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3 Agrarstruktur

3.5 Arbeitskräfte, Auszubildende und Hofnachfolger

Die Hälfte sind Familienarbeitskräfte 
Die Landwirtschaft ist ein Wirtschaftsbereich, in dem die Arbeit zum größten Teil von Unternehmern und ihren Familienangehörigen geleistet wird. Von den 1,021 Millionen Arbeitskräften in der deutschen Landwirtschaft waren nach zuletzt für 2013 verfügbaren Angaben rund 505.600 Familienarbeitskräfte (50 Prozent aller Arbeitskräfte). Hinzu kommen 200.700 ständig angestellte Arbeitskräfte und rund 314.300 Saisonarbeitskräfte.
 
Arbeitskräfte und Erwerbstätige 
Die Statistiken über die in der Landwirtschaft tätigen Personen gehen auf unterschiedliche Erhebungen zurück:
  • Arbeitskräfte werden in der Agrarstrukturerhebung bzw. Landwirtschaftszählung erhoben. Diese werden nach dem Grad der Beschäftigung (Vollzeit/Teilzeit) erhoben und nach Arbeitskraft-Einheiten (AKE) ausgewertet.
  • Erwerbstätige werden in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nach ihrer Haupterwerbstätigkeit erfasst und den Wirtschaftszweigen zugeordnet.
Quelle: Statistisches Bundesamt
 
Rückgang der Familienarbeitskräfte – Anstieg der angestellten Arbeitskräfte 
Die Zahl der Familienarbeitskräfte ging zwischen 2010 und 2013 um 9 Prozent zurück. Dagegen stieg die Zahl der ständig beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um 4 Prozent. Insgesamt ging die Zahl der in der Landwirtschaft tätigen Personen zwischen 2010 und 2013 um fast 6 Prozent zurück. Inwieweit sich diese Entwicklung in der Zwischenzeit fortgesetzt hat, wird die Agrarstrukturerhebung 2016 zeigen, deren Ergebnisse erst im Laufe des Jahres 2017 vorliegen werden.
 
523.000 AK-Einheiten in der deutschen Landwirtschaft 
Die sogenannte Arbeitskräfte-Einheit (AK) gibt den gesamten in landwirtschaftlichen Betrieben erbrachten Arbeitseinsatz in einer Kennzahl wieder. Die betriebliche Arbeitsleistung belief sich 2013 in Deutschland auf 522.700 AK-Einheiten. Gegenüber 2010 entspricht dies einem Rückgang von rund 4 Prozent.
 
Beschäftigungsstruktur regional unterschiedlich 
Die regionalen Unterschiede in den Betriebsstrukturen bringen auch unterschiedliche Beschäftigtenstrukturen mit sich. Im früheren Bundesgebiet überwogen 2013 die in Einzelunternehmen tätigen Familienarbeitskräfte mit rund 477.000 Personen. Das sind 55 Prozent aller Arbeitskräfte im früheren Bundesgebiet. Nur 14 Prozent der in der Landwirtschaft tätigen Personen zählten hier zu den ständig angestellten Arbeitskräften, 31 Prozent waren Saisonarbeitskräfte. In den neuen Ländern dominieren aufgrund einer anderen Rechtsformstruktur die ständig angestellten Arbeitskräfte. Sie machen 54 Prozent der Arbeitskräfte aus (Familienarbeitskräfte 19 Prozent, Saisonarbeitskräfte 27 Prozent).
 
Anteil der Vollbeschäftigten steigt 
Von den Familienarbeitskräften waren 2013 nur 36 Prozent mit betrieblichen Tätigkeiten vollbeschäftigt; bei den ständig angestellten Arbeitskräften waren es 61 Prozent. Mit zunehmender Betriebsgröße steigt die Vollbeschäftigung deutlich an. Die Unterscheidung in Haupt- und Nebenerwerb zeigt: Während von den 248.000 Familienarbeitskräften in Nebenerwerbsbetrieben lediglich 11 Prozent vollbeschäftigt sind, liegt der Anteil bei den 257.500 Familienarbeitskräften in Haupterwerbsbetrieben bei 60 Prozent. Auch im Zeitverlauf steigt der Anteil der in der Landwirtschaft vollbeschäftigten Personen an.
 
Saisonale Beschäftigung von großer Bedeutung 
Nach Einschätzung des Gesamtverbandes der Deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) arbeiteten 2016 etwa 315.000 Saisonarbeitskräfte in der deutschen Landwirtschaft. Davon sind rund 95 Prozent nichtdeutscher Herkunft. Die Anzahl der Arbeitskräfte aus Polen ist in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen, die Anzahl der Arbeitskräfte aus Rumänien hingegen deutlich gestiegen. Aus Rumänien dürften 2016 rund 180.000 Erntehelfer gekommen sein, aus Polen rund 100.000. Die übrigen rund 20.000 ausländischen Saisonarbeitskräfte kommen vornehmlich aus Bulgarien, Tschechien, der Slowakei sowie Kroatien.
 
38 Prozent aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft sind weiblich 
Unter Berücksichtigung der soziodemografischen Merkmale der Beschäftigten zeigt sich, dass sowohl bei den Familienarbeitskräften als auch bei den ständig angestellten Arbeitskräften rund ein Drittel der Beschäftigten Frauen sind. Zudem waren 2013 47 Prozent der Saisonarbeitskräfte weiblich. In den Führungspositionen ist das Geschlechterverhältnis noch ungleicher: Nur 24.600 oder neun Prozent der 2013 gezählten 285.000 landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland werden von Frauen geführt. Insgesamt stehen in der Landwirtschaft 634.500 männlichen Beschäftigten 386.100 weibliche Beschäftigte gegenüber.
 
2,3 Millionen Menschen mit Landwirtschaft besonders eng verbunden 
Die landwirtschaftlichen Betriebe sind nicht nur Arbeitsplatz und Erwerbsquelle, sondern auch gleichzeitig Wohn- und Lebensraum. In Deutschland wirtschaften oder leben mehr als 1,0 Millionen Personen als Betriebsinhaber und Familienangehörige auf den landwirtschaftlichen Betrieben. Hinzu kommen weitere 1,3 Millionen Personen, die als ständig angestellte oder als Saisonarbeitskräfte zusammen mit ihren Familienangehörigen mit dem landwirtschaftlichen Umfeld besonders eng verbunden sind.
 
Ein Drittel der Landwirte ist älter als 55 Jahre 
Von der Altersstruktur her sind die Erwerbstätigen in der Landwirtschaft im Vergleich zur übrigen Erwerbsbevölkerung deutlich älter. Während in der Landwirtschaft 33 Prozent aller Erwerbstätigen älter als 55 Jahre sind, beträgt der entsprechende Anteil in der übrigen Erwerbsbevölkerung 21 Prozent. Die Altersstruktur der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft deutet damit auf einen weiteren strukturellen Wandel hin. Im europäischen Vergleich zählen die deutschen Landwirte allerdings zu den Jüngeren.
 
Anteil der jüngeren Betriebsinhaber hat deutlich abgenommen 
Im Zeitvergleich hat sich die Altersstruktur landwirtschaftlicher Betriebsinhaber deutlich verschlechtert. Waren 1999 46 Prozent aller Betriebsinhaber noch jünger als 45 Jahre, so ist dieser Anteil bis 2013 auf 26 Prozent zurückgegangen. Andererseits ist der Anteil älterer Betriebsinhaber (55 Jahre und älter) von 29 auf 36 Prozent gestiegen.
 
Stabile Lehrlingszahl in den Grünen Berufen 
Rund 33.500 junge Männer und Frauen erlernten zum Stand 31.12.2015 einen „grünen“ Beruf. Nach deutlichen Rückgängen in den letzten Jahren blieb die Zahl der Auszubildenden in 2014 und 2015 annähernd konstant. Nach wie vor ist der Beruf Gärtner/in mit 12.600 Auszubildenden der mit Abstand bedeutendste unter den „grünen“ Berufen, gefolgt vom Beruf Landwirt/ in mit 9.500 Personen. Das waren gegenüber Vorjahresfrist knapp 4 Prozent mehr. Auch im Vergleich zu den Zahlen früherer Jahre erfreut sich der Beruf des Landwirtes einer relativ guten Nachfrage. Zu den mittlerweile 14 „grünen Berufen“ gehören neben dem Landwirt und dem Gärtner auch die Ausbildungsberufe Hauswirtschafterin, Winzer oder Tierwirt. Neu zu den grünen Berufen zählt seit 2005 die Fachkraft Agrarservice.
 
Weniger Schulabgänger – Weniger Azubis 
In der Gesamtwirtschaft waren 2015 die Ausbildungsverhältnisse weiter rückläufig. Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse in Deutschland nahm um 1,6 Prozent auf rund 1,337 Millionen ab. Im Agrarbereich blieb die Zahl der Ausbildenden mit 33.500 dagegen annähernd konstant (minus 0,2 Prozent). Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge stieg in den agrarwirtschaftlichen Berufen gegenüber dem Vorjahr leicht um 0,4 Prozent auf 13.500 an, während sie in der Gesamtwirtschaft leicht zurückging (minus 0,3 Prozent). Die Zahl der Schulabgänger ist in den letzten Jahren vor allem in Ostdeutschland deutlich zurückgegangen.
 
Nur 22 Prozent der „grünen“ Azubis sind Frauen 
Von den Auszubildenden im Agrarbereich waren 2015 insgesamt 7.413 Frauen (22 Prozent). Ihr Anteil hat sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert. Die höchsten Frauenanteile gibt es in der ländlichen Hauswirtschaft, in den Laborantenberufen und im Beruf Pferdewirt/in. Beim Ausbildungsberuf Landwirt/in sind es dagegen nur knapp 13 Prozent.
 
Insgesamt hoher Ausbildungsgrad 
Nach den Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2013 haben 68 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebsleiter/Geschäftsführer eine abgeschlossene landwirtschaftliche Berufsausbildung. Die übrigen 32 Prozent weisen ausschließlich praktische landwirtschaftliche Erfahrung auf. In größeren Betrieben haben fast alle Betriebsleiter/Geschäftsführer eine abgeschlossene landwirtschaftliche Berufsausbildung. Auch in Haupterwerbsbetrieben und juristischen Personen ist der landwirtschaftliche Ausbildungsgrad mit 87 bzw. 85 Prozent relativ hoch. Von den Betriebsleitern/Geschäftsführern mit abgeschlossener landwirtschaftlicher Berufsbildung weisen 11 Prozent einen Hochschulabschluss auf.
 
Hofnachfolgefrage in vielen Familienbetrieben nicht geklärt 
Im Rahmen der Landwirtschaftszählung 2010 wurden zur Hofnachfolge diejenigen Landwirte befragt, die zum Zeitpunkt der Erhebung 45 Jahre und älter waren. Dies traf auf 67 Prozent aller Inhaber von Einzelunternehmen zu. Die Hofnachfolge war 2010 nur für knapp 31 Prozent der betreffenden Einzelunternehmen geregelt. Bei der vorangegangenen Landwirtschaftszählung in 1999 waren es entsprechend 35 Prozent. Jeder fünfte Inhaber ohne Hofnachfolger war bereits 60 Jahre und älter. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft in den nächsten Jahren beschleunigen dürfte. Die relativ starke Zunahme von GbRs und auch ein möglicher Einstellungswandel zur Hofnachfolge relativieren jedoch diese Aussage.