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3 Agrarstruktur

3.3 Betriebe und Betriebsgrößen

280.800 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland 
In Deutschland gab es 2015 280.800 landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 5 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF), einschließlich 26.400 Betrieben mit weniger als 5 Hektar LF, die auf Grund ihrer Tierbestände oder von Spezialkulturen zu den berichtspflichtigen Betrieben gehören. Die Betriebe bewirtschafteten 2015 rund 16,7 Millionen Hektar LF. Die durchschnittliche Flächenausstattung der landwirtschaftlichen Betriebe erreichte 2015 59,6 Hektar LF. Nach vorläufigen Ergebnissen für 2016 ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe auf etwa 275.400 zurückgegangen (gegenüber dem Vorjahr minus 1,9 Prozent).
 
Strukturwandel geht weiter 
Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nahm zwischen 2007 und 2016 um 46.200 auf 275.400 Betriebe ab. Das sind 14,4 Prozent weniger. Pro Jahr entspricht dies einer Abnahmerate von 1,7 Prozent. Damit scheint sich der landwirtschaftliche Strukturwandel etwas verlangsamt zu haben. Denn in den Jahrzehnten zuvor lag die durchschnittliche jährliche Abnahmerate der Betriebe bei etwa 3 Prozent, was statistisch etwa alle 20 Jahre eine Halbierung der Zahl der Betriebe entspricht. Bei der augenscheinlich rückläufigen Abnahmerate ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Grenze der statistisch erfassten Betriebe auf 5 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) angehoben worden ist. Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass von den 375.000 Betrieben der Agrarstrukturerhebung 2007 etwa 53.000 Betriebe statistisch seitdem nicht mehr erfasst werden. Diese aus der Statistik herausgefallenen Betriebe repräsentieren nur etwa 1 Prozent der erfassten Produktionsgrundlagen (Fläche und Vieh). Unter der Annahme, dass die Zahl der seit 2007 nicht mehr erfassten Betriebe seitdem um die Hälfte zurückgegangen ist, liegt die jährliche Abnahme der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland bei 2,4 Prozent.
 
Wachstumsschwelle verschiebt sich nach oben 
Die sogenannte Wachstumsschwelle, unterhalb derer die Zahl der Betriebe ab- und oberhalb derer die Zahl der Betriebe zunimmt, steigt kontinuierlich an. Die Zahl der Betriebe in den Größenklassen unter 100 Hektar LF nimmt ab. Die Zahl der Betriebe mit 100 Hektar und mehr hingegen nimmt zu, zwischen 2007 und 2015 bundesweit um 4.400 auf 36.200 Betriebe. Diese Betriebe bewirtschaften 58 Prozent der LF in Deutschland. Im Niveau der Wachstumsschwelle gibt es allerdings regional große Unterschiede.
 
Regionale Unterschiede und betriebsspezifische Situationen 
Bei regionaler Betrachtung wird ein Nord-Süd-Gefälle der Betriebsgrößen deutlich. Die Flächenausstattung allein lässt jedoch noch keine Aussage über die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit zu, die auch bei geringerer Flächenausstattung etwa durch den Anbau von Sonderkulturen, besondere Vermarktungsformen bzw. durch eine intensive Tierhaltung gegeben sein kann.
 
70 Prozent aller Betriebe halten Vieh 
Zum Stichtag 1. März 2013 wurden in 199.200 landwirtschaftlichen Betrieben Tiere gehalten. Das sind rund 69,9 Prozent aller Betriebe. In deren Ställen oder auf deren Weiden standen etwa 12,4 Millionen Rinder, 28,7 Millionen Schweine, 177,3 Millionen Stück Geflügel, 461.000 Pferde und Esel, 1,9 Millionen Schafe sowie 130.000 Ziegen. Im Vergleich zur Agrarstrukturerhebung 2007 ging die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Tierhaltung relativ stark zurück, und zwar um etwa 39.200 Betriebe oder gut 16 Prozent (jährlich -3,0 Prozent). Der Anteil viehloser Betriebe stieg von 2010 auf 2013 von 27,7 auf 30,1 Prozent an.
 
Rinder- und Milchviehhaltung immer mehr in größeren Beständen 

Die Anzahl der in Deutschland gehaltenen Rinder lag im Mai 2016 bei etwa 12,6 Millionen Stück. Damit ist der deutsche Rinderbestand gegenüber Mai 2015 leicht zurückgegangen (-0,7 Prozent). Die Zahl der Rinderhalter verringerte sich im gleichen Zeitraum um 2,2 Prozent auf 147.900.
 
74 Prozent der Rinder in Beständen mit 100 und mehr Rindern 
Der Anteil der Betriebe mit 100 und mehr Rindern liegt zwar nur bei 26 Prozent, sie halten aber Dreiviertel aller Tiere (74 Prozent). Dabei treten deutliche regionale Unterschiede auf. Während in den neuen Ländern der Anteil der Tiere in den Größenklassen ab 100 Rinder um die 90 Prozent beträgt, werden in Süddeutschland nur etwa gut die Hälfte der Rinder in Beständen mit 100 und mehr Rindern gehalten.
 
Zahl der Milchviehhalter seit 2008 um fast ein Drittel verringert 
In 2016 ist die Zahl der Milchkuhhalter in Deutschland weiter zurückgegangen. Im Mai 2016 wurden noch 71.300 und damit 4,6 Prozent weniger als zum entsprechenden Vorjahresmonat gezählt. Damit hat sich die Zahl der Milchviehhalter in den vergangenen 8 Jahren um 29 Prozent verringert. Die Zahl der Milchkühe reduzierte sich gegenüber Mai 2015 leicht um 0,3 Prozent auf 4,3 Millionen Tiere.
 
Durchschnittlicher Bestand liegt bei 60 Milchkühen 
Im Bundesdurchschnitt hält ein Milchviehhalter 60 Milchkühe. Groß sind die regionalen Unterschiede. Die größten Herden befinden sich in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit einer Durchschnittsgröße von 226 bzw. 224 Tieren. Relativ klein sind die durchschnittlichen Milchviehbestände in Bayern (37 Kühe), Baden-Württemberg (43 Kühe) oder Hessen (47 Kühe).
 
50 Prozent der Milchkühe in Beständen mit 100 und mehr Milchkühen 
In Beständen mit 100 und mehr Milchkühen – das sind 15 Prozent aller Milchviehhaltungen – standen im Mai 2016 rund 50 Prozent der deutschen Milchkühe. Die Anzahl der Milchviehhaltungen mit über 500 Milchkühen stieg 2016 bundesweit von 500 auf 531. Deren Milchviehherde macht mit 431.900 Tieren ein Zehntel des deutschen Milchviehbestandes aus.
 
Etwas mehr Ammen- und Mutterkühe 
Im Mai 2016 wurden in Deutschland 685.000 Ammen- und Mutterkühe gezählt. Damit ist der Bestand an Ammen- und Mutterkühen wie bereits im Vorjahr weiter leicht angestiegen (gegenüber 2015 + 0,4 Prozent). Dagegen ist die Zahl der Ammen- und Mutterkuhhalter weiter leicht rückläufig (gegenüber 2015 – 0,6 Prozent). Die insgesamt 52.300 Ammen- und Mutterkuhhalter hielten zuletzt im Durchschnitt 14 Ammen- und Mutterkühe. Der Schwerpunkt der Ammen- und Mutterkuhhaltung liegt weiterhin in Ostdeutschland, wo 40 Prozent aller deutschen Ammen- und Mutterkühe gehalten werden. Die meisten Ammen- und Mutterkühe werden mit rund 92.200 Tieren in Brandenburg gehalten. Der Durchschnittsbestand liegt dort bei 36 Ammen- und Mutterkühen.
 
Holstein-Schwarzbunt und Fleckvieh sind die dominierenden Rinderrassen 
Die mit Abstand bedeutendsten Rinderrassen sind die Milchnutzungsrasse „Holstein-Schwarzbunt“ mit rund 5,3 Millionen Tieren, gefolgt von der Doppelnutzungsrasse „Fleckvieh“ mit rund 3,5 Millionen Tieren. Mit großem Abstand folgen die Milchnutzungsrasse „Holstein- Rotbunt“ und Kreuzungstiere aus verschiedenen Fleischrinderrassen mit 0,6 bzw. 0,7 Millionen Tieren. Bei der Viehzählung werden auch Büffel und Bisons erfasst. Davon gab es im Mai 2016 7.300 Tiere. Das Gesamtergebnis wird davon nicht beeinflusst.
 
Verschärfter Strukturwandel in der Schweinehaltung 
Die Entwicklung zu größeren Beständen schreitet auch in der Schweinehaltung weiter voran. Zum Stichtag 3. Mai 2016 wurden in Deutschland rund 27,1 Millionen Schweine gehalten. Das waren gegenüber dem Vorjahresniveau 3,4 Prozent weniger. Gleichzeitig ging die Anzahl der Schweine haltenden Betriebe um 4,7 Prozent auf 24.500 Betriebe zurück. In der Viehzählung werden seit 2010 nur Betriebe erfasst, die mindestens 50 Schweine oder 10 Zuchtsauen halten. 76 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Schweine werden in Beständen mit 1.000 und mehr Schweinen gehalten.
 
Zahl der Sauenhalter stark zurückgegangen 
Mit rund 1,9 Millionen Tieren wurden im Mai 2016 bundesweit 106.000 Sauen oder 5,2 Prozent weniger gezählt als zum entsprechenden Vorjahresmonat. Noch stärker als die Zahl der Sauen hat sich die Zahl der Betriebe mit Muttersauen verringert. Sie ging zwischen Mai 2015 und Mai 2016 um rund 600 oder 6,3 Prozent auf nunmehr 9.000 Halter zurück. Die Anzahl der gehaltenen Sauen pro Betrieb hat sich weiter erhöht, und zwar auf durchschnittlich 215 Zuchtschweine.
 
Treiber der Strukturentwicklung 
  • Schwache Marktstellung – Internationaler Wettbewerb
  • Technischer und züchterischer Fortschritt 
  • Wirtschaftliche Größenvorteile
  • Gesetzlicher Regelungsdruck
  • Wachsende Kundenanforderungen
  • Kritische öffentliche Diskussion über Landwirtschaft
Schafhaltung leicht zurückgegangen
Im November 2015 wurden insgesamt 1,58 Millionen Tiere gezählt. Das sind im Jahresvergleich 1,3 Prozent weniger. Die Anzahl der Schafhalter blieb im Jahresvergleich mit 9.900 unverändert. Rund 900 Betriebe halten 500 Schafe und mehr. Auf sie entfallen 51 Prozent des Schafbestandes in Deutschland. In der jährlichen Viehzählung werden nur Betriebe erfasst, die mindestens 20 Schafe halten. Nach der Agrarstrukturerhebung dagegen werden auch Betriebe mit weniger als 20 Schafen erfasst, soweit sie über andere Tierarten oder die Fläche zu den erhebungspflichtigen Betrieben gehören. Danach gab es nach den zuletzt für 2013 vorliegenden Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 20.000 Schafhalter mit 1,89 Millionen Schafen.
 
Tierhaltung mit regional unterschiedlichen Intensitäten
Die Tierhaltung erfolgt in den verschiedenen Regionen Deutschlands mit unterschiedlicher Intensität. Im Nordwesten und Südosten Deutschlands ist der Viehbestand in Relation zur landwirtschaftlich genutzten Fläche besonders hoch. Die neuen Bundesländer dagegen kennzeichnet eine geringe Tierhaltungsdichte. Die Tierhaltung ist in den Bundesländern unterschiedlich konzentriert. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen werden 58 Prozent aller Schweine gehalten. Die Geflügelhaltung ist mit 54 Prozent des gesamten Bestandes besonders auf Niedersachsen konzentriert. Dagegen hat Bayern bei der Rinderhaltung den höchsten Anteil. Rund 25 Prozent aller Rinder stehen in Bayern. Einen hohen Anteil am Rinderbestand haben auch Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. In diesen Ländern stehen zusammen 42 Prozent aller Rinder.
 
Starker Strukturwandel in der Nutztierhaltung 
Die Langfristentwicklung der Nutztierhaltung in Deutschland zeigt, dass der Strukturwandel mit durchschnittlichen jährlichen Abnahmeraten der Zahl der Tierhalter von 4 bis 7 Prozent besonders groß ist. Dadurch dass die statistischen Erfassungsgrenzen mehrmals deutlich heraufgesetzt wurden, täuschen die Abnahmeraten besonders des letzten Jahrzehnts darüber hinweg, dass der Strukturwandel tendenziell an Stärke zugewonnen hat.