©
2 Ressourcenschutz in der Landwirtschaft

2.3 Kosten von EU-Standards und Auflagen

Ausgleich für hohe gesellschaftliche Anforderungen in der Diskussion
In einer kritischen öffentlichen Diskussion um die Weiterentwicklung der Landwirtschaft wird die Unterstützung mit EU-Mitteln der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) hinterfragt. Das Prinzip „öffentliches Geld nur für öffentliche Leistungen“ bestimmt dabei häufig diese Diskussion. Andererseits unterliegt die Landwirtschaft in der EU vergleichsweise hohen Umweltund Erzeugungsstandards. Diese machen die inländische Erzeugung gegenüber der Produktion aus Mitwettbewerbsländern außerhalb der EU teurer. Das HFFA Research Institut in Berlin hat am Beispiel Deutschlands berechnet, welche Kosten die relativ hohen EU-Anforderungen verursachen.
 
Studie über die Kosten der EU-Standards
In der HFFA-Studie werden unter „Mehrkosten“ sowohl Steigerungen von Produktionskosten als auch Minderungen von Erlösen erfasst, und zwar vor allem bei Produktionsstandards mit Umweltbezug. Berechnet werden konnten die folgenden EU-Standards und Auflagen: EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), neue Düngeverordnung, EU-Regeln über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln, spezifische Standards und Auflagen in der Tierhaltung, Bürokratie und Cross Compliance im Rahmen der GAP, Greening der EU-Direktzahlungen sowie die anstehende Novelle der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft. Nicht erfasst sind dagegen Standards und Auflagen, deren Kosten sich nur schwer oder gar nicht erfassen lassen. Unterschiedliche Sozialstandards blieben in der Studie unberücksichtigt.
Mehr erfahren zur Studie über die Kosten von EU-Standards und Auflagen unter: www.bauernverband.de/studie-kosten-landwirtschaft
 
Wettbewerbsnachteil der deutschen Landwirtschaft von gut 4 Milliarden Euro
Die berücksichtigten EU-Standards und Auflagen sind für die deutsche Landwirtschaft mit Kosten von rund 5,3 Milliarden Euro oder 315 Euro je Hektar verbunden. Nur etwa 1,2 Milliarden Euro oder 69 Euro je Hektar würden an entsprechenden Kosten anfallen, wenn in der EU vergleichbare Wettbewerbsbedingungen wie in wichtigen Wettbewerbsländern außerhalb der EU gelten würden. Damit haben die deutschen Landwirte gegenüber ihren Berufskollegen im Wettbewerb und bei offenen Märkten einen Nachteil von 4,1 Milliarden Euro oder 246 Euro je Hektar. Je Haupterwerbsbetrieb sind das jährlich 22.000 Euro und für einen durchschnittlichen Betrieb mit der Rechtsform einer juristischen Person 312.000 Euro.
 
Ergebnisse aus den Fallstudien - Beispiele
  • Die standard- und auflagebezogenen Kosten von Rinderhaltern in Australien liegen in einem Bereich von ca. 16 bis knapp 35 Prozent der entsprechenden Kosten eines Futterbaubetriebs in Deutschland.
  •  Die Kosten von Tierwohl-, Nahrungsmittelsicherheits- und Tiergesundheitsstandards sowie eines umweltbezogenen Stickstoffmanagements und von Pflanzenschutzbestimmungen betragen in ausgewählten Wettbewerbsländern außerhalb der EU „im Mittel“ etwa nur 34 Prozent der entsprechenden Kosten in Deutschland.
  • Die standard- und auflagenbezogenen Kosten in der Geflügelfleischerzeugung sind in allen wichtigen Wettbewerbsländern Deutschlands in der Regel erheblich geringer – im Mittel betragen sie nur 64 Prozent.
  • Die wasserrechtlichen Bestimmungen in den USA sind weitaus weniger restriktiv als in der EU bzw. Deutschland.
Quelle: HFFA Research
 
Viele EU-Umweltstandards sind weltweit einzigartig
Eine ganze Reihe von EU-Standards und Auflagen hat in Drittländern wie Australien, Neuseeland, USA, Brasilien, Kanada oder die Ukraine keine Entsprechung. Dazu gehören das Greening der GAP, die Auflagen aus der neuen Düngeverordnung oder aus der EU-Pflanzenschutzgesetzgebung oder Cross Compliance- Vorgaben im Rahmen der EU-Direktzahlungen. Die Berliner Forscher des HFFA ermittelten im Rahmen von Fallstudien zwar Unterschiede in den Auflagen der Hauptbewerber außerhalb der EU, jedoch sind diese grundsätzlich durchweg wesentlich niedriger als in der deutschen bzw. europäischen Landwirtschaft.