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2 Ressourcenschutz in Land- und Forstwirtschaft

2.3 Landwirtschaftliche Produktionsmethoden

Bodenbearbeitung und Düngung
Bei der Landwirtschaftszählung 2010 wurde unter anderem nach Produktionsverfahren zur Bodenbearbeitung des Ackerlandes und zur Düngung gefragt. Erfasst wurden dabei auch die Lager- und Ausbringungsverfahren bei Wirtschaftsdünger, also bei Gülle und Mist. 
 
Pflugeinsatz dominiert bei der Bodenbearbeitung
Die Bodenbearbeitung erfolgt zur Stoppelbearbeitung, Grundbodenbearbeitung und Saatbettbereitung. 59 Prozent des Ackerlandes wurden im Wirtschaftsjahr 2009/10 in einer konventionellen wendenden Bodenbearbeitung mit dem Pflug beackert. Der Pflug wurde damit auf 6,6 Millionen Hektar Ackerfläche eingesetzt und ist damit das dominierende Verfahren bei der Grundbodenbearbeitung in Deutschland.
 
34 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe verzichten auf ihren Ackerflächen zumindest teilweise auf das Pflügen un d setzen auf die konservierende Bodenbearbeitung, z. B. mit oberflächlichem Grubbern oder Eggen. Diese reduzierte Form der Bodenbearbeitung wird auf 40 Prozent der Ackerfläche angewendet. Direktsaatverfahren ohne Bodenbearbeitung sind bisher kaum verbreitet (1 Prozent der Ackerfläche). Auf 146.300 Hektar wird die Saat direkt in den unbearbeiteten Boden eingebracht. 
 
Bodenbearbeitung ist auch eine Frage der Betriebsgröße
Betrachtet man die Bodenbearbeitungsverfahren über verschiedene Betriebsgrößenklassen hinweg, so ist ein klarer Trend erkennbar. Mit zunehmender Größe der Betriebe werden weniger intensive Bearbeitungsverfahren eingesetzt. Werden beispielsweise in Betrieben bis zu einer Größe von 30 Hektar Ackerland 85 Prozent der Flächen mit konventioneller Bodenbearbeitung mit Pflugeinsatz bewirtschaftet, so setzten Betriebe mit einer Größe ab 200 Hektar Ackerland schon auf 54 Prozent ihrer Flächen konservierende und damit auch zeit- und kostensparende Bodenbearbeitungsverfahren ein.
 
81 Prozent des Ackerlandes im Winter mit Bodenbedeckung
Von den 11,8 Millionen Hektar Ackerland im Freiland waren im Winter 2009/10 60 Prozent mit Winterkulturen wie Getreide bestellt. Weitere knapp 22 Prozent der Ackerflächen waren mit Restbewuchs der vorangegangenen Kultur, Schutzbepflanzung, Winterzwischenfrüchten oder mit nicht umgebrochenen Ackerbaukulturen bedeckt. Nur 19 Prozent der Ackerflächen waren im Winter 2009/10 ohne Bodenbedeckung.
 
38 Prozent aller Ackerbaubetriebe bauen Zwischenfrüchte an. Der Anbau von Zwischenfrüchten zwischen zwei aufeinander folgenden Hauptfrüchten machte 2010 rund 1,3 Millionen Hektar aus (11 Prozent der Gesamt-Ackerfläche). 86 Prozent des Zwischenfruchtanbaus dienen der Gründüngung, 9 Prozent der Futtergewinnung und 5 Prozent der Energiegewinnung. 60 Prozent entfallen auf Winterzwischenfrüchte, 40 Prozent auf Sommerzwischenfrüchte.
 
40 Prozent der Betriebe pflegen Landschaftselemente
Rund 119.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland erhalten und pflegen Landschaftselemente auf ihrer bewirtschafteten Fläche. Das sind 40 Prozent aller Betriebe. Mit steigender Betriebsgröße steigt der Anteil der Betriebe mit Landschaftselementen deutlich an. Zu den Landschaftselementen zählen Hecken, Baumreihen oder Steinwälle/-mauern. Von den 119.000 Betrieben, die Landschaftselemente aktiv pflegen, haben 19.000 Betriebe Landschaftselemente neu angelegt.
 
Nur 2 Prozent der LF werden bewässert
Nach den Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2010 konnten im Jahr 2009 rund 373.000 Hektar bewässert werden. Das sind 2 Prozent der Gesamt-LF in 14.100 Betrieben (5 Prozent aller Betriebe). Mit 219.000 Hektar liegen die meisten Beregnungsflächen (59 Prozent) in Niedersachsen. Danach folgen Nordrhein-Westfalen (28.000 ha), Brandenburg (21.000 ha) und Rheinland-Pfalz (20.000 ha). Fast zwei Drittel der Beregnungsflächen entfallen auf Getreide und Hackfrüchte (Kartoffeln und Zuckerrüben). In 2009 wurden 293 Millionen Kubikmeter Wasser für landwirtschaftliche Bewässerungszwecke eingesetzt. Das sind nur 1 Prozent des Wasserverbrauchs in Deutschland.
 
Gut ein Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche wird mit Gülle gedüngt
Neben der mineralischen Düngung hat in Deutschland der Einsatz von Wirtschaftsdüngern wie Gülle, Festmist und Jauche eine große Bedeutung. So wurde die in Vieh haltenden Betrieben anfallende Gülle meist auch in diesen Betrieben zur Düngung genutzt: 126.700 Betriebe gaben 2010 an, dass sie in den letzten zwölf Monaten ihre Felder mit Gülle gedüngt hatten. Gut ein Drittel (5,9 Millionen Hektar) der landwirtschaftlich genutzten Fläche wurde mindestens einmal mit Gülle gedüngt. Darüber hinaus wird Gülle auch von viehlosen Betrieben ausgebracht. Knapp 7.500 Betriebe übernahmen Gülle und düngten damit Flächen von 325.800 Hektar.
 
43 Prozent der Gülle wird innerhalb von vier Stunden eingearbeitet
Die Ausbringung von Gülle auf landwirtschaftlichen Flächen verursacht Ammoniakemissionen. Diese können durch eine zügige Einarbeitung in den Boden deutlich reduziert werden. Auf 43 Prozent der Flächen geschah dies 2010 innerhalb von vier Stunden nach Ausbringung. In Betrieben mit großen Viehbeständen von 200 und mehr Großvieheinheiten wurde die Gülle häufiger in dieser Frist eingearbeitet (54 Prozent der gedüngten Flächen). Der schnellen Einarbeitung stehen häufig betriebliche bzw. arbeitswirtschaftliche Zwänge entgegen.
 
Knapp 2,5 Millionen Hektar werden mit Mist gedüngt
Festmist wird von 154.500 Vieh haltenden und 5.400 viehlosen Betrieben ausgebracht. Die damit gedüngte Fläche umfasst knapp 2,5 Millionen Hektar LF. Auf 714.300 Hektar wird der Festmist innerhalb von vier Stunden nach Ausbringung eingearbeitet. Auch hier geben große Betriebe mit Tierhaltung häufiger an, den Festmist im Zeitraum von vier Stunden nach Ausbringung einzuarbeiten.
 
Gülle-Lager sind in der Regel abgedeckt
In 122.700 Betrieben sind Lagerkapazitäten für Gülle vorhanden. Zusammen können hier 128,9 Millionen Kubikmeter Gülle gelagert werden, der überwiegende Teil (94 Prozent) davon in speziellen Güllebehältern. Zu 6 Prozent werden Erdlager (Güllelagunen) verwendet. Eine Abdeckung der Güllelager trägt zur Verminderung von Emissionen bei. Die Betriebe geben an, dass ihre Güllelager überwiegend abgedeckt sind. Im Vordergrund stehen Abdeckungen und Schwimmdecken, mit denen zusammen etwa 86 Prozent aller Gülle- Lager abgedeckt werden.
 
Festmist und Jauche
Lager für Festmist hatten gemäß der Erhebung 144.100 Betriebe. Diese verfügten über eine Lagerfläche von 21,7 Millionen Quadratmetern. Festmist wird üblicherweise im Freien gelagert. 9 Prozent der Betriebe gaben an, Festmist mit einer Abdeckung lagern zu können. In 60.300 Betrieben gibt es zusätzlich die Möglichkeit, 13,0 Millionen Kubikmeter Jauche zu lagern.
 
Jedes dritte Rind grast auf der Weide
Am 1. März 2010 hielten 144.900 Betriebe Rinder. Das ist fast die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe. In diesen Betrieben standen insgesamt 12,5 Millionen Rinder (einschl. Nachzucht und Bullen). Davon erhielten 4,8 Millionen Tiere Weidegang. Davon waren rund 1,8 Millionen Milchkühe und knapp 3 Millionen andere Rinder (Mutterkühe, Färsen, Bullen, Ochsen, Jungvieh und Kälber). Die Weidemöglichkeiten für Milchkühe unterscheiden sich von denen anderer Rinder: Die durchschnittliche Dauer des Weideganges war bei Milchkühen mit 24 Wochen pro Jahr kürzer als bei den anderen Rindern (28 Wochen). Allerdings hatten mehr Milchkühe (42 Prozent des Gesamtbestandes) die Möglichkeit zum Weidegang. Bei den übrigen Rindern war das nur bei 35 Prozent des Gesamtbestandes der Fall.
 
42 Prozent der Kühe mit Weidegang – große regionale Unterschiede
In den neuen Ländern mit vorwiegend großen Beständen gehen nur 19 Prozent der Milchkühe auf die Weide, aber auch in Bayern waren es nur 16 Prozent der Tiere. Dagegen weideten in Niedersachsen, Nordrhein- Westfalen und Schleswig-Holstein im Durchschnitt drei von vier Milchkühen. Milchkühe in großen Beständen gehen seltener auf die Weide als Tiere in kleineren Beständen.
 
Schafe zu 84 Prozent mit Weidegang
Die Schafhaltung ist in besonderem Maße auf die Grünlandnutzung angewiesen. Von den 2,13 Millionen Schafen in 2010 hatten 84 Prozent aller Schafe in Deutschland Zugang zu Weideland. Die beweidete Fläche betrug 431.000 Hektar, was rund 9 Prozent des Dauergrünlands entspricht. Die durchschnittliche Weidedauer der weidenden Schafe liegt bei 38 Wochen im Jahr.