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3 Agrarstruktur

3.2 Boden- und Pachtmarkt

Agrarland teurer
Die Preise für Agrarland sind im Jahr 2011 weiter kräftig gestiegen, und zwar um 14 Prozent auf fast 13.500 Euro je Hektar. Damit kletterten die Preise noch stärker als im Vorjahr (plus 9 Prozent). Allerdings wies die Entwicklung zum Teil deutliche regionale Unterschiede auf. In den neuen Ländern ist der Preis für Agrarflächen verglichen mit Vorjahresniveau um 19 Prozent auf 8.800 Euro angestiegen. In Westen Deutschlands legten die Erlöse im Mittel um 10 Prozent auf 20.500 Euro zu.


Flächenumsatz nur bei 0,7 Prozent
Insgesamt sind 2011 etwa 114.700 Hektar Agrarland verkauft worden (Vorjahr 113.900 Hektar). Gemessen an der gesamten Agrarfläche Deutschlands sind das nur 0,7 Prozent. Während in den neuen Bundesländern die veräußerte Agrarfläche mit 68.900 Hektar gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert blieb, erhöhte sie sich in Westdeutschland um gut 2 Prozent auf 45.800 Hektar. An der Spitze in Sachen Bodenmobilität lagen erneut Mecklenburg-Vorpommern mit einer verkauften Fläche von 22.800 Hektar, Brandenburg mit 22.400 Hektar und Niedersachsen mit 14.100 Hektar. Mit 4,63 Hektar lag die durchschnittliche Fläche je Veräußerungsfall im Osten Deutschlands wesentlich höher als im Westen mit 1,42 Hektar.


Stark differierende Bodenpreise
Je nach Bodengüte, Nutzungsart oder regionaler Lage sind die Preisunterschiede beim Kauf von Agrarflächen erheblich. Für den relativ hohen Preisstand in Bayern (besonders Regierungsbezirke Ober- und Niederbayern) und Nordrhein-Westfalen (besonders Regierungsbezirke Düsseldorf und Münster) sind auch die starke Nachfrage nach Bebauungs-, Verkehrs- und Ausgleichsflächen maßgebend. Für 2011 ergibt sich bei Agrarlandverkäufen ein auf 1,55 Milliarden Euro gestiegener Umsatz. Das sind gegenüber dem Vorjahr plus 15 Prozent.


60 Prozent der Agrarflächen sind zugepachtet
Der Boden wird als Eigentums- oder Pachtfläche im Verhältnis von 39 Prozent Eigentums- zu 60 Prozent Pachtflächen genutzt. Die übrigen knapp 2 Prozent der Flächen haben die Landwirte nach Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2010 unentgeltlich zur Bewirtschaftung erhalten. Aufgrund der historischen Entwicklung gibt es auch hier Unterschiede zwischen den neuen und den alten Bundesländern.


Leichter Rückgang des Pachtflächenanteils
Im früheren Bundesgebiet befinden sich 53 Prozent der LF in Pacht und 46 Prozent in Eigentum, in den neuen Bundesländern sind dagegen 74 Prozent in Pacht und 25 Prozent in Eigentum. Die in der Bewirtschaftung befindlichen Eigenflächen sind zwischen 2007 und 2010 in den neuen Bundesländern um 5 Prozentpunkte angestiegen.


Unterschiede zwischen den Betriebs- und Rechtsformen
Betriebe mit weniger als 10 Hektar LF haben im Durchschnitt nur etwa ein Viertel ihrer Flächen gepachtet. Bei Betrieben mit 500 Hektar und mehr sind es gut 76 Prozent. In Haupterwerbsbetrieben sind durchschnittlich 56 Prozent der Flächen gepachtet, in Nebenerwerbsbetrieben 46 Prozent. In den Personengesellschaften steigt der durchschnittliche Pachtanteil auf  65 Prozent und in juristischen Personen sogar auf 80 Prozent an.


Landwirtschaftlicher Pachtmarkt unterliegt vielfältigen Einflüssen
Ausschlaggebend ist auf dem landwirtschaftlichen Boden- und Pachtmarkt die Rentabilität der Flächennutzung. In Abhängigkeit verschiedener landwirtschaftlicher und außerlandwirtschaftlicher Einflüsse (z.B. gestiegene Agrarpreise, EEG-geförderte Biogasanlagen, Verwertung von Wirtschaftsdünger), die sich gegenseitig überlagern und/ oder kumulieren können, resultieren auch bei den landwirtschaftlichen Pachtpreisen große regionale Unterschiede. Relativ groß ist die Konkurrenz um Pachtflächen derzeit zum Beispiel im Nordwesten und im Südosten Deutschlands.


Hektarpachtpreise von über 400 Euro auf 9 Prozent der Pachtflächen
Für 9 Prozent der Pachtflächen in Deutschland wurde nach zuletzt für 2010 vorliegenden Ergebnissen eine Jahrespacht je Hektar von mehr als 400 Euro gezahlt. Bei Ackerflächen waren es entsprechend sogar 11 Prozent, bei Grünland dagegen nur 2 Prozent. Für 22 Prozent der Pachtflächen lag die durchschnittliche Jahrespacht je Hektar unter 100 Euro. Bei Neupachten dürfte das Bild etwas anders aussehen. Die amtliche Statistik gibt darüber aber keine Auskunft.


Pachtpreise entwickeln sich regional unterschiedlich
Im Durchschnitt des früheren Bundes-gebietes sind die Pachtpreise zwischen 2007 und 2010 um 9 Prozent auf 255 Euro je Hektar angestiegen, bei Ackerland deutlich stärker als bei Grünland. Von einem niedrigeren Niveau ausgehend fiel der Anstieg der Pachtpreise in Ostdeutschland prozentual wesentlich stärker aus (+ 16 Prozent) als im westlichen Bundesgebiet. Absolut gesehen waren die Steigerungen zwischen Ost und West in etwa gleich. Die für Neupachten gezahlten Preise in den neuen Ländern lagen 2010 mit 166 Euro je Hektar bei etwa knapp der Hälfte des Pachtpreisniveaus in Westdeutschland (347 Euro je Hektar). Beim Verhältnis von Boden- zu Pachtpreis nähern sich der Osten und der Westen Deutschlands immer weiter an.
 


Pachten für Ackerland im Aufwärtstrend, für Grünland eher stabil
Während die Pachtlandpreise für Grünland nur wenig gestiegen sind und im Bundesdurchschnitt kaum höher liegen als vor 20 Jahren, sind die Pachtpreise für Ackerland in den letzten beiden Jahrzehnten fast stetig gestiegen, und das besonders zwischen 2007 und 2010. Es gibt aber regionale Unterschiede. In Rheinland-Pfalz waren die Preise für Neupachten zwischen 2007 und 2010 sogar rückläufig. Besonders stark gestiegen sind sie dagegen im norddeutschen Raum und Bayern.


Schlagen die Betriebsprämien auf das Pachtpreisniveau durch?
Die Pachtzahlungen der aktiv wirtschaftenden Landwirte an Verpächter betrugen 2010 2,0 Mrd. Euro, das waren nur 0,6 Mrd. Euro mehr als vor der Einführung der EU-Direktzahlungen (1992). Die unterschiedliche Größenordnung von Pachtzahlungen (2,0 Mrd. Euro) und Direktzahlungen (5,4 Mrd. Euro) macht deutlich, dass von Mitnahmeeffekten gesamtwirtschaftlich kaum die Rede sein kann.


Fast 24 Milliarden Euro Bodenkapital
Aktuelle Pachtpreissteigerungen sind vornehmlich auf andere Faktoren im Wettbewerb um knappere Flächen zurückzuführen.
Wird die Eigentumsfläche der Landwirte mit dem kapitalisierten durchschnittlichen Pachtpreis multipliziert, beläuft sich der Bodenkapitalstock der deutschen Landwirtschaft auf 23,8 Milliarden Euro.
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Herausgegeben vom Deutschen Bauernverband mit Unterstützung von: