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7 Internationale Agrarentwicklung

7.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte

Wirtschaftsjahr 2016/17 mit deutlichem Plus bei den Agrar-preisen
 
 
Wirtschaftsjahr 2016/17 mit deutlichem Plus bei den Agrar-preisen
Die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte sind im Jahr 2016 gegenüber 2015 durchschnitt-lich um 0,3 Prozent (Vorjahr + 3,8 Prozent) gefallen. Landwirtschaft-liche Betriebsmittel waren im gleichen Zeitraum um 2,1 Prozent günstiger zu haben (Vorjahr -1,4 Prozent). Auch bei Betrachtung des Wirtschaftsjahres 2016/17 (Juli 2016 bis Juni 2017) hat sich die Preis-/Kostenschere weiter schlie-ßen können. Im Wirtschaftsjahr 2016/17 lag der Index der Erzeuger-preise landwirtschaftlicher Produkte in Deutschland um 5,6 Prozent über dem Stand des Vorjahres, der Index der Betriebsmittelpreise um 0,4 Prozent niedriger. Auf der Erzeugerpreisseite sind vor allem die Preise für Schweine und Milch kräftig gestiegen. Aber auch die Erzeugerpreise für Obst, Gemüse, Kartoffeln und Raps übertrafen den Vorjahresstand mehr oder minder deutlich. Deutliche Preiseinbußen gab es dagegen bei Gefügel, Eier und Getreide. Etwas unter Vorjah-resniveau blieben die Preise für Rinder. Auf der Betriebsmittelseite sanken vor allem die Preise für Dünge- und Futtermittel, aber auch für Saat- und Pfanzgut.
 
Wirtschaftsjahr 2017/18 beginnt mit unterschiedlichen Preistendenzen
Im ersten Quartal des laufenden Wirtschaftsjahres 2017/18 sind die landwirtschaftlichen Erzeuger-preise insgesamt weiter gestiegen, insbesondere die Preise für Milch. Die Milcherzeugerpreise lagen gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal um etwa die Hälf-te höher. Aber auch die Preise für Obst und Getreide überschritten die Vorjahreslinie deutlich. Positive Preisentwicklungen gab es ferner bei Jungbullen und auch Schwei-nen. Niedriger dagegen waren die Erzeugerpreise für Kartoffeln, Ge-müse und Gefügel. Insgesamt lag der Index der Erzeugerpreise land-wirtschaftlicher Produkte im Zeit-raum Juli bis September 2017 um 11,2 Prozent über dem Stand des Vorjahres. Die Betriebsmittelpreise sind dagegen nur um 1,1 Prozent gestiegen.
 
AMI-Agrarrohstoff-Index: Geht Aufwärtstendenz weiter?
 
Der Agrarrohstoff-Index der Agrar-markt Informations-GmbH (AMI) für die 13 wichtigsten in Deutschland erzeugten Agrarprodukte zeigt seit Mai 2016 eine nahezu kontinuierli-che Aufwärtsentwicklung. Im Okto-ber 2017 allerdings verlor der Index 0,9 Punkte. Mit 136,2 Punkten lag der Index aber immer noch um 14 Prozent über seinem entsprechen-den Vorjahreswert. Vor allem die stark im Preis gestiegene Milch hat den Index seit Mitte 2016 in die Höhe getrieben. Die AMI-Experten sind sich sicher, dass das Erzeuger-preisniveau für Milch noch bis Ende 2017 weiter leicht steigen wird. Inwieweit sich das Blatt dann wenden wird, ist offen. Die Prognosen über die Preisentwicklung in 2018 sind auch bei Schlachtschweinen nicht einheitlich und differieren vor allem in der Frage, inwieweit ein reichli-ches Angebot eine entsprechende Nachfrage fndet. Bei Schlachtrin-dern dagegen gelten weiterhin stabile Preise als ziemlich sicher. Bei Getreide wird eine preisliche Seitwärtsbewegung erwartet.
 
Preistendenz für wichtige Agrarrohstoffe korrespondiert mit Energiepreisen
Der FAO-Preisindex für die wichtigs-ten weltweit gehandelten Agrarroh-stoffe erreichte im Oktober 2017 einen Stand, der um 4 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert lag. Unterschiedlich sind die Ent-wicklungen nach Produktbereichen. Der FAO-Getreidepreisindex lag im Oktober 2017 um gut 7 Prozent über dem vergleichbaren Vorjah-resstand, der für Milch sogar um gut 17 Prozent. Die internationalen Fleischpreise standen seit Juli 2017 etwas unter Druck. Dennoch lagen sie im Oktober 2017 um 6 Prozent über dem entsprechenden Vorjah-reswert. Das internationale Preisni-veau für Pfanzenöle blieb im Jah-resvergleich nahezu unverändert, während Zucker im Vergleich von Oktober 2017 zu Oktober 2016 um gut ein Drittel an Wert verlor. Den Preisentwicklungen bei Agrarroh-stoffen stehen ähnliche Entwicklun-gen bei den Ölpreisen gegenüber. Marktexperten führen das auf den global stattfndenden Wirtschafts-aufschwung zurück.
 
Prognostiziert werden nominal leicht ansteigende Agrarpreise
FAO und OECD gehen in ihrer Land-wirtschaftsprognose bis zum Jahr 2026 davon aus, dass ein Wachstum in der pfanzlichen Erzeugung vor allem durch steigende Erträge und in der Fleisch- und Milchproduktion sowohl über höhere Tierbestände als auch über verbesserte Tierleis-tungen stattfnden wird. Weiter ge-hen FAO und OECD in ihren Projek-tionen davon aus, dass das globale Agrarpreisniveau leicht ansteigen wird und unter Berücksichtigung der Infation (real) unverändert bleiben oder sinken wird.
 
Gute Welt-Konjunkturlage ver-spricht steigende Rohstoffpreise
Die globalen Preise landwirtschaft-licher Produkte hängen viel stärker als die von Rohöl, Gas und Erzen am Wetter. Rekord- oder Missernten fallen hier relativ stark ins Gewicht. Gemeinsam aber ist allen Rohstof-fen allerdings, dass ihr Verbrauch an die wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt ist, wenn auch bei Er-zen und mineralischen Rohstoffen stärker als bei Nahrungsmitteln. Außerdem besteht auch ein Zusam-menhang zwischen den globalen Energie- und Nahrungsmittelprei-sen, nicht nur bei Bioenergie, sondern auch durch die energie-abhängige Erzeugung landwirt-schaftlicher Produkte. Angesichts einer sich deutlich verbessernden Welt-Konjunktur erwarten Analysten tendenziell steigende Rohstoff- und Energiepreise. Nach der Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) von Oktober 2017 wächst die Weltwirtschaft in 2017 um 3,6 Pro-zent und in 2018 um 3,7 Prozent. Kernaussage des IWF-Prognose ist, dass es der Weltwirtschaft so gut geht wie seit der globalen Wirt-schaftskrise 2008/2009 nicht mehr.
 
Volatilere Agrarpreise in der EU
Seit dem Abbau der EU-Agrarpreis-stützung werden die heimischen Erzeugerpreise von der Situation auf den internationalen Agrar-märkten geprägt. Infolgedessen haben sich die Preisschwankungen (Volatilitäten) an den europäischen Agrarmärkten in den letzten Jahren deutlich erhöht. Angesichts dieser zunehmenden Volatilitäten auf den inländischen Agrarrohstoffmärk-ten gewinnen Preisabsicherungs- instrumente wie Warenterminmärkte für Anbieter und Nachfrager dieser Rohstoffe an Bedeutung. Landwirte sichern sich dabei vor allem über Vorkontrakte ab, denen Warenter-mingeschäfte des Handels zugrunde liegen.
 
Einfuss der Finanzmärkte auf die Agrarmärkte
Kapitalanleger suchen auch auf den Rohstoffmärkten nach rentierlichen Anlagemöglichkeiten. Begünstigt wird diese Entwicklung durch ein niedriges Zinsniveau bzw. eine lockere Geldpolitik der Notenban-ken in vielen Industrieländern, die die Konjunktur ankurbeln soll. Wie zahlreiche wissenschaftliche Stu-dien belegen, können spekulative „Blasen“ an den Terminmärkten („Preisübertreibungen“) in der Regel nur dann entstehen, wenn in den von Angebot und Nachfrage bestimmten Börsenplätzen Markt-transparenz nicht oder nur teilweise gegeben ist. Bislang konnten der-artige Marktverzerrungen an den Agrarterminmärkten nicht nachge-wiesen werden.
 
Preisabsicherung durch Vorkontrakte
Bei der Vermarktung von Getreide und Raps nutzen immer mehr Landwirte Vor-kontrakte zur Preisabsicherung. Nach Ergebnissen des Konjunkturbarometer Agrar gaben im Juni 2016 55 Prozent der Getreideanbauer an, Lieferverträge über ihre anstehende Ernte oder Teile davon abgeschlossen zu haben oder zu planen. Im Jahr zuvor waren es 56 Prozent. Die entsprechenden Werte für die Raps anbau-enden Betriebe liegen bei 73 Prozent (2016) bzw. 72 Prozent (2015).
 
Dollarkurs befügelte bislang den EU-Agrarexport in Dritt-länder
Der globale Handel mit Agrarpro-dukten wird nicht nur durch An-gebot und Nachfrage beeinfusst. Erhebliche Bedeutung haben auch die Wechselkurse. Der internationale Rohstoffhandel wird überwiegend auf US-Dollar-Basis abgewickelt. Die seit Anfang 2015 bestehende Euro-Schwäche wirkt sich positiv auf die deutschen Exportgeschäfte aus, da die Unternehmen günsti-ger auf dem Weltmarkt anbieten können. Andererseits verteuern sich Importe von Rohstoffen und Gütern, was sich belastend auf die Produktionskosten auswirkt. Seit Mitte 2017 ist der Euro allerdings wieder etwas stärker geworden, mit der Konsequenz, dass Exporte in den US-Dollarraum weniger wettbewerbsfähig sind. Ende November 2017 gab es für einen Euro 1,19 US-Dollar.
 
Zusammenhang zwischen Energie- und Agrarpreisen
Die Entwicklung der Getreide-, Ölsaaten- und Zuckerpreise steht in einer Wechselbeziehung zu der kaufkräftigen Nachfrage nach Nah-rungsmitteln und der Nachfrage nach Bioenergie, die wiederum vor allem vom Rohölpreis abhängt. Hohe Energiepreise stützen also die Weltagrarpreise, besonders bei Getreide, anderen pfanzlichen Roh-stoffen und auch bei Holz. Niedrige Energiepreise führen tendenziell zu einem Druck auf die Agrarpreise.Der Ausbau der Bioenergie bzw. der nachwachsenden Rohstoffe bietet den Landwirten Chancen für eine al-ternative Vermarktung ihrer Erzeug-nisse. Die Preise am Energiemarkt bilden grundsätzlich die Preisunter-grenze für landwirtschaftliche Pro-dukte. Durch die Koppelproduktion, z.B. bei Raps für Biodiesel und für Rapsschrot-Futtermittel, wird die Anfälligkeit der Verarbeitungskette gegen Preisschwankungen gemindert
 
5 Prozent der Weltackerfäche für Biokraftstoffe
Von der gesamten weltweiten Land-fäche sind 1,5 Milliarden Hektar Ackerland. 5 Prozent davon oder 80 Millionen Hektar wurden nach FAO-Schätzungen für 2016 für den Anbau von Energiepfanzen wie Getreide, Ölpfanzen und Zucker-rohr/Zuckerrüben genutzt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei der Biokraftstofferzeugung zu einem hohen Anteil pfanzliche Nebenpro-dukte (Getreide: circa 40 Prozent Schlempe; Raps: circa 60 Prozent Schrot) anfallen, die als Futtermit-tel Verwendung fnden und damit die Netto-Inanspruchnahme von Flächen für Energiezwecke etwa um die Hälfte kleiner ausfallen lassen.
 
„Spekulation“ verantwortlich für Hunger in der Welt?
Wissenschaftliche Analysen kommen zu dem Schluss, dass „Spekula-tion“ nicht den oft behaupteten Einfuss auf das Preisgeschehen am Weltmarkt hat. Analysten sehen die fundamentalen Nachfrage- und Angebotstrends bei Agrarrohstoffen als entscheidend an. Die Agrarmärk-te in den ärmeren Ländern sind oft wenig funktionsfähig. Hunger und Armut sind vor allem der ab-gekoppelten Preissituation in Ent-wicklungsländern selbst geschuldet und häufg Folge von schlechter Regierungsführung, Korruption, Bürgerkriegen, Wetterextremen, staatlicher Markteinfussnahme und unzureichenden Eigentums- und Nutzungsrechten.
 
Zahl der Hungernden wieder etwas gestiegen
Nach einem Bericht der FAO von September 2017 hungern auf der Welt etwa 815 Millionen Menschen. Das sind 11 Prozent der Weltbevöl-kerung. Erstmals seit mehr als 10 Jahren hat damit die Zahl der Hun-gernden wieder zugenommen. Am größten ist der Anteil der Hunger leidenden Menschen in Afrika, wo 2016 jeder Fünfte mit Nahrungsmit-teln unterversorgt war. Hunger gibt es nach FAO-Angaben vor allem dort auf der Welt, wo kriegerische Kon-fikte ausgetragen werden. So leben in solchen Gebieten insgesamt 60 Prozent aller weltweit Hungernden. Gewalttätige Auseinandersetzungen haben nach FAO-Feststellungen in den zurückliegenden Jahren drama-tisch zugenommen. Der Sicherung von Frieden komme bei der Be-kämpfung von Nahrungsmittelunter-versorgung eine eminent wichtige Rolle zu.
 
Zahl der Hungernden wieder etwas gestiegen
Nach einem Bericht der FAO von September 2017 hungern auf der Welt etwa 815 Millionen Menschen. Das sind 11 Prozent der Weltbevöl-kerung. Erstmals seit mehr als 10 Jahren hat damit die Zahl der Hun-gernden wieder zugenommen. Am größten ist der Anteil der Hunger leidenden Menschen in Afrika, wo 2016 jeder Fünfte mit Nahrungsmit-teln unterversorgt war. Hunger gibt es nach FAO-Angaben vor allem dort auf der Welt, wo kriegerische Kon-fikte ausgetragen werden. So leben in solchen Gebieten insgesamt 60 Prozent aller weltweit Hungernden. Gewalttätige Auseinandersetzungen haben nach FAO-Feststellungen in den zurückliegenden Jahren drama-tisch zugenommen. Der Sicherung von Frieden komme bei der Be-kämpfung von Nahrungsmittelunter-versorgung eine eminent wichtige Rolle zu. 815 Millionen unterernährten Men-schen stehen 1,9 Milliarden Men-schen gegenüber, die als überge-wichtig gelten, davon 500 Millionen fettleibig.
 
Hungerbekämpfung durch höhere Produktivität der Land-wirtschaft
 
Zur Verbesserung der Welternäh-rungssituation hält die FAO eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft und einen wach-senden Handel mit Agrarprodukten für notwendig. Das Wachstum der Weltwirtschaft habe dazu geführt, dass sich die Menschen mehr Le-bensmittel leisten und Landwirte mehr Geld in moderne Agrartechnik investieren können. Große Fort-schritte gab es insbesondere in Südostasien, Lateinamerika sowie in Teilen Afrikas. Die gestiegenen Nahrungsmittelpreise seit 2008 haben nach FAO-Angaben dazu beigetragen, dass der Hunger sinkt. Um mehr Nahrungsmittel bei gerin-gerem Ressourcenverbrauch zu pro-duzieren, wird eine weitere Moder-nisierung und Professionalisierung der Landwirtschaft in den Entwick-lungsländern gefordert. Gleichzei-tig geht es darum, die massiven Nachernteverluste zu reduzieren und vor allem in eine bessere Lagerhal-tung zu investieren. Nicht zuletzt setzt eine erfolgreiche Landwirt-schaft Bodeneigentum, Zugang zu Ausbildung, Märkten, Kapital und Betriebsmitteln ebenso voraus wie unternehmerische Freiräume und die Möglichkeit der Landwirte, sich politisch und wirtschaftlich unab-hängig zu organisieren.
 
Europa bleibt ein global wichtiger Versorger mit Agrarrohstoffen
Der Anteil der Entwicklungs- und Schwellenländer an der Weltagrar-erzeugung und am Weltagrarhandel wird nach FAO-Einschätzung künftig weiter wachsen. Für die Industrie-länder wie die Länder der EU wird ebenso eine weitere, wenn auch verlangsamte Steigerung der Agrar-erzeugung erwartet. Mit ihrer hohen Produktivität und Effzienz werden sie nach Prognosen der FAO weiter bedeutende Versorger der Weltagrar-märkte bleiben. Angesichts stagnie-render Bevölkerung und weitgehend gesättigter Nahrungsmittelmärkte in Europa entstehen Marktpotentia-le der europäischen Landwirtschaft beim Export und bei der Versorgung mit Energie und nachwachsenden Rohstoffen für Industrie und Gewerbe.
 
Bis 2050 Produktionssteigerung von 50 Prozent erforderlich
Eine FAO-Studie von Anfang 2017 kommt zu dem Ergebnis, dass bis 2050 gegenüber dem Ausgangsjahr 2012 50 Prozent mehr Nahrungsmit-tel, Futtermittel und andere Agrar-rohstoffe erzeugt werden müssen, um den Anforderungen einer zuneh-menden Weltbevölkerung und ihren wachsenden Bedürfnissen gerecht zu werden. Für das Subsahara-Afrika und Südasien wird eine Verdopplung der Agrarerzeugung, für den Rest der Welt eine Produktionssteigerung um ein Drittel für erforderlich gehalten.
 
Notwendig sind weitere Produktivitätssteigerungen
Da die produktiven landwirtschaft-lichen Flächen kaum zunehmen werden, sind weitere Produktivi-tätssteigerungen erforderlich. Diese aber haben nach Analysen der FAO in den letzten Jahren deutlich nachgelassen. Gleichzeitig ist eine effzientere Nutzung der knapper werdenden Ressource Wasser an-gezeigt. Die Auswirkungen des Klimawandels verschärfen diese Knappheit.
 
Herausforderung einer effzienteren Nutzung der Ressource Wasser
 
Wasseraufkommens der Erde oder 13.000 km3 sind zugängliche er-neuerbare Süßwasserreserven. Der globale Wasserverbrauch wird auf etwa 4.200 km3 im Jahr geschätzt. Allerdings sind die Süßwasserres-sourcen auf der Erde nicht gleich-mäßig verteilt. In vielen Regionen der Welt ist das nutzbare Wasser schon heute limitierend für die Entwicklung der Wirtschaft, gerade auch der Landwirtschaft. Besonders verschärft sich der Wassermangel in den heutigen Trockenregionen. Weitere Regionen stehen vor der Herausforderung zunehmender Wasserknappheit.
 
Weltweiter Agrarhandel kann Wasserstress mindern
Durch den globalen Handel mit Nahrungsmitteln aus landwirtschaftlicher Produktion lassen sich große Mengen Wasser einsparen. Das zeigt eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Wichtig für die Auswirkungen auf Knappheit ist danach vor allem die Herkunft des Wassers. In der deutschen Landwirtschaft wird zu 99 Prozent Regenwasser genutzt. Dagegen wird in vielen südlichen Ländern hauptsächlich auf die Bewässerung bzw. Brunnenwasser zurückgegriffen.
 
Deutschland bei „virtuellem Wasser“ im Standortvorteil
Der Handel mit Agrarprodukten ist indirekt auch ein Handel mit virtuellem Was-ser. Das ist jenes Wasser, das während der Produktion eingesetzt wird. Der Was-serbedarf landwirtschaftlicher Produkte variiert von Region zu Region teilweise sehr stark. Um ein Kilo Getreide in Marokko anzubauen, müssen etwa 2.700 Liter Wasser aufgewendet werden. Die gleiche Menge kann in Deutschland mit nur 520 Litern Wasser hergestellt werden, wie Wissenschaftler des PIK vorrechnen. Es zeigt sich, dass nicht die Menge des verbrauchten Wassers, sondern dessen Herkunft entscheidend ist. In Indien oder im Mittleren Osten lässt sich durch den Import von Agrarprodukten Wasserknappheit verringern. In Ländern Südeu-ropas hingegen verstärkt der Export bei einer Reihe von Produkten den Mangel an dieser Ressource.
 
„Wasserstress“ nimmt zu
 
Fast ein Drittel der Weltbevölkerung hat nach einer UN-Studie von Juli 2017 kein zuverlässig sauberes Trinkwasser. Das sind 2,1 Milliarden Menschen. Bei Abwasser ist die Situation noch prekärer. Nur ein Viertel der Menschen (1,9 Milliar-den) hat Toiletten mit Anschluss zur Kanalisation und Abwasserauf-bereitung. Der Wasserverbrauch ist in den vergangenen 50 Jahren etwa doppelt so schnell gestiegen wie die Weltbevölkerung. Der glo-bale Bedarf an Wasser wird nach Einschätzung der UNESCO bis 2050 um gut die Hälfte ansteigen. Als Gründe dafür werden die wachsende Weltbevölkerung und verbrauchs-intensivere Lebensstile angeführt. Schließlich kommt die UNESCO zu dem Schluss, dass bis 2050 mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung in Gebieten mit starkem Wasserstress leben werden.
 
Kann die Ernährung der Welt-bevölkerung sichergestellt werden?
 
Inwieweit die Versorgung mit der globalen Nachfrage Schritt halten kann, hängt insbesondere mit dem globalen Bevölkerungswachstum zusammen. Nach neuesten Pro-jektionen der Vereinten Nationen (UN) wird die Weltbevölkerung von derzeit 7,6 (2017) auf 9,8 Milliar-den Menschen in 2050 ansteigen. Jährlich nimmt die Weltbevölkerung um mehr als 80 Millionen zu, was in etwa der Bevölkerung Deutschlands entspricht. Die globale Nachfrage wird ebenso durch eine höhere Kaufkraft und geänderte Ernäh-rungsgewohnheiten geprägt. In den Schwellenländern ist mit einem weiter steigenden Konsum von höherwertigen Lebensmitteln wie Fleisch- und Milchprodukten sowie Obst und Gemüse zu rechnen. Hinzu kommt die wachsende Verwendung von Agrarrohstoffen für energeti-sche und industrielle Zwecke.
 
Bislang hielt Getreideproduktion mit Bevölkerungswachstum Schritt
Die Weltgetreideproduktion (ohne Reis) ist in den letzten Jahrzehnten in etwa so stark gewachsen wie die Weltbevölkerung. Allerdings schwanken die Ernten von Jahr zu Jahr. Während sich die Anbaufäche für Weizen und Futtergetreide in den letzten 30 Jahren insgesamt nur wenig verändert hat, sind die Hektarerträge um mehr als 70 Prozent gestiegen. Etwa die Hälfte der Weltproduktion an pfanzlichen Erzeugnissen kommt durch den gezielten Einsatz von Düngemitteln zustande.