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2 Ressourcenschutz in der Landwirtschaft

2.3 Boden- und Pachtmarkt

Preise für Agrarland kräftig gestiegen
Die Preise für Agrarland sind im Jahr 2014 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes weiter kräftig gestiegen, und zwar im Bundesdurchschnitt um 10 Prozent auf rund 18.100 Euro je Hektar. Die Preise kletterten allerdings etwas weniger stark als im Vorjahr (+ 14 Prozent). Mit Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen verzeichneten vor allem viele der neuen Bundesländer neben Nordrhein-Westfalen die höchsten Preissteigerungen. Im Durchschnitt der neuen Länder lag der Preis für Agrarflächen 2014 bei 12.300 Euro je Hektar (gegenüber Vorjahr + 17 Prozent), im Westen Deutschlands bei 28.400 Euro (+ 13 Prozent). Beim Verhältnis von Pacht- zu Bodenpreis nähern sich der Osten und der Westen Deutschlands weiter an.
 
Flächenumsatz nur bei 0,7 Prozent der gesamten Agrarfläche
Insgesamt sind 2014 etwa 108.900 Hektar Agrarland verkauft worden (Vorjahr 101.600 Hektar). Gemessen an der gesamten Agrarfläche Deutschlands sind das 0,7 Prozent. In den neuen Bundesländern stieg die veräußerte Agrarfläche gegenüber dem Vorjahr um gut 14 Prozent auf 69.600 Hektar an, davon entfallen 33.700 Hektar auf BVVG-Flächen. Demgegenüber ging der Flächenumsatz in Westdeutschland mit 39.300 Hektar gegenüber Vorjahr um 3 Prozent zurück.
An der Spitze in Sachen Bodenmobilität lagen 2014 erneut Brandenburg mit einer verkauften Fläche von 24.800 Hektar, Mecklenburg-Vorpommern mit 15.800 Hektar, Sachsen-Anhalt mit 12.300 Hektar sowie Niedersachsen mit 11.900 Hektar. Mit 4,60 Hektar lag die durchschnittliche Fläche je Veräußerungsfall im Osten Deutschlands wesentlich höher als im Westen mit 1,27 Hektar.
 
Stark differierende Bodenpreise
Je nach Bodengüte, Nutzungsart oder regionaler Lage sind die Preisunterschiede beim Kauf von Agrarflächen erheblich. Für den relativ hohen Preisstand in Bayern (besonders Regierungsbezirke Ober- und Niederbayern mit 66.100 bzw. 62.300 Euro) und Nordrhein-Westfalen (besonders Regierungsbezirke Münster und Düsseldorf mit 55.900 bzw. 51.100 Euro) sind auch die starke Nachfrage nach Bebauungs-, Verkehrs- und Ausgleichsflächen maßgebend. Umgekehrt finden sich die niedrigsten Kaufwerte je Hektar in Thüringen (9.400 Euro), im Saarland (10.100 Euro), in Brandenburg (10.200 Euro), Sachsen (10.300 Euro) sowie in den Regierungsbezirken Gießen (10.100 Euro) und Kassel (11.700 Euro). Es folgen Rheinland-Pfalz (12.100 Euro) und Sachsen-Anhalt (13.000 Euro).
Für 2014 ergibt sich bei Agrarlandverkäufen ein Gesamtumsatz von 1,972 Milliarden Euro. Das sind gegenüber dem Vorjahr fast 19 Prozent mehr.
 
60 Prozent der Agrarflächen sind gepachtet
Der Boden wird als Eigentums- oder Pachtfläche im Verhältnis von 38,4 Prozent Eigentums- zu 60,0 Prozent Pachtflächen genutzt. Die übrigen 1,6 Prozent der Fläche haben die Landwirte nach zuletzt verfügbaren Ergebnissen aus der Agrarstruktur-
erhebung 2013 unentgeltlich zur Bewirtschaftung erhalten. Aufgrund der agrarstrukturellen Entwicklung gibt es regionale Unterschiede.

Unterschiedliche Pachtpreisentwicklungen
Im Durchschnitt des Bundesgebietes sind die durchschnittlichen Pachtpreise zwischen 2010 und 2013 um 19 Prozent auf 243 Euro je Hektar angestiegen, bei Ackerland etwas stärker (+ 20 Prozent) als bei Grünland (+ 18 Prozent). Von einem niedrigeren Niveau ausgehend fiel der Anstieg der Pachtpreise in Ostdeutschland prozentual stärker aus (+ 21 Prozent auf 171 Euro je Hektar) als im früheren Bundesgebiet (+ 14 Prozent auf 290 Euro). Damit bleiben die Preisunterschiede zwischen dem Westen und dem Osten weiterhin beachtlich. Wesentlich stärker als die Durchschnittspachten sind die Preise für Neupachten (Pachten in den letzten 2 Jahren) angestiegen, nämlich zwischen 2010 und 2013 um fast ein Drittel (+ 32 Prozent) auf 313 Euro je Hektar. In den neuen Ländern fiel der prozentuale Anstieg etwas schwächer aus als in den westdeutschen Bundesländern. Angaben und Hinweise außerhalb der amtlichen Statistik gehen davon aus, dass sich der Anstieg der Pachtpreise in 2014 noch fortgesetzt hat.
 
Anstieg des Eigenflächenanteils im Osten, Rückgang im Westen
Im früheren Bundesgebiet befanden sich 2013 55 Prozent der LF in Pacht und 44 Prozent in Eigentum. In den neuen Bundesländern waren dagegen 71 Prozent in Pacht und 28 Prozent in Eigentum. Die in der Bewirtschaftung befindlichen Eigenflächen sind zwischen 2010 und 2013 in den neuen Bundesländern um 3,0 Prozentpunkte angestiegen. Anders in den alten Bundesländern. Hier ging Eigentumsanteil zugunsten des Pachtanteils um 1,8 Prozentpunkte zurück. Für Deutschland insgesamt ist der Pachtflächenanteil mit 60 Prozent gegenüber 2010 nahezu unverändert geblieben.
 
Unterschiede zwischen den Betriebs- und Rechtsformen
Betriebe mit weniger als 10 Hektar LF hatten 2013 im Durchschnitt nur 28 Prozent ihrer Flächen gepachtet. Bei Betrieben mit 500 Hektar und mehr waren es 73 Prozent. In Haupterwerbsbetrieben waren durchschnittlich 57 Prozent der Flächen gepachtet, in Nebenerwerbsbetrieben 47 Prozent. In den Personengesellschaften betrug der durchschnittliche Pachtanteil 64 Prozent und in juristischen Personen sogar 76 Prozent.

Große regionale Unterschiede
Die durchschnittlich gezahlten Preise für Neupachten lagen in den neuen Ländern 2013 mit 206 Euro je Hektar bei etwa knapp der Hälfte des Pachtpreisniveaus im Westen Deutschlands von 442 Euro je Hektar. Die höchsten durchschnittlichen Neupachtpreise mit Werten zwischen 490 und 520 Euro je Hektar werden in den Bundesländern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein verzeichnet. Mehr oder minder deutlich unter 200 Euro liegt dagegen das Preisniveau für Neupachten in den Ländern Brandenburg, Sachsen, Thüringen sowie im Saarland.
In den einzelnen Bundesländern unterschiedlich sind auch die Entwicklungen für Grünland und Ackerland. Im Bundesdurchschnitt stiegen die Neupachten für Ackerland in 2013 auf 345 Euro je Hektar (gegenüber 2010 plus 32 Prozent) und für Grünland auf 200 Euro je Hektar (plus 35 Prozent). Die amtliche Statistik wird erst im Rahmen der Agrarstrukturerhebung 2016 mit aktuelleren Pachtpreisangaben aufwarten.

Landwirtschaftlicher Pachtmarkt unterliegt vielfältigen Einflüssen
Die Pachtzahlungen der aktiv wirtschaftenden Landwirte an Verpächter betrugen 2013 2,4 Mrd. Euro. Damit sind die Pachten seit Anfang der 90er Jahre (1992) um etwa 1,0 Milliarden Euro gestiegen. Zum Vergleich: Die landwirtschaftlichen Direktzahlungen machten 2013 etwa 5,2 Milliarden Euro aus.
Ausschlaggebend ist auf dem landwirtschaftlichen Boden- und Pachtmarkt die Rentabilität der Flächennutzung. Aktuelle Pachtpreissteigerungen sind vor allem auf verbesserte Erlöserwartungen zurückzuführen. In Abhängigkeit verschiedener landwirtschaftlicher und außerlandwirtschaftlicher Einflüsse (z.B. gestiegene Agrarpreise, EEG-geförderte Biogasanlagen, Verwertung von Wirtschaftsdünger, Flächenverbrauch, Ausgleichsflächen), die sich gegenseitig überlagern und/oder kumulieren können, resultieren auch bei den landwirtschaftlichen Pachtpreisen große regionale Unterschiede. 

Gut 30 Milliarden Euro Bodenkapital
Wird die Eigentumsfläche der Landwirte mit dem kapitalisierten durchschnittlichen Pachtpreis multipliziert, beläuft sich der Bodenkapitalstock der deutschen Landwirtschaft auf 30,2 Milliarden Euro.