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3 Agrarstruktur

3.7 Strukturentwicklung in der EU und in Deutschland

Bedeutung der Landwirtschaft
Der Beitrag der Land- und Forstwirtschaft zur volkswirtschaftlichen Bruttowertschöpfung lag 2012 in der EU 28 bei 1,7 Prozent. In Deutschland, der größten Volkswirtschaft der EU, steuert die Landwirtschaft etwa 0,8 Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung bei. Deutlich höher ist dieser Anteil in Frankreich, Italien (jeweils 2,0 Prozent) und Spanien (2,5 Prozent). Am größten ist der Anteil der Landwirtschaft in Bulgarien (6,4 Prozent), Rumänien (6,0 Prozent) und der Slowakei (5,0 Prozent), gefolgt von Ungarn (4,7 Prozent), Estland (4,1 Prozent), Litauen (4,0 Prozent) und Polen (3,9 Prozent).
 
Deutschland zweitgrößter Agrarproduzent in der EU
Größter Agrarproduzent in der EU-28 ist Frankreich mit einem Gesamtwert der landwirtschaftlichen Produktion von 76,1 Milliarden Euro (2012). Damit erwirtschaftet Frankreich 18,7 Prozent der europäischen Agrarproduktion. Mit deutlichem Abstand folgen dann Deutschland mit einem Produktionswert von 55,7 Milliarden Euro und Italien mit 48,5 Milliarden Euro. Ihre Anteile an der europäischen Agrarproduktion betragen 13,7 bzw. 11,9 Prozent.
 
Deutschland: Größter Milch- und Schweineproduzent der EU
Im Vergleich der europäischen Länder gehören die deutschen Landwirte bei neun wichtigen Agrarprodukten zum Spitzentrio. Bei Milch, Schweinefleisch, Zucker und Kartoffeln ist Deutschland sogar der größte europäische Produzent. Bei Getreide, Raps, Rind- und Geflügelfleisch produzieren die französischen Landwirte die größte Menge. Jeweils gut ein Fünftel der gesamten europäischen Milch- und Schweineerzeugung wird von deutschen Landwirten erzeugt. Bei einer ganzen Reihe von Agrarprodukten übersteigt die Produktion zudem den Inlandsbedarf. Diese Mengen werden in andere europäische Länder oder am Weltmarkt abgesetzt.
 
Bei vielen Erzeugnissen Marktanteile gewonnen
Im Zehnjahresvergleich hat Deutschland seine Marktanteile bei vielen Produkten ausbauen können. Deutlich rückläufige Marktanteile sind jedoch bei Eiern als Folge des vorzeitigen Verbots der Käfighennenhaltung sowie bei Rindfleisch als Folge der BSE-Krise zu verzeichnen. Der rückläufige deutsche Anteil an der EU-Rapserzeugung steht im Zusammenhang mit dem Ausbau der Biodieselerzeugung auf Rapsbasis in anderen EU-Mitgliedstaaten.
 
Bedeutung der Landwirtschaft am Arbeitsmarkt sehr unterschiedlich
Unterschiedlich hoch ist der landwirtschaftliche Erwerbstätigenanteil. Er fällt in Rumänien (23 Prozent) sowie auch in Polen, Griechenland (jeweils 13 Prozent) und Portugal (11 Prozent) besonders hoch aus. Relativ niedrig ist der landwirtschaftliche Erwerbstätigenanteil dagegen in Deutschland (knapp 2 Prozent).
 
Starker landwirtschaftlicher Strukturwandel
Nach zuletzt für 2010 vorliegenden Ergebnissen gab es in der EU-28 12,2 Millionen landwirtschaftliche Betriebe und eine landwirtschaftlich genutzte Fläche von 175,8 Millionen Hektar. Gegenüber 2003 verringerte sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe um 20 Prozent. Bei nahezu unveränderter landwirtschaftlicher Fläche stieg die durchschnittliche Betriebsgröße in der EU zwischen 2003 und 2010 von 12 auf 14 Hektar.
 
Starke Verluste bei den Arbeitsplätzen – besonders in den Beitrittsländern
Nach zuletzt für 2010 vorliegenden Angaben arbeiteten auf den 12,2 Millionen landwirtschaftlichen Betrieben 25,5 Millionen Menschen regelmäßig. Mehr als die Hälfte davon verbrachte weniger als 25 Prozent ihrer Arbeitszeit mit landwirtschaftlichen Tätigkeiten, arbeitete also im Nebenerwerb bzw. in Teilzeit. Um dem unterschiedlichen landwirtschaftlichen Beschäftigungsgrad Rechnung zu tragen, werden die Teilbeschäftigten zu Vollarbeitskräften umgerechnet. Danach gab es in der EU-28 im Jahr 2012 10,3 Millionen landwirtschaftliche Voll-AK. Im Jahr 2000 lag die Zahl der Voll-AK noch bei 15,2 Millionen. 70 Prozent des Verlustes fand in den neuen EUMitgliedstaaten statt, was zu großen Teilen auf die Umstrukturierung des Sektors im Zuge des EU-Beitritts zurückgeführt wird.
 
30 Prozent der Landwirte in der EU sind älter als 65 Jahre
In der Europäischen Union werden die Betriebe häufig erst spät an die Nachfolgegeneration übergeben. Fast 30 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebsleiter in der EU sind nach zuletzt für 2010 vorliegenden Angaben 65 Jahre und älter. Nur knapp 8 Prozent sind jünger als 35 Jahre. Spitzenreiter bei den Junglandwirten ist Polen, wo fast 15 Prozent der Betriebsleiter jünger als 35 Jahre sind. Die relativ günstige Altersstruktur der Betriebsinhaber in Deutschland ist unter anderem Folge der deutschen Alterssicherung der Landwirte, die an die Betriebsaufgabe geknüpft ist.
 
Mehr als jeder zweite Hektar in Betrieben mit 100 Hektar und mehr
Zwar bewirtschaften nur knapp 3 Prozent der Betriebe in der EU 100 Hektar LF und mehr. Die von diesen Betrieben bewirtschaftete Fläche aber macht 51 Prozent der EU-Agrarfläche aus. Deutschland liegt mit entsprechend 11 Prozent der Betriebe und 55 Prozent der Fläche deutlich über dem EU-Durchschnitt.
 
9 Prozent der Betriebe erwirtschaften 80 Prozent der Marktleistung
Rund 1,1 Millionen landwirtschaftliche Betriebe in der EU weisen einen Standard-Output (SO) von mehr als 50.000 Euro auf. Das sind nur 9,0 Prozent der Betriebe in der EU. Auf sie entfallen aber 79,5 Prozent des gesamten Standard- Outputs der EU. Überdurchschnittlich fallen die Zahlen für Deutschland aus. Hier haben 51,6 Prozent der Betriebe einen SO von über 50.000 Euro und stellen damit 93,4 Prozent der Erzeugung Deutschlands. Andererseits weisen drei von vier landwirtschaftlichen Betrieben in der EU (72,9 Prozent) nur einen SO von weniger als 8.000 Euro auf und decken damit nur 6,0 Prozent der EU-Erzeugung ab. Der Standard-Output ist als geldwerte Bruttomarktleistung landwirtschaftlicher Erzeugnisse definiert (siehe Kasten).
 
42 Prozent der Flächen in der EU sind Pachtflächen
Etwa 42 Prozent der Agrarflächen in der EU sind zugepachtet. Besonders hoch sind die Pachtflächenanteile in der Slowakei (88 Prozent), Tschechien (78 Prozent) und Frankreich (75 Prozent). Aber auch in Deutschland liegt der Pachtflächenanteil (60 Prozent) deutlich über dem EU-Durchschnitt. Im Rahmen des Strukturwandels steigt der Pachtflächenanteil in vielen Ländern weiter an.
 
Große Strukturunterschiede in der Rinder- und Milchviehhaltung
Von den im Jahr 2010 gehaltenen 87,8 Millionen Rindern in der EU-28 wurden 62,3 Prozent in Beständen mit 100 und mehr Rindern gehalten. In Deutschland liegt der entsprechende Anteil bei 68,1 Prozent. Dagegen sind es in den Ländern wie Österreich und Polen nur 12 bis 13 Prozent der Tiere. Ähnliche Unterschiede bestehen in der Struktur der Milchviehhalter. In Ländern wie Dänemark, Tschechien und dem Vereinigten Königreich standen 2010 mehr als vier Fünftel der Tiere in Beständen mit 100 und mehr Milchkühen.
 
Auch in der Schweinehaltung sehr unterschiedliche Strukturen
Die Struktur der Schweinehaltung ist in den Mitgliedstaaten der EU-28 sehr unterschiedlich: Relativ groß sind die durchschnittlichen Bestände in Dänemark, den Niederlanden und Belgien. In Dänemark, Italien und der Tschechien werden über 75 Prozent der Schweine in Beständen von mindestens 1.000 Tieren gehalten. In Deutschland waren es nach den Viehzählungsergebnissen aus Mai 2013 entsprechend 72 Prozent.
 
Strukturwandel in der Sauenhaltung
Die auf die Ferkelerzeugung spezialisierten Betriebe haben in den letzten Jahren einen besonders starken Strukturwandel vollzogen. In Dänemark und den Niederlanden liegt der durchschnittliche Bestand bei 518 bzw. 380 Sauen pro Betrieb. Über die Hälfte aller dänischen Sauen werden in Bestandsgrößen von über 500 Tieren gehalten. In Deutschland liegt dieser Anteil nach den Viehzählungsergebnissen aus Mai 2013 bei 37 Prozent.