2 Ressourcenschutz in der Landwirtschaft

2.4 Klimaschutz

Besondere Rolle der Landwirtschaft 
Das Pariser Klimaschutzabkommen 2015 hat der Ernährungssicherung und Beendigung des Hungers eine „fundamentale Priorität“ zuerkannt. Das Abkommen sieht vor, dass Klimaschutz und eine Anpassung an den Klimawandel so erfolgen, dass die Lebensmittelproduktion nicht gefährdet wird. Der Landwirtschaft als lebenswichtigen Sektor wird beim Klimaschutz also eine besondere Rolle zugewiesen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass eine treibhausgasfreie Produktion von Lebensmitteln nicht möglich ist, da die Landwirtschaft mit natürlichen Prozessen wie Verdauung und Nährstoffversorgung arbeitet. Möglich ist eine Effizienzsteigerung. 2015 stammten 7 Prozent der deutschen Gesamtemissionen an Treibhausgasen aus der Landwirtschaft. Dieser Anteil ist geringer als im Durchschnitt der EU (10 Prozent).
 
Klimaschutz mit Landwirtschaft und Bioenergie
Durch den Einsatz von Bioenergie für Strom, Wärme und Kraftstoffe wurden 2015 rund 63 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen vermieden. Dies bedeutet einen leichten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig entspricht diese Vermeidungsleistung für andere Sektoren etwa 94 Prozent den Emissionen, die die Landwirtschaft selbst verursacht.
 
Landwirtschaft: Methan und Lachgas als wichtigste Klimagase 
Die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft bestehen zum größten Teil aus den Klimagasen Methan (CH4) und Lachgas (N2O) und nur zu einem kleinen Teil aus Kohlenstoffdioxid (CO2). Methan wird beispielsweise von Wiederkäuern bei der Verdauung produziert und Lachgas entsteht durch die Umsetzung von Stickstoffverbindungen im Boden. Um alle Treibhausgasemissionen und deren Wirkung untereinander vergleichen zu können, werden diese in Kohlenstoffdioxid umgerechnet und in der Einheit „CO2-Äquivalent“ angegeben. So entspricht die Klimawirkung von Methan (CH4) dem 25-fachen und die von Lachgas (N2O) dem 298-fachen von CO2.
 
Klimabuchhaltung nach dem „Quellprinzip“
Vorleistungen für die Landwirtschaft wie die Düngemittel- und Pflanzenschutzmittelproduktion sowie alle nachgelagerten Bereiche wie zum Beispiel die Milch- und Fleischverarbeitung werden in der offiziellen Treibhausgasberichterstattung nicht bei der Landwirtschaft, sondern bei der Industrie oder dem verarbeitenden Gewerbe bilanziert. Ebenso werden die Vermeidungsleistungen, die die Land- und Forstwirtschaft durch Bioenergie erbringt, nicht der Land- und Forstwirtschaft, sondern dem Energieund Verkehrssektor gutgeschrieben.
 
Landnutzungsänderungen und Kohlenstoffsenke
Die Nutzung von Böden als Acker oder Grünland sowie Umwandlungen von Acker- in Grünland oder umgekehrt führen zu Veränderungen des Gehalts an Bodenkohlenstoff. Damit werden Treibhausgase, hauptsächlich Kohlenstoffdioxid, fixiert oder freigesetzt. Ebenso tragen Aufforstung, Entwaldung und Waldbewirtschaftung zu Veränderungen im Kohlenstoffhaushalt bei und sind damit klimawirksam. Die Treibhausgasemissionen in diesen Bereichen werden als Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forst erfasst und unter der international gebräuchlichen Bezeichnung LULUCF (Land Use, Land Use Change and Forestry) abgekürzt. Das Regelwerk für die Anrechnung der Emissionen des LULUCF-Bereichs wird in 2017/18 von der Europäischen Union neu festgeschrieben.
 
Emissionen seit 1990 um 16 Prozent gesunken 
Seit 1990 – dem Bezugsjahr des ersten Klimaschutzabkommens, des Kyoto-Protokolls – hat die deutsche Landwirtschaft die Treibhaugasemissionen bereits von rund 80 Mio. t CO2-Äquivalent auf 67 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent in 2015 gesenkt. Dies entspricht einer Reduzierung der Emissionen um 16 Prozent.
 
Klimaeffiziente Landwirtschaft 
Geringere Tierbestände verbunden mit Effizienzsteigerungen in der landwirtschaftlichen Erzeugung haben dazu geführt, dass die Treibhausgasemissionen gesenkt und gleichzeitig die Produktion gesteigert werden konnte. Die Landwirtschaft produziert heute also mehr und belastet das Klima dabei deutlich weniger als noch 1990. Während die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft gesunken sind, konnte die Bruttobodenproduktion, gemessen in Getreideeinheiten, gesteigert werden.
 
Landwirtschaft im weltweiten Vergleich 
Auch im internationalen Vergleich ist die landwirtschaftliche Produktion in Deutschland besonders klimaschonend. Bei der Produktion von einem Liter Milch zum Beispiel werden durch die Entstehung von Methan in Deutschland ca. 1,1 kg CO2-Äquivalente freigesetzt. Das liegt deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt von 2,4 kg und ist weit entfernt von den Emissionswerten Afrikas und Asiens mit 7,5 beziehungsweise 3,5 kg CO2-Äquivalent je Liter Milch.
 
Ernährung taugt nur eingeschränkt zum Klimaschutz 
Die Ernährung ist lebensnotwendig. Sie kann im Gegensatz zum Verkehr oder täglichen Konsum an Gebrauchsgegenständen nicht aufgegeben werden. Allerdings kann die Klimaeffizienz von Ernährung weiter verbessert werden. Jedoch wird das Potenzial der Ernährung für den Klimaschutz in der Praxis als gering angesehen, ebenso wie eine mögliche Umstellung von Ernährungsgewohnheiten. Treibhausgasoptimierungen im Verkehr oder im Energiebereich sind für den Klimaschutz bedeutender als eine Anpassung der Ernährung. Die Emissionen aus der Mobilität übersteigt die Emissionen der Ernährung (inklusive Lebensmitteltransport) bei weitem.
 
Nationaler Klimaschutzplan: Landwirtschaft soll Emissionen bis 2030 um ein Drittel senken
Der im November 2016 von der Bundesregierung beschlossene Klimaschutzplan 2050 stellt die Grundlinie für die langfristigen Klimaziele Deutschlands dar. Kernstück sind die Sektorziele, in denen festgelegt ist, wie viel Treibhausgaseinsparung jeder Sektor bis 2030 erbringen muss. Die Landwirtschaft soll demnach ihre eigenen Emissionen und zusätzlich die des landwirtschaftlichen Kraftstoffeinsatzes um 34 bis 31 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Bis zum Jahr 2050 wird eine weitere deutliche Reduzierung angestrebt. Der Klimaschutzplan erkennt an, dass eine vollständige Treibhausgasvermeidung bei der Nahrungsmittelerzeugung nicht möglich und die Landwirtschaft in besonderer Weise vom Klimawandel betroffen ist. Zusätzlich leisten Land- und Forstwirtschaft durch biogene Rohstoffe einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Als Klimaschutzmaßnahmen benennt der Plan die agrarpolitische Förderung im Rahmen der GAP, eine Senkung des Stickstoffüberschusses, die Erhöhung des Anteils der ökologischen Landwirtschaft, die stärkere Vergärung von Wirtschaftsdüngern, eine Gesamtstrategie für die Tierhaltung, die Vermeidung von Lebensmittelabfällen sowie die Agrarforschung. Für den Bereich der Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft wird ein Erhalt des Dauergrünlands, die nachhaltige Waldbewirtschaftung, der Schutz von Moorböden und die Reduzierung des Flächenverbrauchs als Klimaschutzmaßnahmen benannt.

Quelle: Bundesumweltministerium