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3 Agrarstruktur

3.2 Betriebe und Betriebsgrößen

286.800 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland
In Deutschland gab es 2014 286.800 landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 5 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF), einschließlich 26.300 Betrieben mit weniger als 5 Hektar LF, die auf Grund ihrer Tierbestände oder von Spezialkulturen zu den berichtspflichtigen Betrieben gehören. Die Betriebe bewirtschafteten 2014 rund 16,7 Millionen Hektar LF. Die durchschnittliche Flächenausstattung der landwirtschaftlichen Betriebe erreichte 2014 58,3 Hektar LF.  Nach vorläufigen Ergebnissen für 2015 ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe auf etwa 280.000 zurückgegangen (gegenüber dem Vorjahr minus 2,3 Prozent). 

Strukturwandel geht weiter
Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nahm zwischen 2007 und 2014 um 34.800 auf 286.800 Betriebe ab. Das sind 10,8 Prozent weniger. Pro Jahr entspricht dies einer Abnahmerate von 1,6 Prozent. Damit scheint sich der landwirtschaftliche Strukturwandel etwas verlangsamt zu haben. Denn in den Jahrzehnten zuvor lag die durchschnittliche jährliche Abnahmerate der Betriebe bei etwa 3 Prozent, was statistisch etwa alle 20 Jahre eine Halbierung der Zahl der Betriebe entspricht. Bei der augenscheinlich rückläufigen Abnahmerate ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Grenze der statistisch erfassten Betriebe auf 5 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) angehoben worden ist. Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass von den 375.000 Betrieben der Agrarstrukturerhebung 2007 etwa 53.000 Betriebe statistisch seitdem nicht mehr erfasst werden. Diese aus der Statistik herausgefallenen Betriebe repräsentieren nur etwa 1 Prozent der erfassten Produktionsgrundlagen (Fläche und Vieh). Unter der Annahme, dass die Zahl der seit 2007 nicht mehr erfassten Betriebe seitdem um die Hälfte zurückgegangen sein könnte, liegt die jährliche Abnahme der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland bei 2,5 Prozent.

Wachstumsschwelle verschiebt sich nach oben
Die sogenannte Wachstumsschwelle, unterhalb derer die Zahl der Betriebe ab- und oberhalb derer die Zahl der Betriebe zunimmt, steigt kontinuierlich an. Die Zahl der Betriebe in den Größenklassen unter 100 Hektar LF nimmt ab. Die Zahl der Betriebe mit 100 Hektar und mehr hingegen nimmt zu, zwischen 2007 und 2014 bundesweit um 3.600 auf 35.400 Betriebe. Diese Betriebe bewirtschaften 57 Prozent der LF in Deutschland. Im Niveau der Wachstumsschwelle gibt es allerdings regional große Unterschiede.

Regionale Unterschiede und betriebsspezifische Situationen
Bei regionaler Betrachtung wird ein Nord-Süd-Gefälle der Betriebsgrößen deutlich. Die Flächenausstattung allein lässt jedoch noch keine Aussage über die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit zu, die auch bei geringerer Flächenausstattung etwa durch den Anbau von Sonderkulturen, besondere Vermarktungsformen bzw. durch eine intensive Tierhaltung gegeben sein kann.

70 Prozent aller Betriebe halten Vieh
Zum Stichtag 1. März 2013 wurden in 199.200 landwirtschaftlichen Betrieben Tiere gehalten. Das sind rund 70 Prozent aller Betriebe. In deren Ställen oder auf deren Weiden standen etwa 12,4 Millionen Rinder, 28,7 Millionen Schweine, 177,3 Millionen Stück Geflügel, 461.000 Pferde und Esel, 1,9 Millionen Schafe sowie 130.000 Ziegen. Im Vergleich zur Agrarstrukturerhebung 2007 ging die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Tierhaltung relativ stark zurück, und zwar um etwa 39.200 Betriebe oder gut 16 Prozent (jährlich -3,0 Prozent).

Rinder- und Milchviehhaltung immer mehr in größeren Beständen
Die Anzahl der in Deutschland gehaltenen Rinder lag im Mai 2015 bei etwa 12,7 Millionen Stück. Damit ist der deutsche Rinderbestand gegenüber Mai 2014 annähernd stabil geblieben (-0,7 Prozent). Die Zahl der Rinderhalter verringerte sich im gleichen Zeitraum um 2,3 Prozent auf 151.400.
 
74 Prozent der Rinder in Beständen mit 100 und mehr Rindern
Der Anteil der Betriebe mit 100 und mehr Rindern liegt zwar nur bei 26 Prozent, der Anteil der von diesen Betrieben gehaltenen Rindern am gesamten deutschen Rinderbestand aber beträgt 74 Prozent. Dabei treten deutliche regionale Unterschiede auf. Während in den neuen Ländern der Anteil der Tiere in den Größenklassen ab 100 Rinder um die 90 Prozent beträgt, werden in Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg) nur etwa gut die Hälfte der Rinder in Beständen mit 100 und mehr Rindern gehalten.

Zahl der Milchviehhalter in den letzten 10 Jahren um ein Drittel verringert
 
In 2015 ist die Zahl der Milchkuhhalter in Deutschland weiter zurückgegangen. Im Mai 2015 wurden noch 74.800 und damit 3,7 Prozent weniger als zur Vorjahreszeit gezählt. Damit hat sich die Zahl der Milchviehhalter in den vergangenen 10 Jahren um rund ein Drittel verringert. Die Zahl der Milchkühe reduzierte sich gegenüber Mai 2014 leicht um 0,6 Prozent auf 4,3 Millionen Tiere.
 
Durchschnittlicher Bestand liegt bei 57 Milchkühen
Im Bundesdurchschnitt hält ein Milchviehhalter 57 Milchkühe. Groß sind die regionalen Unterschiede. Die größten Herden befinden sich in Mecklenburg-Vorpommern mit einer Durchschnittsgröße von 227 Tieren. Relativ klein sind die durchschnittlichen Milchviehbestände in Bayern (35 Kühe), Baden-Württemberg (40 Kühe) oder Hessen (46 Kühe).

47 Prozent der Milchkühe in Beständen mit 100 und mehr Milchkühen
In Beständen mit 100 und mehr Milchkühen standen im Mai 2015 rund 47 Prozent der deutschen Milchkühe. Die Anzahl der Milchviehhaltungen von über 500 Milchkühen stieg 2015 bundesweit von 475 auf 500. Deren Milchviehherde macht mit 406.800 Tieren rund ein Zehntel des deutschen Milchviehbestandes aus. 
 
Rückläufiger Mutterkuhbestand
Im Mai 2015 wurden in Deutschland 682.000 Mutterkühe gezählt. Damit ist der Bestand an Mutterkühen nach langjährigem Rückgang erstmals wieder gestiegen (gegenüber Vorjahr plus 2 Prozent). Bei der Betrachtung der einzelnen Bundesländer werden allerdings regional unterschiedliche Entwicklungen deutlich. Während die Mutterkuhzahlen zum Beispiel in Schleswig Holstein um 2 Prozent sanken, wurde vor allem in Baden-Württemberg (plus 17 Prozent) ein deutlicher Anstieg der Mutterkuhhaltung registriert. Der Schwerpunkt der Mutterkuhhaltung liegt weiterhin in Ostdeutschland. Die meisten Mutterkühe werden mit rund 92.600 Tieren in Brandenburg gehalten. 
 
Holstein-Schwarzbunt und Fleckvieh sind die dominierenden Rinderrassen
Die mit Abstand bedeutendsten Rinderrassen sind die Milchnutzungsrasse „Holstein-Schwarzbunt“ mit rund 5,3 Millionen Tieren, gefolgt von der Doppelnutzungsrasse „Fleckvieh“ mit rund 3,5 Millionen Tieren. Mit großem Abstand folgen die Milchnutzungsrasse „Holstein-Rotbunt“ und Kreuzungstiere aus verschiedenen Fleischrinderrassen mit 0,7 Millionen Tieren. Bei der Viehzählung werden neuerdings auch Büffel und Bisons erfasst. Davon gab es im Mai 2015 6.400 Tiere. Das Gesamtergebnis wird davon nicht beeinflusst.

Verschärfter Strukturwandel in der Schweinehaltung
Die Entwicklung zu immer größeren Beständen schreitet auch in der Schweinehaltung weiter voran. Zum Stichtag 3. Mai 2015 wurden in Deutschland rund 28,1 Millionen Schweine gehalten. Das entspricht dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig ging die Anzahl der Schweine haltenden Betriebe um 4,8 Prozent auf 25.800 Betriebe zurück. In der Viehzählung werden nur Betriebe erfasst, die mindestens 50 Schweine oder 10 Zuchtsauen halten. Etwa drei Viertel aller in Deutschland gehaltenen Schweine werden in Beständen mit 1.000 und mehr Schweinen gehalten. 

Zahl der Sauenhalter stark zurückgegangen
Mit rund 2,0 Millionen Tieren wurden im Mai 2015 bundesweit 56.000 Sauen oder 2,7 Prozent weniger gezählt als zum entsprechenden Vorjahresmonat. Noch stärker als die Zahl der Sauen hat sich die Zahl der Betriebe mit Muttersauen verringert. Sie ging zwischen Mai 2014 und 2015 um rund 600 oder 5,7 Prozent auf nunmehr 9.900 Halter zurück. Die Anzahl der gehaltenen Sauen pro Betrieb hat sich damit weiter kräftig erhöht, und zwar auf durchschnittlich 204 Zuchtschweine.

Schafhaltung leicht gewachsen
Der Schafbestand in Deutschland ist nach 9 Jahren rückläufiger Tendenz zwischen November 2013 und 2014 erstmals wieder gewachsen. Im November 2014 wurden insgesamt 1,60 Millionen Tiere gezählt. Das sind im Jahresvergleich gut 2 Prozent mehr. Auch die Anzahl der Schafhalter nahm in einigen Regionen erstmals wieder zu, so in Brandenburg (plus 5,1 Prozent), Hessen (plus 5,0 Prozent), in Mecklenburg-Vorpommern (plus 4,2 Prozent) und Niedersachsen (plus 6,9 Prozent). Rund 900 Betriebe halten 500 Schafe und mehr. Auf sie entfallen gut 52 Prozent des Schafbestandes in Deutschland. In  der jährlichen Viehzählung werden nur Betriebe erfasst, die mindestens 20 Schafe halten.
Nach der Agrarstrukturerhebung dagegen werden auch Betriebe mit weniger als 20 Schafen erfasst, soweit sie über andere Tierarten oder die Fläche zu den erhebungspflichtigen Betrieben gehören. Danach gab es nach den zuletzt für 2013 vorliegenden Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 20.000 Schafhalter mit 1,89 Millionen Schafen.

Tierhaltung mit regional unterschiedlichen Intensitäten
Die Tierhaltung erfolgt in den verschiedenen Regionen Deutschlands mit unterschiedlicher Intensität. Im Nordwesten und Südosten Deutschlands ist der Viehbestand in Relation zur landwirtschaftlich genutzten Fläche besonders hoch. Die neuen Bundesländer dagegen kennzeichnet eine geringe Tierhaltungsdichte. Die Tierhaltung ist in den Bundesländern unterschiedlich konzentriert. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen werden 58 Prozent aller Schweine gehalten. Die Geflügelhaltung ist mit 54 Prozent des gesamten Bestandes besonders auf Niedersachsen konzentriert. Dagegen hat Bayern bei der Rinderhaltung den höchsten Anteil. Rund 25 Prozent aller Rinder stehen in Bayern. Einen hohen Anteil am Rinderbestand haben auch Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. In diesen Ländern stehen zusammen 41 Prozent aller Rinder.