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5 Fakten zur wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft

5.1 Konjunkturentwicklung

Konjunkturelle Erholung setzt sich fort
Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland und im Euro-Raum setzt sich fort. Für Deutschland rechnet der Sachverständigenrat in seiner Schätzung von November 2016 mit Zuwachsraten des realen Bruttoinlandsprodukts von 1,9 Prozent im Jahr 2016 und 1,3 Prozent im Jahr 2017. Der Rückgang der Zuwachsrate ist vor allem auf einen Kalendereffekt zurückzuführen. Für den Euro-Raum prognostiziert der Sachverständigenrat ein reales Wachstum von 1,6 Prozent im Jahr 2016 und 1,4 Prozent im Jahr 2017. Wesentlicher Antriebsfaktor der konjunkturellen Erholung in Deutschland ist die Binnennachfrage. Der deutsche Staat wird 2017 im vierten Jahr einen Haushaltsüberschuss erreichen.
 
Global moderates Wachstum mit Risiken
Die Weltwirtschaft wächst mit jährlich bis zu 3,0 Prozent moderat. Die weitere Entwicklung ist jedoch zahlreichen Risiken ausgesetzt. Hierzu zählen geopolitische Risiken und die politische Unsicherheit in Europa und den USA. Hinzu kommen mögliche Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten und der schwierige Transformationsprozess in China, der sich in den schwachen deutschen Exporten nach China widerspiegelt. Insgesamt wird das globale Wirtschaftswachstum von den Schwellenländern mit Wachstumsraten von 4 bis 5 Prozent getragen, während das Wachstum in den Industrieländen in 2016 und 2017 zwischen 1,5 und 2,0 Prozent geschätzt wird. 
 
Ähnliche Konjunkturverläufe in Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft 
In den vergangenen Jahren zeigte sich ein weitgehender Gleichlauf der Trends in der Landwirtschaft und der Gesamtwirtschaft. Dies zeigt ein Vergleich des Konjunkturbarometer Agrar mit dem ifo Geschäftsklimaindex. Häufig ist die Konjunktureinschätzung der Landwirte zeitlich etwas nachlaufend zur Gesamtwirtschaft. Seit 2015 aber hat sich die Stimmung der Landwirte im Vergleich zur Gesamtwirtschaft deutlich ungünstiger entwickelt.
 
Verhaltene Investitionsbereitschaft
Während insbesondere die Konsum-
ausgaben der privaten Haushalte und des Staates sowie der Wohnungsbau zum Aufschwung beitragen, entwickeln sich die Unternehmensinvestitionen hingegen mäßig. Diese werden in 2016 voraussichtlich mit plus 1,4 Prozent nur moderat zunehmen. In den Jahren 2014 und 2015 hatten die Unternehmensinvestitionen noch um 3,8 Prozent beziehungsweise 2,0 Prozent zugenommen. 
In der Landwirtschaft haben ungünstige Preis- und Marktentwicklungen bei den wichtigsten Agrarerzeugnissen in 2015 und 2016 zu einer starken Investitionszurückhaltung geführt. Das zeigen die Ergebnisse des Konjunkturbarometer Agrar.
 
Angespannte Liquiditätslage der Landwirte
22 Prozent der Landwirte gaben nach Ergebnissen des Konjunkturbarometer Agrar im September 2016 an, dass die Liquiditätslage ihrer Betriebe angespannt oder sehr angespannt ist. Im Juni waren es entsprechend noch 29 Prozent. Allerdings waren es unter den Futterbaubetrieben im September immer noch 34 Prozent, die Liquiditätsengpässe bewältigen mussten. Mit entsprechend 13 und 14 Prozent war der Anteil der Betriebe mit angespannter Liquiditätssituation in den Veredlungs- und Ackerbaubetrieben vergleichsweise gering. 

Stark rückläufige Investitionen in der Landwirtschaft
Die angespannte Liquiditätslage in vielen Betrieben führt zu einem drastischen Rückgang der Investitionsbereitschaft. Nach den Ergebnissen des Konjunkturbarometer Agrar vom September 2016 fällt das für das kommende halbe Jahr geplante Investitionsvolumen auf 2,8 Milliarden Euro. Das ist der niedrigste Stand in den letzten zehn Jahren. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum sind das 1,1 Milliarden Euro, gegen-über dem Stand von vor zwei Jahren sogar 2,7 Milliarden Euro weniger. Nur 21 Prozent der Landwirte wollen in den kommenden sechs Monaten investieren; im September 2015 waren es noch 28 Prozent, im September 2014 sogar noch 34 Prozent. Die Investitionszurückhaltung betrifft mehr oder minder alle Betriebszweige. 

Zahl der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft gesunken
Nach Schätzung des Sachverständigenrates nimmt die Zahl der Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft in den Jahren 2016 und 2017 um 500.000 bzw. 400.000 Personen zu. Demgegenüber verringert sich die Zahl der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft in 2016 gegenüber dem Vorjahr, und zwar von 637.000 in 2015 auf schätzungsweise 617.000 in 2016. In den 10 Jahren bis 2014 allerdings war die Zahl der landwirtschaftlichen Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft relativ stabil geblieben.

Leichter Anstieg der Verbraucher- und Nahrungsmittelpreise 
Die Inflationsrate in Deutschland, gemessen am Verbraucherpreisindex, wird nach voraussichtlich 0,5 Prozent im Jahr 2016 auf 1,6 Prozent im Jahr 2017 ansteigen. Die Preise für Nahrungsmittel steigen in 2016 ähnlich stark an wie die allgemeine Inflationsrate
 
Stimmungslage der deutschen Landwirte kaum verbessert 

Die Ergebnisse des Konjunkturbarometer Agrar für den Monat September 2016 zeigen eine leichte Verbesserung, aber noch keine durchgreifende Erholung der wirtschaftlichen Stimmungslage der deutschen Landwirt-schaft. Gegenüber der vorangegangenen Erhebung aus Juni ist der Konjunkturindex von 5,8 Punkte auf 13,1 Punkte angestiegen. Von Ende 2010 bis Mitte 2014 lag dieser Wert zwischen 30 und 35 Punkten, in der Spitze sogar bei 37 Punkten. Der Indexwert fasst die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zusammen. Mit dem Wert von 2,98 (auf der Notenskala von 1 bis 5) wird die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung im Durchschnitt der Betriebe etwas positiver beurteilt als die aktuelle wirtschaftliche Lage (3,41). Gegenüber Juni fällt die Einschätzung sowohl der aktuellen wirtschaftlichen Situation als auch der Zukunftserwartungen etwas positiver aus. Allerdings sind die Entwicklungen in den einzelnen Betriebsformen uneinheitlich. 

Positivere Zukunftserwartungen 
Futterbaubetriebe schätzen ihre aktuelle wirtschaftliche Situation gegenüber dem im Juni gemessenen Tief-punkt geringfügig besser ein. Die Zukunftserwartungen für die nächsten 2 bis 3 Jahre haben sich auch im September nochmals merklich verbessert und zeigen einen Grad von Zuversicht, wie er zuletzt im September 2015 gemessen wurde. Ackerbaubetriebe beurteilen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage ähnlich wie im Juni, obwohl die Ernte vielfach hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Die Zukunftserwartungen haben sich weiter verbessert. Veredlungsbetriebe sehen eine weiter deutlich verbesserte wirtschaftliche Situation in ihren Betrieben. Grund dafür ist insbesondere die verbesserte Preissituation auf den Schweinemärkten. Im Vergleich zu anderen Betriebsformen aber haben die Veredlungsbetriebe die geringste Zuversicht. Die Zukunftserwartungen für die nächsten 2 bis 3 Jahre haben sich gegenüber Juni deutlich verschlechtert.
 
Entscheidend sind die Entwicklungen auf den Märkten 
Die Einschätzungen der landwirtschaftlichen Erzeuger hängen in hohem Maße von der Preisentwicklung auf den Agrar- und Betriebsmittelmärkten, aber auch von den politischen Rahmenbedingungen und den Wettbewerbsverhältnissen ab. Die Erzeugerpreise für Milch und Schweine wurden im September 2016 spürbar besser beurteilt als noch im Juni 2016. Geringere Futtermittelpreise wirken kosten-entlastend. Hingegen bleiben die Ernteergebnisse deutlich hinter den Erwartungen zurück. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch im Jahresvergleich. Auch wenn der Milchpreis etwas positiver eingeschätzt wird als im September 2015, so geht von ihm aus Sicht der Landwirte immer noch der stärkste negative wirtschaftliche Einfluss aus. Deutlich ungünstiger als im September 2015 werden die politischen Rahmenbedingungen beurteilt. Auch sehen die Landwirte eine deutliche Verschlechterung ihrer Wettbewerbsfähigkeit in der EU.