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6 Erzeugung und Märkte

6.3 Betriebsmittel/Futtermittel

Betriebsmittelpreise zuletzt leicht höher
Die Landwirte in Deutschland haben für Betriebsmittel und Dienstleistungen im Juli 2017 1,1 Prozent mehr gezahlt als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Im Jahresvergleich stiegen vor allem die Preise 6.3 Betriebsmittel/Futtermittel für Investitionsgüter wie Wirtschaftsgebäude und Maschinen, für Instandsetzungsaufwendungen sowie für Energie- und Schmierstoffe. Billiger waren dagegen Futtermittel, und hier insbesondere Ölkuchen und -schrote. Nur leicht verteuert haben sich Dünge-, Pflanzenschutzmittel sowie Saatgut. Mit Blick auf das Wirtschaftsjahr 2016/17 sind durch die gestiegenen Rohölpreise vor allem die Treibstoffkosten angestiegen (+ 5,9 Prozent). Deutlich geringere Preise zahlten die Landwirte dagegen besonders für Düngemittel (- 7,4 Prozent) und Futtermittel (- 4,1 Prozent). Insgesamt waren die Einkaufspreise für landwirtschaftliche Betriebsmittel im Wirtschaftsjahr 2016/17 fast so teuer wie im Vorjahr (- 0,4 Prozent).
 
Energiepreisabhängigkeit der Landwirtschaft
Die Landwirtschaft setzt neben Strom, Treib- und Schmierstoffen auch energieintensive Betriebsmittel wie Düngemittel ein. Die Entwicklung der Energiepreise ist für die Landwirtschaft daher von großer Bedeutung. Mitte November 2017 lag der Erdölpreis mit 56 US-Dollar je Barrel (WTI) um etwa 11 US-Dollar höher als im November ein Jahr zuvor. Zwischenzeitlich sackte der Kurs auf unter 50 US-Dollar je Barrel. Auf Grund der Bestrebungen der OPEC-Staaten, die Fördermengen zu begrenzen, und im Zuge der anziehenden Welt-Konjunktur gehen Analysten davon aus, dass der Erdölpreis im Jahr 2018 deutlich über der 50 US-Dollarmarke liegen wird.
 
Preise für Stickstoff-Dünger sind wieder deutlich angestiegen
Auf Grund von Angebotsüberhängen waren die globalen Preise für Stickstoffdüngemittel seit Anfang des Jahres 2017 stark gesunken. Das Blatt hat sich in der Zwischenzeit aber wieder gedreht. Im Oktober 2017 lagen die US-Dollar-Preise für Harnstoff fast so hoch wie vor zwei Jahren. Während die Herstellung von Stickstoffdüngemitteln von Erdgas abhängt (Haber-Bosch-Verfahren), werden Kali und Phosphor aus Lagerstätten gewonnen. Bis in die zweite Jahreshälfte 2016 hinein hatten sich Preise für Kali- und Phosphordüngemittel über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren fast kontinuierlich vergünstigt. Gesunkene Rohstoffpreise am Weltmarkt waren dafür verantwortlich. Nach einem Zwischenhoch im Frühjahr 2017 liegen die Preise für Phosphatdünger im Oktober 2017 in US-Dollar gemessen fast genauso hoch wie ein Jahr zuvor. Auch die Kali-Preise sind im Jahresvergleich unverändert geblieben.
 
Weitere Entwicklung der Düngemittelpreise ungewiss
Am Kassamarkt sind die Forderungen für granulierten Harnstoff im bundesweiten Schnitt seit August 2017 wieder erheblich gestiegen. Sie lagen im Oktober bei 281 Euro je Tonne frei Hof. Ein Jahr zuvor wurden 227 Euro je Tonne verlangt. Das entspricht einer Preissteigerung von annähernd 24 Prozent. Preissteigerungen sind auch bei anderen Stickstoffdüngemitteln zu verzeichnen. So lag der Preis für Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung (28 Prozent N) im Oktober 2017 bei 158 Euro und damit um gut 7 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert. Inwieweit die Einkaufspreise für Stickstoffdünger spätestens zum Frühjahr 2018 wieder fallen werden, hängt insbesondere von den Auswirkungen des Rückgangs der Produktion von Stickstoffdüngern in China ab.
 
Einsatz von Handelsdüngern insgesamt etwas angestiegen
Der Absatz von Mineraldüngern in Deutschland ist in der Saison 2016/17 gegenüber dem Vorjahr um gut 3 Prozent höher ausgefallen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen im Wirtschaftsjahr 2016/17 5,0 Millionen Tonnen Nährstoff zum Einsatz. Der Verkauf von Kali legte um rund 8 Prozent, bei Kali sogar um 10 Prozent gegenüber Vorjahr zu. Demgegenüber wurden 3 Prozent weniger Stickstoffdünger und rund 20 Prozent weniger phosphathaltige Mittel nachgefragt.
 
Pflanzenschutzmittelabsatz zurückgegangen
Der Absatz von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland ist 2016 gegenüber dem Vorjahr um 2,5 Prozent auf rund 46.800 Tonnen Wirkstoff gesunken. Der Rückgang des Einsatzes von Herbiziden, Insektiziden und Fungiziden hat sich weiter fortgesetzt. Höhere Wirksamkeit, aber auch das Verbot von immer mehr Pflanzenschutzmitteln verringern den Umfang der eingesetzten Mittel. Der Einsatz von „sonstigen“ Pflanzenschutzmitteln hat dagegen erneut zugenommen. Dazu gehören inerte Gase, die in Lagerhallen und Silos der Agrar- und Ernährungswirtschaft zum Schutz des Lagergutes vor Schädlingen verwendet werden. Sie machen 75 Prozent der „sonstigen“ Pflanzenschutzmittel aus und werden seit 2011 nicht mehr zu den Insektiziden gezählt. Zu den „sonstigen“ Pflanzenschutzmitteln zählen auch Wachstumsregulatoren (8 Prozent).
 
Stabile Mischfutterpreise
Auch das Jahr 2017 war von relativ niedrigen Mischfutterpreisen geprägt. Milchleistungsfutter kostete im November 2017 mit 208 Euro je Tonne ähnlich viel wie im November 2016. Legehennenfutter war mit 268 Euro je Tonne geringfügig billiger als im November 2016, während für Schweinemastfutter mit 234 Euro je Tonne knapp 6 Euro mehr gezahlt werden mussten.
 
Eiweißkomponenten günstiger
Der Futtermittelmarkt wird maßgebend auch von den Preisentwicklungen bei den Eiweißkomponenten geprägt. Die Ölschrotpreise begannen das Jahr 2017 auf vergleichsweise hohem Niveau, verloren dann aber zunehmend an Boden. Raps- und Sojaschrote waren in den Herbstmonaten 2017 so günstig wie seit 6 Jahren nicht mehr.
 
Höhere Raufutter- und Maissilagepreise
Witterungsbedingt fehlte es 2017 beim Heu wie auch beim Stroh – regional unterschiedlich – an guten Qualitäten. Startete das Wirtschaftsjahr 2017/18 mit niedrigeren Heu- und Strohpreisen als in 2016/17, schnellten die Forderungen im weiteren Jahresverlauf rasch nach oben und lagen im November 2017 um etwa 10 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresstand. Auch die Silomaisernte wies vor allem im Norden qualitative und quantitative Defizite auf. Im Bundesdurchschnitt fiel die Silomaisernte gegenüber dem Vorjahr allerdings um 5 Prozent höher aus. Maissilage war im November 2017 rund 2 Prozent teurer als im entsprechenden Vorjahresmonat.
 
10 Millionen Hektar Fläche dienen der Futtererzeugung
Von den 11,8 Millionen Hektar Ackerland in Deutschland werden etwa 5,4 Millionen Hektar zur Futtererzeugung verwendet, wovon der allergrößte Teil auf Futtergetreide und Silomais entfällt. Daneben werden 4,7 Millionen Hektar Dauergrünland (Wiesen und Weiden) als Futterflächen genutzt. Unter Berücksichtigung aller Futtermittelkomponenten kann Deutschland den Energiebedarf der Nutztiere zu 93 Prozent aus inländischer Futtermittelerzeugung (Wirtschaftsjahr 2015/16) decken. Der entsprechende Proteinbedarf wird zu rund 74 Prozent gedeckt.
 
Rund 74 Prozent der Eiweißversorgung aus heimischer Erzeugung
Für die Eiweißversorgung der Nutztiere sind derzeit in Deutschland pro Jahr 8,9 Millionen Tonnen sogenanntes verdauliches Rohprotein erforderlich. 6,6 Millionen Tonnen davon decken heimisches Rau- und Grünfutter (wirtschaftseigenes Futter), wirtschaftseigenes Getreide und heimische Nebenprodukte der Rapsöl- und Bioethanolherstellung, der Lebensmittelverarbeitung sowie Körnerleguminosen. Der Anbau von Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Soja konnte sich im Zuge der Ökologische Vorrangflächen im Rahmen des Greenings auf 197.000 Hektar (2017) nahezu verdoppeln.
 
Das Futtermenu der Nutztiere
Deutschlands Nutztiere fressen jährlich rund 80 Millionen Tonnen Futter – gemessen in Getreideeinheiten (eine Getreideeinheit entspricht 100 Kilogramm Getreide). Die Tiernahrung setzt sich dabei zusammen aus 52 Prozent Grünlandaufwuchs (Gras, Grasprodukte einschließlich Silagen), 25 Prozent Mischfutter und 23 Prozent hofeigenes Getreide. 88 Prozent dieser gesamten Menge stammen aus Deutschland. Der Importanteil von vor allem Ölkuchen und -schroten (insbesondere Sojaprodukte) und kleineren Mengen von Getreide beträgt knapp 12 Prozent.