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6 Erzeugung und Märkte

6.5 Agraraußenhandel

 
EU-Außenhandel

Die EU ist der größte Exporteur der Welt
Die Europäische Union (EU-27) ist mit ihren 503,7 Millionen Menschen nicht nur der größte Binnenmarkt, sondern auch die größte Handelsmacht der Welt; im Jahr 2010 betrug der Anteil der EU-27 am Welthandel (bezogen auf den Export und ohne Berücksichtigung des EU-Binnenhandels) 15,8 Prozent. Im Vergleich dazu sind China mit 14,1 Prozent und die USA mit 11,4 Prozent am Welthandel beteiligt. Die EU-Importe hatten 2010 einen Anteil am Welthandel von 17,5 Prozent (USA 16,9 Prozent, China 12,0 Prozent).

EU-Außenhandel legte 2011 weiter kräftig zu
Die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise hatte den Außenhandel der EU mit Drittländern in 2009 erheblich beeinträchtigt. Die in der zweiten Jahreshälfte 2009 allmählich einsetzende Erholung der Weltwirtschaft führte in 2010 und auch in 2011 zu wieder stark steigenden Ex- und Importen. In 2011 nahmen die Ausfuhren noch stärker zu (+ 15 Prozent) als die Einfuhren (+ 12 Prozent). Dadurch verringerte sich das Handelsbilanzdefizit der EU von 174 Milliarden Euro in 2010 auf 160 Milliarden Euro in 2011.


USA, China und Russland sind die wichtigsten Handelspartner
Unterschiedlich sieht die EU-Handelsbilanz in der Gliederung nach Handelspartnern aus. Im Handel mit den USA überschritten 2011 die Ausfuhren die Einfuhren um 76 Milliarden Euro. Negativ ist dagegen die Handelsbilanz mit den Entwicklungs- und Schwellenländern. Mit China hatte die EU 2011 ein Handelsdefizit von 156 Milliarden Euro. Drittwichtigster Handelspartner ist Russland. Bedingt durch hohe Energieeinfuhren betrug das Handelsdefizit der EU mit Russland 90 Milliarden Euro.


Auch 2011 führte die EU deutlich mehr Agrargüter ein als aus
Die Agrareinfuhren der EU nahmen 2011 gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent auf 109,7 Milliarden Euro zu. Die Agrarausfuhren stiegen sogar um 17 Prozent auf 97,4 Milliarden Euro. Der Einfuhrüberschuss von land- und ernährungswirtschaftlichen Erzeugnissen verringerte sich dadurch im Jahr 2011 um 0,9 auf 12,3 Milliarden Euro. Er beruht vor allem auf beträchtlichen Einfuhren an Gemüse, Obst, Fisch (jeweils einschließlich Verarbeitungserzeugnissen) sowie an Futtermitteln, Ölsaaten und Ölsaatenprodukten. Hinzu kommen umfangreiche Importe an Kaffee, Tee, Fleischwaren, Tabak und Kakao. Die EU ist bedeutender Exporteur vor allem bei Getreide, Milch, Fleisch (jeweils einschließlich Verarbeitungserzeugnissen), aber auch von Branntwein und Wein.


EU für Entwicklungsländer ein wichtiger und offener Absatzmarkt
Die Gruppe der Entwicklungs- und Schwellenländer hat für die EU eine große Bedeutung. Rund 73 Prozent der Agrarimporte und etwa 49 Prozent der Exporte werden mit den Entwicklungs- und Schwellenländern getätigt. Aus diesen Ländern importierte die EU auch im Jahre 2011 wesentlich mehr Agrargüter (80,0 Milliarden Euro, gegenüber Vorjahr + 13 Prozent) als sie dorthin exportierte (48,2 Milliarden Euro, gegenüber Vorjahr + 23 Prozent). Ein großer Teil dieser Einfuhren entfällt auf Erzeugnisse, die nicht oder kaum mit EU-Produkten konkurrieren. Dazu gehören vor allem südländisches Obst und Gemüse sowie Kaffee, Kakao und Tee.


Exportsubventionen haben kaum noch Bedeutung
Für die Entwicklungs- und Schwellenländer ist die EU im internationalen Vergleich der offenste Absatzmarkt. Sie liefern in die EU zollfrei oder zu niedrigen Zollsätzen mehr Agrarprodukte als in die USA, Kanada, Japan, Australien und Neuseeland zusammen. Exporterstattungen spielen nahezu keine Rolle mehr. Im EU-Haushalt 2013 sind dafür weniger als 0,2  Prozent der Agrarausgaben angesetzt.


EU-Agrarexporte auch in 2012 mit kräftigem Zuwachs
Nach Ergebnissen für die ersten acht Monate des Jahres 2012 (Januar bis August) sind vor allem die Exporte der EU nochmals kräftig gestiegen (+ 11 Prozent). Die EU-Einfuhren nahmen im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum nur um 4 Prozent zu. Der darin enthaltene EU-Handel mit Nahrungsmitteln nahm auf der Ausfuhrseite (+ 13 Prozent) wesentlich stärker zu als auf der Importseite (+ 1 Prozent).


Außenhandel Deutschland

Deutscher Außenhandel verliert an Dynamik
Sowohl auf der Einfuhr- als auch der Ausfuhrseite konnte der deutsche Außenhandel 2011 hohe Zuwächse erzielen. Mit einem wertmäßigen Umfang von 1.061 Milliarden Euro fielen die Ausfuhren gegenüber 2010 um fast 12 Prozent höher aus. Die Einfuhren steigerten sich um 13 Prozent auf 903 Milliarden Euro. Der positive Handelsbilanzsaldo nahm um 4 auf 159 Milliarden Euro zu. Das Wachstum des Außenhandels kam 2012 ins Stocken. Wesentlicher Grund dafür ist die schwächelnde Konjunktur in vielen Ländern der EU. Im Zeitraum Januar bis September kletterten die deutschen Ausfuhren gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 4 Prozent und die Einfuhren um 1 Prozent.

Agrarhandel zeigt sich relativ robust
Der deutsche Außenhandel mit Gütern der Land- und Ernährungswirtschaft hatte in 2011 ebenso starke Zuwächse wie die übrige Wirtschaft. Im Vergleich zum Jahr 2010 stiegen die Agrarausfuhren um 13 Prozent auf 59,7 Milliarden Euro und die Agrareinfuhren um 12 Prozent auf 71,1 Milliarden Euro. Im Ergebnis schloss die Agrarhandelsbilanz mit einem Defizit von 10,5 Milliarden Euro ab. Das waren 1,5 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Gemessen am deutschen Außenhandel insgesamt hatten die Agrarausfuhren einen Anteil von 5,6 Prozent und die Agrareinfuhren einen Anteil von 7,9 Prozent.

Neue Rekorde im Agraraußenhandel
Im Zeitraum Januar bis August 2012 erreichen die deutschen Exporte von Agrar- und Ernährungsgütern nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes mit 39,0 Milliarden Euro einen neuen Höchstwert und liegen damit um 7 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreswert. Vor allem die Ausfuhren in Drittländer, die fast ein Viertel aller deutschen Agrarausfuhren ausmachen (rund 24 Prozent), sind besonders stark gewachsen. Schätzungen zufolge dürften die deutschen Agrarexporte in 2012 auf den neuen Rekordwert von fast 64 Milliarden Euro ansteigen. Die Agrareinfuhren dürften knapp 74 Milliarden Euro erreichen.

Deutscher Agrarexport steht für Ausfuhr von Qualitätsprodukten
Charakteristisch für den deutschen Agrarexport ist die Ausfuhr von hochwertigen Veredlungserzeugnissen. So sind Milch und Milcherzeugnisse, darunter vor allem Käse, sowie Fleisch und Fleischwaren die wichtigsten Produkte des deutschen Agrarexportes. Qualität und Sicherheit sind wichtige Faktoren im Export.

Deutscher Agrarhandel überwiegend mit EU-Partnerstaaten
Deutschlands wichtigste Kunden im Agrarhandel sind die Länder der EU. 78 Prozent der gesamten Agrarausfuhren gingen 2011 in Länder der EU und knapp 22 Prozent in Drittländer. Beim Drittlandexport sind Russland, die USA und die Schweiz die wichtigsten Abnehmer. Bei den Drittlandimporten ist Brasilien der mit Abstand wichtigste Lieferant vor den USA und China.

Starke Exportsteigerungen gegenüber Drittländern
Der deutsche Agrarexport mit Drittländern (+ 20 Prozent) ist 2011 stärker gewachsen als der Agrarexport innerhalb der EU (+ 11 Prozent). Ähnlich sieht es bei den Agrarimporten aus, plus 18 Prozent gegenüber Drittländern, plus 10 Prozent gegenüber EU-Partnerstaaten. Auch nach vorliegenden ersten Ergebnissen für den Zeitraum von Januar bis August 2012 hat sich der Export in Drittländer wesentlich dynamischer entwickelt als mit den EU-Partnerstaaten. Bei Agrareinfuhren dagegen war es umgekehrt. Während die Einfuhren aus Drittländern nahezu stagnierten, stiegen die Importe aus den EU-Partnerstaaten deutlich an.

Handel mit Entwicklungsländern: viel Import, wenig Export
76 Prozent der deutschen Agrarimporte aus Drittländern stammen aus den Entwicklungs- und Schwellenländern, insgesamt 17,6 Milliarden Euro (gegenüber Vorjahr + 17 Prozent). Importiert wurden in erster Linie Kaffee, Ölsaaten sowie Obst und Südfrüchte. Die Exporte in die Entwicklungs- und Schwellenländer stiegen um rund 23 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Das sind 9 Prozent der gesamten deutschen Agrarexporte. Der traditionelle Einfuhrüberschuss mit den Entwicklungs- und Schwellenländern stieg 2011 von 10,5 auf 11,9 Milliarden Euro.

EU-Erweiterung hat deutschen Agrarhandel beflügelt
Der EU-Beitritt der zehn osteuropäischen Länder sowie von Malta und Zypern hat den deutschen Agrarhandel deutlich belebt. Deutschland führte 2011 aus den zwölf EU-Beitrittsländern Agrar- und Ernährungsgüter im Wert von 5,9 Milliarden Euro ein. Entsprechend ausgeführt wurden Waren im Wert von 7,6 Milliarden. Bei den Agrarimporten aus den 12 Beitrittsländern entfielen 2011 3,1 Milliarden Euro auf Polen. Noch etwas höher fielen die deutschen Agrarexporte nach Polen aus (3,3 Milliarden Euro).

Die Geschäfte mit Russland haben weniger stark zugelegt
Eher unterdurchschnittlich hat sich in 2011 der Agrarhandel mit Russland entwickelt. Im- und Exporte nahmen jeweils um 7 bis 8 Prozent zu. Mit rund 1,9 Milliarden Euro liegt das Volumen der deutschen Agrarexporte nach Russland wesentlich höher als der Umfang der Agrarimporte mit noch nicht einmal 0,2 Milliarden Euro. In 2012 zeichnet sich eine deutliche Steigerung der Agrarimporte ab, während die Agrarexporte wohl eher stagnieren.

Auch der Agrarhandel mit den USA entwickelt sich positiv
Bedeutendster Lieferant im Drittlandshandel mit Agrar- und Ernährungsgütern sind die USA. Die deutschen Agrarimporte von dort stiegen 2011 wertmäßig um 14 Prozent auf 1,72 Milliarden Euro an. Die deutschen Agrarausfuhren in die USA nahmen noch stärker zu, und zwar um 19 Prozent auf 1,50 Milliarden Euro. In den ersten acht Monaten des Jahres 2012 aber ließ diese Dynamik des Agrarhandels zwischen den USA und Deutschland deutlich nach, und zwar sowohl auf der Ausfuhr- als auch auf der Einfuhrseite.

Deutschland im Welthandel die Nummer drei
Deutschland nimmt beim globalen Handel von Agrarprodukten und Nahrungsmitteln eine Spitzenposition ein. Von den im Jahr 2011 weltweit exportierten Agrarprodukten im Gesamtwert von 1.356 Mrd. US-Dollar stammten 6 Prozent aus Deutschland. Mehr Agrarprodukte vermarkteten 2011 nur die USA und die Niederlande außerhalb ihrer Grenzen.

Brasilien mit größtem Exportüberschuss
Deutschland ist die Nummer Drei in der Rangliste der Agrarexportnationen und die Nummer Zwei beim Import von Agrarprodukten. Verrechnet man Exporte und Importe miteinander, ergibt sich für Deutschland ein Agrarhandelsdefizit von rund 15,5 Milliarden US-Dollar. Damit ist Deutschland dank seiner starken Agrarexportsteigerung auf Platz 8 der größten Nettoimporteure von Agrarprodukten abgerutscht. Japan, das Vereinigte Königreich, Südafrika, China, Russland, Süd-Korea und Saudi-Arabien haben weitaus größere Versorgungslücken.
Der mit Abstand größte Nettoexporteur ist Brasilien. Dieses Land exportierte 2011 für 67,1 Milliarden US-Dollar mehr Agrargüter als es importierte. Mit großem Abstand folgen in der Rangliste der weltgrößten Agrar-Nettoexporteure Argentinien und die Niederlande
 

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