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7 Internationale Agrarentwicklung

7.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte

Abwärtstrend bei den Agrarpreisen geht zu Ende
Die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte sind im Jahr 2015 gegenüber 2014 durchschnittlich um 3,7 Prozent (Vorjahr: -8,0 Prozent) gefallen. Landwirtschaftliche Betriebsmittel wurden im gleichen Zeitraum um 1,4 Prozent günstiger (Vorjahr -3,4 Prozent). Bei Betrachtung des Wirtschaftsjahres 2015/16 (Juli 2015 bis Juni 2016) hat sich die Erlös-/Kostenschere etwas schließen können. Der Index der Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte in Deutschland lag im Wirtschaftsjahr 2015/16 um 1,1 Prozent über dem Stand des Vorjahres, der Index der Betriebsmittelpreise um 1,1 Prozent entsprechend darunter. Auf der Erzeugerpreisseite stiegen vor allem die Preise für Kartoffeln, aber auch für Obst, Gemüse und Raps deutlich an, während bei Milch und Schweinen starke Preisrückgänge zu verzeichnen waren. Etwas unter Vorjahresniveau blieben allerdings auch die Preise für Geflügel, Eier, Getreide und Rinder. Auf der Betriebsmittelseite sanken vor allem Preise für Energie, aber auch für Saatgut, Futter- und Düngemittel.
 
Wirtschaftsjahr 2016/17 beginnt mit unterschiedlichen Preistendenzen
Im ersten Quartal des laufenden Wirtschaftsjahres 2016/17 standen die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise für Produkte wie Milch, Getreide, Geflügel und Rinder unter starkem Druck, während sich die Erzeugerpreise von Kartoffeln, Obst, Gemüse sowie Schweinen vom entsprechenden Vorjahresstand deutlich abheben konnten. Insgesamt lag der Index der Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte im Zeitraum Juli bis September 2016 um 2,3 Prozent über dem Stand des Vorjahres. Die Betriebsmittelpreise dagegen sind um 2,6 Prozent gefallen.
 
AMI-Agrarrohstoff-Index: Talsohle durchschritten
Der Agrarrohstoff-Index der Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) für die 13 wichtigsten in Deutschland erzeugten Agrarprodukte ist nach einem Tiefpunkt im April 2016 wieder deutlich angestiegen. Mit 118,3 Punkten lag dieser Index im Oktober 2016 genauso hoch wie ein Jahr zuvor. Das Preisniveau der Jahre 2011 bis 2014 wird damit deutlich verfehlt. Auftrieb erhielt der AMI-Index zuletzt vor allem durch gestiegene Erzeugerpreise für Getreide, Raps und Milch. Auch in den folgenden Monaten wird mit weiteren Aufschlägen bei den Milcherzeugerpreisen gerechnet. Schweine- und Rinderpreise standen dagegen im Herbst 2016 unter Druck. Für Anfang 2017 gehen die Marktbeteiligten von einer insgesamt weiteren Festigung der Erzeugerpreise aus.
 
Wieder steigende Preistendenz für wichtige Agrarrohstoffe
Seit Anfang des Jahres 2016 sind die internationalen Preise für Agrarrohstoffe fast kontinuierlich gestiegen. Der FAO-Preisindex für die wichtigsten weltweit gehandelten Agrarrohstoffe erreichte im Oktober 2016 den höchsten Stand seit März 2015. Ursache sind hauptsächlich höhere Zucker- und Milchnotierungen. Die Getreidepreise, die seit Anfang 2014 tendenziell stark gefallen waren, konnten sich im Oktober wieder etwas fangen. Damit lag der FAO-Getreidepreisindex allerdings immer noch um rund 10 Prozent unter dem vergleichbaren Vorjahresstand. Ursache dafür ist laut FAO der reichlich versorgte Weltmarkt. Die Fleischpreise haben sich seit dem Frühjahr 2016 wieder etwas erholt. Der FAO-Fleischindex lag im Oktober um gut 3 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresstand. Ebenfalls seit dem Frühjahr 2016 erholt haben sich die globalen Preise für Pflanzenöle. Sie lagen im Oktober 2016 um 18 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresstand.
 
El Niño und La Niña können Agrarmärkte stark beeinflussen
El Niño und La Niña sind Wetterphänomene, die durch eine überdurchschnittliche Erwärmung bzw. eine überdurchschnittliche Abkühlung des Pazifikwassers entstehen. Die damit verbundenen Wetterextreme mit einerseits Dürren und Wassermangel und andererseits Kälte und starken Regenfällen betreffen insbesondere die Südhalbkugel. Sie wirken sich besonders auf die Erzeugung von Soja und Mais aus, während Weizen, Reis und Veredlungsprodukte weniger betroffen sind. Ein besonders starker El Niño (El Niño = Christuskind) fand in 2015/16 statt. Jedoch waren die Auswirkungen auf die Agrarerzeugung nicht so stark wie ursprünglich befürchtet. Bei gleichzeitig guten Ernten auf der Nordhalbkugel, insbesondere USA, und Nachfrageschwäche in vielen Schwellenländern blieben die Marktauswirkungen des neuerlichen El Niño begrenzt. Erst nach seinem meteorologischen Höhepunkt zum Jahreswechsel 2015/16 machte sich El Niño auf globalen Märkten für Soja, Mais und Zucker über kräftige Preisanstiege stärker bemerkbar. Ursache waren die extremen Witterungsverhältnisse in Südamerika, gekennzeichnet durch massive Regenfälle in Argentinien und durch Hitze und Trockenheit in Brasilien sowie in Südostasien. Die Wahrscheinlichkeit, dass auf den extremen El Niño 2015/16 binnen 12 bis 24 Monaten eine La Niña folgt, halten Experten für relativ hoch. Das Wetterphänomen La Niña würde zu Trockenheit im Süden und Mittleren Westen der USA, starken Regenfällen in Nord- und Zentralbrasilien sowie Niederschlagsmangel im Westen Argentiniens führen. Gleichzeitig regnet es reichlich in Südostasien, Indien und Australien sowie in Süd- und Zentralafrika. Landwirte in Europa sind von El Niño oder La Niña kaum betroffen. Diese könnten von weltweit möglicherweise steigenden Erzeugerpreisen profitieren.
 
Prognostiziert werden nominal leicht ansteigende Agrarpreise
FAO und OECD gehen in ihrer Landwirtschaftsprognose bis zum Jahr 2025 davon aus, dass sowohl das Angebot als auch die Nachfrage nach Nahrungsmitteln nicht mehr in dem Maße steigen werden wie in der Vergangenheit. Gründe auf der Nachfrageseite sind ein geringeres globales Bevölkerungswachstum sowie ein sich verlangsamendes Wirtschaftswachstum. Im zurückliegenden Jahrzehnt nahm die globale Agrarerzeugung um 2,5 Prozent pro Jahr zu. Für die Dekade bis 2025 rechnen OECD und FAO nur mit einem Wachstum von 1,6 Prozent pro Jahr. 80 Prozent des Wachstums in der pflanzlichen Erzeugung sollen aus höhere Erträgen kommen. Weiter gehen FAO und OECD in ihren Projektionen bis zum Jahre 2025 davon aus, dass das globale Agrarpreisniveau leicht ansteigen wird und unter Berücksichtigung der Inflation (real) sinken wird. Als Gründe werden Produktivitätszuwächse und niedrigere Gestehungskosten genannt, insbesondere infolge des preisdämpfenden Effekts niedriger Ölpreise auf die Energie- und Düngemittelkosten. Niedrige Ölpreise und eine zurückhaltende Förderpolitik lassen eine Stagnation der Biotreibstofferzeugung erwarten.
 
Globale Rohstoffmärkte haben sich zuletzt etwas erholt
Die globalen Preise landwirtschaftlicher Produkte hängen viel stärker als die von Rohöl, Gas und Erzen am Wetter. Rekord- oder Missernten fallen damit stärker ins Gewicht und wirken länger nach als die Schließung einer Mine oder ein OPEC-Beschluss. Gemeinsam aber ist allen Rohstoffen, dass ihr Verbrauch an die wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt ist, wenn auch bei Erzen und mineralischen Rohstoffen stärker als bei Nahrungsmitteln. Außerdem besteht auch ein Zusammenhang zwischen den globalen Energie- und Nahrungsmittelpreisen, nicht nur bei Bioenergie sondern auch durch die energieabhängige Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte. Da die Börsenkurse im Laufe des Jahres 2016 für alle Rohstoffe wieder nach oben tendierten, hat das auch die Preise für Agrarprodukte unterstützt. Allerdings waren Metall- und Energiepreise im Herbst 2016 noch weit von einer Hausse entfernt.
 
Volatilere Agrarpreise in der EU
Seit dem Abbau der EU-Agrarpreisstützung werden die heimischen Erzeugerpreise immer mehr von der Situation auf den internationalen Agrarmärkten geprägt. Infolgedessen haben sich die Preisschwankungen (Volatilitäten) an den europäischen Agrarmärkten in den letzten Jahren deutlich erhöht. Angesichts dieser zunehmenden Volatilitäten auf den inländischen Agrarrohstoffmärkten gewinnen Preisabsicherungsinstrumente wie Warenterminmärkte für Anbieter und Nachfrager dieser Rohstoffe an Bedeutung. Landwirte sichern sich dabei vor allem über Vorkontrakte ab, denen Warentermingeschäfte des Handels zugrunde liegen.
 
Preisabsicherung durch Vorkontrakte
Bei der Vermarktung von Getreide und Raps nutzen immer mehr Landwirte Vorkontrakte zur Preisabsicherung. Nach Ergebnissen des Konjunkturbarometer Agrar gab vor der Ernte 2016 im Juni mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Getreideanbauer an, Lieferverträge über ihre anstehende Ernte oder Teile davon abgeschlossen zu haben oder zu planen. Im Jahr zuvor waren es 56 Prozent. Die entsprechenden Werte für die Raps anbauenden Betriebe liegen bei 73 Prozent (2016) bzw. 72 Prozent (2015).

Einfluss der Finanzmärkte auf die Agrarmärkte
Kapitalanleger suchen auch auf den Rohstoffmärkten nach rentierlichen Anlagemöglichkeiten. Begünstigt wird diese Entwicklung durch ein niedriges Zinsniveau bzw. eine lockere Geldpolitik der Notenbanken in vielen Industrieländern, die die Konjunktur ankurbeln soll. Wie zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, können spekulative „Blasen“ an den Terminmärkten („Preisübertreibungen“) in der Regel nur dann entstehen, wenn in den von Angebot und Nachfrage bestimmten Börsenplätzen Markttransparenz nicht oder nur teilweise gegeben ist. Bislang konnten derartige Marktverzerrungen an den Agrarterminmärkten nicht nachgewiesen werden.
 
Dollarkurs beflügelt den EUAgrarexport in Drittländer
Der globale Handel mit Agrarprodukten wird nicht nur durch Angebot und Nachfrage beeinflusst. Erhebliche Bedeutung haben auch die Wechselkurse. Der internationale Rohstoffhandel wird überwiegend auf US-Dollar-Basis abgewickelt. Die seit Anfang 2015 bestehende Euro-Schwäche wirkt sich positiv auf die deutschen Exportgeschäfte aus, da die Unternehmen günstiger auf dem Weltmarkt anbieten können. Andererseits verteuern sich Importe von Rohstoffen und Gütern, was sich belastend auf die Produktionskosten auswirkt. Im November 2016 gab es für einen Euro 1,09 US-Dollar.
 
Zusammenhang zwischen Energie- und Agrarpreisen
Die Entwicklung der Getreide-, Ölsaaten- und Zuckerpreise steht in einer Wechselbeziehung zu der kaufkräftigen Nachfrage nach Nahrungsmitteln und der Nachfrage nach Bioenergie, die wiederum vor allem vom Rohölpreis abhängt. Hohe Energiepreise stützen also die Weltagrarpreise, besonders bei Getreide, anderen pflanzlichen Rohstoffen und auch bei Holz. Niedrige Energiepreise führen tendenziell zu einem Druck auf die Agrarpreise. Der Ausbau der Bioenergie bzw. der nachwachsenden Rohstoffe bietet den Landwirten Chancen für eine alternative Vermarktung ihrer Erzeugnisse. Die Preise am Energiemarkt bilden grundsätzlich die Preisuntergrenze für landwirtschaftliche Produkte. Durch die Koppelproduktion, z.B. bei Raps für Biodiesel und für Rapsschrot-Futtermittel, wird die Anfälligkeit der Verarbeitungskette gegen Preisschwankungen gemindert.
 
5 Prozent der Weltackerfläche für Biokraftstoffe
Von der gesamten weltweiten Landfläche sind 1,5 Milliarden Hektar Ackerland. 5 Prozent davon oder 77 Millionen Hektar wurden nach FAO-Schätzungen für 2015 für den Anbau von Energiepflanzen wie Getreide, Ölpflanzen und Zuckerrohr/Zuckerrüben genutzt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei der Biokraftstofferzeugung zu einem hohen Anteil pflanzliche Nebenprodukte (Getreide: circa 40 Prozent Schlempe; Raps: circa 60 Prozent Schrot) anfallen, die als Futtermittel Verwendung finden und damit die Netto-Inanspruchnahme von Flächen für Energiezwecke etwa um die Hälfte kleiner ausfallen lassen.
„Spekulation“ verantwortlich für Hunger in der Welt?
Wissenschaftliche Analysen kommen zu dem Schluss, dass „Spekulation“ nicht den oft behaupteten Einfluss auf das Preisgeschehen am Weltmarkt hat. Entscheidend sind die fundamentalen Nachfrage- und Angebotstrends bei Agrarrohstoffen. Die Agrarmärkte in den ärmeren Ländern sind oft wenig funktionsfähig. Hunger und Armut sind vor allem der abgekoppelten Preissituation in Entwicklungsländern selbst geschuldet und häufig Folge von schlechter Regierungsführung, Korruption, Bürgerkriegen, Wetterextremen, staatlicher Markteinflussnahme und unzureichenden Eigentums- und Nutzungsrechten.

Hunger auf der Welt rückläufig, aber immer noch groß
Nach einem Bericht der FAO von Mitte 2015 hungern auf der Welt etwa 795 Millionen Menschen, 98 Prozent davon leben in Entwicklungsländern. Gegenüber 1990 sind das 216 Millionen weniger hungernde Menschen, obwohl die Weltbevölkerung in der gleichen Zeit von 5,3 auf 7,4 Milliarden Menschen angewachsen ist und die landwirtschaftliche Fläche kaum zugenommen hat. Der Anteil der Menschen, die längere Zeit unter Hunger leiden, ging demnach seit Anfang der 90er Jahre von 19 Prozent auf 11 Prozent zurück. Dennoch bleibt die Zahl von Menschen, die nicht genügend Kalorien zu sich nehmen können, immer noch sehr hoch. Rund 800 Millionen unterernährten Menschen stehen 1,9 Milliarden Menschen gegenüber, die als übergewichtig gelten, davon 600 Millionen fettleibig.
 
Hungerbekämpfung durch höhere Produktivität der Landwirtschaft
Als Gründe für die Verbesserung der Welternährungssituation sieht die FAO vor allem eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft
und den wachsenden Handel mit Agrarprodukten. Das Wachstum der Weltwirtschaft habe dazu geführt, dass sich die Menschen mehr Lebensmittel leisten und Landwirte mehr Geld in moderne Agrartechnik investieren können. Große Fortschritte gab es insbesondere in Südostasien, Lateinamerika sowie in Teilen Afrikas. Hohe Nahrungsmittelpreise zwischen 2009 und 2014 haben nach FAO-Angaben dazu beigetragen, dass der Hunger sinkt. Um mehr Nahrungsmittel bei geringerem Ressourcenverbrauch zu produzieren, wird eine weitere Modernisierung und Professionalisierung der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern gefordert. Gleichzeitig geht es darum, die massiven Nachernteverluste zu reduzieren und vor allem in eine bessere Lagerhaltung zu investieren. Nicht zuletzt setzt eine erfolgreiche Landwirtschaft Bodeneigentum, Zugang zu Ausbildung, Märkten, Kapital und Betriebsmitteln ebenso voraus wie unternehmerische Freiräume und die Möglichkeit der Landwirte, sich politisch und wirtschaftlich unabhängig zu organisieren.

Europa bleibt ein global wichtiger Versorger mit Agrarrohstoffen
Der Anteil der Entwicklungs- und Schwellenländer an der Weltagrarerzeugung und am Weltagrarhandel wird nach FAO-Einschätzung künftig weiter wachsen. Für die Industrieländer wie die Länder der EU dagegen wird eine weitere, wenn auch verlangsamte Steigerung der Agrarerzeugung erwartet. Mit ihrer hohen Produktivität und Effizienz werden sie nach Prognosen der FAO weiter bedeutende Versorger der Weltagrarmärkte bleiben. Angesichts stagnierender Bevölkerung und weitgehend gesättigter Nahrungsmittelmärkte können die Produktionspotentiale der europäischen Landwirtschaft zunehmend für den Export und auch die Energieversorgung genutzt werden.
 
Notwendig sind weitere Produktivitätssteigerungen
Da die produktiven landwirtschaftlichen Flächen kaum zunehmen werden, sind weitere Produktivitätssteigerungen erforderlich. Diese aber haben nach Analysen der FAO in den letzten Jahren deutlich nachgelassen. Gleichzeitig ist eine effizientere Nutzung der knapper werdenden Ressource Wasser angezeigt. Die Auswirkungen des Klimawandels verschärfen diese Knappheit
 
Herausforderung einer effizienteren Nutzung der Ressource Wasser
Nur weniger als 1 Prozent oder 13.000 km3 sind zugängliche erneuerbare Süßwasserreserven. Der globale Wasserverbrauch wird auf etwa 4.200 km3 im Jahr geschätzt. Allerdings sind die Süßwasserressourcen auf der Erde nicht gleichmäßig verteilt. In vielen Regionen der Welt ist das nutzbare Wasser schon heute limitierend für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft und wichtiger Wirtschaftszweige wie der Landwirtschaft. Besonders verschärft sich der Wassermangel in den heutigen Trockenregionen. Weitere Regionen stehen vor der Herausforderung zunehmender Wasserknappheit.
 
Weltweiter Agrarhandel kann Wasserstress mindern
Durch den globalen Handel mit Nahrungsmitteln aus landwirtschaftlicher Produktion lassen sich große Mengen Wasser einsparen. Das zeigt eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Wichtig für die Auswirkungen auf Knappheit ist danach vor allem die Herkunft des Wassers. In der deutschen Landwirtschaft wird zu 99 Prozent Regenwasser genutzt. Dagegen wird in vielen südlichen Ländern hauptsächlich auf die Bewässerung bzw. Brunnenwasser zurückgegriffen.
 
Deutschland bei „virtuellem Wasser“ im Standortvorteil
Der Handel mit Agrarprodukten ist indirekt auch ein Handel mit virtuellem Wasser. Das ist jenes Wasser, das während der Produktion eingesetzt wird. Der Wasserbedarf landwirtschaftlicher Produkte variiert von Region zu Region teilweise sehr stark. Um ein Kilo Getreide in Marokko anzubauen, müssen etwa 2.700 Liter Wasser aufgewendet werden. Die gleiche Menge kann in Deutschland mit nur 520 Litern Wasser hergestellt werden, wie Wissenschaftler des PIK vorrechnen. Es zeigt sich, dass nicht die Menge des verbrauchten Wassers, sondern dessen Herkunft entscheidend ist. In Indien oder im Mittleren Osten lässt sich durch den Import von Agrarprodukten Wasserknappheit verringern. In Ländern Südeuropas hingegen verstärkt der Export bei einer Reihe von Produkten den Mangel an dieser Ressource.
 
„Wasserstress“ nimmt zu
Nach dem Weltwasserbericht 2014 der UNESCO ist der Wasserverbrauch in den vergangenen 50 Jahren etwa doppelt so schnell gestiegen wie die Weltbevölkerung. Nach dem jüngsten UNESCO-Bericht haben auf der Erde schätzungsweise 768 Millionen Menschen keinen Zugang zu guter Wasserversorgung. 2,5 Milliarden können keine geeigneten sanitären Anlagen nutzen. Der globale Bedarf an Wasser wird bis 2050 nach Einschätzung der UNESCO um gut die Hälfte ansteigen. Als Gründe dafür werden die wachsende Weltbevölkerung und verbrauchsintensivere Lebensstile angeführt. Schließlich kommt die UNESCO zu dem Schluss, dass bis 2050 mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung in Gebieten mit starkem Wasserstress leben werden.

Kann die Ernährung der Weltbevölkerung sichergestellt werden?
Inwieweit die Versorgung mit der globalen Nachfrage Schritt halten kann, hängt insbesondere mit dem globalen Bevölkerungswachstum zusammen. Nach neuesten Projektionen der Vereinten Nationen (UN) wird die Weltbevölkerung von derzeit 7,4 (2016) auf 9,7 Milliarden Menschen in 2050 ansteigen. Die globale Nachfrage wird ebenso durch eine höhere Kaufkraft und geänderte Ernährungsgewohnheiten geprägt. In den Schwellenländern ist mit einem weiter steigenden Konsum von höherwertigen Lebensmitteln wie Fleisch- und Milchprodukten sowie Obst und Gemüse zu rechnen. Hinzu kommt die wachsende Verwendung von Agrarrohstoffen für energetische und industrielle Zwecke.

Bislang hielt Getreideproduktion mit Bevölkerungswachstum Schritt
Die Weltgetreideproduktion (ohne Reis) ist in den letzten Jahrzehnten in etwa so stark gewachsen wie die Weltbevölkerung. Allerdings schwanken die Ernten von Jahr zu Jahr. Während sich die Anbaufläche für Weizen und Futtergetreide in den letzten 30 Jahren insgesamt nur wenig verändert hat, sind die Hektarerträge um mehr als 70 Prozent gestiegen. Etwa die Hälfte der Weltproduktion an pflanzlichen Erzeugnissen kommt durch den gezielten Einsatz von Düngemitteln zustande.