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3 Agrarstruktur

3.6 Forstwirtschaft

Knapp ein Drittel der Fläche Deutschlands ist Wald
Deutschland ist eines der waldreichsten Länder Europas. Rund 11,1 Millionen Hektar, 31 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands, sind mit Wald bedeckt. Regional schwankt der Bewaldungsanteil stark, zwischen 3 Prozent im Landkreis Dithmarschen (Schleswig-Holstein) und 64 Prozent im Landkreis Regen (Bayern). Mit jeweils rund 42 Prozent sind Hessen und Rheinland-Pfalz die Bundesländer mit dem höchsten Waldanteil, gefolgt vom Saarland mit rund 38 Prozent.
 
Produktionswert aus Waldbewirtschaftung bei 4,1 Milliarden Euro
In den letzten vier Jahrzehnten nahm der Wald in Deutschland um etwa 1 Million Hektar oder 10 Prozent zu. Die Bilanzierung zwischen Zuwachs und Abgang ergibt, dass mehr Holz hinzuwächst als dem Wald entnommen wird. Der Jahreszuwachs an Holz beträgt in Deutschland ca. 120 Millionen Kubikmeter, geerntet werden jährlich ca. 70 Millionen Kubikmeter. Mit 3,5 Milliarden Kubikmetern Holzvorrat nimmt Deutschland in Europa die Spitzenposition ein. Nach zuletzt für 2010 vorliegenden Schätzungen liegt der jährliche Produktionswert aus der Waldbewirtschaftung bei 4,1 Milliarden Euro.
 
Immer mehr Laubbäume
Die häufigsten Baumarten sind Fichte (28 Prozent) und Kiefer (24 Prozent), gefolgt von Buche (15 Prozent) und Eiche (10 Prozent). Diese vier Baumarten nehmen zusammen rund drei Viertel der Waldfläche ein. Insgesamt wachsen in den deutschen Wäldern 76 unterschiedliche Baumarten. Der Flächenanteil von Laubbäumen beträgt 43 Prozent, derjenige von Nadelbäumen rund 57 Prozent. Bevor Menschen Einfluss nahmen, bestand der heimische Wald zu rund 80 Prozent aus Laubbäumen. Der Laub- und Mischwaldanteil nimmt seit einigen Jahren ebenso zu wie der Anteil der über 80-jährigen Bestände, der mittlerweile bei einem Drittel der Waldfläche liegt.
 
Landwirte bewirtschaften 1,4 Millionen Hektar Wald
Nach Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2010 bewirtschaften die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland rund 1,4 Millionen Hektar Wald. Von den 145.800 landwirtschaftlichen Betrieben mit Wald – das ist fast jeder zweite Betrieb – haben 28.600 mindestens 10 Hektar Wald in der Bewirtschaftung. Das sind fast so viele Betriebe wie es in Deutschland Forstbetriebe gibt (29.800). Forstbetriebe sind in der Statistik als Betriebe mit mindestens 10 Hektar Wald ohne relevante landwirtschaftliche Produktion definiert. Zusammen bewirtschaften die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe 8,8 Millionen Hektar oder 80 Prozent des deutschen Waldes. Die übrigen 20 Prozent des Waldes sind zumeist im Kleinwaldbesitz von fast 2 Millionen Waldbesitzern. Forstbetriebsgemeinschaften als Selbsthilfeeinrichtungen können die wirtschaftliche Situation des Kleinwaldbesitzes verbessern helfen. So können viele Betriebsarbeiten als gemeinsame Dienstleistung ausgeführt werden. In Deutschland gibt es etwa 4.560 forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse mit 383.000 Waldbesitzern, die zusammen ca. 3,8 Millionen Hektar Wald betreuen.
 
35 Prozent des Privatwaldes sind Bauernwald
Unter den 8,8 Millionen Hektar Waldflächen von land- und forstwirtschaftlichen Betrieben sind 27 Prozent im Eigentum der Kommunen, 29 Prozent im Eigentum von Staat und gut 28 Prozent im Eigentum von privaten Forstbetrieben. Die übrigen rund 16 Prozent oder knapp 1,4 Millionen Hektar entfallen auf landwirtschaftliche Betriebe. Private Forstbetriebe sowie landwirtschaftliche Betriebe stellen mit zusammen 44 Prozent den Privatwaldbesitz dar. Bezogen auf den Privatwaldbesitz liegt der Anteil des Bauernwaldes im Bundesdurchschnitt bei 35 Prozent.
 
Besitz- und Bewirtschaftungsstrukturen sehr unterschiedlich
Die landwirtschaftlichen Betriebe mit Wald haben eine durchschnittliche Waldfläche von 35 Hektar und die privaten Forstbetriebe eine entsprechende Fläche von 116 Hektar. Der Kommunalwald mit seinen 7.723 Forstbetrieben weist eine Durchschnittsfläche von 313 Hektar Wald auf, der Staatswald mit seinen 401 Forstbetrieben eine Durchschnittsfläche von 6.340 Hektar. Der Staatswald, der mit seinen Forstämtern häufig auch Betreuungsaufgaben für den Privat- und Kommunalwald wahrnimmt, gehört vornehmlich den Bundesländern. Der Bund selbst besitzt derzeit rund 410.000 Hektar Wald, der vorwiegend militärisch genutzt wird.
 
Energieholz-Plantagen haben bisher kaum Bedeutung
In der Landwirtschaftszählung 2010 wurden erstmals Kurzumtriebsplantagen erhoben. Diese betrugen für Flächen von forst- und landwirtschaftlichen Betrieben rund 5.400 Hektar. Die Kurzumtriebsplantagen (KUP) wachsen auf landwirtschaftlichen Flächen und zählen damit nicht zur Waldfläche. Eine weitere Ausdehnung der KUP hängt vor allem von der Entwicklung der Agrar- und Energiepreise untereinander ab.