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6 Erzeugung und Märkte

6.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte

Höhere Agrarpreise, aber auch höhere Betriebsmittelpreise
Der Index der Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte in Deutschland lag im Wirtschaftsjahr 2012/13 um knapp 7,2 Prozent über dem Stand des Vorjahres. Besonders bei Getreide, Obst und Gemüse, aber auch bei Raps, Rindern, Schweinen, Eiern und Geflügel erhöhten sich die Erzeugerpreise deutlich. Lediglich bei Milch blieben sie knapp unter Vorjahresniveau. Aber auch die Einkaufspreise landwirtschaftlicher Betriebsmittel stiegen mit 6,4 Prozent kräftig an. Weit überdurchschnittlich zogen vor allem die Preise für Futtermittel an, und zwar um fast 19 Prozent.
 
Zu Beginn der Wirtschaftsjahres 2013/14 gefestigte Erzeugerpreise
Im ersten Quartal des laufenden Wirtschaftsjahres 2013/14 sind die Erzeugerpreise für Getreide und Ölsaaten deutlich niedriger als ein Jahr zuvor. Deutlich über Vorjahr liegen die Preise für Milch, Obst und Geflügel. Der Index der Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte lag im Zeitraum Juli bis September 2013 um 0,3 Prozent über dem Stand des Vorjahres. Aber auch der Anstieg der Betriebsmittelpreise war spürbar. Besonders verteuerte sich Strom. Deutlich billiger waren Futtermittel, aber auch Düngemittel.
 
AMI-Agrarrohstoff-Index weiterhin auf hohem Niveau
Der Agrarrohstoff-Index der Agrarmarkt Informations-GmbH für die 13 wichtigsten in Deutschland erzeugten Agrarprodukte lag im Oktober 2013 mit 143,9 Punkten weiterhin auf einem relativ hohen Niveau. Niedrigere Getreide- und Rapspreise sorgten allerdings dafür, dass der Index im Jahresvergleich um 4,9 Punkte oder 3,2 Prozent niedriger ausfiel. Für den Rest des Jahres 2013 gehen die Marktbeteiligten von einer insgesamt stabilen Entwicklung der Erzeugerpreise aus.
 
Global feste Preistendenz für Agrarrohstoffe
Die internationalen Preise für Agrarrohstoffe behalten nach Analysen der FAO ihre feste Tendenz bei. Auch wenn sie im 2. Halbjahr 2013 etwas nachgaben und im Oktober um 5 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert lagen, ist das Preisniveau im Langfristvergleich nach wie vor relativ hoch.
 
Aktuelle Preistendenzen uneinheitlich
Der FAO-Preisindex für Fleisch entwickelte sich von Januar bis Oktober 2013 stabil und konnte das relativ hohe Vorjahresniveau gut halten, mit leichten Preisabstrichen für Schweine- und Geflügelfleisch. Nach einer Delle in Mitte 2012 sind die globalen Milchpreise wieder deutlich angestiegen Im Oktober erreichten sie ein Niveau, das um ein Viertel über dem entsprechenden Vorjahresstand lag.
 
Nach einem relativ hohen Niveau im 2. Halbjahr 2012 sind die globalen Getreidepreise seit Anfang 2013 deutlich zurückgegangen und erreichten im Oktober einen Stand, der um 22 Prozent unter dem entsprechenden Stand des Vorjahres lag, allerdings das Ergebnis aus dem Vormonat September um 1 Prozent übertraf. Im Jahresvergleich weniger ungünstig fiel die globale Preisentwicklung bei Ölen/Fetten sowie Zucker aus.
 
Weiter Festigung der Agrarpreise erwartet
Die globalen Fundamentaldaten deuten darauf hin, dass sich an der relativ knappen globalen Versorgungssituation mit Agrarrohstoffen grundsätzlich wenig ändern wird. Die FAO geht davon aus, dass sich das globale Agrarpreisniveau in den nächsten Jahren nominal weiter erhöhen und unter Berücksichtigung der Inflation (real) in etwa unverändert bleiben wird.
 
Agrarpreise in der EU sind volatiler geworden
Seit dem Abbau der EU-Agrarpreisstützung werden die heimischen Erzeugerpreise immer mehr von der Situation auf den internationalen Agrarmärkten geprägt. Infolgedessen haben sich die Preisschwankungen (Volatilitäten) an den europäischen Agrarmärkten in den letzten Jahren deutlich erhöht.
 
Starke Preisschwankungen bei industriellen Rohstoffen
Die weltweiten Rohstoffpreise bewegen sich seit 2011 auf einem relativ hohen Niveau, gerade was Energie und Agrarrohstoffe anbelangt. Preisausschläge noch oben und nach unten fallen geringer aus als in den Vorjahren.
 
Einfluss der Finanzmärkte auf die Agrarmärkte
Kapitalanleger suchen auch auf den Rohstoffmärkten nach rentierlichen Anlagemöglichkeiten. Begünstigt wird diese Entwicklung durch ein niedriges Zinsniveau bzw. eine lockere Geldpolitik der Notenbanken in vielen Industrieländern, die die Konjunktur ankurbeln soll. Wie zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, können spekulative „Blasen“ an den Terminmärkten („Preisübertreibungen“) in der Regel nur dann entstehen, wenn in den von Angebot und Nachfrage bestimmten Termin- und Derivatemärkten Markttransparenz nicht oder nur teilweise gegeben ist. Bislang konnten derartige Marktverzerrungen aber an den Agrarmärkten nicht nachgewiesen werden.
 
Dollarkurs spielt für den internationalen Handel eine wichtige Rolle
Der globale Handel mit Agrarprodukten wird nicht nur durch Angebot und Nachfrage beeinflusst. Erhebliche Bedeutung haben auch die Wechselkurse. Der internationale Rohstoffhandel wird überwiegend auf US-Dollar- Basis abgewickelt. Ein schwacher Euro wirkt positiv auf die deutschen Exportgeschäfte, da die Unternehmen günstiger auf dem Weltmarkt anbieten können. Andererseits verteuern sich Importe von Rohstoffen und Gütern, was sich belastend auf die Produktionskosten auswirkt. Den bisherigen Tiefstwert erreichte der Euro mit 1,21 US-Dollar Ende Juli 2012. Anfang November 2013 gab es für einen Euro 1,38 US-Dollar. Gegenüber Anfang November 2012 sind das rund 7 US-Cent mehr.
 
Energie- und Agrarpreise stehen in engem Zusammenhang
Die Entwicklung der Getreide-, Ölsaaten- und Zuckerpreise steht in einer Wechselbeziehung zu der kaufkräftigen Nachfrage nach Nahrungsmitteln und der Nachfrage nach Bioenergie, die wiederum vor allem vom Rohölpreis abhängt. Bei Rohölpreisen von zum Beispiel mehr als 100 US-Dollar je Barrel kann die energetische Getreideverwertung auch bei Getreidepreisen um die 200 Euro je Tonne wettbewerbsfähig sein. Hohe Energiepreise stützen also die Weltagrarpreise, besonders bei Getreide, anderen pflanzlichen Rohstoffen und auch bei Holz. Allerdings führt eine Energieverteuerung auch zu Kostensteigerungen in der Landwirtschaft (Dünger, Diesel, Maschinen, Strom) mit entsprechenden Folgen für die Agrarpreise.
 
Nahrungsmittel- und Energiemärkte hängen eng zusammen
Der Ausbau der Bioenergie bzw. der nachwachsenden Rohstoffe bietet den Landwirten Chancen für eine alternative Vermarktung ihrer Erzeugnisse. Die Preise am Energiemarkt bilden grundsätzlich die Preisuntergrenze für landwirtschaftliche Produkte. Bewegen sich jedoch die Lebensmittelpreise oberhalb des energetischen Wertes der Produkte, ist die wirtschaftliche Attraktivität der bioenergetischen Verwertung bedroht. Durch die Koppelproduktion, z.B. bei Raps für Biodiesel und für Rapsschrot-Futtermittel, kann die Anfälligkeit der Verarbeitungskette gegen Preisschwankungen gemindert werden.
 
Knapp 5 Prozent der Weltackerfläche für Biokraftstoffe
Von der gesamten weltweiten Landfläche sind 1,5 Milliarden Hektar Ackerland. Knapp 5 Prozent davon oder gut 70 Millionen Hektar wurden nach FAO-Schätzungen für 2013 für den Anbau von Energiepflanzen wie Getreide, Ölpflanzen und Zuckerrohr/ Zuckerrüben genutzt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei der Biokraftstofferzeugung zu einem hohen Anteil pflanzliche Nebenprodukte (Getreide: circa 40 Prozent Schlempe; Raps: circa 60 Prozent Schrot) anfallen, die als Futtermittel Verwendung finden und damit die Netto- Inanspruchnahme von Flächen für Energiezwecke etwa um die Hälfte kleiner ausfallen lassen.
 
Wachstum vor allem bei Pflanzenöl und Zucker
Prognosen von OECD/FAO zufolge ist mit einem weiteren Wachstum der Biokraftstoffproduktion zu rechnen. Danach dürfte die Erzeugung von Bioethanol und Biodiesel bis 2022 auf etwa 41 Milliarden Liter Biodiesel (gegenüber 2013 + 42 Prozent) bzw. 167 Milliarden Liter Bioethanol (+ 47 Prozent) anwachsen. Dies würde zu einer Flächeninanspruchnahme von etwa 85 Millionen Hektar oder knapp 6 Prozent der globalen Ackerfläche führen, und das vor allem auf Grund höherer Verwendung von Pflanzenölen, Zucker und anderen Biomassestoffen. Nicht Getreide, sondern Pflanzenöle und Zucker sind nach dieser Prognose die Träger des Wachstums auf den Biokraftstoffmärkten.
 
Zwei Drittel aller Biokraftstoffe stammen aus den USA und Brasilien
Von der globalen Biokraftstofferzeugung (Bioethanol und Biodiesel) des Jahres 2013 entfallen 41 Prozent auf die USA und 24 Prozent auf Brasilien. Auf diese beiden Länder entfallen damit zwei Drittel des globalen Energiepflanzenanbaus. Weitere 15 Prozent entfallen auf die EU und 7 Prozent auf China. Eine deutsche Besonderheit ist die mittelbare Förderung des Anbaus von Bioenergiepflanzen für Biogasanlagen.
 
Knapp 7 Prozent des Weltgetreides für Biokraftstoffe
Vom Weltgetreideverbrauch werden 2013 nach FAO-Einschätzung voraussichtlich 163 Millionen Tonnen oder knapp 7 Prozent für Biokraftstoffe genutzt. Vom globalen Pflanzenölvorkommen fließen etwa 13 Prozent in die Biodieselherstellung. Bei Zucker dienen 18 Prozent der Welterzeugung der Ethanolherstellung. Dabei handelt es sich zu 96 Prozent um Rohrzucker. Prognosen der FAO zufolge wird der Biokraftstoffanteil von Getreide auch in 2022 bei knapp 7 Prozent liegen, während die Anteile bei pflanzlichen Ölen und Zucker auf voraussichtlich 15 bzw. 26 Prozent ansteigen werden.
 
Biokraftstoffe und Spekulation verantwortlich für Hunger in der Welt?
Wissenschaftliche Analysen kommen zu dem Schluss, dass Biokraftstoffe und „Spekulation“ nicht den oft behaupteten Einfluss auf das Preisgeschehen am Weltmarkt haben. Entscheidend sind die fundamentalen Nachfragetrends bei Agrarrohstoffen. Die Agrarmärkte in den ärmeren Ländern sind oft wenig funktionsfähig. Hunger und Armut sind vor allem der abgekoppelten Preissituation in Entwicklungsländern selbst geschuldet und Folge von schlechter Regierungsführung, Korruption, Bürgerkriegen, Wetterextremen, staatlicher Markteinflussnahme und unzureichenden Eigentums- und Nutzungsrechten.
 
Hunger auf der Welt rückläufig, aber immer noch groß
Nach dem Mitte Oktober 2013 von der FAO vorgelegten Welternährungsbericht ist die Zahl der hungernden Menschen auf der Welt auf 842 Millionen zurückgegangen. Der Anteil der Menschen, die längere Zeit unter Hunger litten, ging demnach seit Anfang der 90er Jahre von 24 Prozent auf 14 Prozent zurück. Etwa die Hälfte der weltweit hungernden Menschen leben in bäuerlichen Familien auf dem Land.
 
Kann die Ernährung der Weltbevölkerung sichergestellt werden?
Das globale Produktionswachstum bei Agrarrohstoffen lag in der Dekade 2003 bis 2012 bei 2,1 Prozent pro Jahr. Für die Dekade 2013 bis 2022 schätzt die FAO das Wachstum auf nur 1,5 Prozent pro Jahr. Die FAO führt das geringere Wachstum vor allem auf knappe Anbauflächen, gestiegene Produktionskosten und zunehmende Umweltbelastungen zurück. Dennoch soll die Versorgung mit der globalen Nachfrage Schritt halten können. Diese wird durch eine höhere Kaufkraft und geänderte Ernährungsgewohnheiten geprägt. In den Schwellenländern ist mit einem weiter steigenden Konsum von höherwertigen Lebensmitteln wie Fleisch- und Milchprodukten sowie Obst und Gemüse zu rechnen. Hinzu kommt die wachsende Verwendung von Agrarrohstoffen für energetische Zwecke.
 
Entwicklungsländer profitieren von hohen Agrarpreisen
Von der eher knappen Versorgungssituation und den damit verbundenen relativ hohen Agrarpreisen profitieren nach Einschätzung der FAO die Entwicklungs- und Schwellenländer. Ihr Anteil an der Weltagrarerzeugung und am Weltagrarhandel wird wachsen. Da die globalen Getreidebestände nach FAO-Einschätzung auch in den nächsten Jahren auf einem relativ geringen Niveau verharren dürften, können Produktionsausfälle, Preisschwankungen und Handelsunterbrechungen die globale Ernährungssicherheit allerdings gefährden. Die FAO warnt deswegen vor kurzfristigen Steigerungen der Weltmarktpreise um bis zu 40 Prozent.
 
Industrieländer profitieren von ihrer hohen Produktivität
Für die Industrieländer wie die Länder der EU wird eine weitere, wenn auch verlangsamte Steigerung der Agrarerzeugung erwartet. Mit ihrer hohen Produktivität und Effizienz werden sie nach Prognosen der FAO weiter bedeutende Versorger der Weltagrarmärkte bleiben. Angesichts stagnierender Bevölkerung und weitgehend gesättigter Nahungsmittelmärkte können die Produktionspotentiale besonders der europäischen Landwirtschaft zunehmend für den Export und auch die Energieversorgung genutzt werden.
 
Bislang hielt Getreideproduktion mit Bevölkerungswachstum Schritt
Die Weltgetreideproduktion (ohne Reis) ist in den letzten Jahrzehnten in etwa so stark gewachsen wie die Weltbevölkerung. Allerdings schwanken die Ernten von Jahr zu Jahr. Während sich die Anbaufläche für Weizen und Futtergetreide in den letzten 30 Jahren insgesamt nur wenig verändert hat, sind die Hektarerträge um mehr als 70 Prozent gestiegen. Etwa 48 Prozent der Weltproduktion an pflanzlichen Erzeugnissen kommt durch den gezielten Einsatz von Düngemitteln zustande.