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6 Erzeugung und Märkte

6.2 Betriebsmittel/Futtermittel

Betriebsmittelpreise auf Rekordniveau
Der Gesamtindex der Preise für landwirtschaftliche Betriebsmittel (2005=100) ist nach den Daten des Statistischen Bundesamtes seit 1980 von 74 auf 134 Punkte im Jahr 2011 (plus 79 Prozent) angestiegen. Das entspricht einer Kostensteigerung von jährlich rund 2,6 Prozent. Demgegenüber sind die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise nur um jährlich rund 0,2 Prozent angestiegen. Kostentreiber sind vor allem Verteuerungen bei Energie und Schmierstoffen (plus 136 Prozent) und Düngemitteln (plus 105 Prozent).


Energieabhängigkeit der Landwirtschaft
Die Landwirtschaft setzt nicht nur Strom, Treib- und Schmierstoffe, sondern auch  energieabhängige Betriebsmittel wie insbesondere Düngemittel ein. Die Entwicklung der Energiepreise ist für die Landwirtschaft daher von großer Bedeutung. Ein Blick auf die Erdölpreise zeigt, dass diese im Laufe des Jahres 2012 im Durchschnitt ein Niveau von etwa 100 US-Dollar je Barrel erreichen.


Globale Düngemittelpreise zogen in den letzten Jahren deutlich an
Die weltweiten Preise für Düngemittel zeigten in den letzten Jahren stets eine Tendenz nach oben. Im Laufe des Jahres 2012 hat sich die Situation auf den internationalen Düngemittelmärkten entspannt. Für Stickstoff- und Phosphordünger liegen die Preise unter dem Vorjahresniveau. Der Grund dafür ist die Kaufzurückhaltung der Landwirtschaft, ausgelöst von den extremen Witterungsbedingungen in Nordamerika, Südeuropa sowie in Teilen Australiens und Indiens. Eine Wiederbelebung der internationalen Nachfrage und eine weiter anhaltende Euroschwäche könnten aber wieder zu steigenden Düngerpreisen führen.


Einsatz von Düngemitteln ist zurückgegangen
Der Absatz von Mineraldüngern in Deutschland ist im Wirtschaftsjahr 2011/12 gegenüber dem Vorjahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um gut 2 Prozent auf 4,67 Millionen Tonnen Nährstoff zurückgegangen. Während der Absatz von Kalkdüngern um gut 5 Prozent stieg, sank der Absatz von Stickstoffdüngern um mehr als 8 Prozent. Noch deutlicher verringerte sich der Absatz von Kali (- 11 Prozent)  und Phosphatdüngern (- 14 Prozent).


Mehr Pflanzenschutzmittel abgesetzt
Der Absatz von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland ist 2011 gegenüber dem Vorjahr um gut 7 Prozent auf rund 43.900 Tonnen Wirkstoff angestiegen. Insbesondere der Absatz von Herbiziden nahm um 8 Prozent auf 18.000 Tonnen zu, er blieb jedoch geringer als im Jahr 2008. Die Zunahme der Getreidefläche und die hohe Behandlungsquote im Frühjahr sowie Herbst 2011 führten zu einem vermehrten Absatz von Herbiziden. Auch beim Mais fiel der Herbizideinsatz aufgrund der größeren Anbaufläche, vor allem für die Erzeugung von Biogas, höher aus.


Mischfutter bleibt relativ teuer
Die Mischfutterpreise erlebten in 2012 einen deutlichen Auftrieb. Der Spielraum für Preisveränderungen nach unten und nach oben wird durch die Getreidepreise vorgegeben. Im Oktober hatten sich die Preise für Mischfuttermittel wieder leicht abgeschwächt. Grund waren die wieder etwas günstigeren Proteinkomponenten.


Proteinkomponenten kosten mehr
Der Futtermittelmarkt ist auch von stark gestiegenen Preisen für Proteinkomponenten bestimmt. Die Preise für Raps- und Sojaschrote haben sich im Laufe des Jahres 2012 nach oben geschaukelt. Dafür sorgten anfänglich die unerwartet schwachen Sojaernten in Südamerika und die, trotz einer neuen Rekordanbaufläche, schlechten Ernteprognosen für die Sojaernte in den USA.


Raufutterpreise haben deutlich nachgegeben
Nachdem sich die Raufutterpreise seit Jahresbeginn 2012 teils spürbar ermäßigt haben, konnten zuletzt wieder etwas festere Forderungen realisiert werden. Dabei hat sich auch der Preisabstand zwischen Heu und Stroh verringert. Maissilage setzt seinen leichten Aufwärtstrend weiter fort.


Maissilagepreise fest
Die geringere Silomaisernte in 2012 stützt die Preise. Das Statistische Bundesamt schätzt die Ernte an Silo- und Grünmais in Deutschland auf knapp 93 Millionen Tonnen und damit 4 Millionen Tonnen kleiner als im Vorjahr.


EU ist auf Soja-Importe angewiesen
Die EU führte in den drei Jahren 2009 bis 2011jährlich etwa 32 Millionen Tonnen Futtermittel ein, nicht eingerechnet importiertes Getreide, das Futtermittelzwecken dient. Etwa 22 bis 23 Millionen Tonnen davon sind Sojaschrote vornehmlich aus Brasilien, Argentinien und den USA. Sojaimporte durch einheimische Leguminosen wie Erbsen, Bohnen, Lupinen, Klee und Luzerne zu ersetzen, scheitert derzeit an der Wirtschaftlichkeit. 2012 wurden auf nur 921.000 Hektar in der EU-27 Eiweißpflanzen angebaut. Studien der Humboldt Universität Berlin belegen, dass die Voraussetzungen für den Getreideanbau in der EU-27 besonders günstig sind. Umgekehrtes gilt für den Sojaanbau, der in den Brasilien, Argentinien und den USA wirtschaftliche Vorteile aufweist. Über den Handel profitieren die Wirtschaftspartner voneinander und ihrer Arbeitsteiligkeit.


Sojaimporte halten sich in Grenzen
Deutschland führte 2011 rund 3,2 Mio. Tonnen Sojabohnen sowie rund 3,4 Millionen Tonnen Sojaschrot ein. Eine Rückrechnung der deutschen Einfuhrmengen an Sojabohnen und Sojaschroten zu  Flächenerträgen der Ursprungsländer ergibt einen Flächenbedarf von 1,8 Millionen Hektar. Dabei ist berücksichtigt, dass dem Sojaschrot nur ein anteiliger Flächenbedarf zugewiesen werden kann, da Sojaschrot Koppelprodukt der Erzeugung von Sojaöl ist. Eine entsprechende Berechnung für die EU-27 ergibt eine Flächeninanspruchnahme von entsprechend 10,4 Millionen Hektar. 


Fast 10 Millionen Hektar Fläche dienen in Deutschland der Futtererzeugung
Von den rd. 12 Millionen Hektar Ackerland in Deutschland werden etwa 5,3 Millionen Hektar zur Futtererzeugung verwendet, wovon der allergrößte Teil auf Futtergetreide und Silomais zur Verfütterung entfällt. Der Anbau von Körnerleguminosen zur Verfütterung ist rückläufig. Daneben werden 4,5 Millionen Hektar Dauergrünland (Wiesen und Weiden) als Futterflächen genutzt. Unter Berücksichtigung aller Futtermittelkomponenten kann Deutschland derzeit den Energiebedarf der Nutztiere zu rund 90 Prozent aus inländischer Futtermittelerzeugung decken. Der in den letzten Jahren infolge der Biodieselerzeugung gestiegene Rapsanbau in Deutschland hat das Aufkommen an Rapsschrot als Futtermittel von 1,74 Millionen Tonnen in 2000 auf etwa 3,2 Millionen Tonnen in 2012 ansteigen lassen. Das Verhältnis von Raps- zu Sojaschrot hat sich in dieser Zeit von 33 auf 42 Prozent zugunsten des Rapsschrotes verschoben.

 
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Herausgegeben vom Deutschen Bauernverband mit Unterstützung von: