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3 Agrarstruktur

3.3 Betriebe und Betriebsgrößen

288.200 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland
In Deutschland gab es 2012 288.200 landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 5 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF), einschließlich 25.500 Betrieben mit weniger als 5 ha LF, die auf Grund ihrer Tierbestände oder Spezialkulturen zu den auskunftspflichtigen Betrieben gehören. Die Betriebe bewirtschaften rund 16,7 Millionen Hektar LF. Die durchschnittliche Flächenausstattung der landwirtschaftlichen Betriebe erreichte 2012 57,8 Hektar LF.
 
Strukturwandel geht weiter
Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nahm zwischen 2007 und 2012 um 33.400 auf 288.200 landwirtschaftliche Betriebe ab. Das sind 10,4 Prozent weniger. Pro Jahr entspricht dies einer Abnahmerate von 2,2 Prozent. Damit scheint sich der landwirtschaftliche Strukturwandel etwas verlangsamt zu haben. Denn in den Jahrzehnten zuvor lag die durchschnittliche jährliche Abnahmerate der Betriebe bei etwa 3 Prozent, was statistisch etwa alle 20 Jahre eine Halbierung der Zahl der Betriebe bedeutet. Bei der in den letzten Jahren zurückgegangenen Abnahmerate ist zu berücksichtigen, dass die Grenze der statistisch erfassten Betriebe mittlerweile auf 5 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) angehoben worden ist. Nach vorläufigen Ergebnissen aus der Bodennutzungshaupterhebung dürfte die Zahl landwirtschaftlicher Betriebe in 2013 auf 283.600 Betriebe zurückgegangen sein.
 
Wachstumsschwelle verschiebt sich nach oben
Die sogenannte Wachstumsschwelle, unterhalb derer die Zahl der Betriebe ab- und oberhalb derer die Zahl der Betriebe zunimmt, steigt kontinuierlich an. Die Zahl der Betriebe in den Größenklassen unter 100 Hektar LF nimmt ab. Die Zahl der Betriebe mit 100 Hektar und mehr hingegen nimmt zu, zwischen 2007 und 2012 bundesweit um 3.000 auf 34.800 Betriebe. Diese Betriebe bewirtschaften 56 Prozent der LF in Deutschland. Im Niveau der Wachstumsschwelle gibt es allerdings regional große Unterschiede.
 
Regionale Unterschiede und betriebsspezifische Situationen
Bei regionaler Betrachtung wird ein Nord-Süd-Gefälle der Betriebsgrößen deutlich. Die Flächenausstattung allein lässt jedoch noch keine Aussage über die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit zu, die auch bei geringerer Flächenausstattung etwa durch den Anbau von Sonderkulturen, besondere Vermarktungsformen bzw. durch eine intensive Tierhaltung gegeben sein kann.
 
72 Prozent aller Betriebe halten Vieh
Zum Stichtag 1. März 2010 wurden in 216.100 landwirtschaftlichen Betrieben Tiere gehalten. Das sind rund 72 Prozent aller Betriebe. In deren Ställen oder auf deren Weiden standen etwa 12,5 Millionen Rinder, 27,6 Millionen Schweine, 128,9 Millionen Stück Geflügel, 462.000 Pferde und Esel, 2,1 Millionen Schafe sowie 150.000 Ziegen. Im Vergleich zur Agrarstrukturerhebung 2007 ging die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Tierhaltung relativ stark zurück, und zwar um etwa 22.300 Betriebe oder gut 9 Prozent (jährlich -3,2 Prozent). Neuere Ergebnisse werden mit Vorliegen der Auswertungen der Agrarstrukturerhebung 2013 im Frühjahr 2014 erwartet.
 
Relativ intensive Tierhaltung im Nordwesten Deutschlands
Die Tierhaltung erfolgt in den verschiedenen Regionen Deutschlands mit unterschiedlicher Intensität. Im Nordwesten und Südosten Deutschlands ist der Viehbestand in Relation zur landwirtschaftlich genutzten Fläche besonders hoch. Die neuen Bundesländer kennzeichnet eine geringe Intensität in der Tierhaltung.
 
In Niedersachsen und NRW mehr als die Hälfte der Schweine
Die Intensität der Tierhaltung wird in den Bundesländern von unterschiedlichen Tierarten bestimmt. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen werden 57 Prozent aller Schweine gehalten. Die Geflügelhaltung ist mit 45 Prozent des gesamten Bestandes besonders auf Niedersachsen konzentriert. Dagegen hat in Bayern die Rinderhaltung einen hohen Anteil. Rund 26 Prozent aller Rinder stehen in Bayern. Einen hohen Anteil am Rinderbestand haben auch Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig- Holstein. In diesen Ländern stehen zusammen 41 Prozent aller Rinder.
 
71 Prozent der Rinder in Beständen über 100 Tieren
Im Mai 2013 wurden in Deutschland 157.800 Betriebe mit Rinderhaltung gezählt. Innerhalb eines Jahres haben damit rund 5.100 Betriebe (3,1 Prozent) die Rinderhaltung eingestellt. Gleichzeitig ist die Zahl der gehaltenen Rinder um 0,9 Prozent (110.000 Tiere) auf 12,6 Millionen angestiegen. Der deutliche Rückgang der Betriebe hat auch in der Rinderhaltung zu einer stärkeren Konzentration geführt. 71 Prozent der Rinder stehen mittlerweile in Beständen mit 100 Tieren und mehr. Der Anteil der Haltungen mit 100 und mehr Rindern beträgt aber nur 25 Prozent. Dabei treten deutliche regionale Unterschiede auf. Während in den neuen Ländern der Anteil der Tiere in den Größenklassen ab 100 Rinder um die 90 Prozent beträgt, werden in Südwestdeutschland (Bayern, Baden- Württemberg) nur etwa die Hälfte der Rinder in Beständen mit 100 und mehr Rindern gehalten.
 
Holstein-Schwarzbunt und Fleckvieh dominierende Rinderrassen
Die mit Abstand bedeutendsten Rinderrassen sind die Milchnutzungsrasse „Holstein-Schwarzbunt“ mit rund 5,3 Mio. Tieren, gefolgt von der Doppelnutzungsrasse „Fleckvieh“ mit rund 3,5 Mio. Tieren. Mit großem Abstand folgt die Milchnutzungsrasse Holstein- Rotbunt mit 0,7 Mio. Tieren. Seit der Erhebung vom 3. Mai 2013 zählen erstmals die Büffel und Bisons mit zu den Rindern und werden als Rasse ausgewiesen. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 5.500 Büffel und Bisons. Das Gesamtergebnis wird davon nicht beeinflusst.
 
73 Prozent der Milch aus Betrieben mit 50 und mehr Kühen
Die Zahl der Milchviehhalter ist 2013 in Deutschland weiter zurückgegangen. Während es im Mai 2012 noch mehr als 84.900 Betriebe gab, waren es ein Jahr später nur noch knapp 81.000 und damit 4,7 Prozent weniger. Die Mehrzahl der Milchviehhalter (66 Prozent) hatte 2013 Tierbestände mit bis zu 50 Milchkühen. Auf sie entfielen 27 Prozent aller gehaltenen Milchkühe. 73 Prozent der Milchkühe standen dagegen in Beständen mit 50 und mehr Tieren (34 Prozent der Haltungen). Durchschnittlich wurden von jedem Milchviehhalter 52 Milchkühe gemolken. Die Spanne reicht von durchschnittlich 33 Milchkühen in Bayern bis zu 219 Milchkühen in Brandenburg. Zwischen 2012 und 2013 sind die Kuhbestände vor allem in Niedersachsen, aber auch in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gewachsen.
 
Große Strukturunterschiede in der Schaf- und Ziegenhaltung
Von den Schafe haltenden Betrieben werden in der Viehzählung nur die Betriebe erfasst, die mindestens 20 Schafe aufweisen. Diese insgesamt 10.600 Betriebe hielten nach zuletzt für November 2012 vorliegenden Angaben 1,64 Millionen Schafe (gegenüber Vorjahr -2,0 Prozent). Etwa 1.000 Betriebe hielten mehr als 500 Schafe. Von diesen Betrieben wurden 52 Prozent der Schafe in Deutschland gehalten. Die Ziegenhaltung konzentriert sich im Vergleich zur Schafhaltung noch stärker auf kleinere Tierbestände.
 
Verschärfter Strukturwandel in der Schweinehaltung
Der relativ starke Strukturwandel in der deutschen Schweinehaltung hat sich 2013 verschärft. Die Zahl Schweine haltender Betriebe ging zwischen Mai 2012 und Mai 2013 um 7,3 Prozent auf 28.100 zurück, die der Zuchtschweinehalter sogar um 14,4 Prozent auf 11.300. Dagegen ging die Zahl der gehaltenen Schweine nur um 1,6 Prozent auf 27,69 Millionen zurück, darunter Zuchtschweine um 5,3 Prozent auf 2,08 Millionen.
 
72 Prozent der Schweine in Betrieben mit über 1.000 Tieren
Neben der Geflügelhaltung weist die Schweinehaltung einen besonders hohen Grad der Spezialisierung auf. Relativ wenige Betriebe stellen hier das Gros der Erzeugung. Im Jahr 2013 standen in größeren Betrieben mit 1.000 und mehr Schweinen 72 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Schweine. Der Anteil dieser Betriebe an allen Betrieben mit Schweinehaltung machte aber nur 33 Prozent aus.
 
Strukturwandel in der Sauenhaltung besonders stark
In Deutschland gab es im Mai 2013 rund 11.200 Sauenhalter mit durchschnittlich 183 Tieren pro Betrieb. Die Anzahl der Sauenbetriebe hat sich damit in den vergangenen zehn Jahren mehr als halbiert und die Anzahl der gehaltenen Sauen pro Betrieb mehr als verdoppelt. Der aktuell starke Rückgang der Sauenbetriebe von 14,4 Prozent innerhalb eines Jahres steht in Zusammenhang mit den seit 1. Januar 2013 verschärften EU-Tierschutzbestimmungen.
 
Tierhaltungsauflagen zwingen zu Anpassungen
Die geänderte Tierschutz- Nutztierhaltungsverordnung schreibt seit 1.1.2013 erweiterte Anforderungen an die Haltung von Zuchtsauen vor, die von vielen Haltern umfangreiche Investitionen erfordern. Nicht alle Betriebe haben die mit der Umstellung auf Gruppenhaltung verbundenen Investitionen vorgenommen und lassen den Betriebszweig Sauenhaltung auslaufen. Dies betrifft insbesondere kleinere Betriebe. In den drei Bundesländern mit den meisten Sauenhaltern ging die Anzahl der Betriebe unterschiedlich stark zurück. In Nordrhein- Westfalen waren es innerhalb eines Jahres 10,3 Prozent, in Niedersachsen 13,3 Prozent und in Bayern sogar 22,2 Prozent weniger Betriebe. 
 
89 Prozent der Zuchtsauen in Beständen über 100 Tieren
Ebenso wie bei der Haltung von Mastschweinen findet die Zuchtsauenhaltung vorwiegend in großen Beständen statt. Sie ist in Betrieben mit 100 und mehr Zuchtsauen konzentriert. In diesen Betrieben standen 1,84 Millionen Zuchtsauen zur Ferkelerzeugung. In rund der Hälfte der Betriebe mit Sauenhaltung standen damit 89 Prozent der Tiere.