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3 Agrarstruktur

3.4 Betriebs- und Rechtsformen

Einzelunternehmen dominieren 
Nach Rechtsformen betrachtet dominieren die landwirtschaftlichen Einzelunternehmen, die in der Regel als Familienbetriebe geführt werden. So zählten nach der Agrarstrukturerhebung 2016 89 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe Deutschlands zu den Einzelunternehmen und 9 Prozent zu den Personengesellschaften. 2 Prozent der Betriebe gehörten zur Rechtsform der juristischen Personen (GmbH, Genossenschaft, AG).
 
Juristische Personen besonders in den neuen Bundesländern
Vor allem durch zahlreich neu entstandene GmbHs ist die Zahl der juristischen Personen zwischen 2010 und 2016 von rund 5.100 auf rund 5.500 angestiegen (einschließlich juristische Personen des öffentlichen Rechts). In den neuen Bundesländern ist eine vergleichsweise hohe Zahl von 3.700 Kapitalgesellschaften, eingetragenen Genossenschaften und Aktiengesellschaften tätig. Im früheren Bundesgebiet haben 1.800 Unternehmen die Rechtsform einer juristischen Person gewählt.
 
Mehr Personengesellschaften und GmbHs
Die Zahl der Personengesellschaften und GmbHs hat seit 1999 deutlich zugelegt, während Einzelunternehmen aber auch Genossenschaften deutlich weniger geworden sind. Die starke Zunahme der Personengesellschaften, vor allem in Form von Gesellschaften bürgerliches Rechts (GbR), hat besonders im früheren Bundesgebiet stattgefunden. Im Osten Deutschlands haben die landwirtschaftlichen Personengesellschaften in der Rechtsform der GmbH & Co. KG zugenommen. Von GmbHs werden mittlerweile 9 Prozent der Agrarfläche Deutschlands bewirtschaftet. Im Osten Deutschlands sind es sogar entsprechend 25 Prozent. Weitere 23 Prozent der Fläche werden dort von Agrargenossenschaften bewirtschaftet.
 
Zwei Drittel der Fläche von Einzelunternehmen bewirtschaftet

Die Einzelunternehmen in Deutschland bewirtschaften nach Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 2017 64 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche. Durchschnittlich liegt die Flächenausstattung bei 44 Hektar je Betrieb – wobei die Spanne von 31 bzw. 32 Hektar in Baden-Württemberg und Bayern bis 130 Hektar in Mecklenburg-Vorpommern reicht. Die durchschnittliche Flächenausstattung der Personengesellschaften liegt bei 120 Hektar, juristische Personen verfügen im Durchschnitt über 527 Hektar.
 
Acker- und Futterbaubetriebe dominieren 
In der Gliederung nach Produktionsschwerpunkten sind gemäß EU-Typologie 41 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland Futterbaubetriebe, gut 30 Prozent sind Ackerbaubetriebe (Getreide und andere Verkaufsfrüchte), 13 Prozent Gemischtbetriebe (Verbundbetriebe), gut 9 Prozent Dauerkultur- (Wein, Obst, Hopfen) und Gartenbaubetriebe sowie knapp 6 Prozent Veredlungsbetriebe (Schweine, Geflügel, Eier). Der relativ gering erscheinende Anteil der Veredlungsbetriebe ist darauf zurückzuführen, dass die Flächennutzung maßgebend für die Einteilung der Betriebe ist, unabhängig davon, ob der Aufwuchs in der tierischen Produktion verwendet oder an Handel und Verarbeitung verkauft wird.
 
Anteil der Nebenerwerbsbetriebe steigt
Die landwirtschaftlichen Einzelunternehmen können nach ihrem Erwerbscharakter unterschieden werden. Aufgrund des Verhältnisses von betrieblichem Einkommen und dem Einkommen aus außerbetrieblichen Quellen erfolgt die Zuordnung: Die Haupterwerbsbetriebe beziehen mehr als 50 Prozent ihres Einkommens aus dem landwirtschaftlichen Betrieb, die Nebenerwerbsbetriebe weniger als 50 Prozent. Nach dieser Definition sind 52 Prozent der Einzelunternehmen im Nebenerwerb und 48 Prozent im Haupterwerb geführt. In Baden-Württemberg, Hessen, Saarland und Sachsen liegt der Anteil der Einzelunternehmen im Nebenerwerb bei rund zwei Drittel. Im Vergleich zu 2010 ist der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe deutlich angestiegen. Diese Entwicklung geht einher mit der relativ stark abnehmenden Zahl Vieh haltender Betriebe.
 
Flächenausstattung sehr unterschiedlich 
Der Nebenerwerb kann sowohl Übergangsstadium als auch stabile Form einzelbetrieblicher Entwicklungen sein. Auf die im Nebenerwerb geführten Familienbetriebe entfallen gut 2,9 Millionen Hektar LF – das sind durchschnittlich 23 Hektar je Betrieb. Die im Haupterwerb geführten Betriebe bewirtschaften mit durchschnittlich 66 Hektar eine dreimal größere LF als die Nebenerwerbsbetriebe. Dabei haben die Haupterwerbsbetriebe der neuen Bundesländer eine höhere durchschnittliche Flächenausstattung als die Betriebe im früheren Bundesgebiet. Sie sind beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich mehr als dreimal so groß wie im Bundesdurchschnitt (225 Hektar zu 66 Hektar).
 
75.700 Bauernhöfe mit betriebsnahen Erwerbs- und Einkommenskombinationen
Von den rund 275.400 landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland hat im Jahr 2016 fast jeder Dritte seine landwirtschaftliche Erwerbstätigkeit um betriebsnahe Erwerbs- und Einkommensmöglichkeiten ergänzt. Dazu gehören beispielsweise Urlaubs- und Freizeitangebote auf dem Bauernhof, die Verarbeitung und Direktvermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse oder die Erzeugung erneuerbarer Energien. 46 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe mit derartigen Erwerbs- und Einkommenskombinationen verdienten mit der Erzeugung erneuerbarer Energien Geld dazu. 25 Prozent der Betriebe nutzten die Forstwirtschaft als zusätzliche Einkommensquelle. 21 Prozent der Betriebe führten Dienstleistungen wie zum Beispiel Feldarbeiten für andere Betriebe durch. Insgesamt machten die Erwerbs- und Einkommenskombinationen allerdings in 54 Prozent der Betriebe nur bis zu 10 Prozent am Gesamtumsatz aus. 15 Prozent der Betriebe erzielten damit mehr als die Hälfte ihres Gesamtumsatzes.
 

Gartenbau und Baumschulen

Zahl der Gartenbaubetriebe deutlich gesunken
Die Zahl der Gartenbaubetriebe in Deutschland ist in den zurückliegenden Jahren erheblich gesunken. Nach Ergebnissen der Gartenbauerhebung 2016 wirtschafteten 27.200 Betriebe im Bereich Gartenbau. Das entspricht einem Rückgang um 24 Prozent im Vergleich zur Landwirtschaftszählung von 2010. Gleichzeitig wurde die gärtnerische Nutzfläche in Deutschland von 2010 bis 2016 aber um 2,5 Prozent auf rund 229.000 Hektar ausgeweitet. Damit erhöhte sich die durchschnittliche gärtnerische Nutzfläche je Betrieb um ein Drittel auf 8,4 Hektar.
 
Mehr Gemüseanbaufläche
Der überwiegende Teil der gesamten Gartenbaufläche in Deutschland entfiel 2016 auf den Gemüseanbau einschließlich Erdbeeren. Dessen Produktionsareal umfasste bundesweit etwa 130.200 Hektar und fiel damit um 7 Prozent größer aus als 2010. Derweil verringerten sich die Freilandfläche für die Produktion von Baum- und Beerenobst einschließlich Nüsse um 1 Prozent auf rund 64.100 Hektar, die Freilandfläche für Baumschulkulturen um 8 Prozent auf 19.300 Hektar und das Produktionsareal für Blumen und Zierpflanzen um 13 Prozent auf 7.300 Hektar. Bei den Heil-, Duftund Gewürzpflanzen kam es zu einer Ausweitung der Anbaufläche um 4 Prozent auf 7.100 Hektar. Die restliche gärtnerische Nutzfläche – etwa für die Erzeugung von Gartenbausämereien, mit Dauerkulturen unter hohen begehbaren Schutzabdeckungen und Speisepilzen – vergrößerte sich um 4 Prozent auf 1.200 Hektar.
 
Starker Strukturwandel im Bereich der Baumschulen
Die Baumschulkulturen umfassen Ziersträucher und Bäume, Heckenpflanzen, Forstpflanzen, Obstgehölze, Rosen und sonstige Kulturen wie beispielsweise Nadelgehölze zur Anzucht von Weihnachtsbäumen. Dabei entfallen auf die Anzucht von Ziersträuchern und Bäumen 45 Prozent der Baumschulfläche im Freiland. 1.300 Betriebe nutzten hierfür im Jahr 2017 insgesamt knapp 8.000 Hektar. Die Anzucht von Ziersträuchern und Bäumen ist damit vor der Anzucht von Heckenpflanzen mit rund 2.000 Hektar die mit Abstand wichtigste Gruppe im Anbauspektrum der deutschen Baumschulen. Gegenüber 2004 ist die Zahl der Baumschulbetriebe um die Hälfte auf 1.700 zurückgegangen. Die Baumschulfläche ging von 25.500 Hektar in 2004 auf 18.600 Hektar in 2017 zurück (- 27 Prozent).