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3 Agrarstruktur

3.3 Betriebe und Betriebsgrößen

287.500 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland
Nach 299.100 landwirtschaftlichen Betrieben in 2010 ist die Betriebszahl in 2011 auf 292.500 und in 2012 auf 287.500 (vorläufig) weiter zurückgegangen. Seit 2010 sind die Erfassungsgrenzen von zwei auf fünf Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) angehoben. Betriebe mit weniger als fünf Hektar werden nur noch dann erfasst, wenn bestimmte Schwellenwerte überschritten werden (z. B. 50 Schweine, 10 Rinder oder 0,5 Hektar Sonderkulturen). Die Ergebnisse vor 2007 sind daher nicht voll vergleichbar. Von den 375.000 Betrieben der Agrarstrukturerhebung 2007 fallen etwa 53.000 Betriebe unter die angehobenen Erfassungsgrenzen. Diese repräsentieren aber nur etwa ein Prozent der erfassten Produktionsgrundlagen (landwirtschaftlich genutzte Fläche und Viehbestände).


Strukturwandel geht weiter
Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nahm zwischen 2007 und 2012 um 34.100 auf 287.500 landwirtschaftliche Betriebe ab. Das sind 10,6 Prozent weniger. Pro Jahr entspricht dies einer Abnahmerate von 2,2 Prozent. Damit scheint sich der landwirtschaftliche Strukturwandel etwas verlangsamt zu haben. Denn in den Jahrzehnten zuvor lag die durchschnittliche jährliche Abnahmerate der Betriebe bei etwa 3 Prozent, was statistisch etwa alle 20 Jahre eine Halbierung der Zahl der Betriebe bedeutet.
 


Wachstumsschwelle verschiebt sich nach oben
Die sogenannte Wachstumsschwelle, unterhalb derer die Zahl der Betriebe ab- und oberhalb derer die Zahl der Betriebe zunimmt, steigt kontinuierlich an. Die Zahl der Betriebe in den Größenklassen unter 100 Hektar LF nimmt ab. Die Zahl der Betriebe mit 100 Hektar und mehr hingegen nimmt zu, zwischen 2007 und 2011 bundesweit um 2.400 auf 34.100 Betriebe. Diese Betriebe bewirtschaften 56 Prozent der LF in Deutschland. Im Niveau der Wachstumsschwelle gibt es allerdings regional große Unterschiede.


Weiteres Betriebswachstum
Die landwirtschaftlichen Betriebe bewirtschafteten 2012 rund 16,7 Mio. Hektar LF. Die durchschnittliche Flächenausstattung der landwirtschaftlichen Betriebe erreichte somit rund 58 Hektar LF im Vergleich zu 52 Hektar im Jahr 2007. Bei regionaler Betrachtung wird sowohl in West- als auch in Ostdeutschland ein Nord-Süd-Gefälle der Betriebsgrößen deutlich. Die Flächenausstattung alleine lässt jedoch noch keine Aussage über die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit zu, die auch bei geringer Flächenausstattung etwa durch den Anbau von Sonderkulturen, besondere Vermarktungsformen bzw. durch eine intensive Tierproduktion gegeben sein kann.


72 Prozent aller Betriebe halten Vieh
Zum Stichtag 1. März 2010 wurden in 216.100 landwirtschaftlichen Betrieben Tiere gehalten. Das sind rund 72 Prozent aller Betriebe. In deren Ställen oder auf deren Weiden standen etwa 12,5 Millionen Rinder, 27,6 Millionen Schweine, 128,9 Millionen Stück Geflügel, 462.000 Pferde und Esel, 2,1 Millionen Schafe sowie 150.000 Ziegen. Im Vergleich zur Agrarstrukturerhebung 2007 ging die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Tierhaltung relativ stark zurück, und zwar um etwa 22.300 Betriebe oder gut 9  Prozent (jährlich -3,2 Prozent).


Relativ intensive Tierhaltung im Nordwesten Deutschlands
Die Tierhaltung erfolgt in den verschiedenen Regionen Deutschlands mit unterschiedlicher Intensität. Im Nordwesten und Südosten Deutschlands ist der Viehbestand in Relation zur landwirtschaftlich genutzten Fläche besonders hoch. Die neuen Bundesländer kennzeichnet eine geringe Intensität in der Tierhaltung.
 


In Niedersachsen und NRW mehr als die Hälfte der Schweine
Die Intensität der Tierhaltung wird in den Bundesländern von unterschiedlichen Tierarten bestimmt. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wird mehr als die Hälfte aller Schweine gehalten. Die Geflügelhaltung ist mit 45 Prozent des gesamten Bestandes besonders auf Niedersachsen konzentriert. Dagegen hat in Bayern die Rinderhaltung einen hohen Anteil. Rund 26 Prozent aller Rinder stehen in Bayern. Einen hohen Anteil am Rinderbestand haben auch Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. In diesen Ländern stehen zusammen 41 Prozent aller Rinder.

69 Prozent der Rinder in Beständen über 100 Tieren
Der deutliche Rückgang der Betriebe hat auch in der Rinderhaltung zu einer stärkeren Konzentration geführt. 69 Prozent der Rinder stehen mittlerweile in Beständen mit 100 Tieren und mehr. Der Anteil der Haltungen mit 100 und mehr Rindern beträgt aber nur 24 Prozent. Dabei treten deutliche regionale Unterschiede auf. Während in den neuen Ländern der Anteil der Tiere in den Größenklassen ab 100 Rinder über 90 Prozent beträgt, werden in Südwestdeutschland (Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland) nur etwa 50 Prozent der Rinder in Beständen mit 100 und mehr Rindern gehalten.


Zwei Drittel der Milch aus Betrieben mit 50 und mehr Kühen
Die Mehrzahl der Milchviehhalter (68 Prozent) hatte 2012 Tierbestände mit bis zu 49 Milchkühen. Auf sie entfielen 30 Prozent aller gehaltenen Milchkühe. 70 Prozent der Milchkühe standen dagegen in Beständen mit 50 und mehr Tieren (32 Prozent der Haltungen). Durchschnittlich wurden von jedem Milchviehhalter 49 Milchkühe gemolken. Die Spanne reicht von durchschnittlich 31 Milchkühen in Bayern bis zu 211 Milchkühen in Brandenburg.


Große Strukturunterschiede in der Schaf- und Ziegenhaltung
Von den 22.300 Schafe haltenden Betrieben wiesen nach zuletzt für 2010 vorliegenden Angaben nur 3.600 Betriebe oder 16 Prozent Schafbestände mit 100 und mehr Tieren auf. Von diesen Betrieben wurden allerdings 80 Prozent der Schafe in Deutschland gehalten. Die Ziegenhaltung konzentriert sich im Vergleich zur Schafhaltung noch stärker auf kleinere Tierbestände.


71 Prozent der Schweine in Betrieben mit über 1.000 Tieren
Der Grad der Spezialisierung ist in Betrieben mit Geflügel- und Schweinehaltung besonders hoch. Relativ wenige Betriebe stellen hier das Gros der Erzeugung. Im Jahr 2012 standen in größeren Betrieben mit 1.000 und mehr Schweinen 71 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Schweine. Der Anteil dieser Betriebe an allen Betrieben mit Schweinehaltung machte aber nur 31 Prozent aus.
 


87 Prozent der Zuchtsauen in Beständen über 100 Tiere
Ebenso wie bei der Haltung von Mastschweinen findet die Zuchtsauenhaltung vorwiegend in großen Beständen statt. Sie ist in Betrieben mit 100 und mehr Zuchtsauen konzentriert: In diesen Betrieben standen 1,9 Millionen Zuchtsauen zur Ferkelerzeugung. In knapp einem Drittel der Betriebe mit Zuchtsauenhaltung standen damit 87 Prozent der Tiere. Auch in diesem Zweig der Veredlungswirtschaft überwiegen die kleineren Betriebe. 53 Prozent der Betriebe hatten Bestände mit weniger als 100 Tieren.