrauch im Jahr 2020. In ihrem Aktionsplan für erneuerbare  Energien will die Bundesregierung den Anteil erneuerbarer Energien auf  19,6 Prozent in 2020 erhöhen. Eine noch rasantere Entwicklung der erneuerbaren Energien prognostiziert die Erneuerbare En­ergien Branche selbst: Hier geht man davon aus, dass im Jahr 2020 bereits ein Anteil von 28,3 Prozent am End­energieverbrauch erreicht wird und dass die Branche im Jahr 2020 etwa 500.000 Menschen beschäftigen wird.
 
 
Bioenergie verbessert Klimabilanz im Energie- und Verkehrssektor
In der offiziellen Klimaberichterstattung werden die vermiedenen CO2-Emissionen aus dem Ersatz fossiler Rohstoffe durch nachwachsende Rohstoffe in den Kapiteln Verkehr, Energie und Wärme als geringere Emission verbucht, nicht aber bei der Landwirtschaft. Andererseits werden etwa Emissionen von Traktoren dem Verkehr bzw. die industrielle Herstellung von Mineraldüngern der Industrie und nicht direkt der Landwirtschaft zugeordnet.
 
 
Bioenergie bringt positive Klimabilanz der Landwirtschaft
Durch den Einsatz von Bioenergie für Strom, Wärme und Kraftstoffe werden in Deutschland (2011) rund 66 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen vermieden. Dies entspricht fast der Menge an Klimagasen, die direkt in der Landwirtschaft  durch Methan und  Lachgas freigesetzt wird (72 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent).  
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Herausgegeben vom Deutschen Bauernverband mit Unterstützung von: