3 Agrarstruktur

3.2 Boden- und Pachtmarkt

Preise für Agrarland kräftig gestiegen
Die Preise für Agrarland sind im Jahr 2013 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kräftig gestiegen, und zwar im Bundesdurschnitt um 14 Prozent auf rund 16.400 Euro je Hektar. Damit kletterten die Preise fast doppelt so stark wie im Vorjahr (+ 7 Prozent). Allerdings weist diese Entwicklung deutliche regionale Unterschiede auf. Bayern, Niedersachsen, Thüringen und Brandenburg verzeichneten die höchsten Preissteigerungen. In Sachsen-Anhalt und auch in den Ländern entlang der Rheinschiene ist der Preisaufschlag deutlich schwächer ausgefallen. Im Durchschnitt der neuen Länder lag der Preis für Agrarflächen 2013 bei 10.500 Euro (gegenüber Vorjahr + 10 Prozent), im Westen Deutschlands bei 25.200 Euro (+ 13 Prozent). Beim Verhältnis von Pacht- zu Bodenpreis nähern sich der Osten und der Westen Deutschlands weiter an.
 
Flächenumsatz nur bei 0,6 Prozent
Insgesamt sind 2013 etwa 101.600 Hektar Agrarland verkauft worden (Vorjahr 106.400 Hektar). Gemessen an der gesamten Agrarfläche Deutschlands sind das 0,6 Prozent. In den neuen Bundesländern ging die veräußerte Agrarfläche gegenüber dem Vorjahr um gut 7 Prozent auf 60.900 Hektar zurück, davon entfallen 36.100 Hektar auf BVVG-Flächen. Demgegenüber blieb der Flächenumsatz in Westdeutschland mit 40.600 Hektar gegenüber dem Vorjahr unverändert.
An der Spitze in Sachen Bodenmobilität lagen 2013 Brandenburg mit einer verkauften Fläche von 19.900 Hektar, Mecklenburg-Vorpommern mit 16.100 Hektar, Niedersachsen mit 12.900 Hektar und Sachsen-Anhalt mit 10.000 Hektar. Mit 4,15 Hektar lag die durchschnittliche Fläche je Veräußerungsfall im Osten Deutschlands wesentlich höher als im Westen mit 1,34 Hektar.
 
Stark differierende Bodenpreise
Je nach Bodengüte, Nutzungsart oder regionaler Lage sind die Preisunterschiede beim Kauf von Agrarflächen erheblich. Für den relativ hohen Preisstand in Bayern (besonders Regierungsbezirke Nieder- und Oberbayern mit 59.900 bzw. 58.500 Euro) und Nordrhein-Westfalen (besonders Regierungsbezirke Münster und Düsseldorf mit 47.200 bzw. 46.300 Euro) sind auch die starke Nachfrage nach Bebauungs-, Verkehrs- und Ausgleichsflächen maßgebend. Umgekehrt finden sich die niedrigsten Kaufwerte je Hektar in Thüringen (8.200 Euro), Brandenburg (8.500 Euro), Sachsen (9.200 Euro), im Saarland (9.700 Euro) sowie in den Regierungsbezirken Kassel (10.500 Euro) und Gießen (10.800 Euro). Es folgen Sachsen-Anhalt (11.200 Euro) und Rheinland-Pfalz (11.700 Euro).
Für 2013 ergibt sich bei Agrarlandverkäufen ein Gesamtumsatz von 1,664 Milliarden Euro. Das sind gegenüber dem Vorjahr gut 8 Prozent mehr.
 
60 Prozent der Agrar-flächen sind zugepachtet
Der Boden wird als Eigentums- oder Pachtfläche im Verhältnis von 38,4 Prozent Eigentums- zu 60,0 Prozent Pachtflächen genutzt. Die übrigen 1,6 Flächen haben die Landwirte nach Ergebnissen aus der Agrarstrukturerhebung 2013 unentgeltlich zur Bewirtschaftung erhalten. Aufgrund der agrarstrukturellen Entwicklung gibt es Unterschiede zwischen den Bundesländern.
 
Anstieg des Eigenflächenanteils im Osten, Rückgang im Westen
Im früheren Bundesgebiet befanden sich 2013 55 Prozent der LF in Pacht und 44 Prozent in Eigentum, in den neuen Bundesländern waren dagegen 71 Prozent in Pacht und 28 Prozent in Eigentum. Die in der Bewirtschaftung befindlichen Eigenflächen sind zwischen 2010 und 2013 in den neuen Bundesländern um 3,0 Prozentpunkte angestiegen. Anders in den alten Bundesländern. Hier ging Eigentumsanteil zugunsten des Pachtanteils um 1,8 Prozentpunkte zurück. Für Deutschland insgesamt ist der Pachtflächenanteil mit 60 Prozent gegenüber 2010 nahezu unverändert geblieben.
 
Unterschiede zwischen den Betriebs- und Rechtsformen
Betriebe mit weniger als 10 Hektar LF hatten 2013 im Durchschnitt nur 28 Prozent ihrer Flächen gepachtet. Bei Betrieben mit 500 Hektar und mehr waren es 73 Prozent. In Haupterwerbsbetrieben waren durchschnittlich 57 Prozent der Flächen gepachtet, in Nebenerwerbsbetrieben 47 Prozent. In den Personengesellschaften betrug der durchschnittliche Pachtanteil 64 Prozent und in juristischen Personen sogar 76 Prozent.
 
Unterschiedliche Pachtpreisentwicklungen
Im Durchschnitt des Bundesgebietes sind die durchschnittlichen Pachtpreise zwischen 2010 und 2013 um 19 Prozent auf 243 Euro je Hektar angestiegen, bei Ackerland etwas stärker (+ 20 Prozent) als bei Grünland (+ 18 Prozent). Von einem niedrigeren Niveau ausgehend fiel der Anstieg der Pachtpreise in Ostdeutschland prozentual stärker aus (+ 21 Prozent auf 171 Euro je Hektar) als im früheren Bundesgebiet (+ 14 Prozent auf 290 Euro). Damit bleiben die Preisunterschiede zwischen dem Westen und dem Osten weiterhin beachtlich.
 
Hektarpreise von über 400 Euro auf 15 Prozent der Pachtflächen
Für 15 Prozent der Pachtflächen in Deutschland wurde nach Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 2013 eine Jahrespacht von mehr als 400 Euro je Hektar gezahlt. Bei Ackerflächen lag der entsprechende Anteil sogar bei 18 Prozent, bei Grünland dagegen nur bei 6 Prozent. Für 17 Prozent der Pachtflächen lag die durchschnittliche Jahrespacht je Hektar unter 100 Euro.
Im Langfristvergleich sind die Pachtlandpreise für Grünland eher verhalten angestiegen. Dagegen sind die Pachtpreise für Ackerland besonders in den letzten Jahren kräftig angezogen, bei großen regionalen Unterschieden.
 
Starker Preisanstieg bei den Neupachten
Wesentlich stärker als die Durchschnittspachten sind Preise für Neupachten (Pachten in den letzten 2 Jahren) angestiegen. Im Bundesdurchschnitt sind die Neupachten zwischen 2010 und 2013 um fast ein Drittel (+ 32 Prozent) auf 313 Euro je Hektar angestiegen. In den neuen Ländern fiel der prozentuale Anstieg etwas schwächer aus als in den westdeutschen Bundesländern. Überdurchschnittlich war der Anstieg vor allem in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.
 
Große Regionale Unterschiede
Die durchschnittlich gezahlten Preise für Neupachten lagen in den neuen Ländern 2013 mit 206 Euro je Hektar bei etwa knapp der Hälfte des Pachtpreisniveaus im Westen Deutschlands von 442 Euro je Hektar. Die höchsten durchschnittlichen Neupachtpreise mit Werten zwischen 490 und 520 Euro je Hektar werden in den Bundesländern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein verzeichnet. Mehr oder minder deutlich unter 200 Euro liegt dagegen das Preisniveau für Neupachten in den Ländern Brandenburg, Sachsen, Thüringen sowie im Saarland.
In den einzelnen Bundesländern unterschiedlich sind auch die Entwicklungen für Grünland und Ackerland. Im Bundesdurchschnitt stiegen die Neupachten für Ackerland in 2013 auf 345 Euro je Hektar (gegenüber 2010 plus 32 Prozent) und für Grünland auf 200 Euro je Hektar (plus 35 Prozent). Über die Verteilung der Neupachten nach Preisklassen gibt die amtliche Statistik keine Auskunft. Anzunehmen ist aber, dass die oberen Preisklassen bei den Neupachten einen deutlich höheren Anteil haben als bei den Durchschnittspachten.
 
Landwirtschaftlicher Pachtmarkt unterliegt vielfältigen Einflüssen
Die Pachtzahlungen der aktiv wirtschaftenden Landwirte an Verpächter betrugen 2013 2,4 Mrd. Euro. Damit sind die Pachten seit Anfang der 90er Jahre (1992) um etwa nur 1,0 Milliarden Euro gestiegen.
Ausschlaggebend ist auf dem landwirtschaftlichen Boden- und Pachtmarkt die Rentabilität der Flächennutzung. Aktuelle Pachtpreissteigerungen sind vor allem auf verbesserte Erlöserwartungen zurückzuführen. In Abhängigkeit verschiedener landwirtschaftlicher und außerlandwirtschaftlicher Einflüsse (z.B. gestiegene Agrarpreise, EEG-geförderte Biogasanlagen, Verwertung von Wirtschaftsdünger, Flächenverbrauch, Ausgleichsflächen), die sich gegenseitig überlagern und/oder kumulieren können, resultieren auch bei den landwirtschaftlichen Pachtpreisen große regionale Unterschiede.
 
Gut 30 Milliarden Euro Bodenkapital
Wird die Eigentumsfläche der Landwirte mit dem kapitalisierten durchschnittlichen Pachtpreis multipliziert, beläuft sich der Bodenkapitalstock der deutschen Landwirtschaft auf 30,2 Milliarden Euro.