©
3 Agrarstruktur

3.3 Betriebe und Betriebsgrößen

285.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland
In Deutschland gab es 2013 nach Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung (ASE) 285.000 landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 5 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF), einschließlich 24.600 Betrieben mit weniger als 5 Hektar LF, die auf Grund ihrer Tierbestände oder von Spezialkulturen zu den berichtspflichtigen Betrieben gehören. Die Betriebe bewirtschaften rund 16,7 Millionen Hektar LF. Die durchschnittliche Flächenausstattung der landwirtschaftlichen Betriebe erreichte 2013 58,6 Hektar LF. – Nach vorläufigen Angaben für 2014 ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe geringfügig auf 283.000 zurückgegangen, die je Betrieb bewirtschaftete Fläche auf 59,1 Hektar angestiegen.
 
Strukturwandel geht weiter
Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nahm zwischen 2007 und 2013 um 36.600 auf 285.000 landwirtschaftliche Betriebe ab. Das sind 11,4 Prozent weniger. Pro Jahr entspricht dies einer Abnahmerate von 2,0 Prozent. Damit scheint sich der landwirtschaftliche Strukturwandel etwas verlangsamt zu haben. Denn in den Jahrzehnten zuvor lag die durchschnittliche jährliche Abnahmerate der Betriebe bei etwa 3 Prozent, was statistisch etwa alle 20 Jahre eine Halbierung der Zahl der Betriebe entspricht. Bei der augenscheinlich rückläufigen Abnahmerate ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Grenze der statistisch erfassten Betriebe auf 5 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) angehoben worden ist. Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass von den 375.000 Betrieben der Agrarstrukturerhebung 2007 etwa 53.000 Betriebe statistisch seitdem nicht mehr erfasst werden. Diese aus der Statistik herausgefallenen Betriebe repräsentieren nur etwa 1 Prozent der erfassten Produktionsgrundlagen (Fläche und Vieh). Unter der Annahme, dass die Zahl der seit 2007 nicht mehr erfassten Betriebe seitdem um ein Drittel zurückgegangen sein könnte, liegt die jährliche Gesamtabnahmerate der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland bei 3,0 Prozent.
 
Wachstumsschwelle verschiebt sich nach oben
Die sogenannte Wachstumsschwelle, unterhalb derer die Zahl der Betriebe ab- und oberhalb derer die Zahl der Betriebe zunimmt, steigt kontinuierlich an. Die Zahl der Betriebe in den Größenklassen unter 100 Hektar LF nimmt ab. Die Zahl der Betriebe mit 100 Hektar und mehr hingegen nimmt zu, zwischen 2007 und 2013 bundesweit um 3.400 auf 35.200 Betriebe. Diese Betriebe bewirtschaften 57 Prozent der LF in Deutschland. Im Niveau der Wachstumsschwelle gibt es allerdings regional große Unterschiede.
 
Regionale Unterschiede und betriebsspezifische Situationen
Bei regionaler Betrachtung wird ein Nord-Süd-Gefälle der Betriebsgrößen deutlich. Die Flächenausstattung allein lässt jedoch noch keine Aussage über die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit zu, die auch bei geringerer Flächenausstattung etwa durch den Anbau von Sonderkulturen, besondere Vermarktungsformen bzw. durch eine intensive Tierhaltung gegeben sein kann.
 
70 Prozent aller Betriebe halten Vieh
Zum Stichtag 1. März 2013 wurden in 199.200 landwirtschaftlichen Betrieben Tiere gehalten. Das sind rund 70 Prozent aller Betriebe. In deren Ställen oder auf deren Weiden standen etwa 12,4 Millionen Rinder, 28,7 Millionen Schweine, 177,3 Millionen Stück Geflügel, 461.000 Pferde und Esel, 1,9 Millionen Schafe sowie 130.000 Ziegen. Im Vergleich zur Agrarstrukturerhebung 2007 ging die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Tierhaltung relativ stark zurück, und zwar um etwa 39.200 Betriebe oder gut 16 Prozent (jährlich -3,0 Prozent). Die vorgenannten Zahlen aus der Agrarstrukturerhebung 2013 unterscheiden sich von den nachfolgenden Ergebnissen der Viehzählungen auf Grund unterschiedlichen Erfassungen der Tierbestände zum Teil deutlich.
 
Rinder- und Milchviehhaltung immer mehr in größeren Betrieben
Die Anzahl der in Deutschland gehaltenen Rinder stieg innerhalb eines Jahres um knapp 1 Prozent auf 12,7 Millionen Stück im Mai 2014. Damit ist der deutsche Rinderbestand 2014 das zweite Jahr in Folge leicht gewachsen. Hauptgrund für diese Entwicklung ist das Aufstocken der  Milchkuhherde. Offenbar bereiten sich viele Milchviehhalter damit auf das Ende der Quotenregelung im Frühjahr 2015 vor. Im Gegensatz dazu verringerte sich die Zahl der Rinderhalter im gleichen Zeitraum um fast 2 Prozent auf 155.000 Betriebe.
 
72 Prozent der Rinder in Beständen mit 100 und mehr Rindern
Der Anteil der Betriebe mit 100 und mehr Rindern liegt zwar nur bei 26 Prozent, der Anteil der von diesen Betrieben gehaltenen Rindern am gesamten deutschen Rinderbestand aber beträgt 72 Prozent. Dabei treten deutliche regionale Unterschiede auf. Während in den neuen Ländern der Anteil der Tiere in den Größenklassen ab 100 Rinder um die 90 Prozent beträgt, werden in Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg) nur etwa gut die Hälfte der Rinder in Beständen mit 100 und mehr Rindern gehalten.
 
Zahl der Milchviehhalter in letzten 10 Jahren um ein Drittel verringert
Wie bereits in den Vorjahren ist auch 2014 die Zahl der Milchkuhhalter in Deutschland weiter zurückgegangen. Im Mai 2014 wurden noch 77.700 und damit über 4 Prozent weniger als zur Vorjahreszeit gezählt. Damit hat sich die Zahl der Milchviehhalter in den vergangenen 10 Jahren um rund ein Drittel verringert.
Mit Blick auf den Entfall der Milchquotenregelung ab April 2015 und beflügelt von relativ hohen Milchpreisen haben die Milcherzeuger in Deutschland ihre Milchviehherden weiter aufgestockt. Bis Mai 2014 stieg die Zahl der Milchkühe auf 4,31 Millionen Tiere, das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gut 2 Prozent oder 88.300 Kühe mehr als vor Jahresfrist. Auch im Jahr zuvor hatten die Milchkuhbestände zugenommen, und zwar um fast 1 Prozent. Mit 4,31 Millionen Tieren wurden im Mai 2014 so viele Milchkühe gehalten wie seit 2003 nicht mehr.
 
Durchschnittlicher Bestand liegt 56 Milchkühen
Im Bundesdurchschnitt hält ein Milchviehbetrieb 56 Milchkühe. Groß sind die regionalen Unterschiede. Die Spanne reicht von durchschnittlich 34 Milchkühen in Bayern bis zu 224 Milchkühen in Brandenburg. In den letzten Jahren sind besonders die Kuhbestände in Niedersachsen, aber auch in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gewachsen.
 
45 Prozent der Milchkühe in Beständen mit 100 und mehr Milchkühen
In Beständen mit 100 und mehr Milchkühen standen im Mai 2014 rund 45 Prozent der deutschen Milchkühe. Die Anzahl der Milchviehbetriebe mit über 500 Milchkühen stieg 2014 bundesweit von 434 auf 475 Betriebe. Deren Milchviehherde macht knapp 9 Prozent des deutschen Milchviehbestandes aus.
 
Rückläufiger Mutterkuhbestand
In den vergangenen 10 Jahren ist der Bestand an Mutterkühen in Deutschland um rund 82.000 Tiere zurückgegangen. Bei der aktuellen Zählung im Mai 2014 wurde mit einer Herdengröße von insgesamt rund 670.000 Tieren knapp das Vorjahresergebnis verfehlt. Bei der Betrachtung der einzelnen Bundesländer werden allerdings regional unterschiedliche Entwicklungen deutlich.
 
Holstein-Schwarzbunt und Fleckvieh sind die dominierenden Rinderrassen
Die mit Abstand bedeutendsten Rinderrassen sind die Milchnutzungsrasse „Holstein-Schwarzbunt“ mit rund 5,4 Millionen Tieren, gefolgt von der Doppelnutzungsrasse „Fleckvieh“ mit rund 3,5 Millionen Tieren. Mit großem Abstand folgt die Milchnutzungsrasse „Holstein-Rotbunt“ mit 0,7 Millionen Tieren. Im Rahmen der Viehzählung werden neuerdings auch Büffel und Bisons erfasst. Davon gab es im Mai 2014 5.800 Tiere. Das Gesamtergebnis wird davon nicht beeinflusst.
 
Verschärfter Strukturwandel in der Schweinehaltung
Der Schweinebestand in Deutschland ist zum Stichtag 3. Mai 2014 auf 28,1 Millionen Tiere gestiegen. Das sind binnen Jahresfrist 1,5 Prozent Schweine mehr. Stark zugenommen, nämlich um fast 8 Prozent, hat der Bestand an Jungschweinen mit einem Gewicht von weniger als 50 Kilogramm. Auch bei Zuchtsauen und Ferkeln wurden etwas mehr Tiere ermittelt (jeweils plus 1 Prozent). Rückläufig war dagegen die Zahl der Mastschweine, deren Bestand sich binnen Jahresfrist um 1 Prozent auf gut 12 Millionen Tiere verringerte.
 
74 Prozent der Schweine in Betrieben mit 1.000 und mehr Schweinen
Die Entwicklung zu immer größeren Beständen schreitet auch in der Schweinehaltung weiter fort. Während der Schweinebestand in Deutschland innerhalb eines Jahres um 1,5 Prozent leicht anstieg, ging gleichzeitig die Anzahl der Schweine haltenden Betriebe um knapp 2.000 oder fast 4 Prozent auf 27.100 zurück. 74 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Schweine werden in Betrieben mit 1000 und mehr Schweinen gehalten. Bei diesen Ergebnissen aus der Viehzählung werden nur Betriebe erfasst, die mindestens 50 Schweine oder 10 Zuchtsauen halten.
 
Zahl der Sauenhalter stark zurückgegangen
Nachdem sechs Jahre in Folge die Viehzählung einen Rückgang der Sauenbestände in Deutschland ergab, zeichnet sich aktuell ein leichter Trendwechsel ab. Mit rund 2,1 Millionen Tieren wurden im Mai 2014 bundesweit gut 1 Prozent bzw. 22.000 Sauen mehr gezählt als zum Vorjahreszeitpunkt. Die Anzahl der Zuchtschweine haltenden Betriebe ist dagegen gegenüber dem Vorjahr um gut 6 Prozent auf 10.600 zurückgegangen. Die Anzahl der gehaltenen Sauen pro Betrieb hat sich damit weiter kräftig erhöht, und zwar auf durchschnittlich 199 Zuchtschweine.
Die hohe Aufgaberate bei den Sauenhaltern steht in Zusammenhang mit den seit 1. Januar 2013 verschärften EU-Tierschutzbestimmungen, die von den Haltern umfangreiche Investitionen verlangten. Viele Landwirte haben die mit der Umstellung auf Gruppenhaltung verbundenen Investitionen nicht mehr vorgenommen und ließen den Betriebszweig Sauenhaltung auslaufen.
 
Große Strukturunterschiede in der Schaf- und Ziegenhaltung
Der Schafbestand in Deutschland ist nach zuletzt für November 2013 vorliegenden Viehzählungsergebnissen das neunte Jahr in Folge zurückgegangen. Im November 2013 wurden noch 1,57 Millionen Tiere gezählt. Damit sank der Gesamtbestand gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt um gut 4 Prozent. Die Zahl der Schafe haltenden Betriebe ging binnen eines Jahres um knapp 5 Prozent auf 10.100 zurück. Rund 900 Betriebe halten 500 Schafe und mehr. Auf sie entfallen gut 51 Prozent des Schafbestandes in Deutschland. Bei diesen Ergebnissen aus der Viehzählung werden nur Betriebe erfasst, die mindestens 20 Schafe halten.
Nach der Agrarstrukturerhebung dagegen werden auch Betriebe mit weniger als 20 Schafen erfasst, soweit sie über andere Tierarten oder die Fläche zu den erhebungspflichtigen Betrieben gehören. Danach gab es nach den zuletzt für 2013 vorliegenden Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 20.000 Schafhalter mit 1,89 Millionen Schafen.
 
Tierhaltung besonders im Nordwesten Deutschlands
Die Tierhaltung erfolgt in den verschiedenen Regionen Deutschlands mit unterschiedlicher Intensität. Im Nordwesten und Südosten Deutschlands ist der Viehbestand in Relation zur landwirtschaftlich genutzten Fläche besonders hoch. Die neuen Bundesländer dagegen kennzeichnet eine geringe Intensität in der Tierhaltung. Die Intensität der Tierhaltung wird in den Bundesländern von unterschiedlichen Tierarten bestimmt. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen werden 58 Prozent aller Schweine gehalten. Die Geflügelhaltung ist mit 54 Prozent des gesamten Bestandes besonders auf Niedersachsen konzentriert. Dagegen hat in Bayern die Rinderhaltung einen hohen Anteil. Rund 25 Prozent aller Rinder stehen in Bayern. Einen hohen Anteil am Rinderbestand haben auch Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. In diesen Ländern stehen zusammen 41 Prozent aller Rinder.
 
 
<< voriger Artikel
 
nächster Artikel >>