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7 Internationale Agrarentwicklung

7.2 Agraraußenhandel

EU-Außenhandel
Die EU ist nach China der zweit-größte Exporteur der Welt
Die Europäische Union (EU-28) ist mit 511,8 Millionen Menschen (2017) nicht nur der größte Binnenmarkt, sondern auch die zweitgrößte Handelsmacht der Welt; der Anteil der EU-28 am Welthandel (bezogen auf den Export und ohne Berücksichtigung des EU-Binnenhandels) betrug 2016 15,6 Prozent. Der Anteil Chinas am Welthandel lag bei 17,0 Prozent und der Anteil der USA bei entsprechend 11,8 Prozent. Die EU-Importe hatten 2016 einen Anteil am Welthandel von 14,8 Prozent (USA 17,6 Prozent, China 12,4 Prozent).
 
Überschuss in der EU-Handelsbilanz 2016 geringer
Aus- und Einfuhren der EU mit Drittländern sind 2016 zurückgegangen. Die Ausfuhren felen gegenüber dem Vorjahr um knapp 3 Prozent und die Einfuhren um 1 Prozent niedriger aus. Dadurch verringerte sich das Plus in der Außenhandelsbilanz von 64 Milliarden Euro in 2015 auf 34 Milliarden Euro in 2016.
 
USA und China sind die wichtigsten Handelspartner der EU
Im Jahr 2016 blieben die Vereinigten Staaten (610 Mrd. Euro bzw. 18 Prozent des gesamten Warenverkehrs der EU) und China (515 Mrd. Euro bzw. 15 Prozent) die zwei wichtigsten Handelspartner der Europäischen Union, mit deutlichem Abstand zur Schweiz (264 Mrd. Euro bzw. 8 Prozent) und zu Russland (191 Mrd. Euro bzw. 6 Prozent). Bedingt durch hohe Energieeinfuhren betrug das Handelsdefzit der EU mit Russland 2016 47 Milliarden Euro. Mit China hatte die EU 2016 ein Handelsdefzit von 175 Milliarden Euro. Auf Grund etwas rückläufger Einfuhren aus China und nahezu unveränderter Ausfuhren nach China ist das Defzit gegenüber dem Vorjahr um knapp 6 Milliarden Euro kleiner ausgefallen. Der traditionelle EU-Handelsbilanzüberschuss mit den USA fel 2016 um 9 auf 114 Milliarden Euro.
 
Deutschland im Weltagrarhandel die Nummer drei
Deutschland nimmt beim globalen Handel von Agrarprodukten und Nahrungsmitteln eine Spitzenposition ein. Von den im Jahr 2016 weltweit exportierten Agrargütern im Gesamtwert von 1.610 Milliarden US-Dollar stammten 4,7 Prozent aus Deutschland. Mehr Agrarprodukte außerhalb ihrer Grenzen vermarkteten 2016 nur die USA und die Niederlande.
 
Brasilien mit weltweit größtem Exportüberschuss
Deutschland ist auch die Nummer drei in der Rangliste der Agrarimportländer. Verrechnet man Exporte und Importe miteinander, ergibt sich für Deutschland ein Agrarhandelsdefzit von 15 Milliarden US-Dollar (2016). Damit steht Deutschland auf Platz 7 der größten Nettoimporteure von Agrarprodukten. Japan, China und das Vereinigte Königreich haben weitaus größere Nettoimporte. Der bei weitem größte Nettoexporteur ist Brasilien. Dieses Land exportierte 2016 für 58 Milliarden US-Dollar mehr Agrargüter als es importierte. Mit großem Abstand folgen in der Rangliste der weltgrößten Agrar-Nettoexporteure Argentinien und die Niederlande
 
EU-Agrarhandelsbilanz im Plus
Auf Basis der WTO-Defnition von Agrareinfuhren und -ausfuhren, die Fisch und Fischwaren nicht berücksichtigt, hat die Europäische Kommission für das Jahr 2016 einen deutlichen EU-Außenhandelsbilanzüberschuss bei Agrar- und Ernährungsgütern ermittelt. Weil die Einfuhren leicht auf 112,2 Milliarden Euro zurückgegangen sind (- 1,4 Prozent) und die Ausfuhren auf 131,1 Milliarden Euro leicht angestiegen sind (+ 1,6 Prozent), nahm das Außenhandelsplus 2016 gegenüber dem Vorjahr um 3,6 auf 18,9 Milliarden Euro zu. Die EU- Agrarimporte beruhen vor allem auf beträchtlichen Einfuhren an Gemüse, Obst, (jeweils einschließlich Verarbeitungserzeugnissen) sowie an Futtermitteln, Ölsaaten und Ölsaatenprodukten. Hinzu kommen umfangreiche Importe an Kaffee, Tee, Fleischwaren, Tabak und Kakao. Die EU ist bedeutender Exporteur vor allem bei Getreide, Milch, Fleisch (jeweils einschließlich Verarbeitungserzeugnissen), aber auch von Bier, Wein und Spirituosen. Nach der traditionellen nationalen Warenklassifkation, bei der insbesondere auch der Handel mit Fisch und Fischwaren Berücksichtigung fndet, weist die EU im Handel mit Agrarprodukten allerdings einen negativen Saldo auf, der 2016 bei gut 2 Milliarden Euro lag.
 
EU für Entwicklungsländer ein wichtiger und offener Absatzmarkt
Für die Entwicklungs- und Schwellenländer ist die EU im internationalen Vergleich der offenste Absatzmarkt. Sie liefern in die EU zollfrei oder zu niedrigen Zollsätzen mehr Agrarprodukte als in die USA, Kanada, Japan, Australien und Neuseeland zusammen. Rund 69 Prozent der EU-Agrarimporte und etwa 54 Prozent der EU-Agrarexporte werden mit den Entwicklungs- und Schwellenländern getätigt. Aus diesen Ländern importierte die EU auch im Jahre 2016 wesentlich mehr Agrargüter (90,1 Milliarden Euro, gegenüber Vorjahr + 2 Prozent) als sie dorthin exportierte (69,5 Milliarden Euro, gegenüber Vorjahr + 1 Prozent). Ein großer Teil der Einfuhren entfällt auf Erzeugnisse, die nicht oder kaum mit EU-Produkten konkurrieren. Dazu gehören vor allem südländisches Obst und Gemüse sowie Kaffee, Kakao und Tee.
 
EU-Agrarhandel in 2017 mit weiterem Zuwachs
Nach Ergebnissen für die ersten acht Monate des Jahres 2017 (Januar bis August) sind die Exporte der EU gegenüber dem entsprechenden Vorjahresstand um etwa 9 Prozent und die EU-Importe um rund 10 Prozent kräftig angestiegen. Der darin enthaltene EU-Handel mit Agrar- und Ernährungsgütern nahm sowohl ausfuhrseitig als auch einfuhrseitig um rund 5 Prozent zu. EU-Agrarexporte nach China waren in dem Achtmonatszeitraum von Januar bis August 2017 dagegen leicht rückläufg (- 2 Prozent).
 
 
 
Außenhandel Deutschland
 
Deutscher Außenhandel wächst
Sowohl auf der Einfuhr- als auch der Ausfuhrseite konnte der deutsche Außenhandel 2016 an das Vorjahresergebnis anknüpfen. Mit einem wertmäßigen Umfang von 1.204 Milliarden Euro felen die Ausfuhren gegenüber 2015 um rund 10 Milliarden Euro oder 0,9 Prozent höher aus. Die Einfuhren stiegen um rund 6 Milliarden Euro oder 0,6 Prozent auf 955 Milliarden Euro. Der positive Handelsbilanzsaldo verbesserte sich um knapp 5 Milliarden Euro auf 249 Milliarden Euro. In 2017 zeichnet sich ein deutlich stärkeres Wachstum des Außenhandels ab. Im Zeitraum Januar bis September legten die Ausfuhren im Jahresvergleich um 6,3 Prozent und die Einfuhren um 8,7 Prozent zu.
 
Stärkere Dynamik beim Agrarhandel
Der deutsche Außenhandel mit Gütern der Land- und Ernährungswirtschaft hatte in 2016 eine etwas stärkere Dynamik als der Außenhandel der übrigen Wirtschaft. Im Vergleich zum Jahr 2015 stiegen die Agrarausfuhren um 2,6 Prozent auf 70,1 Milliarden Euro. Die Agrareinfuhren nahmen um 2,5 Prozent auf 81,6 Milliarden Euro zu. Im Ergebnis schloss die Agrarhandelsbilanz mit einem Defzit von 11,5 Milliarden Euro ab. Damit hat sich das Defzit gegenüber dem Vorjahr um 0,2 Milliarden Euro vergrößert. Gemessen am deutschen Außenhandel insgesamt hatten die Agrarausfuhren einen Anteil von 5,8 Prozent und die Agrareinfuhren einen Anteil von 8,5 Prozent.
 
Neue Rekorde im Agraraußenhandel
Nach Angaben und Schätzungen für den Zeitraum Januar bis September 2017 sind die Exporte von Agrar- und Ernährungsgütern um 5,2 Prozent angestiegen. Die Agrarimporte haben um 5,3 Prozent zugenommen. Schätzungen zufolge dürften die deutschen Agrarexporte in 2017 auf den neuen Rekordwert von fast 74 Milliarden Euro ansteigen. Die Agrareinfuhren dürften einen Wert von 86 Milliarden Euro erreichen.
 
Deutsche Agrarexporte im Aufwärtstrend
Die deutschen Agrarexporte haben sich seit 2005 in etwa verdoppelt. Seit der Wiedervereinigung sind sie um fast das Vierfache angestiegen. Das Wachstum der Agrarimporte verlief dagegen sowohl in absoluten als auch in relativen Werten moderater. Gegenüber der Zeit unmittelbar nach der Wiedervereinigung (1991) hat der Umfang der Einfuhren um fast das Zweieinhalbfache zugenommen. Rund ein Drittel der Gesamtproduktion der deutschen Landwirtschaft – das sind rund 16 Milliarden Euro – wird exportiert. 2009 lag dieser Anteil noch entsprechend bei einem Viertel. In der deutschen Ernährungswirtschaft liegt der Exportanteil ebenfalls bei einem Drittel.
 
Deutscher Agrarexport steht für Ausfuhr von Qualitätsprodukten
Charakteristisch für den deutschen Agrarexport ist die Ausfuhr von hochwertigen Veredlungserzeugnissen. So sind Milch und Milcherzeugnisse, darunter vor allem Käse, sowie Fleisch und Fleischwaren, die herausragenden Produkte des deutschen Agrarexportes. Qualität und Sicherheit sind wichtige Faktoren im Export.
 
Deutscher Agrarhandel überwiegend mit EU-Partnerstaaten
Deutschlands wichtigste Kunden im Agrarhandel sind die EU-Länder. 77 Prozent der gesamten Agrarausfuhren gingen 2016 in EU-Partnerstaaten und 23 Prozent in Drittländer. Beim Drittlandexport sind die Schweiz, die USA, China und Saudi-Arabien die wichtigsten Abnehmer. Bei den Drittlandimporten ist Brasilien der mit Abstand wichtigste Lieferant vor den USA, China und der Türkei.
 
Deutliche Export- und Importsteigerungen in 2017
Der deutsche Agrarexport mit Drittländern ist 2016 mit 1,3 Prozent weniger stark gewachsen als der Agrarexport in andere EU-Länder mit 2,9 Prozent. Ähnlich sieht es bei den Agrarimporten aus. Während die Agrareinfuhren aus den EU-Partnerstaaten um 4,0 Prozent zunahmen, konnten sich Agrareinfuhren aus den Drittländern nur knapp behaupten (- 0,6 Prozent). Im Zeitraum von Januar bis September 2017 hat sich der Agrarhandel mit EU-Drittländern sowohl auf der Ausfuhrseite als auch auf der Einfuhrseite weniger dynamisch entwickelt als der Binnenhandel. Agrarausfuhren und -einfuhren nahmen im Binnenhandel jeweils um die 6 Prozent zu, im Handel mit Drittländern dagegen jeweils nur um die 3 Prozent.
 
Handel mit Entwicklungsländern: Viel Import, wenig Export
72 Prozent der deutschen Agrarimporte aus Drittländern stammen aus den Entwicklungs- und Schwellenländern, insgesamt 18,0 Milliarden Euro (gegenüber Vorjahr - 2 Prozent). Importiert werden in erster Linie Kaffee, Ölsaaten sowie Obst und Südfrüchte. Die Agrarexporte in die Entwicklungs- und Schwellenländer beliefen sich 2016 auf 9,1 Milliarden Euro (gegenüber Vorjahr - 1 Prozent). Das sind 13 Prozent der gesamten deutschen Agrarexporte. Der traditionelle Einfuhrüberschuss mit den Entwicklungs- und Schwellenländern verringerte sich 2016 um 0,4 auf 8,9 Milliarden Euro.
 
Nur 2 Prozent des deutschen Agrarexports geht nach Afrika
Über 90 Prozent der deutschen Agrarexporte gehen in entwickelte Volkswirtschaften mit hohem Einkommen. Nur zwei Prozent der deutschen Agrarexporte im Wert von 1,4 Milliarden Euro gingen 2016 nach Afrika. Nach Angaben von UN-COMTRADE stammten 2015 lediglich 2,8 Prozent der Agrarimporte Afrikas aus Deutschland. Im Vergleich dazu: Brasilien 8,7 Prozent, Frankreich 8,1 Prozent, Argentinien 6,8 Prozent, Indien 5,1 Prozent und USA 4,9 Prozent
 
EU-Erweiterung hat deutschen Agrarhandel befügelt
Der EU-Beitritt der elf osteuropäischen Länder sowie von Malta und Zypern hat den deutschen Agrarhandel deutlich belebt. Deutschland führte 2016 aus den EU-Beitrittsländern Agrar- und Ernährungsgüter im Wert von 9,0 Milliarden Euro ein. Entsprechend ausgeführt wurden Waren im Wert von 10,1 Milliarden Euro. Bei den Agrarimporten aus den 13 Beitrittsländern entfelen 2016 5,1 Milliarden Euro auf Polen. Etwas niedriger felen die deutschen Agrarexporte nach Polen aus (4,3 Milliarden Euro).
 
mit Erholungstendenzen
Nach Einführung des Import-Embargos im August 2014 sind die deutschen Agrarausfuhren nach Russland stark eingebrochen. Sie felen in 2015 und 2016 auf ein Niveau von unter 0,9 Milliarden Euro. Für den Zeitraum Januar bis September 2017 allerdings konnten sich die deutschen Agrarexporte nach Russland etwas erholen (+ 11 Prozent), der Export von Milch- und Fleischprodukten sowie anderer Agrar- und Ernährungsgüter ist aber weiterhin blockiert. Die Agrarimporte aus Russland spielen eine vergleichsweise geringe Rolle. Sie nahmen 2016 um 5 Prozent auf 238 Millionen Euro zu und dürften 2017 allenfalls nur leicht ansteigen.
 
Deutlich mehr Agrarexporte in die USA
Im Drittlandhandel sind die USA nach Brasilien der bedeutendste Lieferant von Agrar- und Ernährungsgütern. Die deutschen Agrarimporte von dort gingen 2016 wertmäßig um 8 Prozent auf 2,54 Milliarden Euro zurück. Die deutschen Agrarausfuhren in die USA nahmen dagegen um 5 Prozent auf 1,82 Milliarden Euro zu. Auf Basis der Angaben für die Monate Januar bis September dürften die deutschen Agrarausfuhren in die USA in 2017 nochmals um gut 5 Prozent zunehmen. Der Wert der importierten US-Agrargüter dürfte dagegen nur um etwa 2 Prozent ansteigen.
 
2017 weniger Agrarexporte nach China
In 2016 haben die deutschen Agrarexporte nach China um fast ein Drittel zugenommen. Das Exportvolumen erreichte einen Wert von 1,76 Milliarden Euro. Aus Basis der Handelszahlen für die ersten neun Monate des Jahres 2017 gehen die Agrarexporte nach China wieder deutlich zurück (- 13 Prozent), allerdings nimmt der Agrarexport nach Hongkong zu. Hongkong und China zusammen weisen in den ersten neun Monaten 2017 gegenüber Vorjahr nur ein Minus von 6 Prozent auf. Auf das gesamte Jahr 2017 hochgerechnet dürften sich die deutschen Agrarexporte nach China und Hongkong zusammen auf etwa 2,0 Milliarden Euro belaufen