©
3 Agrarstruktur

3.6 Agrarstrukturen in der EU

Bedeutung der Landwirtschaft 
Der Beitrag der Land- und Forstwirtschaft zur volkswirtschaftlichen Bruttowertschöpfung lag 2015 in der EU 28 bei 1,5 Prozent. In Deutschland, der größten Volkswirtschaft der EU, steuert die Landwirtschaft etwa 0,6 Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung bei. Deutlich höher ist dieser Anteil mit 1,7 bzw. 2,3 Prozent in Frankreich und Italien. Am größten ist der Anteil der Landwirtschaft in Bulgarien (5,1 Prozent), gefolgt von Rumänien (4,8 Prozent) und Kroatien (4,3 Prozent).
 
Deutschland drittgrößter Agrarproduzent in der EU 
Größter Agrarproduzent der EU 28 ist Frankreich mit einem Gesamtwert der landwirtschaftlichen Produktion von 75,2 Milliarden Euro (2015). Damit erwirtschaftet Frankreich 18,3 Prozent der europäischen Agrarproduktion. Mit deutlichem Abstand folgen dann Italien mit einem Produktionswert von 55,2 Milliarden Euro und Deutschland mit 51,5 Milliarden Euro. Ihre Anteile an der europäischen Agrarproduktion betragen 13,4 bzw. 12,5 Prozent.
 
Deutschland: Größter Milch- und Schweineproduzent der EU 
Im Vergleich der europäischen Länder gehören die deutschen Landwirte bei neun wichtigen Agrarprodukten zum Spitzentrio. Bei Milch, Schweinefleisch, Raps und Kartoffeln ist Deutschland sogar der größte europäische Produzent. Bei Getreide, Zucker, Rindfleisch und Eiern produzieren die französischen Landwirte die größte Menge. Ein Fünftel bis ein Viertel der gesamten europäischen Milch- und Schweineerzeugung wird von deutschen Landwirten erzeugt. Bei einer ganzen Reihe von Agrarprodukten übersteigt die Produktion zudem den Inlandsbedarf. Diese Mengen werden in andere europäische Länder oder am Weltmarkt abgesetzt. Anders bei Obst und Gemüse, wo die heimische deutsche Erzeugung geringe Marktanteile erreicht.
 
Bei vielen Erzeugnissen Marktanteile gewonnen 
Im Zehnjahresvergleich hat Deutschland seine Marktanteile bei wichtigen Produkten ausbauen können. Der in den letzten Jahren als Folge des vorzeitigen Verbots der Käfighennenhaltung rückläufige Marktanteil bei Eiern konnte an Boden gewinnen. Der rückläufige deutsche Anteil an der EU-Rapserzeugung steht im Zusammenhang mit dem Ausbau der Biodieselerzeugung auf Rapsbasis in anderen EU-Mitgliedstaaten.
 
Bedeutung der Landwirtschaft am Arbeitsmarkt sehr unterschiedlich 
In den Ländern Süd- und Mittelosteuropas ist der landwirtschaftliche Erwerbstätigenanteil deutlich höher. Er fällt in Rumänien (27 Prozent) und Bulgarien (19 Prozent) sowie auch in Griechenland und Polen (jeweils etwa 12 Prozent) besonders hoch aus. Relativ niedrig ist der landwirtschaftliche Erwerbstätigenanteil dagegen im Vereinigten Königreich, Belgien und Deutschland mit gut 1 Prozent.
 
Starker landwirtschaftlicher Strukturwandel 
2013 gab es in der EU-28 10,8 Millionen landwirtschaftliche Betriebe und eine landwirtschaftlich genutzte Fläche von 174,4 Millionen Hektar. Gegenüber 2007 verringerte sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe um 22 Prozent. Bei nahezu unveränderter landwirtschaftlicher Fläche stieg die durchschnittliche Betriebsgröße eines Betriebes in der EU zwischen 2007 und 2013 von 12 auf 16 Hektar.
 
Ein Drittel der Betriebsleiter in der EU ist älter als 65 Jahre 
In den meisten Ländern der Europäischen Union werden die Betriebe erst relativ spät an die Nachfolgegeneration übergeben. 31 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebsleiter in der EU waren 2013 65 Jahre und älter. Nur knapp 6 Prozent sind jünger als 35 Jahre. Spitzenreiter bei den Junglandwirten ist Polen, wo etwa 12 Prozent der Betriebsleiter jünger als 35 Jahre sind. Die relativ günstige Altersstruktur der Betriebsinhaber in Deutschland ist unter anderem Folge der deutschen Alterssicherung der Landwirte, die an die Betriebsaufgabe geknüpft ist.
 
Mehr als jeder zweite Hektar in Betrieben mit 100 Hektar und mehr 
Zwar bewirtschaften nur etwa 3 Prozent der Betriebe in der EU 100 Hektar LF und mehr. Die von diesen Betrieben bewirtschaftete Fläche aber macht 52 Prozent der EUAgrarfläche aus. Deutschland liegt im Jahr 2013 mit entsprechend 12 Prozent der Betriebe und 57 Prozent der Fläche deutlich über dem EU-Durchschnitt.
 
43 Prozent der Flächen in der EU sind Pachtflächen 
Etwa 43 Prozent der Agrarflächen in der EU sind gepachtet. Besonders hoch sind die Pachtflächenanteile in der Slowakei und Frankreich mit nahezu 80 Prozent. Aber auch in Deutschland liegt der Pachtflächenanteil (60 Prozent) deutlich über dem EU-Durchschnitt. In den letzten Jahren ist der Pachtflächenanteil in vielen Ländern weiter angestiegen.
 
Große Strukturunterschiede in der Rinder- und Milchviehhaltung 
Von den im Jahr 2013 gehaltenen 87,4 Millionen Rindern in der EU-28 wurden 64,6 Prozent in Beständen mit 100 und mehr Rindern gehalten. In Deutschland liegt der entsprechende Anteil bei 72,4 Prozent. Dagegen sind es in den Ländern wie Österreich und Polen nur 14 bis 15 Prozent der Tiere. Ähnliche Unterschiede bestehen in der Struktur der Milchviehhalter. In Ländern wie Dänemark, Tschechien und dem Vereinigten Königreich standen 2013 mehr als Dreiviertel der Tiere in Beständen mit 100 und mehr Milchkühen.
 
Auch in der Schweinehaltung sehr unterschiedliche Strukturen 
Die Struktur der Schweinehaltung ist in den Mitgliedstaaten der EU- 28 sehr unterschiedlich: Relativ groß sind die durchschnittlichen Bestände in Dänemark und den Niederlanden. Dort werden über 90 Prozent der Schweine in Beständen von mindestens 1.000 Tieren gehalten. In Deutschland waren es 2013 entsprechend 71 Prozent.
 
Starker Strukturwandel in der Sauenhaltung 
Die auf die Ferkelerzeugung spezialisierten Betriebe haben in den letzten Jahren einen besonders starken Strukturwandel vollzogen. In Dänemark und den Niederlanden liegt der durchschnittliche Bestand bei 600 bzw. 480 Sauen pro Betrieb. Dort werden fast alle Sauen in Bestandsgrößen von über 200 Tieren gehalten.