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3 Agrarstruktur

3.5 Arbeitskräfte, Auszubildende und Hofnachfolger

Über die Hälfte sind Familienarbeitskräfte
Die Landwirtschaft ist ein Wirtschaftsbereich, in dem die Arbeit überwiegend von Unternehmern und ihren Familienangehörigen geleistet wird. Von den 1,1 Mio. Arbeitskräften in der deutschen Landwirtschaft waren im Jahr 2010 rund 568.000 Familienarbeitskräfte (52 Prozent aller Arbeitskräfte). Hinzu kommen 195.500 ständig angestellte Arbeitskräfte und rund 334.000 Saisonarbeitskräfte.


Rückgang der Familienarbeitskräfte – Anstieg der angestellten Arbeitskräfte
Unter Berücksichtigung der Anhebung der neuen Erfassungsgrenzen ist die Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten zwischen 2007 und 2010 um 5 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Familienarbeitskräfte ging gegenüber 2007 sogar um 12 Prozent zurück. Dagegen stieg die Zahl der ständig beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um 8 Prozent.


554.000 AK-Einheiten in der deutschen Landwirtschaft
Die sogenannte Arbeitskräfte-Einheit (AKE) gibt den gesamten in landwirtschaftlichen Betrieben erbrachten Arbeitseinsatz in einer Kennzahl wieder. Die betriebliche Arbeitsleistung belief sich in Deutschland nach zuletzt für 2010 vorliegenden Angaben auf rund 554.000 AK-Einheiten.


Beschäftigungsstruktur regional unterschiedlich
Die regionalen Unterschiede in den Betriebsstrukturen führen auch zu Unterschieden in der Beschäftigtenstruktur in den Betrieben. Im früheren Bundesgebiet überwogen 2010 nach wie vor die in Einzelunternehmen tätigen Familienarbeitskräfte mit rund 539.300 Personen. Das sind 57 Prozent aller Arbeitskräfte im früheren Bundesgebiet. Nur 12 Prozent der in der Landwirtschaft tätigen Personen zählten hier zu den ständig angestellten Arbeitskräften, 31 Prozent waren Saisonarbeitskräfte. In den neuen Ländern dominieren aufgrund einer anderen Rechtsformstruktur die ständig angestellten Arbeitskräfte.


Anteil der Vollbeschäftigten steigt
Von den Familienarbeitskräften waren nur 35 Prozent mit betrieblichen Tätigkeiten vollbeschäftigt; bei den ständig angestellten Arbeitskräften waren es 62 Prozent. Mit zunehmender Betriebsgröße steigt die Vollbeschäftigung allerdings deutlich an. Die Unterscheidung in Haupt- und Nebenerwerb zeigt: Während von den 273.800 Familienarbeitskräften in Nebenerwerbsbetrieben lediglich 11 Prozent vollbeschäftigt sind, liegt der Anteil bei den 294.300 Familienarbeitskräften in Haupterwerbsbetrieben bei 58 Prozent. Auch im Zeitverlauf steigt der Anteil der in der Landwirtschaft vollbeschäftigten Personen an.


Saisonale Beschäftigung von großer Bedeutung
Schätzungen zufolge arbeiteten 2011 ca. 320.000 Saisonarbeitskräfte in der deutschen Landwirtschaft. Davon sind rund 90 Prozent nichtdeutscher Herkunft. Die Anzahl der Arbeitskräfte aus Polen ist in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen, die Anzahl der Arbeitskräfte aus Rumänien hingegen deutlich gestiegen. Aus beiden Ländern dürften im Jahr 2011 jeweils ca. 135.000 bis 140.000 Arbeitskräfte gekommen sein.
 


38 Prozent aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft sind weiblich
Unter Berücksichtigung der soziodemografischen Merkmale der Beschäftigten zeigt sich, dass sowohl bei den Familienarbeitskräften als auch bei den ständig angestellten Arbeitskräften ein Drittel der Beschäftigten Frauen sind. Zudem waren 2010 45 Prozent der Saisonarbeitskräfte weiblich. Somit ist die Landwirtschaft mit 678.400 männlichen Beschäftigten ein traditionell „männlicher“ Berufszweig. 38 Prozent sind weiblich.


2,3 Millionen Menschen mit der Landwirtschaft eng verbunden
Die  landwirtschaftlichen Betriebe sind nicht nur Arbeitsplatz und Erwerbsquelle, sondern auch gleichzeitig Wohn- und Lebensraum. In Deutschland wirtschaften oder leben mehr als 1,0 Millionen Personen als Betriebsinhaber und Familienangehörige auf den landwirtschaftlichen Betrieben. Hinzu kommen weitere 1,3 Millionen Personen, die als ständig angestellte oder als Saisonarbeitskräfte zusammen mit ihren Familienangehörigen dem landwirtschaftlichen Umfeld eng verbunden sind.


Über die Hälfte der Landwirte ist älter als 45 Jahre
Von der Altersstruktur her sind die Erwerbstätigen in der Landwirtschaft im Vergleich zur übrigen Erwerbsbevölkerung deutlich älter. Während in der Landwirtschaft 60 Prozent aller Erwerbstätigen älter als 45 Jahre sind, beträgt der entsprechende Anteil in der übrigen Erwerbsbevölkerung 45 Prozent (2011). Die Altersstruktur der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft deutet damit auf einen weiteren strukturellen Anpassungsdruck hin. Im europäischen Vergleich zählen die deutschen Landwirte allerdings zu den Jüngeren.


Anteil der jüngeren Betriebsinhaber hat abgenommen
Im Zeitvergleich hat sich die Altersstruktur landwirtschaftlicher Betriebsinhaber deutlich verschlechtert. Waren 1999 noch 46 Prozent aller Betriebsinhaber noch jünger als 45 Jahre, so ist dieser Anteil bis 2010 auf 32 Prozent zurückgegangen. Andererseits ist der Anteil älterer Betriebsinhaber (55 Jahre und älter) von 29 Prozent auf 31 Prozent gestiegen.


Lehrlingszahl in den grünen Berufen ging auch 2011 deutlich zurück
Rund 36.600 junge Männer und Frauen erlernten Ende 2011 einen „grünen“ Beruf. Das waren fast 5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Bereits im Vorjahr gingen die Lehrlingszahlen ähnlich stark zurück. Nach wie vor ist der Beruf Gärtner/in mit 15.300 Auszubildenden der mit Abstand bedeutendste unter den „grünen“ Berufen, gefolgt von Landwirt/in mit 8.500 Personen. Im Vergleich zu den Zahlen früherer Jahre erfreuen sich die landwirtschaftlichen Berufe insgesamt einer guten Nachfrage. Zu den mittlerweile „14 grünen Berufen“ gehören neben dem Landwirt und dem Gärtner auch die Ausbildungsberufe Hauswirtschafterin, Winzer oder Tierwirt. Neu zu den grünen Berufen zählt seit Herbst 2005 die Fachkraft Agrarservice.


Anzahl Auszubildender schrumpft
Auch in der Gesamtwirtschaft waren 2011 die Ausbildungszahlen rückläufig. Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse in Deutschland nahm um 3,2 Prozent auf rd. 1,461 Millionen ab, also fast so stark wie im Agrarbereich (- 4,8 Prozent). Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sank in den agrarwirtschaftlichen Berufen allerdings deutlich (- 4,6 Prozent), während sie in der Gesamtwirtschaft leicht angestiegen ist (+1,2 Prozent). Die Zahl der Schulabgänger wird in den kommenden Jahren weiter sinken, vor allem in Ostdeutschland.


Knapp ein Viertel der „grünen“ Azubis sind Frauen
Von den Auszubildenden im Agrarbereich waren insgesamt 8.142 Frauen (22 Prozent). Ihr Anteil hat sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert. Die höchsten Frauenanteile gibt es in der ländlichen Hauswirtschaft, in den Laborantenberufen und im Beruf Pferdewirtin. Beim Ausbildungsberuf Landwirt/in sind es dagegen nur knapp 11 Prozent.


Insgesamt hoher Ausbildungsgrad
Nach den Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2010 haben 69 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebsleiter/Geschäftsführer eine abgeschlossene landwirtschaftliche Berufsausbildung. Die übrigen 31 Prozent weisen ausschließlich praktische landwirtschaftliche Erfahrung auf. In größeren Betrieben haben fast alle Betriebsleiter/Geschäftsführer eine abgeschlossene landwirtschaftliche Berufsausbildung. Aber auch in Haupterwerbsbetrieben und juristischen Personen ist der landwirtschaftliche Ausbildungsgrad mit jeweils 87 Prozent relativ hoch. Von den Betriebsleitern/Geschäftsführern mit abgeschlossener landwirtschaftlicher Berufsbildung weisen 10 Prozent einen Hochschulabschluss auf.


Hofnachfolgefrage in vielen Familienbetrieben nicht geklärt
Im Rahmen der Landwirtschaftszählung 2010 wurden zur Hofnachfolge nur die Landwirte befragt, die zum Zeitpunkt der Erhebung 45 Jahre und älter waren. Dies traf auf 67 Prozent aller Inhaber von Einzelunternehmen zu. Die Hofnachfolge ist 2010 nur für knapp 31 Prozent der betreffenden Einzelunternehmen geregelt. Bei der vorangegangenen Landwirtschaftszählung in 1999 waren es entsprechend 35 Prozent. Jeder Fünfte Inhaber ohne Hofnachfolger war bereits 60 Jahre und älter. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft in den nächsten Jahren durch die Demografie beschleunigen wird. Die relativ starke Zunahme von GbRs und auch ein möglicher Einstellungswandel zur Hofnachfolge relativieren jedoch diese Aussage.


Nachfolgefrage hängt von vielen Faktoren ab
Die Hofnachfolge ist in Haupterwerbsbetrieben deutlich häufiger gesichert als in Nebenerwerbsbetrieben. Nur ein Viertel der Betriebsinhaber von Nebenerwerbsbetrieben hat bereits einen Hofnachfolger, bei den Haupterwerbsbetrieben waren es 36 Prozent. Zudem ist die Hofnachfolge offenbar auch eher bei größeren Betrieben frühzeitig geklärt. Mehr als die Hälfte der Einzelunternehmen mit 100 und mehr Hektar hat bereits einen Hofnachfolger.


Hofnachfolger insgesamt gut ausgebildet
Von den 2010 erhobenen 51.000 Hofnachfolgern verfügten fast alle über mindestens eine abgeschlossene berufliche Ausbildung. Rund 48 Prozent der Hofnachfolger hatten eine landwirtschaftliche Berufsbildung, weitere 44 Prozent eine Ausbildung in einem nicht landwirtschaftlichen Bereich und 9 Prozent hatten sowohl eine landwirtschaftliche als auch eine nicht landwirtschaftliche Berufsbildung absolviert. Lediglich 3 Prozent der Hofnachfolger wiesen (noch) keine Ausbildung auf. Dabei waren 25.000 der Hofnachfolger (44 Prozent) zwischen 15 und 25 Jahre alt, so dass der Anteil der Hofnachfolger mit landwirtschaftlicher Berufsbildung bis zur tatsächlichen Hofübergabe noch ansteigen dürfte.