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3 Agrarstruktur

3.5 Arbeitskräfte und Auszubildende

Knapp die Hälfte sind Familienarbeitskräfte
Die Landwirtschaft ist ein Wirtschaftsbereich, in dem die Arbeit zum größten Teil von Unternehmern und ihren Familienangehörigen geleistet wird. Von den 940.100 Arbeitskräften in der deutschen Landwirtschaft waren nach der Agrarstrukturerhebung 2016 rund 449.100 Familienarbeitskräfte (48 Prozent aller Arbeitskräfte). Hinzu kommen 204.600 ständig angestellte ständige Arbeitskräfte und rund 286.300 Saisonarbeitskräfte.
 
Arbeitskräfte und Erwerbstätige
Die Statistiken über die in der Landwirtschaft tätigen Personen gehen auf unterschiedliche Erhebungen zurück:
  • Arbeitskräfte werden in der Agrarstrukturerhebung bzw. Landwirtschaftszählung erhoben. Diese werden nach dem Grad der Beschäftigung (Vollzeit/Teilzeit) erhoben und nach Arbeitskraft-Einheiten (AKE) ausgewertet.
  • Erwerbstätige werden in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nach ihrer Haupterwerbstätigkeit erfasst und den Wirtschaftszweigen zugeordnet.
Quelle: Statistisches Bundesamt
 
Rückgang der Familienarbeitskräfte – Anstieg der angestellten Arbeitskräfte 
Der in der Landwirtschaft seit vielen Jahren zu beobachtende vermehrte Einsatz moderner Technik und die dadurch bedingten Effizienz- und Produktivitätssteigerungen haben auch Auswirkungen auf die Zahl der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte. Die Zahl der in der Landwirtschaft tätigen Personen ging zwischen 2010 und 2016 um fast 13 Prozent zurück. Die Zahl der Familienarbeitskräfte sank zwischen 2010 und 2016 sogar um 19 Prozent. Dagegen stieg die Zahl der ständig beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um 6 Prozent. Zu berücksichtigen ist, dass Arbeiten landwirtschaftlicher Betriebe vermehrt von externen Dienstleistern wie Lohnunternehmen und Maschinenringe übernommen werden. Die von diesen Dienstleistern erledigten Arbeiten und die dazu benötigten Arbeitskräfte sind in den Agrarstrukturerhebungen nicht abgebildet.
 
490.100 AK-Einheiten in der deutschen Landwirtschaft
Die sogenannte Arbeitskräfte-Einheit (AK) gibt den gesamten in landwirtschaftlichen Betrieben erbrachten Arbeitseinsatz in einer Kennzahl wieder. Die betriebliche Arbeitsleistung belief sich 2016 in Deutschland auf 490.100 AK-Einheiten. Gegenüber 2010 entspricht dies einem Rückgang von gut 10 Prozent.
 
Beschäftigungsstruktur regional unterschiedlich 
Die regionalen Unterschiede in den Betriebsstrukturen bringen auch unterschiedliche Beschäftigtenstrukturen mit sich. Im früheren Bundesgebiet überwogen 2016 die in Einzelunternehmen tätigen Familienarbeitskräfte mit rund 423.000 Personen. Das sind 53 Prozent aller Arbeitskräfte im früheren Bundesgebiet. Nur 16 Prozent der in der Landwirtschaft tätigen Personen zählten hier zu den ständig angestellten Arbeitskräften, 31 Prozent waren Saisonarbeitskräfte. In den neuen Ländern dominieren aufgrund einer anderen Rechtsformstruktur die ständig angestellten Arbeitskräfte. Sie machen 54 Prozent der Arbeitskräfte aus (Familienarbeitskräfte 18 Prozent, Saisonarbeitskräfte 28 Prozent).
 
Anteil der Vollbeschäftigten steigt 
Von den Familienarbeitskräften waren 2016 nur 36 Prozent mit betrieblichen Tätigkeiten vollbeschäftigt; bei den ständig angestellten Arbeitskräften waren es 61 Prozent. Mit zunehmender Betriebsgröße steigt die Vollbeschäftigung deutlich an. Die Unterscheidung in Haupt- und Nebenerwerb zeigt: Während von den 222.800 Familienarbeitskräften in Nebenerwerbsbetrieben lediglich 12 Prozent vollbeschäftigt sind, liegt der Anteil bei den 226.300 Familienarbeitskräften in Haupterwerbsbetrieben bei 60 Prozent. Auch im Zeitverlauf steigt der Anteil der in der Landwirtschaft vollbeschäftigten Personen an.
 
Saisonale Beschäftigung von großer Bedeutung 
2016 arbeiteten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 286.300 Saisonarbeitskräfte in der deutschen Landwirtschaft. Nach Einschätzung des Gesamtverbandes der Deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) sind davon rund 95 Prozent nichtdeutscher Herkunft. Die Anzahl der Arbeitskräfte aus Polen ist in den letzten Jahren zurückgegangen, die Anzahl der Arbeitskräfte aus Rumänien deutlich gestiegen 36 Prozent aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft sind weiblich Unter Berücksichtigung der soziodemografischen Merkmale der Beschäftigten zeigt sich, dass sowohl bei den Familienarbeitskräften als auch bei den ständig angestellten Arbeitskräften knapp ein Drittel der Beschäftigten Frauen sind. Zudem waren 2016 45 Prozent der Saisonarbeitskräfte weiblich. In den Führungspositionen ist das Geschlechterverhältnis noch ungleicher: Nur 26.500 oder knapp 10 Prozent der 2016 gezählten 275.400 landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland werden von Frauen geführt. Insgesamt stehen in der Landwirtschaft 599.100 männlichen Beschäftigten 341.000 weibliche Beschäftigte gegenüber.
 
2,0 Millionen Menschen mit Landwirtschaft besonders eng verbunden
Die landwirtschaftlichen Betriebe sind nicht nur Arbeitsplatz und Erwerbsquelle, sondern auch gleichzeitig Wohn- und Lebensraum. In Deutschland wirtschaften oder leben mehr als 900.000 Personen als Betriebsinhaber und Familienangehörige auf den landwirtschaftlichen Betrieben. Hinzu kommen weitere 1,1 Millionen Personen, die als ständig Angestellte oder als Saisonarbeitskräfte zusammen mit ihren Familienangehörigen mit dem landwirtschaftlichen Umfeld besonders eng verbunden sind.
 
Gut ein Drittel der Landwirte ist älter als 55 Jahre
Von der Altersstruktur her sind die Erwerbstätigen in der Landwirtschaft im Vergleich zur übrigen Erwerbsbevölkerung deutlich älter. Während in der Landwirtschaft 34 Prozent aller Erwerbstätigen älter als 55 Jahre sind, beträgt der entsprechende Anteil in der übrigen Erwerbsbevölkerung 21 Prozent. Die Altersstruktur der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft deutet damit auf einen weiteren strukturellen Wandel hin. Im europäischen Vergleich zählen die deutschen Landwirte allerdings zu den Jüngeren.
 
Anteil der jüngeren Betriebsinhaber hat deutlich abgenommen
Im Zeitvergleich hat sich die Altersstruktur landwirtschaftlicher Betriebsinhaber deutlich verschlechtert. Waren 2010 32 Prozent aller Betriebsinhaber noch jünger als 45 Jahre, so ist dieser Anteil bis 2016 auf 25 Prozent zurückgegangen. Andererseits ist der Anteil älterer Betriebsinhaber (55 Jahre und älter) von 32 auf 40 Prozent gestiegen.
 
Stabile Zahlen im Ausbildungsberuf Landwirt/-in
Rund 32.900 junge Männer und Frauen erlernten zum Stand 31.12.2016 einen „grünen“ Beruf. Nachdem die Zahl der Auszubildenden in den Jahren 2013 bis 2015 annähernd konstant geblieben, ging sie in 2016 wieder leicht zurück (-1,8 Prozent). Nach wie vor ist der Beruf Gärtner/in mit 12.200 Auszubildenden der mit Abstand bedeutendste unter den „grünen“ Berufen, gefolgt vom Beruf Landwirt/ in mit 9.500 Personen. Das waren gegenüber Vorjahresfrist 0,4 Prozent mehr. Auch im Vergleich zu den Zahlen früherer Jahre erfreut sich der Beruf des Landwirts weiter einer relativ guten Nachfrage. Zu den mittlerweile 14 „grünen Berufen“ gehören neben dem Landwirt und dem Gärtner auch die Ausbildungsberufe Hauswirtschafterin, Winzer oder Tierwirt. Zu den relativ jungen grünen Berufen zählt die 2005 eingeführte Fachkraft Agrarservice.
 
Weniger Schulabgänger – Weniger Azubis 
In der Gesamtwirtschaft waren 2016 die Ausbildungsverhältnisse weiter rückläufig. Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse in Deutschland nahm um 1,2 Prozent auf rund 1,321 Millionen ab. Mit 32.900 ging die Zahl der Ausbildenden im Agrarbereich überdurchschnittlich zurück (minus 1,8 Prozent). Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge blieb in den agrarwirtschaftlichen Berufen mit 13.400 gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant (minus 0,3 Prozent), während sie in der Gesamtwirtschaft leicht zurückging (minus 1,3 Prozent). Die Zahl der Schulabgänger ist in den letzten Jahren vor allem in Ostdeutschland deutlich zurückgegangen.
 
Nur 22 Prozent der „grünen“ Azubis sind Frauen 
Von den Auszubildenden im Agrarbereich waren 2016 insgesamt 7.347 Frauen (22 Prozent). Ihr Anteil hat sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert. Die höchsten Frauenanteile gibt es in der ländlichen Hauswirtschaft, in den Laborantenberufen und im Beruf Pferdewirt/in. Beim Ausbildungsberuf Landwirt/in sind dagegen nur knapp 14 Prozent Frauen.
 
Insgesamt hoher Ausbildungsgrad
Nach den Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 2016 haben 65 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebsleiter/Geschäftsführer eine abgeschlossene landwirtschaftliche Berufsausbildung. Die übrigen 35 Prozent weisen ausschließlich praktische landwirtschaftliche Erfahrung auf. In größeren Betrieben haben fast alle Betriebsleiter/ Geschäftsführer eine abgeschlossene landwirtschaftliche Berufsausbildung. Auch in Haupterwerbsbetrieben, Personengesellschaften und juristischen Personen ist der landwirtschaftliche Ausbildungsgrad mit 83 bis 85 Prozent relativ hoch. Von den Betriebsleitern/Geschäftsführern mit abgeschlossener landwirtschaftlicher Berufsbildung weisen 12 Prozent einen Hochschulabschluss auf.