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5 Fakten zur wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft

5.1 Konjunkturentwicklung

Gute konjunkturelle Entwicklung
Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland und im Euro-Raum setzt sich fort. Für Deutschland rechnet der Sachverständigenrat in seiner Schätzung von November 2017 mit Zuwachsraten des realen Bruttoinlandsprodukts von 2,0 Prozent im Jahr 2017 und 2,2 Prozent im Jahr 2018. Für den Euro-Raum prognostiziert der Sachverständigenrat ein Wachstum von 2,3 Prozent im Jahr 2017 und 2,1 Prozent im Jahr 2018. Die größten Wachstumsbeiträge gehen vom privaten Konsum, gefolgt von den Investitionen aus. Die „gute konjunkturelle Lage“ bietet nach Ansicht des Sachverständigenrates die Chance für eine Neujustierung der Wirtschaftspolitik, besonders im Hinblick auf die Herausforderungen der Globalisierung, des demografischen Wandels und der Digitalisierung. Der Überschuss aller öffentlichen Haushalte beträgt 2017 rund 31 Milliarden Euro, etwa 1,0 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.
 
Auch global wieder stärkeres Wachstum
Die Weltwirtschaft zeigt sich zum Jahresbeginn 2017 in einer robusten Verfassung. Die durch das Brexit-Votum und den Ausgang der Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten geschürte wirtschaftspolitische Unsicherheit scheint bislang keine merklich negativen Auswirkungen auf die Finanzmärkte oder die Realwirtschaft zu haben. Nach einem Wachstum des weltweiten Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,6 Prozent im Jahr 2016 erwartet der Sachverständigenrat für die Jahre 2017 und 2018 etwas höhere Zuwachsraten von jeweils 3,0 Prozent. Zudem wird ein Anstieg des Welthandelsvolumens um 2,6 Prozent im Jahr 2017 und um 2,4 Prozent im Jahr 2018 erwartet, nach 1,2 Prozent im Jahr 2016.
 
Agrarkonjunktur fällt hinter gesamtwirtschaftliche Entwicklung
In den Jahren 2005 bis 2014 zeigte sich häufig ein weitgehender Gleichlauf der Trends in der Landwirtschaft und der Gesamtwirtschaft. Dies zeigt ein Vergleich des Konjunkturbarometer Agrar mit dem ifo Geschäftsklimaindex. Häufig ist die Konjunktureinschätzung der Landwirte zeitlich etwas nachlaufend zur Gesamtwirtschaft. 2015 und weitgehend auch in 2016 hat sich die Stimmung der Landwirte im Vergleich zur Gesamtwirtschaft allerdings deutlich ungünstiger entwickelt. Erst seit Herbst 2016 zeigt sich eine Trendwende in der Landwirtschaft.
 
Wieder steigende Investitionen
Höhere Investitionen sind neben vermehrten Konsumausgaben die Treiber der aktuellen wirtschaftlichen Konjunkturentwicklung. In der Landwirtschaft haben ungünstige Preis- und Marktentwicklungen bei den wichtigsten Agrarerzeugnissen in 2015 und 2016 allerdings zu einer starken Investitionszurückhaltung geführt. Erst gegen Ende des Jahres 2016 begann die Investitionsneigung in der Landwirtschaft wieder zu steigen. Das zeigen die Ergebnisse des Konjunkturbarometer Agrar.
 
Investitionstätigkeit zieht auch in der Landwirtschaft wieder an
Nach den Ergebnissen des Konjunkturbarometer Agrar vom September 2017 steigt das für das darauf folgende halbe Jahr geplante Investitionsvolumen auf 5,2 Milliarden Euro. Das sind 2,4 Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Das relativ hohe Investitionsniveau in den Jahren 2013 und 2014 mit einem geplanten Investitionsvolumen von entsprechend gut 6 Milliarden wird damit aber nicht erreicht. 32 Prozent der Landwirte wollen in den auf September 2017 folgenden sechs Monaten investieren; ein Jahr zuvor waren es entsprechend nur 21 Prozent. Vom dem im September 2017 geplanten Investitionsvolumen in Höhe von 5,2 Milliarden Euro entfallen auf den Bereich Ställe und Stalltechnik 3,1 Milliarden Euro (gegenüber Vorjahr plus 2,0 Milliarden Euro). Mit 0,9 Milliarden Euro fallen die vorgesehenen Maschineninvestitionen im Jahresvergleich ebenfalls höher aus. Investitionsvorhaben im Bereich Erneuerbare Energien bleiben mit 1,0 Milliarden Euro unverändert. Deutlich zugenommen haben Investitionen in Landkauf und private Wohngebäude.

Konjunkturbarometer Agrar - Repräsentative Befragung zur wirtschaftlichen Lage und Investitionsbereitschaft
Das Investitions- und Konjunkturbarometer Agrar untersucht, wie Landwirte ihre wirtschaftliche Situation und die Rahmenbedingungen einschätzen und welche Investitionen sie planen. Dazu führt das Marktforschungsinstitut Produkt + Markt im Auftrag des Deutschen Bauernverbandes, der Landwirtschaftlichen Rentenbank, des VDMA Fachverbandes Landtechnik und des Bundesverbandes Lohnunternehmen viermal im Jahr eine repräsentative Befragung bei mindestens rund 850 Landwirten durch. In der Dezember- Erhebung sind es rund 1.800 Befragte. Berechnung des Konjunkturbarometer- Index:
  • In den Index des Konjunkturbarometer Agrar gehen die Antworten auf zwei Fragen an die landwirtschaftlichen Betriebsleiter ein.
    − Wie ist die aktuelle wirtschaftliche Lage des Betriebes?
    − Wie sind die Zukunftserwartungen für die nächsten 2 bis 3 Jahre?
  • Zur Berechnung des Index wird jeweils der Saldo der prozentualen positiven und negativen Antworten auf die beiden oben genannten Fragen gebildet. Die beiden Salden der wirtschaftlichen Lage und der Zukunftserwartungen werden zu einem Indexwert zusammengefasst.
  • Der Indexwert 0 entspricht dem langjährigen Mittel der Jahre 2000 bis 2006.
Quelle: Deutscher Bauernverband

Zahl der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft rückläufig
Nach Schätzung des Sachverständigenrates nimmt die Zahl der Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft in den Jahren 2017 und 2018 um 660.000 bzw. 512.000 Personen zu. Demgegenüber verringert sich die Zahl der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft in 2017 gegenüber dem Vorjahr weiter, und zwar von 619.000 in 2016 auf schätzungsweise 616.000 in 2017. In den 10 Jahren bis 2014 allerdings war die Zahl der landwirtschaftlichen Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft relativ stabil geblieben.

Etwas stärkerer Anstieg der Verbraucherpreise
Die Inflationsrate in Deutschland, gemessen am Verbraucherpreisindex, wird nach voraussichtlich 1,7 Prozent im Jahr 2017 auf 1,8 Prozent im Jahr 2018 nur leicht ansteigen. Die Preise für Nahrungsmittel steigen in 2017 mit voraussichtlich plus 2,6 Prozent etwas stärker an als die allgemeine Inflationsrate.
 
Stimmungslage der deutschen Landwirte im Jahresvergleich deutlich verbessert
Die Ergebnisse des Konjunkturbarometer Agrar für den Monat September 2017 zeigen eine gewisse Eintrübung der seit September 2016 wieder aufwärts gerichteten wirtschaftlichen Stimmungslage der deutschen Landwirte. Danach haben sich besonders die Zukunftserwartungen verschlechtert, und zwar in allen Betriebsformen. Dagegen wird die aktuelle wirtschaftliche Lage ähnlich beurteilt wie in der vorangegangenen Erhebung im Juni. Der Index des Konjunkturbarometers Agrar lag im September 2017 bei 26,6 Punkten nach 31,4 Punkten im Juni 2017 und 13,1 Punkten im September 2016. Damit bleibt der Indexwert deutlich hinter den relativ hohen Werten aus der Zeit von 2011 bis 2014 zurück. In der Spitze wurden seinerzeit 37,2 Punkte erreicht. Der Indexwert fasst die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zusammen.

Zukunftserwartungen haben sich allerdings wieder eingetrübt
Mit dem Wert von 3,03 (auf der Notenskala von 1 bis 5) wird die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung im Durchschnitt der Betriebe etwas ungünstiger beurteilt als die aktuelle wirtschaftliche Lage (2,86). Während Ackerbau- und vor allem Veredlungsbetriebe gegenüber Juni 2017 eine verschlechterte wirtschaftliche Situation beklagen, erholt sich die Lage in den Milchviehbetrieben weiter. Die im Zeit vergleich relativ hohen Zukunftserwartungen sind im September 2017 im Vergleich zum Juni 2017 in allen Betriebsformen deutlich zurückgegangen.
 
Entscheidend sind die Entwicklungen auf den Märkten 
Die Agrarpreisentwicklung ist der mit Abstand wichtigste Einflussfaktor für die Beurteilung der wirtschaftlichen Situation in den Betrieben. Insbesondere niedrigere Erzeugerpreise für Schweine sowie höhere Betriebsmittelpreise für Düngemittel und Energie wirkten sich in der Septembererhebung 2017 negativ auf die Stimmungslage aus. Auch die Ernte 2017 bleibt hinter den Erwartungen von Juni zurück. Ein besonders belastender Einfluss geht nach wie vor von den Pachtpreisen aus. Die nationale und die EU-Agrarpolitik werden im Jahresvergleich wieder deutlich positiver beurteilt.