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3 Agrarstruktur

3.3 Betriebe und Betriebsgrößen

275.400 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland
In Deutschland gab es 2016 275.400 landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 5 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF), einschließlich 24.100 Betrieben mit weniger als 5 Hektar LF, die auf Grund ihrer Tierbestände oder von Spezialkulturen zu den berichtspflichtigen Betrieben gehören. Die Betriebe bewirtschafteten 2016 rund 16,7 Millionen Hektar LF. Die durchschnittliche Flächenausstattung der landwirtschaftlichen Betriebe erreichte 2016 60,5 Hektar LF. Nach Ergebnissen für 2017 ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe auf rund 269.800 zurückgegangen (gegenüber dem Vorjahr minus 2,0 Prozent).
 
Strukturwandel geht weiter 
Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nahm zwischen 2007 und 2016 um 46.200 auf 275.400 Betriebe ab. Das sind 14,4 Prozent weniger. Pro Jahr entspricht dies einer Abnahmerate von 1,7 Prozent. Damit scheint sich der landwirtschaftliche Strukturwandel etwas verlangsamt zu haben. Denn in den Jahrzehnten zuvor lag die durchschnittliche jährliche Abnahmerate der Betriebe bei etwa 3 Prozent, was statistisch etwa alle 20 Jahre eine Halbierung der Zahl der Betriebe entspricht. Bei der augenscheinlich rückläufigen Abnahmerate ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Grenze der statistisch erfassten Betriebe auf 5 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) angehoben worden ist. Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass von den 375.000 Betrieben der Agrarstrukturerhebung 2007 etwa 53.000 Betriebe statistisch seitdem nicht mehr erfasst werden. Diese aus der Statistik herausgefallenen Betriebe repräsentieren nur etwa 1 Prozent der erfassten Produktionsgrundlagen (Fläche und Vieh). Unter der Annahme, dass die Zahl der seit 2007 nicht mehr erfassten Betriebe seitdem um die Hälfte zurückgegangen ist, liegt die jährliche Abnahme der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland bei 2,4 Prozent.
 
Wachstumsschwelle verschiebt sich nach oben 
Die sogenannte Wachstumsschwelle, unterhalb derer die Zahl der Betriebe ab- und oberhalb derer die Zahl der Betriebe zunimmt, steigt kontinuierlich an. Die Zahl der Betriebe in den Größenklassen unter 100 Hektar LF nimmt ab. Die Zahl der Betriebe mit 100 Hektar und mehr hingegen nimmt zu, zwischen 2007 und 2016 bundesweit um 4.800 auf 36.600 Betriebe. Diese Betriebe bewirtschaften 59 Prozent der LF in Deutschland. Im Niveau der Wachstumsschwelle gibt es allerdings regional große Unterschiede.
 
Regionale Unterschiede und betriebsspezifische Situationen 
Bei regionaler Betrachtung wird ein Nord-Süd-Gefälle der Betriebsgrößen deutlich. Die Flächenausstattung allein lässt jedoch noch keine Aussage über die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit zu, die auch bei geringerer Flächenausstattung etwa durch den Anbau von Sonderkulturen, besondere Vermarktungsformen bzw. durch eine intensive Tierhaltung gegeben sein kann.
 
67 Prozent aller Betriebe halten Vieh 
Zum Stichtag 1. März 2016 wurden in 185.200 landwirtschaftlichen Betrieben Tiere gehalten. Das sind rund 67,2 Prozent aller Betriebe. In deren Ställen oder auf deren Weiden standen etwa 12,4 Millionen Rinder, 28,0 Millionen Schweine, 173,6 Millionen Stück Geflügel, 442.000 Pferde und Esel, 1,8 Millionen Schafe sowie 139.000 Ziegen. Im Vergleich zur Agrarstrukturerhebung 2007 ging die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Tierhaltung relativ stark zurück, und zwar um etwa 53.200 Betriebe oder gut 22 Prozent (jährlich -2,8 Prozent). Der Anteil viehloser Betriebe ist deutlich angewachsen, von 27,7 Prozent in 2010 auf 30,1 Prozent in 2013 und dann auf 32,8 Prozent in 2016.
 
Starker Strukturwandel unter den viehhaltenden Betrieben

Zwischen 2010 und 2016 ging die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe insgesamt um rund 8 Prozent zurück. Die sich darunter befindenden viehhaltenden Betriebe gingen nach Ergebnissen der Agrarstrukturerhebungen prozentual fast doppelt so stark zurück (- 14 Prozent). Von 216.100 in 2010 fiel die Zahl der viehhaltenden Betriebe auf 185.200 in 2016. Die Zahl der gehaltenen Rinder ist zwischen 2010 und 2016 nur leicht zurückgegangen, während die Zahl der gehaltenen Schweine etwas angestiegen ist (+ 4 Prozent). Die Zahl der Rinder haltenden Betriebe ging in diesem Vergleichszeitraum um 16 Prozent auf 121.000 zurück, die der Schweine haltenden Betriebe sogar um 33 Prozent auf 40.300. Hinter diesen durchschnittlichen Entwicklungen für das Bundesgebiet stecken große regionale Unterschiede. Anders als bei den jährlichen Viehzählungen werden in Rahmen der Agrarstrukturerhebungen auch Betriebe unterhalb der Tiererfassungsgrenzen erfasst, soweit sie über andere Tierarten oder die Fläche zu den erhebungspflichtigen Betrieben gehören.
 
Treiber der Strukturentwicklung

  • Schwache Marktstellung – Internationaler Wettbewerb
  • Technischer und züchterischer Fortschritt
  • Wirtschaftliche Größenvorteile
  • Gesetzlicher Regelungsdruck
  • Wachsende Kundenanforderungen
  • Kritische öffentliche Diskussion über Landwirtschaf
Auch in 2017 deutlicher Rückgang der Rinderhalter
Die Anzahl der in Deutschland gehaltenen Rinder lag im Mai 2017 bei etwa 12,4 Millionen Stück. Damit ist der deutsche Rinderbestand gegenüber Mai 2016 weiter zurückgegangen (-1,6 Prozent). Die Zahl der Rinderhalter verringerte sich im gleichen Zeitraum sogar um 2,8 Prozent auf 143.700.
 
74 Prozent der Rinder in Beständen mit 100 und mehr Rindern
Der Anteil der Betriebe mit 100 und mehr Rindern liegt zwar nur bei 27 Prozent, sie halten aber drei Viertel aller Tiere (74 Prozent). Dabei treten deutliche regionale Unterschiede auf. Während in den neuen Ländern der Anteil der Tiere in den Größenklassen ab 100 Rinder um die 90 Prozent beträgt, werden in Süddeutschland nur etwa gut die Hälfte der Rinder in Beständen mit 100 und mehr Rindern gehalten.
 
Zahl der Milchviehhalter seit 2007 um gut ein Drittel verringert
In 2017 ist die Zahl der Milchkuhhalter in Deutschland weiter zurückgegangen. Im Mai 2017 wurden noch 67.300 und damit im Jahresvergleich 5,6 Prozent weniger gezählt. Damit hat sich die Zahl der Milchviehhalter in den vergangenen 10 Jahren um gut ein Drittel verringert. Die Zahl der Milchkühe reduzierte sich gegenüber Mai 2016 leicht um 1,4 Prozent auf 4,21 Millionen Tiere.
 
Durchschnittlicher Bestand liegt bei 63 Milchkühen
Im Bundesdurchschnitt hält ein Milchviehhalter 63 Milchkühe. Groß sind die regionalen Unterschiede. Die größten Herden befinden sich in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Durchschnittsgrößen von jeweils 229 Tieren. Relativ klein sind die durchschnittlichen Milchviehbestände in Bayern (38 Kühe), Baden-Württemberg (47 Kühe) oder Hessen (48 Kühe).
 
52 Prozent der Milchkühe in Beständen mit 100 und mehr Milchkühen
In Beständen mit 100 und mehr Milchkühen – das sind 16 Prozent aller Milchviehhaltungen – standen im Mai 2017 rund 52 Prozent der deutschen Milchkühe. Die Anzahl der Milchviehhaltungen mit über 500 Milchkühen stieg 2016 bundesweit auf 533. Deren Milchviehherde macht mit 435.700 Tieren ein Zehntel des deutschen Milchviehbestandes aus.
 
Auch weniger Ammen- und Mutterkühe
Im Mai 2017 wurden in Deutschland 670.300 Ammen- und Mutterkühe gezählt. Damit ist der Bestand an Ammen- und Mutterkühen im Jahresvergleich um 2,1 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Ammen- und Mutterkuhhalter ist weiter leicht rückläufig (gegenüber 2014 -0,4 Prozent). Die insgesamt 50.100 Ammen- und Mutterkuhhalter hielten zuletzt im Durchschnitt 13 Ammenund Mutterkühe. Der Schwerpunkt der Ammen- und Mutterkuhhaltung liegt weiterhin in Ostdeutschland, wo 40 Prozent aller deutschen Ammen- und Mutterkühe gehalten werden. Die meisten Ammen- und Mutterkühe werden mit rund 91.600 Tieren in Brandenburg gehalten. Der Durchschnittsbestand liegt dort bei 35 Ammen- und Mutterkühen.
 
Holstein-Schwarzbunt und Fleckvieh sind die dominierenden Rinderrassen 
Die mit Abstand bedeutendsten Rinderrassen sind die Milchnutzungsrasse „Holstein-Schwarzbunt“ mit rund 5,14 Millionen Tieren, gefolgt von der Doppelnutzungsrasse „Fleckvieh“ mit rund 3,43 Millionen Tieren. Mit großem Abstand folgen Kreuzungstiere aus verschiedenen Fleischrinderrassen und die Milchnutzungsrasse „Holstein-Rotbunt“ mit 0,68 bzw. 0,61 Millionen Tieren. Bei der Viehzählung werden auch Büffel und Bisons erfasst. Davon gab es im Mai 2017 8.100 Tiere. Das Gesamtergebnis wird davon nicht beeinflusst.
 
Starker Strukturwandel in der Schweinehaltung
Die Entwicklung zu größeren Beständen schreitet auch in der Schweinehaltung weiter voran. Zum Stichtag 3. Mai 2017 wurden in Deutschland rund 27,18 Millionen Schweine gehalten. Im Jahresvergleich waren das nur geringfügig mehr Schweine (+0,1 Prozent). Gleichzeitig ging die Anzahl der Schweine haltenden Betriebe um 2,9 Prozent auf 23.800 Betriebe zurück. In der Viehzählung werden seit 2010 nur Betriebe erfasst, die mindestens 50 Schweine oder 10 Zuchtsauen halten. 76 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Schweine werden in Beständen mit 1.000 und mehr Schweinen gehalten.
 
Zahl der Sauenhalter stark zurückgegangen
Mit rund 1,91 Millionen Tieren wurden im Mai 2017 bundesweit kaum weniger Zuchtsauen gezählt als ein Jahr zuvor (-0,6 Prozent). Die Zahl ihrer Halter ging allerdings stark zurück, und zwar um rund 600 oder 6,7 Prozent auf 8.400. Die Anzahl der gehaltenen Sauen pro Betrieb hat sich weiter erhöht, und zwar auf durchschnittlich 227 Zuchtschweine.
 
Schafhaltung leicht zurückgegangen
Im November 2016 wurden insgesamt 1,57 Millionen Tiere gezählt. Das sind im Jahresvergleich 0,3 Prozent weniger. Die Anzahl der Schafhalter ging im Jahresvergleich um 2,0 Prozent auf 9.700 zurück. Rund 900 Betriebe halten 500 Schafe und mehr. Auf sie entfallen 52 Prozent des Schafbestandes in Deutschland. In der jährlichen Viehzählung werden nur Betriebe erfasst, die mindestens 20 Schafe halten. Nach der Agrarstrukturerhebung dagegen werden auch Betriebe mit weniger als 20 Schafen erfasst, soweit sie über andere Tierarten oder die Fläche zu den erhebungspflichtigen Betrieben gehören. Nach der Agrarstrukturerhebung 2016 gab es 19.600 Schafhalter mit 1,83 Millionen Schafen.
 
Tierhaltung mit regional unterschiedlichen Intensitäten
Im Nordwesten und Südosten Deutschlands ist der Viehbestand in Relation zur landwirtschaftlich genutzten Fläche relativ hoch. Die neuen Bundesländer dagegen kennzeichnet eine eher geringe Tierhaltungsdichte. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen werden 58 Prozent aller Schweine gehalten. Auch die Geflügelhaltung ist mit 53 Prozent des gesamten Bestandes besonders auf Niedersachsen konzentriert. Dagegen hat Bayern bei der Rinderhaltung den höchsten Anteil. Rund 25 Prozent aller Rinder stehen in Bayern. Einen hohen Anteil am Rinderbestand haben auch Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. In diesen Ländern stehen zusammen 42 Prozent aller Rinder.