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6 Erzeugung und Märkte

6.3 Betriebsmittel/Futtermittel

Geringere Betriebsmittelpreise
Die Landwirte in Deutschland haben für Betriebsmittel und Dienstleistungen im Juli 2016 2,6 Prozent weniger gezahlt als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Im Jahresvergleich sanken vor allem die Einkaufspreise für Düngemittel, Energie- und Schmierstoffe, Futtermittel sowie Saat- und Pflanzgut. Teurer dagegen waren die Unterhaltung von Maschinen und Bauten sowie die Anschaffung von Maschinen, Fahrzeugen und Bauten.
 
Energiepreisabhängigkeit der Landwirtschaft
Die Landwirtschaft setzt neben Strom, Treib- und Schmierstoffen auch energieintensive Betriebsmittel wie insbesondere Düngemittel ein. Die Entwicklung der Energiepreise ist für die Landwirtschaft daher von großer Bedeutung. Mitte November 2016 lag der Erdölpreis mit 45 US-Dollar je Barrel (WTI) nur wenig höher als ein Jahr zuvor. Zwischenzeitlich sackte der Kurs auf unter 30 US-Dollar je Barrel ab und überstieg mehrmals für kurze Zeit die Marke von 50 US-Dollar je Barrel. Auf Grund reichlichen Angebotes gehen Analysten davon aus, dass der Erdölpreis auch weit in das Jahr 2017 hinein unter der 50 US-Dollarmarke bleiben wird.
 
Preise für Stickstoff-Düngemittel stark zurückgegangen
Der Angebotsüberhang hat zu starkem Preisdruck am internationalen Düngemittelmarkt geführt. Auch im November 2016 zeichnete sich keine grundlegende Änderung dieser Situation ab, auch wenn zumindest Harnstoff das Preistal offenbar hinter sich gelassen hat. Allerdings könnte zum Jahreswechsel eine Trendwende einsetzen, da China die Produktion von Stickstoffdüngern aufgrund hoher Preise für Kohle als Energieträger zurückgefahren hat. Während die Herstellung von Stickstoffdüngemitteln von Erdgas abhängt (Haber-Bosch-Verfahren), werden Kali und Phosphor aus Lagerstätten gewonnen. Wie Stickstoffdünger haben sich auch die weltweiten Preise für Kali- und Phosphordüngemittel vergünstigt. Gesunkene Rohstoffpreise am Weltmarkt waren dafür verantwortlich.
 
Bleiben die Düngemittelpreise niedrig?
Am Kassamarkt lagen die Forderungen für granulierten Harnstoff im bundesweiten Schnitt im Oktober mit 225 Euro je Tonne frei Hof knapp unter Septemberniveau. Ein Jahr zuvor wurden noch 294 Euro je Tonne verlangt. Ähnliche Preisrückgänge sind auch bei anderen Stickstoffdüngemitteln zu verzeichnen. So lag der Preis für Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung im Oktober 2016 nahezu auf dem Niveau des Vormonats, jedoch ganze 28 Prozent unter Vorjahreslinie. Inwieweit die Einkaufspreise für Stickstoffdünger spätestens zum Frühjahr 2017 wieder ansteigen werden, hängt insbesondere von den Auswirkungen des Rückgangs der Produktion von Stickstoffdüngern in China ab.
 
Einsatz von Handelsdüngern stark zurückgegangen
Der Absatz von Mineraldüngern in Deutschland ist in der Saison 2015/16 gegenüber dem Wirtschaftsjahr 2014/15 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 9 Prozent auf 4,9 Millionen Tonnen Nährstoff zurückgegangen. Dabei sank besonders der Absatz von Kali und Kalk gegenüber Vorjahr, während sich die abgesetzten Mengen an Phosphat und Stickstoff weniger stark reduzierten. Den sparsameren Einsatz der Grund- und Ertragsdünger führen Marktexperten auch auf die Signale von den Getreidemärkten zurück, wo die Lagerbestände und der Preisdruck wegen vier globaler Spitzenernten hintereinander deutlich gewachsen sind. Die Ausgaben für Handelsdünger sanken im Wirtschaftsjahr 2015/16 um 13 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro.
 
Mehr Pflanzenschutzmittel abgesetzt
Der Absatz von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland ist 2015 gegenüber dem Vorjahr um 5,4 Prozent auf rund 48.600 Tonnen Wirkstoff gestiegen. Dies ist auf ein deutliches Absatzplus bei den „sonstigen“ Pflanzenschutzmitteln zurückzuführen, wohingegen der Verkauf von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden zurückgegangen ist. Der um gut ein Viertel gestiegene Absatz der „sonstigen“ Pflanzenschutzmittel beinhaltet beispielsweise den verstärkten Einsatz von Wachstumsregulatoren aber auch Mittel zur Bekämpfung von Feldmäusen und Schnecken, die in 2015 vermehrt in den Beständen aufgetreten waren. Aufgrund der zum Teil sehr feuchten Witterung im Frühjahr und zur Jahresmitte 2016 dürfte der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und hier insbesondere von Fungiziden in 2016 gestiegen sein.
 
Stabile Grund- und Mischfutterpreise
Die Preisentwicklung bei Grundfutter und Mischfuttermitteln folgt der Entwicklung auf den Getreide- und Ölsaatenmärkten. Das vergleichsweise niedrige Preisniveau für Mischfutter und Endmastfutter festigte sich im Herbst 2016. Große Preisschwankungen am Futtermittelmarkt in 2017 werden für unwahrscheinlich gehalten.
 
Eiweißkomponenten günstiger
Der Futtermittelmarkt wird vor allem auch von den Preisentwicklungen bei den Eiweißkomponenten geprägt. Die Preise für Soja- und Rapsschrote haben seit einem zwischenzeitlichem Sommerhoch 2016 wieder deutlich nachgegeben. Tendenzen zu wieder höheren Einkaufspreisen waren in den Herbstmonaten 2016 nicht zu erkennen.
 
Niedrigere Raufutter- und Maissilagepreise
Ein witterungsbedingt knappes Angebot ließ die Raufutterpreise bis in den Frühsommer 2016 kräftig steigen. Nach der Ernte 2016 fielen die Heu- und Strohpreise wieder zurück auf das Niveau vor der Hausse, da Menge und Qualität doch nicht so schlecht ausgefallen waren wie anfänglich befürchtet. Die gegenüber dem Vorjahr um gut 6 Prozent höhere Silomaisernte trug mit dazu bei, dass die Preise für Maissilage 2016 unter das Vorjahresniveau rutschten.
 
10 Millionen Hektar Fläche dienen der Futtererzeugung
Von den 11,8 Millionen Hektar Ackerland in Deutschland werden etwa 5,4 Millionen Hektar zur Futtererzeugung verwendet, wovon der allergrößte Teil auf Futtergetreide und Silomais entfällt. Daneben werden 4,7 Millionen Hektar Dauergrünland (Wiesen und Weiden) als Futterflächen genutzt. Unter Berücksichtigung aller Futtermittelkomponenten kann Deutschland den Energiebedarf der Nutztiere zu 92 Prozent aus inländischer Futtermittelerzeugung (Wirtschaftsjahr 2014/15) decken. Der entsprechende Proteinbedarf wird zu rund 76 Prozent gedeckt.
 
Rund 76 Prozent der Eiweißversorgung aus heimischer Erzeugung
Für die Eiweißversorgung der Nutztiere sind derzeit in Deutschland pro Jahr 8,5 Millionen Tonnen sogenanntes verdauliches Rohprotein erforderlich. 6,5 Millionen Tonnen davon decken heimisches Rau- und Grünfutter (wirtschaftseigenes Futter), wirtschaftseigenes Getreide und heimische Nebenprodukte der Rapsöl- und Bioethanolherstellung, der Lebensmittelverarbeitung sowie Körnerleguminosen. Der Anbau von Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Soja wurde vor dem Hintergrund einer möglichen Anerkennung als Ökologische Vorrangfläche im Rahmen des Greenings von 92.400 Hektar in 2014 auf 160.600 Hektar in 2015 und 187.700 Hektar in 2016 ausgedehnt.